Age of Mythology (PC Strategiespiel) Testbericht

ab 19,92
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Erfahrungsbericht von magnifico

Hohe Strategie im Reich der Mythen

Pro:

Spieltiefe, graphische und soundtechnische Ausgestaltung

Kontra:

teilweise etwas zu kleine Karten

Empfehlung:

Ja

Wer schon immer einmal aktiv in den Trojanischen Krieg eingreifen, die Mysterien der ägyptischen Götterwelt erfahren oder Midgard im Hohen Norden betreten wollte, wird mit „Age of Mythology“ sicherlich seine wahre Freude haben. Zwar mag man aufgrund des Produktherstellers, der doch tatsächlich „Microsoft“ heißt, Bedenken haben, denn wer will schon ein Spiel, das vor Sicherheitslücken und Service-Packs, die mittlerweile schon ganze CDs füllen? Allerdings sollte das letztlich kein Hinderungsgrund sein, denn das Spiel, soweit ich das bisher ersehen kann, kommt auch ohne die mittlerweile kursierenden Patches sehr gut aus und verdient, anders als (frühere) Software-Produkte von MS, ohne Zweifel Beifall und Anerkennung.

Das Spiel selbst ist ein Strategiespiel in Echtzeit, wie man es von den Legenden dieser Sparte, angefangen bei WarCraft und Age of Empire her kennt. Es geht in erster Linie darum, mittels durchdachter Siedlungspolitik Rohstoffe abzubauen und neue Technologien zu erforschen, gleichzeitig allerdings auch den Militärsektor nicht zu vernachlässigen, denn neben wilden Tieren sind es vor allem auch die lieben Gegner, die nicht unbedingt darauf warten, dass man zum Kampf bereit ist. Verschiedene Gebäude, die jedes für sich eigene Aufgaben wahrnehmen kann und entsprechende Einheiten generiert, stehen ebenso wie die unzähligen Einheiten zur Verfügung, um der individuellen Strategie – Nadelstich-Taktik oder Overkill-Plan – Ausdruck verleihen zu können.

Nach meiner Erfahrung neu, zumindest aber alles andere als „ausgelutscht“, ist der Umstand, dass es nicht nur drei verschiedene Völker, Griechen, Ägypter und Wikinger, gibt, die sich im Layout unterscheiden. Vielmehr zeichnet jede Nation, neben den ihr eigenen Gottheiten, auch eine Masse an unterschiedlichen Einheiten aus und, wesentlicher Unterschied, eine ausdifferenzierte Siedlungsmentalität. So kennen die Wikinger mobile Vorratslage in Form von Ochsenkarren, die zu den Rohstoffen, Wäldern, Mienen oder Farmen, gefahren werden können, wohingegen die Ägypter mit ihrem Pharao in blitzschnell neue Gebäude errichten können und die Gunst der Götter, um die die Wikinger buchstäblich kämpfen müssen, mit Monumenten erlangen. Die Griechen schließlich erflehen die Gunst der Götter in ihren Tempeln herab und sind in puncto militärische Einheiten führend.

Neben den „Sterblichen“ sind bei Age of Mythology aber auch die Götter im Spiel, die zwar nicht aktiv unmittelbar im Spiel auftreten oder zum Einsatz kommen, wohl aber durch „göttliche Zauber“ erheblichen Einfluss nehmen können. Jedes der vier Zeitalter wird durch die Anbetung einer „niederen Gottheit“, die vom übergeordneten Hauptgott abhängig ist, „betreut“. Sobald die Voraussetzungen für einen Aufstieg vorliegen, stehen dem Spieler zwei verschiedene Untergötter zur Auswahl, die über verschiedene Fortentwicklungen, Einheiten und Zauber gebieten. Insgesamt sind es 36 Gottheiten, die gerade auch über die Zufallskarte „ausprobiert“ werden können.

Als dritter Punkt, der Age of Mythology auszeichnet, sind schließlich noch die mythischen Einheiten zu benennen. Diese können nur mit Hilfe der erworbenen Gunst der Götter herbei gerufen werden, sind dafür aber auch den sterblichen Einheiten überlegen. Während die Ägypter hier etwa mit dem Feuervogel Phönix einen hervorragenden fliegenden Flammenwerfer herbeirufen können, steht den Griechen mit der entsprechenden Gottheit die Medusa zur Verfügung. Die Wikinger haben mächtige Feuer- und Frostriesen, die an ihrer Seite dem Gegner einheizen oder diesen im Eis erstarren lassen.


