Erfahrungsbericht von Tiger
Für 5 Sekunden ins Kino – ich glaube nicht
Pro:
Die Szene mit dem Elefanten Das schöne schwarze Pferd
Kontra:
Langweilige Handlung Blaße Charaktere nicht einmal unterhaltsame Schlachtenszenen
Empfehlung:
Nein
Die Geschichte
Ja, was ist eigentlich passiert...?
Alexander ist der Sohn Philipp II, seines Zeichens König von Makedonien. Seine Mutter, Olympias, haßt den Vater und es wird ein paar mal eingedeutet, Alexander sei gar nicht von ihm.
Wie dem auch sei, Olympias versucht den Sohn voll und ganz auf ihre Seite und ab vom Vater zu bringen. Das gelingt ihr nicht so ganz, warum bleibt unklar.
Als Philipp bei Festspielen umgebracht wird, folgt Alexander ihm auf den Thron, obwohl sein Vater neu geheiratet hatte und einen (allerdings sehr viel jüngeren) Sohn gezeugt hatte.
Als nun 20jähriger Mann beginnt der Feldzug des jungen Alexander: die Eroberung der Welt kann beginnen...
Die Geschichte klingt spektakulär und aufregend. Ist sie aber nicht. Die einzige Szene, die ich wirklich klasse fand, war die, in der Alexander mit seinem Pferd Bucephalos gegen einen Elefanten reitet. Beide Tiere steigen und das sieht wirklich toll aus. Leider dauerte die Szene nur 5 Sekunden. Der Anfang des Films bis zum Schriftzug „Alexander“ ist auch sehr schön und vielleicht das Spannendste am ganzen Film. Der Fairneß halber sollen diese guten Seiten des Films erwähnt werden.
Nun zu den schlechten Seiten:
Schauspieler
Leider hat keiner der Schauspieler irgend etwas aus dem Film gemacht, obwohl die Hauptrollen nicht von unbekannten Gesichtern besetzt worden sind: Anthony Hopkins („Das Schweigen der Lämmer“, „Dracula“, „Der Menschliche Makel“) als Ptolemaios, der die Geschichte von Alexander erzählt, Colin Farrell („Minority Report“, „Daredevil“) als Alexander, Angelina Jolie („Durchgeknallt“) und Val Kilmer („Top Gun“, „Batman Forever“, „The Prince of Egypt“) als seine Eltern und Jared Leto („Düstere Legenden“, „Fight Club“, „Durchgeknallt“, „Panic Room“) als sein Freund und Liebhaber Hephaistion.
Zu keiner der Figuren kann man ein Verhältnis gewinnen, alle bleiben sie blaß und unnahbar, keine menschliche Wärme kommt rüber. Vergleicht man diesen Film mit „Troja“, der auch ein schlechtes Drehbuch hatte, so kamen da wenigstens die Charaktere liebenswert rüber. Hier ist einem jede Figur ziemlich egal und das ist schade, denn für mich sind die Charaktere in einem Film ganz besonders wichtig.
Dramatik/Dramaturgie
Gibt es eigentlich eine? Von Anfang bis Ende dümpelt der Film dahin. Ab und zu kommen Rückblenden, bei denen man sich fragt, warum sie nicht chronologisch eingeordnet wurden. Zum Beispiel sieht man den Tod Philipps II. erst, nachdem sein Sohn in der Handlung schon jahrelang König ist.
Überflüssige Szenen häufen sich, dafür wurde an der Ausformung der Verhältnisse, die die einzelnen Figuren zueinander haben, gespart: Am Ende ist unklar, wie eigentlich Alexanders Verhältnis zu seinem Vater, seiner Mutter oder seiner Frau gewesen ist. Eigentlich weiß man nur, daß er Hephaistion liebt, aber nicht wie. Das ist alles.
Dem Film mißlingt es, einen von Anfang an zu fesseln. Gut. Es gelingt ihm aber auch im weiteren Verlauf nicht, die Handlung schleppt sich dahin und man fragt sich immer einmal wieder, wenn jemand stirbt „Wer war das denn jetzt?“
Schließlich fragt man sich, wann wohl die Szene mit dem Elefanten (bekannt aus der Kinovorschau) oder das Ende des Films kommen würde. Das ist kein gutes Drehbuch, das ist keine gute Dramaturgie!
