Alanis Morissette Testbericht

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Erfahrungsbericht von yorke

Frau Morissette zieht den Stöpsel raus

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Einleitung
Es gibt Bands und Musiker die einen seltsamen Status erleben. Sie können im Prinzip tun und lassen was sie wollen, ohne dabei bei den Hörern an Kredit und Respekt zu verlieren. Ein solches Beispiel dafür ist sicherlich die kanadische Sängerin Alanis Morissette, die seit ihrem großen Debut „Jagged little pill“ aus dem Jahre 1995 so etwas wie Narrenfreiheit besitzt. Sie ist zweifelsohne „Everbody´s darling“, hat die Musikpresse auf ihrer Seite und praktisch niemand auf der Welt würde es jemals wagen, Königin Alanis zu widersprechen.....*g*
Sind wir mal ehrlich, eine Alanis Morissette wird eigentlich nie wirklich kritisiert. Sie reiht sich erfolgreich in eine Liga mit REM, Nirvana, Chilli Peppers usw. ein. Alles Bands, die eigentlich jeder irgendwo gerne hört.....
Und wie es ein ungeschriebenes Gesetz sagt, muss man als solcher Künstler spätestens nach dem 2. Album eine Best of Compilation herausbringen; oder wenigstens einen zünftigen Live Auftritt beim Musiksender MTV – nach Möglichkeit „ohne Stöpsel“ absolivieren. Alanis und ihre Plattenfirma Maverick Rec. (mit der „allmächtigen“ Chefin Madonna) entschieden sich für letzteres, und veröffentlichten im Jahre 1999 ein nettes Unplugged-Konzert mit insgesamt 12 Tracks.
Sicherlich ist nicht jede Künstlerin geschaffen für solche Unplugged-Events; Alanis meistert die Sache aber insgesamt ziemlich solide. „Hören“ wir uns die einzelnen Lieder dieses Konzerts mal genauer an:

Das Album

1.) You learn
Applaus am Anfang – Wer überhaupt die Gelegenheit hatte bei diesem Event beiwohnen zu dürfen, konnte sich glücklich schätzen....na ja wenn wir mal ehrlich sind – Besucher von Unplugged Konzerten sind zumeist Mitarbeiter der Musiksender, Plattenfirmen, enge Bekannte oder riesige Fans, die auch bei Ebay vor keinem Gebot für eine Karte zurückscheuen würden. Doch zurück zum wesentlichem:
You learn ist vom Debutalbum und ein ziemlich lässig gespieltes Stück. In den knapp 4.5 Minuten erkennt man aber schon deutlich den Charakter von Alanis´ Stimme – eine Eigenart, die sich in den 90ern ziemlicher Beliebtheit erfreute – dem „Wegkippen“ der Stimme beim Ausklingen der einzelnen Silben. Prominente „Stimmenwackler“ waren u.a. auch die Frontfrau von den Cranberries oder die Sängerin von K´s choice.
Die Instrumentalbegleitung ist typisch „unplugged“, also eher zurückhaltend und selbstverständlich geben hier rein akustische Instrumente wie Piano, Akustikgitarre etc. den Ton an.
Insgesamt kein besonders auffälliger Einstieg – hat aber gerade im Refrain und im Zwischenpart einige aufbrausende und dynamische Momente......
Bewertung : 3

2.) Joining you
Ein trauriges Moll – Intro auf Akustik Gitarre. Eine etwas nachdenklich Alanis, die in einer monotonen Stimme die erste Strophe heruntersingt. Zweite Strophe – Alanis wechselt in die obere Oktave und wird unterstützt von einem genialen Basslauf.
Der Refrain erscheint mir von der Stimme ziemlich „gepresst“ und das schon nach dem 2. Song....normalerweise hätte man erwartet, dass Alanis frühestens bei der 3. Zugabe anfängt zu wanken...*g*......vielleicht ist es aber auch nur Stilmittel um Verzweiflung und Nachdenklichkeit besser auszudrücken.....
Bewertung: ebenfalls 2 –

