Aeroflot Testbericht

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Erfahrungsbericht von Kayah

Hurra, ich lebe noch!!!!!

Pro:

günstig

Kontra:

zu viele Sicherheitsmängel

Empfehlung:

Nein

Es gibt noch einen großen Unterschied zwischen den Auslands-und Inlandflügen. Bei Auslandsflügen müssen sie eine gewisse Sicherheit vorweisen können, um überhaupt in Deutschland z.B. landen zu dürfen.


Interessanter wird es bei Inlandflügen. Da spielt man mit seinem Leben wirklich Russisch-Roulette. Bei den Inlandflügen sind es oft zweimotorige Tupolews, die seit 35 Jahren nicht mehr hergestellt werden. Vernünftige Ersatzteile gibt es für solche alten Maschinen nicht mehr, so wird improvisiert. Leider sieht man die Improvisation der Maschine an.


Ich habe zwei Briefreundinnen (eine in Moskau, die andere in St.Petersburg), die ich beide innerhalb zwei Wochen besuchen wollte. Ich habe von Düsseldorf eine Maschine mit der Lufthansa (suuuuuper Fluggesellschaft, aber das ist ein anderes Thema) gebucht, von Moskau nach St.Petersburg die Aeroflot und von St.Petersburg nach Düsseldorf wieder mit der Lufthansa. Innerhalb Russlands hat man leider nicht die große Wahl.


Der Flug mit der Aeroflot war ein Abenteuer und ist für herzkranke Menschen nicht geeignet. Es fing damit an, dass wir auf dem Flughafen Scheremetjewor zu Fuss(!) zu unserer Maschine gehen mussten, weil sie nicht genügend Busse hatten. Wir hatten auch öfters Querverkehr von Bussen, Koffertransportern und anderen Fahrzeugen. Ein Russe meinte, dass letztes Jahr nur 8 Menschen auf der Rollbahn überfahren worden wären und es viel gefährlichere Dinge in Russland gäbe. Na dann war ich aber beruhigt.


Je näher ich der Maschine kam, desto flauer wurde es mir im Magen. Die Außenhaut des Fliegers bestand nur noch aus Flicken. Innendrin sah es aus wie ein schlechtes Beispiel, wie man ein Flugzeug von innen nicht gestalten sollte. Die Bezüge der Sitze hatten unterschiedliche Farben und furchtbare Muster. Man konnte sie teilweise nicht mehr bewegen so dass wenn man einen Sitz in Liegestellung erwischt hat, eben liegend den Flug über sich ergehen lassen musste und auch das Essen.


Normalerweise verstaut man sein leichtes Gepäck oberhalb der Sitze in einen kleinen Stauraum, der sich verschließen läßt. Ein Stauraum war zwar vorhanden, aber dort war weder Platz (Müll vom Vorgänger, alte Zeitungen) noch hatten sie eine verschließbare Klappe (hatte die Maschine jemals eine gehabt?). Ich positionierte mein Gepäck also unter dem Sitz, was nur möglich war, weil keine Schwimmweste vorhanden war.


Beim üblichen Blick aus dem Kabinenfenster, zwecks Beobachtung des heftigen Treibens auf dem Flughafen, konnte ich aufgrund eines plötzlichen Wetterumschwungs - uups, doch nicht, die Scheiben waren blind - nichts erkennen.


Anschnallgurte funktionierten nicht, aber die kleinen Warnlampen, die anzeigen, dass man sie anlegen sollte auch nicht. Warum auch.


Das Essen kann man sich sparen, außer man möchte ausprobieren, wieviel der Magen in Extremsituationen aushält. Die Toiletten hat man von Anfang an gesperrt, weil man vergessen hatte, Frischwasser aufzutanken. Die Stewardess meinte, der Flug sei ja kurz. Naja, dachte ich, zur Not habe ich ja noch die Kotztüte, oder doch nicht? Nee, natürlich nicht, wie die ganzen Sicherheitsausstattungen auch nicht. Hätte mich jetzt auch gewundert.


Das Flugzeug schien auch nicht mehr ganz dicht gewesen zu sein; auf jedenfall hatte man mit den Druckausgleich zu kämpfen.


Unterhaltung an Board? Fehlanzeige! Zumindest hätte man die Passagiere, die sich auf ihre Trommelfälle, den Magen und den Darm konzentrierten, damit ablenken können. © Kayah13


Zu erwähnen sei hier noch die Landung. Bevor der Pilot landet, nimmt er das Ziel (hier Flughafen) ins Visier und macht mehr einen Fall-Sturzflug nach unten, d.h. erst geht die Nase des Flugzeugs um 45° nach unten und man rast in Richtung Boden, und dann plötzlich fliegt es waagerecht und die Maschine fällt Stück für Stück (erinnert an den fliegenden Teppich auf der Kirmes und fühlt sich so an). Die Landung war dementsprechend hart.
Ich fragte die Stewardess aus Spass, wo der Pilot fliegen gelernt hat. Sie antwortete darauf: "Beim Militär". Alles Klar!


Als ich aus der Maschine endlich herauskam, wollte ich wie der Papst am liebsten den Boden küssen!
Na dann, nasdarowje!

45 Bewertungen, 3 Kommentare

  • anonym

    11.09.2004, 22:26 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hi, klingt ja fast so abenteuerlich wie die Spantax (gibt es die überhaupt noch ?) mit denen ich mal nach Mallorca (von HH aus) geflogen bin, auch da habe ich den Boden geküßt nach der Landung ... Okay, der Hinflug und die ganze Anreise war

  • stern.schnuppe

    26.08.2004, 02:07 Uhr von stern.schnuppe
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...mir wird schlecht!

  • antjeeule

    26.08.2004, 01:04 Uhr von antjeeule
    Bewertung: sehr hilfreich

    Kayah, das ist einer der ersten Berichte, die ich von dir gelesen habe. Da hat's mich echt gegruselt, weil ich doch unter Flugangst leide. ;-) LG, Antje