Age of Mythology (PC Strategiespiel) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Müller

Age of Mythology - der ehrenwürdige Nachfolger??

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Age of Mythology:
-----------------


Genre :. Strategie

Entwickler :. Ensemble Studios

Herausgeber :. Microsoft

Multiplayer :. Ja

empf. Alter :. 12


Für viele ist Geschichte ein Buch mit sieben Siegeln. Wie war das noch mal mit Feudalherrschaft und Investiturstreit im Mittelalter? Wann hat Cäsar den Galliern eins auf die Mütze gegeben? Wieso hat Adam Smith ein neues Zeitalter der Nationalökonomie eingeleitet? Und wer zum Teufel war eigentlich dieser rotbärtige Typ, der in der Geschichte den Namen Barbarossa bekommen hat? Ein Computerspieler hat im Allgemeinen wenig Zeit, sich mit solch tief schürfenden Fragen zu beschäftigen - erst recht in einem Jahr der Marke 2002, in dem ein Top-Titel den anderen jagt. Aber das ist Licht im Dunkel: zum Glück gibt es die Ensemble Studios.

Diese helfen euch nämlich gerne weiter, solltet ihr damals im Geschichts-Unterricht gepennt haben oder an der Uni schnell in einen anderen Fachbereich geflüchtet sein. Mit Age of Empire\" gaben sie einen dichten Einblick in die Antike und den Übergang zum Mittelalter, das anschließend im Nachfolger zum Hauptthema wurde. Bis zum Schießpulver hin spielten Millionen von Fans mit der berühmten Johanna von Orleans oder Braveheart William Wallace. Und statt nun im dritten Ableger der megaerfolgreichen Serie mit Napoleon Deutschland zu erobern oder später auf Seiten Preußens die Deutsche Einheit herbeizuführen, schicken euch die Ensemble Studios wieder in die Antike zurück. Dieses Mal geht es allerdings weniger um historisch nachweisbare Fakten, sondern die Sagen, Mythen und Fabeln der Antike werden erzählt und in einer umfangreichen Kampagne zusammengefasst. Ihr befindet euch im Zeitalter der Mythologien, dem Age of Mythology.

Götter haben, mehr noch als heute oder im Mittelalter und wesentlich aktiver, die Geschicke der Menschheit gelenkt. Dabei waren sie nicht viel besser als ihre Schützlinge: Eifersucht, Neid, Hass, Liebe, Furcht und andere menschliche Grundeigenschaften waren Zeus und seinen Mannen auf dem Olymp nicht fremd. Nur eigene Interessen trieben sie an.

In der Zeit lebt Arkantos, berühmter und bei seinen Feinden gefürchteter Admiral der damals mächtigen Stadt Atlantis. Diese hat sich derzeit mit lästigen Piratenangriffen herumzuschlagen, deren Urheber nicht ausfindig gemacht werden können. Nach einem kurzen Abstecher nach Troja, das unter Arkantos Hilfe mit dem Pferde-Trick erobert werden kann, widmet sich der Held ganz der Jagd nach dem Feinden Atlantis. Dabei trifft er auf einem Zyklopen namens Gargarensis, der nichts Gutes im Schilde führt. Arkantos muss ihn aufhalten, um die Welt zu retten.

Die im letzten Absatz beschriebene Geschichte spielt ihr bereits am Anfang der langen Kampagne selbst nach. In mehreren Missionen belagert ihr Troja, bis anschließend die Idee zum Pferdebau aufkommt und ihr die Stadt von Innen infiltrieren könnt. Dabei kommen nicht nur menschliche Wesen zum Einsatz, ansonsten wäre der Titel Age of Mythology nicht gerechtfertigt. Mit Sagenwesen wie Schimären, Hydras und Zentauren zwingt ihr die Verteidiger Trojas in die Knie. Nach dem Abschnitt mit den Griechen, führt euch die Kampagne weiter durch das alte Ägypten bis hin in den hohen Norden, um die Tore Midgards zu durchschreiten.