3.) No Pressure over cappuccino
Spätestens hier wird uns klar, dass man bei diesem Konzert nicht die “Rockende” Alanis hören wird, sondern die gaaaanz sentimentale und mit einem esoterischem Touch behaftete Alanis. Eine Ballade zäh wie Kaugummi, die begleitet wird von einem netten Streichquartett. Richtig Begeisterung möchte aber bei mir nicht aufkommen. Eher Müdigkeit und ein wenig Langeweile......
Bewertung: 3 -

4.) That I would be good
Ein Gassenhauer……ein Sommerhit……naja nicht ganz. Aber auf jeden Fall der größte „Hit“ dieses Unplugged Albums. „That I would be good“ ist eine zuckersüße Ballade (was auch sonst), die mit einem zwar eingängigem aber genialen Akkordmuster eröffnet wird. Eine ein wenig von Selbstmitleid geplagte Alanis haucht sanft ihre Verse ins Mikro....Eine luftige Piano Begleiterung lockert den ganzen Song ziemlich auf. Das Schlagzeug wird auch hier nur behutsam gestreichelt und vom Streicherquartett eingeschlossen.
Zum Ende greift Alanis zu einer Querflöte und läutet das sanfte Finale ein.....dass sie keine Virtuosin auf diesem Instrument ist, wird ziemlich schnell klar, macht das Solo aber um so sympathischer. Da verzeiht man ihr auch schon mal den einen oder anderen nicht getroffenen Ton....
Bewertung: 2

5.) Head over feet
Ein weiterer Song ihres Debutalbums, und es erscheint so, als würde Alanis ein wenig aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen. Ein recht dynamischer Song, der aber vor allem durch das von ihr doch (absichtlich ???) schlechte Mundharmonikazwischenspiel auffällt....Insgesamt ist „Head over feet“ ein erfrischender Song, der fröhlich vor sich hinplätschert.
Bewertung: 3 +

6.) Princess familiar
Mein absoluter Lieblingssong dieser Unplugged Session, was nicht zuletzt an den genial gespielten Gitarren liegt. Anscheinend bin ich eh ein 12 Saiten Fetischist *g* , denn genau diese ertönt im Intro. Princess familiar ist irgendwie eine Mischung aus flott gespielt und trotzdem vor sich hinwankend.... Ein Song der sich nicht wirklich auf eine spezielle Eigenart entscheiden kann.
Die Pianobegleitung ist ebenfalls ziemlich komplex und genial arrangiert. Alanis schöpft in diesem Song (leider) zum ersten Mal ihren völligen Stimmumfang aus, welcher in meinen Augen ein unglaubliches Potential hat. Der Wechsel zwischen leisen und lauten Passagen ist gesanglich wie auch vom Instrumentalspiel genial umgesetzt wurden.
Bewertung: ne glatte 1

7.) I was hoping
Mmmmhh….so wie beim Vorgänger könnte es eigentlich weitergehen….jedoch kommt mit „I was hoping“ wieder ein äußerst zäher Song der die ersten 4 Minuten ziemlich lustlos vorantreibt, dann aber zu einem kurzen Finale erwacht und von „zäh“ in kraftvoll und dynamisch umschwenkt....leider nur für einige wenige Sekunden.
Bewertung: wegen dem Outro noch eine 2 –

8.) Ironic
Klar - Wer Alanis sagt, muss auch “Ironic” sagen – einer, wenn nicht der erfolgreichste Song der Kanadierin. Jedoch kommt der Song bei dieser Session ziemlich lustlos und steril herüber. Einziges Highlight ist in meinen Augen noch die schwebende Hammond Orgel Begleitung, aber ansonsten ist Ironic nur ein durchschnittlicher Song, der viel von seiner dynamischen Eigenart eingebüst hat.
Bewertung: 3

9.) These R the thoughts
Spannungsvolles Piano Intro – eine ebensolche Alanis, dieser Song macht wirklich neugierig, gerade weil er sich nicht sofort den Zuhörer in seinem vollen Gewand präsentieren will. Etwas mystische schleicht er sich heran und steigert sich von Sekunde zu Sekunde in punkto Dynamik und „Lautheit“. Jede Strophe reiht sich eine Instrumentengruppe mehr ein, bis irgendwann die komplette Band Alanis unterstützt.
Dann wieder ein Rückzug......ein 2. Intro sozusagen. Dann jedoch erwacht der Song schlagartig, und breitet sich kraftvoll aus....
Bewertung: 1 –

