Amaryllis Testbericht

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Erfahrungsbericht von Herby_S

Superblüten im Wohnzimmer

Pro:

Super-prächtige Blüten Geringer Pflegeaufwand

Kontra:

Krankheitsanfällig Leidet schnell Durst

Empfehlung:

Ja

Liebe Leserinnen und Leser!

Diesesmal will ich wieder mal über etwas \"Grünes\" berichten, und zwar eine der wohl prächtigsten Blumen, die man im Wohnzimmer halten kann. Es handelt sich um die Amaryllis, einem Zwiebelgewächs, das es im wahrsten Sinne des Wortes in sich hat.


Woher stamt die Amaryllis?
Unsere Amaryllis (oder auch Ritterstern genannt) stammt ursprünglich aus einem Gebiet zwischen Mexiko, Peru und Brasilien; dort wächst sie in Steppen- bzw. Waldgebieten und umfasst etwa 60 bis 70 Arten.

Ähnlich wie die meisten Zwiebelgewächse, an deren Blumen wir uns erfreuen, ist auch hier durch Zucht (vor allem in Holland, aber auch in den USA) eine der prächtigsten Zimmerpflanzen geworden, die uns alljährlich mit riesigen Blüten erfreuen. Und tatsächlich: diese Zwiebel lässt sich wirklich ganz einfach über mehrere Jahre hinweg regelmäßig zum Blühen bringen. Doch dazu später mehr....


Wie sieht die Amaryllis aus?
Wie erwähnt, handelt es sich hierbei um eine Zwiebelpflanze, die ähnlich aufgebaut ist, aus welcher wir unsere Speisen verfeinern. Nur, dass diese Zwiebel etwas größer ist. Die Zwiebel ist fast Kugelförmig, wobei an der unteren Basis ringförmig die ziemlich fleischigen und brüchigen Wurzeln hervortreten.

Die Größe: bei bester Pflege kann so eine Zwiebel einen Umfang von etwa 35 cm erreichen - im Vergleich: eine Bowlingkugel hat 50 cm Umfang!

Die Farbe der Zwiebel ist braun; etwa so wie Tulpen und ähnliche Gartenzwiebeln. Die äußerste (trockene) Schicht der Zwiebel darf hier keinesfalls abgeschält werden, da dies vermehrt zu Krankheiten führt (siehe später).

Aus der Zwiebel selbst wachsen gegenständig riemenartige Blätter, die eine Breite von etwa 3 bis 4 cm und eine Länge von etwa 30 bis 40 cm erreichen. Die Blätter sind leicht bogenförmig und können mitunter zum abknicken neigen. Diese Blätter sind einfarbig dunkelgrün und sehen eigentlich nicht besonders hübsch aus. Wohl ein Grund, warum diese herrliche Pflanze nach der Blüte immer wieder \"entsorgt\" wird; wären die Blätter etwas hübscher, so würden viele Leute sie gerne weiter kultivieren....


Wie \"pflegt\" man die Amaryllis?
Eigentlich ist die Pflege ziemlich einfach. Ich beginne mal damit, wie sie im Laufe der Entwicklung heranwächst und dabei gepflegt werden muss:

Generell möchte ich hier betonen, dass ich hier absichtlich keine Zeiten (Monate, Jahreszeiten) angebe, da dies je nach Bedürfnis unterschiedlich gehandhabt werden kann.

1. Neuer Austrieb
Dieser sollte erst dann erfolgen, wenn die erste Knospe sichtbar ist. Wurde die Amaryllis im Vorjahr optimal gepflegt, dann zeigen sich als erstes nach der Ruhezeit die Spitzen der Knospe. Beginnt man jedoch noch nicht mit der Pflege, dann wächst die Knospe noch nicht heran. Will man die Zwiebel zum Blühen bringen, beginnt man mit dem Ansetzen. Dabei wird die Zwiebel komplett aus der Erde genommen und die Wurzeln werden gesichtet. Komplett trockene Wurzeln sind zu entfernen. Danach setzt man die Zwiebel wieder in normale Blumenerde (und zwar so tief, dass etwa 1/3 der Zwiebel aus der Erde herausragt), gießt leicht (!!) an und stellt die Pflanze hell und warm. Daraufhin sollte die Knospe zum Wachsen beginnen, sodass allmählich ein etwa 40 cm langer Blütenstiel entsteht, an dessen Ende die noch geschlossene Knospe ist. Gut gepflegte Zwiebeln können hier leicht 2 oder sogar 3 Blütenschäfte entwickeln. Bis zum Abblühen wird weiterhin nur mäßig gegossen.