Im Gegensatz zu Age of Empire\" wurde damit die Auswahl an Kriegsparteien enorm reduziert, nur noch drei Nationen sind verfügbar. Dafür hätten diese unterschiedlicher nicht mehr geraten können. Bei den Griechen werdet ihr noch das Gefühl haben, eines der beiden alten Spiele der Reihe zu steuern. Sie befehligen sich nicht viel anders als Römer, Engländer oder Franzosen. Dorfbewohner errichten Häuser und erwirtschaften Ressourcen, die Armee besteht aus Standardeinheiten, die für alle Zwecke einsetzbar sind. Auffällig allerdings, dass keine Steine mehr abgebaut werden müssen. Diese Ressource ist komplett entfallen, um eine andere hinzuzufügen: die Göttergunst. Letztere erlangt ihr, wenn ihr eure Götter lange genug anbetet. Bei den Griechen funktioniert dies einfach mit Hilfe eines Tempels und Dorfbewohnern, die auf eure Anweisung hin fortlaufend vor Zeus und co. auf die Knie fallen.

Die Ägypter dagegen beeindrucken ihre Herren lieber mit Monumenten, die sie überall in ihren Siedlungen aufstellen. Der Pharao ist die stärkste Persönlichkeit bei den Nilbewohnern, er beschleunigt die Rekrutierung von Truppen. Besonderer Vorteil: für Grundgebäude zahlen sie keine Ressourcen. Dafür sind größere Bauten umso teurer geraten. Die Wikinger sind das letzte Volk, das im eisigen Norden lebt. Sie verfügen über starke Truppen, Axtkämpfer errichten die Siedlungen. Arme Seelen werden zum Holzhacken und Nahrung sammeln geschickt, während Zwerge das Gold abbauen.

Der Aufstieg in immer höhere Zivilisationsstufen wurde beibehalten. Dieses Mal erhaltet ihr nicht nur jeweils neue Gebäude und Einheiten, sondern dürft euch einen neuen Untergott für das nächste Zeitalter auswählen. Dieser bringt einen mächtigen Zauberspruch mit, der einmalig in einer Partie angewandt werden darf. Etwa ein Meteorschlag, Blitze, magische Runensteine oder ein Gebäude, das automatisch Gold generiert. Zum anderen erlaubt er die Produktion einer neuen mythologischen Einheit, die über weitaus größere Kräfte verfügt als eure normalen Truppen. Dafür benötigt ihr für das Training von Sondereinheiten viel Göttergunst. Die Allzweckwaffe gegen die Haudegen sind die landesspezifischen Helden, etwa Arkantos. Diese sehen zwar oftmals ein wenig schwach auf der Brust aus, nehmen es aber mit Zentauren und Zyklopen auf.

Die Missionen des Einzelspielermodus sind sehr abwechslungsreich geraten, immer wieder andere Aufträge erwarten euch. Zudem sind oftmals Rambo- mit Aufbaueinsätzen kombiniert worden, an so mancher Karte werdet ihr über drei Stunden zubringen. Keine schnelle Action der Marke WarCraft III, Age of Mythology richtet sich eher an die ausdauernden Genießer unter den Echtzeitstrategen. Dafür werden diese mit einer riesigen Zahl an ausgewogenen, sehr gut gewählten Einheiten und wunderschön ausbaubaren Städten belohnt.

Als Bonbon erwartet euch die beste Grafik in einem Echtzeitstrategiespiel, die es - neben dem Rivalen von Blizzard Entertainment - derzeit in diesem Genre gibt. Soldaten, Monster und Tierwelt sind extrem detailliert animiert und modelliert, die 3D-Grafik zeigt vor allem in den Zwischensequenzen, was sie wirklich drauf hat. Zwar ist sie bunt geraten, erinnert aber nicht wie WarCraft III an einen Comic. Die Musikuntermalung ist völkerspezifisch und verdichtet die Atmosphäre.

Besser als WarCraft III? Sicherlich nicht, denn das konnte mit einem frischen, schnellen Gameplay, einer kinoreifen Story und vier genial entworfenen Völkern aufwarten. Allerdings kann Age of Mythology gleichziehen, da es Age of Empires II nicht bloß erweitert, sondern ein eigenständiges und ganz neues Spielerlebnis darstellt. Jetzt dürft ihr aufhören zu überlegen, womit ihr diese Weihnachtsferien verbringen wollt.

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