Schlachtenszenen
Ich bin ein Freund guter Schlachtenszenen. Wenn sie gut choreographiert sind und man auch etwas erkennen kann (nicht wie bei den schnellen Schnitten der Schlacht in Helms Klamm in „Der Herr der Ringe II“). Meine Lieblingsschlachtenszenen sind aus „Der Herr der Ringe III“, „Braveheart“ und das Duell zwischen Johnny Depp und Orlando Bloom in „Fluch der Karibik“ (obwohl das eigentlich nicht zählt, ist ja eine Fechtszene).
Die Schlachtenszenen in „Alexander“ sind anders als die gängigen. Man sieht ein paar Mal die Heere aus der Vogelperspektive. Das ist nicht neu, nur weil man mit der Kamera tatsächlich einem Vogel folgt, aber es ist hübsch. Die richtigen Kampfszenen bestehen eigentlich nur in einem Durcheinandergerenne der Schlachtteilnehmer, umgeben von gelblichem Staub. Natürlich fließt auch ordentlich Blut.
Das ist einmal eine andere Art, eine Schlacht darzustellen, der Unterhaltungswert sinkt gegenüber der üblichen Kameraschwünge + Zweikämpfe aber erheblich.
Schöne Kampfchoreographie war auch nicht dabei.
Sprache: Englisch
Was mich an „Alexander“ zusätzlich verwirrt hat war, daß den ganzen Film über von „Alexander“ gesprochen wird. Kurz vor Schluß benutzt Ptolemaios aber ein (!) Mal die griechische Form, Alexandros. Was will uns das sagen? Vor allem, weil im Drehbuch vornehmlich lateinisierte Namen wie Attalus, Cleitus oder Darius auftauchen, die griechische Form (Hephaistion, Crateros) ist eher die Ausnahme. Dazu reden sie von „Herakles“ (lat. Form) statt von „Herkules“ (gr. Form). Es kann aber sein, daß dieser Fauxpas in der deutschen Übersetzung ausgemerzt wurde.
Das Schwierige an dem verwendeten Englisch des Films ist eigentlich nur, daß die griechischen Namen nach englischen Regeln ausgesprochen für uns fremd klingen. Daher kann es sein, daß man Namen, die man eigentlich kennt, nicht wiedererkennt.
Dazu kommt, daß die meiste Zeit geschrieen wird statt gesprochen und Olympias’ seltsamer „Zauberer-Akzent“ (rollendes R, tiefe Stimme etc.).
Musik
Der „Original Soundtrack“ ist von Vangelis. Manche werden noch das Lied „1492: Conquest of Paradise“ in Erinnerung haben, aus dem gleichnamigen Film. Aus seiner Feder stammen des weiteren die Filmmusik von „Blade Runner”, „Meuterei auf der Bounty“, „Terminator II“ und „Bruce Allmächtig“.
Wie die Hintergrundmusik dieser Filme ist auch die von Alexander weder schlecht, noch herausragend gut.
Fazit
„Alexander“ ist neben „Apocalypse Now“ und „Rendezvous mit Joe Black“ der langweiligste Film, den ich kenne. Nicht nur, daß der Handlungsverlauf schleppend und in großen Teilen dessen Begründung nicht nachvollziehbar ist, es ist einem auch egal. Weil man die Figuren nicht lieb gewinnen kann.
Ich kann nur raten, die Finger von dem Film zu lassen: man ärgert sich nur über die verlorenen (fast) drei Stunden.
Oder, in anderen Worten: That are three hours of my life I’m not gonna see again.
11 Bewertungen, 3 Kommentare
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12.04.2005, 10:22 Uhr von mummlerin
Bewertung: sehr hilfreichBericht glaube ich fast, in einem anderen Film gewesen zu sein. Ich fand den klasse!! Colin Farrell ("Nicht auflegen" finde ich fast den nervigsten Film aller Zeiten) hat doch super diesen arroganten, egoistischen, von Gefühlen zu Frauen und
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12.04.2005, 03:02 Uhr von Fantasy
Bewertung: weniger hilfreichIch glaube,du hast den Film einfach nicht verstanden.Ich hab ihn zweimal geguckt.Deshalb konnte ich auch die versteckten Informationen erkennen,die auch z.b. eine Erklärung dafür liefert,warum Olympia nicht wollte,das der Sohn beim Vater bleibt.D
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12.04.2005, 02:58 Uhr von modschegibbchen
Bewertung: sehr hilfreichwenn ich dein fazit so lese muss ich sagen, zu der überzeugung kam ich trotz aller vorliebe für geschichtliche themen auch. lg heike
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