Feucht (Taschenbuch) / Sophie Andresky Testbericht



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Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
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Erfahrungsbericht von mima007
Heiße Sessions für Literaten
Pro:
sinnlich, einfallsreich, gebildet, literarisch
Kontra:
leider keine Gebrauchsanweisungen für den erotischen Stellungswechsel
Empfehlung:
Ja
Mit ihrem Band von erotischen Stories ist der deutschen Schriftstellerin Sophie Andresky ein großer Publikumserfolg gelungen. Gerade mal 27 Jahre alt (vielleicht sogar das beste Alter dafür), hatte die Autorin für ihre erotische Kurzprosa bereits mehrere Preise eingeheimst. \'Feucht\' war 2000 ihr dritter Erzählband, inzwischen gibt es wieder einen: \"Tiefer\".
Die Erzählungen
Die meisten Geschichten sind im modernen schnodderigen Umgangston gehalten, doch die zwei besten sind eindeutig literarisch angehaucht und kommen klassisch daher. Andresky erzählt von meist jungen Frauen, die sich nach Leidenschaft und Sex sehnen und mehr oder weniger erfolgreich auch holen - häufig Anlass zu erheiternden Intermezzi. So trifft etwa die junge Sängerin, die sich mit dem Besingen von Gemüse-Werbespots über Wasser hält, den Mann für die Nacht mit Stimme und Beziehungen, muss aber feststellen, dass im präsumptiven Heldentenor auch nur ein armes Würstchen (wie sie selbst) steckt.
Die üppige Enddreißigerin schleppt ihre Mann aus der Chefetage in der Feinkostabteilung des Supermarkts ab - \"Pralle Frau im SSV\", so der reimende Titel. Beim erotischen Diner stellt sich dann der verwahrloste Sohnemann des Manns von Welt als wesentlich attraktiver heraus.
Die zwei besten Stories hat die Lektorin, die von der Autorin in dem letzten Beitrag (statt eines Nachworts) brieflich angeschrieben wird, leider ins letzte Drittel gestellt. In \"Die Leidenschaft des Tausendfüßlers\" wird das erotische Abenteuer von einem Schuhverkäufer herbeigeführt, der unsere junge Heldin in seinem Domizil nach allen Regeln der Kunst fußmäßig verwöhnt. Wohl der, die flexibel genug darauf einzugehen weiß! -
\"Tagelied\" ist die Bezeichnung für ein mittelalterliches Gedicht, in dem ein Liebender Abschied nimmt. Und mittelalterlich ist so manches an der gleichnamigen Geschichte. Iris taucht mit dem Mediävisten Gereon in seiner Kemenate in den Drogenrausch ab, um sich in Hieronymus Boschs Gemälde \"Garten der Lüste\" zu verlustieren. Doch das böse Erwachen folgt, als sich Mone, die Hausgenossin Gereons, als dessen Schwester herausstellt. Da versteht Iris leider die Welt nicht mehr und ergreift die Flucht.- In dieser Geschichte kommt die Autorin der Ebene von Thomas Manns \"Wälsungenblut\" verdächtig nahe.
Alles in allem ein paar nette, nicht allzu tiefgründige Beleuchtungen des alten Spiels.
Michael Matzer ©2003ff
Wunderlich Taschenbücher Nr.26278, 2000. 141 S., ISBN: 3-499-26278-9, 5.00 EU
Die Erzählungen
Die meisten Geschichten sind im modernen schnodderigen Umgangston gehalten, doch die zwei besten sind eindeutig literarisch angehaucht und kommen klassisch daher. Andresky erzählt von meist jungen Frauen, die sich nach Leidenschaft und Sex sehnen und mehr oder weniger erfolgreich auch holen - häufig Anlass zu erheiternden Intermezzi. So trifft etwa die junge Sängerin, die sich mit dem Besingen von Gemüse-Werbespots über Wasser hält, den Mann für die Nacht mit Stimme und Beziehungen, muss aber feststellen, dass im präsumptiven Heldentenor auch nur ein armes Würstchen (wie sie selbst) steckt.
Die üppige Enddreißigerin schleppt ihre Mann aus der Chefetage in der Feinkostabteilung des Supermarkts ab - \"Pralle Frau im SSV\", so der reimende Titel. Beim erotischen Diner stellt sich dann der verwahrloste Sohnemann des Manns von Welt als wesentlich attraktiver heraus.
Die zwei besten Stories hat die Lektorin, die von der Autorin in dem letzten Beitrag (statt eines Nachworts) brieflich angeschrieben wird, leider ins letzte Drittel gestellt. In \"Die Leidenschaft des Tausendfüßlers\" wird das erotische Abenteuer von einem Schuhverkäufer herbeigeführt, der unsere junge Heldin in seinem Domizil nach allen Regeln der Kunst fußmäßig verwöhnt. Wohl der, die flexibel genug darauf einzugehen weiß! -
\"Tagelied\" ist die Bezeichnung für ein mittelalterliches Gedicht, in dem ein Liebender Abschied nimmt. Und mittelalterlich ist so manches an der gleichnamigen Geschichte. Iris taucht mit dem Mediävisten Gereon in seiner Kemenate in den Drogenrausch ab, um sich in Hieronymus Boschs Gemälde \"Garten der Lüste\" zu verlustieren. Doch das böse Erwachen folgt, als sich Mone, die Hausgenossin Gereons, als dessen Schwester herausstellt. Da versteht Iris leider die Welt nicht mehr und ergreift die Flucht.- In dieser Geschichte kommt die Autorin der Ebene von Thomas Manns \"Wälsungenblut\" verdächtig nahe.
Alles in allem ein paar nette, nicht allzu tiefgründige Beleuchtungen des alten Spiels.
Michael Matzer ©2003ff
Wunderlich Taschenbücher Nr.26278, 2000. 141 S., ISBN: 3-499-26278-9, 5.00 EU
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