Manche Zwiebeln lassen auch gleich Blätter mitwachsen - dies stört jedoch nicht. Nach etwa 4 bis 6 Wochen öffnen sich die ersten Blüten, wobei jede einzelne Blüte etwa 3 bis 5 Tage hält. Jeder Blütenschaft entwickelt meist eine gerade Anzahl von Einzelblüten, und zwar maximal 6 Stück.

2. Ende der Blüte
Sobald die Blüte einzutrocknen beginnt, ist sie oben (!) am Blütenschaft abzuschneiden. Dies verhindert, dass die Pflanze Samen bilden, die sich sowieso nicht zur Vermehrung eignen. Sie kosten der Pflanze lediglich Kraft, worauf die Blütenbildung im nächsten Jahr entweder ausfällt oder stark vermindert wird.

Der Blütenschaft ist jedoch so lange an der Zwiebel zu belassen, bis er komplett eingetrocknet ist. Der Grund liegt darin, dass die Zwiebel den Saft aus dem doch reicht dicken Stiel wieder zurückholt und somit wieder Kraft für das Wachstum gewinnt.

Während dieser Zeit sollten spätestens die ersten Blätter hervortreten. Die Zwiebel sollte spätestens jetzt so hell wie möglich gestellt werden.

3. Die Wachstumszeit
Diese erstreckt sich vom Ende der Blüte bis zur Ruhezeit - und sollte möglichst in der hellsten Jahreszeit statt finden. Also ist die beste Blütezeit um das beginnende Frühjahr.

Während der Wachstumszeit braucht die Amaryllis nur 3 Dinge: Viel Licht (möglichst in Form von direkter Sonnenbestrahlung), sehr viel Wasser und entsprechend viel Dünger. Die Pflanze verträgt sogar die Hitze hinter Glasscheiben, sodass man sie durchaus direkt am sonnigsten Fenster halten kann - und sollte. Gut wüchsige Pflanzen brauchen täglich reichlich Wasser und man sollte möglichst mit kalireichem Dünger arbeiten - dies fördert nämlich die Blütenbildung für das nächste Jahr.

4. Ruhezeit
Hier wird dann meist der größte Fehler bei der Pflege begangen: man lässt der Pflanze keine Ruhe, um die Blüten auszubilden. Diese Ruhezeit sollte mindestens 2 Monate dauern, idealerweise aber 3 Monate. Dabei wird die Pflanze weder gegossen noch gedüngt. Gegen Ende der Wachstumszeit schränkt man zusehends die Wasser- und Düngergaben ein, sodass die Pflanze zunächst zum Wachsen aufhört und später die Blätter \"einzieht\" - dabei werden die Säfte aus den Blättern in die Zwiebel zurückgesogen und die Blätter trocknen ein.

Besonders gut gepflegte Zwiebeln haben dermaßen viel Wasser und Nährstoffe gespeichert, dass die nicht daran \"denken\", die Blätter einzuziehen. Da die Ruhezeit jedoch unablässig ist für die nächste Blüte, muss man die Zwiebel dazu zwingen, sie einzuhalten. Sollte die Zwiebel daher nach etwa 3 Wochen ohne Wasser die Blätter nicht eintrocknen lassen, dann sind sie mit einem scharfen Messer abzuschneiden - und zwar etwa 3 bis 4 cm oberhalb der Blätterbasis. Also keine Angst: das tut der Pflanze besser als die Blätter dran lassen...


Wie viel Dünger braucht diese Pflanze?
Diesen Punkt habe ich bereits oben erörtert: siehe oben Punkt 3!


Wie oft muss umgetopft werden?
Auch das steht bereits geschrieben: siehe oben Punkt 1!


Wie sehen die Blüten aus?
Diese sind wirklich ganz imposant. Das Bild zeigt nicht die wahre Schönheit, da sie eine Variation zeigt, die eher kleine Blüten zeigt.

Es handelt sich dabei um trichterförmige Blüten in den Farben weiß bis rot oder orange (einfarbig, mit Zeichnung) mit meist weit herausragenden Staubgefäßen. Allergien sind mir bis dato nicht bekannt. Die Blüten selbst haben eine meist samtartige Oberfläche und halten - wie oben erwähnt - etwa 3 bis 5 Tage. Kühler stellen lässt die Blüten etwas länger halten - über 7 Tage ist es mir jedoch noch nicht gelungen.