10.)King of pain
Moment mal……irgendwo schonmal gehört…..??? Ja.....Alanis „verging“ sich hier an einen Song von Sting (Police). Das Wort „verging“ ist aber in keinem negativen Zusammenhang zu verstehen, denn „King of pain“ ist eine durchaus gelungene Coverversion, die vor allem durch den Backgroundgesang vom Keyboarder Deron Johnson einen gewissen Charme entwickelt. Auch dieser Song lebt von der wechselhaften Dynamik und schaukelt sich am Ende richtig hoch...
Bewertung: 2

11.)You oughta know
Ihre Debutsingle, mit der sie auch in Europa den Durchbruch schaffte. Im Original ein ziemlich „rotziger“ Song, der durch verzerrte Gitarren, einem schnellen Drumbeat und einer „bösartigen“ Alanis auffällt. Die unplugged Version ist das komplette – der Song wurde komplett umgekrempelt und erscheint in einem komplett neuem Gewand. Eine butterweiche Ballade, begleitet von sanften Streichern. Wer mal die Originalversion gehört hat, wird diesen Song in einem ganz besonderen Licht sehen....
Bewertung: 1

12.)Uninvited
Uninvited ist ähnlich aufgebaut wie Song 9 – ein spannungsreiches Piano Intro, diesmal aber noch gestützt von einigen indischen Percussionelementen, was ihm wieder diesen Alanis typischen esoterischen Touch gibt. Nach knapp der Hälfte des Songs erwacht auch dieser Song aus der Lethargie und treibt mit kraftvollem Schlagzeug aber in einem zähen Tempo zum Ende. Ein Song, wie er nicht typischer hätte sein können......Applaus...
Bewertung: 2 +

Fazit
Dieses Album ist sicherlich kein Meilenstein, bietet aber solide Einblicke in die Musik von Alanis. Ein Album mit wenigen Höhepunkten und vielen zähen Songs, die es manchmal ein bisschen langweilig erscheinen lassen. Doch zum Glück gibt es Tracks wie „Princess familliar“ oder „The R the thoughts“, die das Konzert immer wieder ein wenig auflockern.
Unplugged Sessions haben immer etwas sehr eigenes. Man vergleicht Songs zur Originalversion, fühlt sich in eine relaxte Atmosphäre versetzt und hört oftmals Musiker von einer ganz anderen Seite......vielleicht ein wenig „privater“....?? Jedoch treffen all diese Punkte bei diesem Album nur bedingt zu. Es reicht bei weitem nicht an Sessions wie die von Nirvana oder Alice in chains heran – dazu klingt es einfach zu abgeklärt und routiniert.
Kurzum – diese CD ist eine solide Compilation mit einigen wirklich herausragenden Stücken, aber auch leider mit viel Tiefgang.....dennoch noch gut genug für 4 Sterne.
MfG
Yorke

26 Bewertungen, 5 Kommentare

  • lauraloreen

    28.09.2002, 15:53 Uhr von lauraloreen
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich finde sie klasse :-)

  • Jedde

    29.05.2002, 21:08 Uhr von Jedde
    Bewertung: sehr hilfreich

    Juhu kleen Yoke is wieda doaaa *freeu*

  • hotte07

    29.05.2002, 16:00 Uhr von hotte07
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich hatte das Album schon in den Fingern und habe es mir´damals dann doch nicht gekauft, weil das Geld sonst nicht mehr für einen Döner gereicht hätte. Dein Artikel hat mich daran erinnert, dass ich das Album später kaufen wollte.

  • soulfly1972

    29.05.2002, 15:58 Uhr von soulfly1972
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ist aber trotzdem ein nettes Album. Habe Alanis live gesehen bei Rock am Ring 1999. War ein klasse Konzert !

  • blauersafir

    29.05.2002, 15:58 Uhr von blauersafir
    Bewertung: sehr hilfreich

    hört sich nicht schlecht an! gut beschrieben, aber sehr lang, meine armen augen...schau auch mal bei mir vorbei, gruss blauersafir