Mit Hilfe ist das Spiel beeindruckend. In bis zu 1280x1024 und 32-bit-Farbtiefe kann der Spielplan ausgebreitet und in spektakulärer 3D-Grafik genossen werden. Auch die Soundeffekte unterstützten die Atmosphäre, die im Reich der Mythen und Legenden unentbehrlich ist. Auch die Sprachausgabe, die das Schlachtengebrüll der Regulären wie auch die spezifischen Laute der mythischen Einheiten zum Ausdruck bringt, ist gelungen. Indem weiterhin jede Einheit eine eigene Animationssteuerung hat und schließlich auch jeder Effekt, insbesondere natürlich die göttlichen Zauber, keineswegs animationsarm ausgestaltet sind – der Tornado etwa wirbelt sehr detailliert Gebäude und Einheiten herum und lässt diese nicht einfach nur „verschwinden“ – wird das Spiel auch in diesem Bereich zum Genuss.

Gespielt werden kann sowohl als Single-Player wie auch als Multi-Player – bezüglich letzterem fehlt mir allerdings jede Erfahrung, weshalb ich da nicht näher darauf eingehe. Im Single-Player-Bereich kann man einmal die Kampange und zum anderen Zufallskarten durchspielen. Im Kampangen-Bereich startet man als Verteidiger von Atlantis mit Arkantos, dem Admiral des legendären Reiches. Der Hafen will verteidigt werden, anschließend gilt es, den Griechen im Kampf gegen Troja beizustehen. Ein Abstecher ins Reich des Hades, den Erebos, eröffnet neue Herausforderungen, für deren Meisterung unter anderem der tote Gott Osiris in Ägypten wieder zum Leben erweckt werden muss. In Midgard gilt es schließlich, den ausbrechenden Titanten Kronos mit Thors Hilfe zu verkerkern, bevor das Finale auf Atlantis ansteht. Angenehm ist dabei, dass nicht Schema F in puncto Aufbaustrategie angewandt wird. Teilweise muss man eine bestehende Siedlung übernehmen oder, auch nicht reizlos, alleine mit den zur Verfügung stehenden Einheiten Feinde bekämpfen und bestimmte Ziele erreichen, ohne dass eine sprudelnde Wirtschaft im Hintergrund stets neue Unterstützung gebiert.

Das Spiel ist meines Erachtens ein gelungenes und dank der allgegenwärtigen Erläuterungen auch informativ nicht zu verachtendes Spiel, das Stunden oder sogar Tage an Spielspaß und Abwechslung bietet. Die in der Kampange eingebetteten Zwischenvideos sind zwar etwas grell bunt geraten, in den übrigen Bereichen allerdings sehr schön und ohne Abstriche zu loben.

Die Systemvoraussetzungen sind dabei auch nicht unnötig hoch ausgefallen:

Es sollte ein Pentium 450 mit 128 MB RAM und 1 Gigabyte Festplatte sein, dazu eine 3D-Grafikkarte mit 16 MB sein. Ich habe das Spiel eine Weile auf meinem alten P III 450 mit, zugegeben, 384 MB RAM ausprobiert, konnte hierbei allerdings auch bei 1024x768 und 16-Bit-Farbtiefe selbst bei „Großschlachten“ keine Tempobeeinträchtigung feststellen. Die Grafikkarte ist dabei, ebenso wie die fünf Jahre alte Festplatte, offenbar nicht überfordert worden. Wer also einen „modernen“ Rechner sein eigen nennt, dürfte keine Probleme haben.

Das Spiel lohnt sich meines Erachtens für alle, die Freude an Echtzeit-Strategie haben und nicht unbedingt Science-Fiction-Szenarios oder Völkerschlachten benötigen. Die mir bisher begegnete maximale Einheitenzahl lag so bei 150 Einheiten, von denen rund 60 Kampfeinheiten gewesen sind. Ganze Hundertschaften dürften sich bei Age of Mythology kaum kommandieren lassen. Auch ist, anders als bei anderen Strategie-Spielen, der zeitintensive Ausbau der Heimatbasis eher ausgespart worden. Es gilt zwar auch hier, möglichst schnell Ressourcen abzubauen, jedoch sind die Szenarien eher auf ein bis zwei Stunden angelegt – zumindest im unteren Bereich der vier Schwierigkeitsstufen.

Für alle, die auch am Add-On „The Titans“ interessiert sind, verweise ich auf die mittlerweile erhältliche Gold Edition von Age of Mythology, die dieses Add-On mitbringt und daher ein paar Eurp günstiger ist als die Einzelkomponenten.

21 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Cheris

    05.12.2004, 14:27 Uhr von Cheris
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super Bericht