Die Größe: meine extremsten Exemplare bilden Blüten in der Größe von etwa 25 cm Durchmesser - und zwar bis zu 6 Stück davon an einem Stiel. Und mit bis zu 3 Stielen an einer Pflanze. Wer so etwas einmal gesehen hat, ist schlichtweg begeistert....


Mit welchen Schädlingen muss ich rechnen?
Es gibt eigentlich nur eine einzige Krankheit, die vorkommen kann - und die ist ziemlich häufig und kann letztendlich einen gesamten Bestand von Zwiebeln kosten: der rote Brenner! Es handelt sich dabei um eine Viruserkrankung, die besonders dann auftritt, wenn die Zwiebeln zu tief gesetzt wurden. Das ist meist dadurch der Fall, weil man denkt, die Pflanze selbst hätte keinen ordentlichen halt. Also: lieber etwas weniger tief einsetzen und für eine alternative Stabilität sorgen (Stock, fester Draht) als die Gefahr des roten Brenners in Kauf nehmen.

Man kann vorsorglich vor dem Eintopfen die Zwiebeln in Grünkupfer- oder Ferbam-Lösung einlagern - wo man dieses Zeug bekommt, konnte ich noch nicht eruieren, da ich bis dato damit kein Problem hatte.


Kann ich die Amaryllis selbst vermehren?
Theoretisch ja: und zwar neigen manche Zwiebeln dazu, kleine Tochterzwiebeln auszubilden. Meist ist das jedoch ein Anzeichen dafür, dass man zu wenig düngt. Sollten solche Tochterzwiebeln auftreten, dann kann man diese abnehmen, sobald sie etwa die Größe von 3 cm Durchmesser aufweisen. Solche Zwiebeln können - da sie sowieso noch nicht blühfähig sind - auch im Winter ihre Blätter tragen, um sie schneller heranwachsen zu lassen.

Ein Hinweis: einige spezielle Züchtungen dürfen auf diese Weise nicht vermehrt werden. Zumindest verbietet dies der Inhaber der Züchtung. Ob man dennoch bestraft werden kann? Keine Ahnung...


Besonderheiten:
Diese Pflanze eignet sich ganz besonders für das halten in Hydrokultur. Bei dieser Kultivierung wächst die Zwiebel nicht in Erde, sondern in einer Nährlösung (= Wasser, in welcher der Dünger gelöst ist). Die Pflanze selbst wurzelt dabei in einem Topf, welcher mit Blähtonsteinchen (= Leca) gefüllt ist und seitliche Öffnungen hat. Dieser Topf steht dann in einem Gefäß, welche die Nährstoffe beinhalten.

Damit ist die Pflege noch einfacher: die Zwiebel wird einfach herausgenommen (geht leichter als in Erde) und die schlechten Wurzeln entfernt. Danach wird die Zwiebel wieder neu eingetopft und ein wenig Nährlösung gegeben. Die Zwiebel muss hier mindestens zu 50% aus dem Blähton herausgucken. Am Ende der Wachstumszeit wird einfach kein Wasser mehr gegeben, sodass allmählich die Nährlösung sinkt.

Bei Hydrokultur ist der rote Brenner kein Thema...


Und noch ein kleiner Hinweis: die Blätter kommen meist schubweise: es wachsen etwa 7 bis 11 Blätter auf einmal, danach kommen einige Tage (bis zu 4 Wochen) keine neuen Blätter. Danach wachsen wieder 7 bis 11 Blätter usw. Exakt dazwischen bildet sich der Ansatz für die nächste Blüte! Sollte dieser Umstand auffallen: das ist so in Ordnung!


Mein spezieller Tipp:
Wer sich über längere Zeit (mehrere Monate) über diese prächtigen Blüten erfreuen will, der kann sukzessive die Zwiebelnd zeitversetzt zum Treiben ansetzen. Da die Dauer vom Ansatz zur Blüte in etwa gleich lang ist, kann man die tatsächliche Blütezeit seiner Amaryllis künstlich in die Länge ziehen....


Mein Fazit:
Eine Pflanze für Liebhaber. Sie ist nur ein paar Tage bis Wochen ein schöner Anblick (Blüte), der Rest des Jahres führt sie ein stiefmütterliches Dasein. Dennoch: die Blumen sind es allemal wert, sie bei sich zu haben. Und ehrlich: soooo schwierig ist es nun auch nicht, sie zum Blühen zu bringen. Und der Aufwand ist eigentlich vergleichsweise gering....

Wegen der überaus prächtigen Blüten und dem an sich geringen Aufwand bei der Pflege vergebe ich hier gerne ein sehr gut.

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