Angst - Lacrimosa Testbericht

Angst-lacrimosa
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Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  sehr gut
  • Klangqualität:  sehr gut

Erfahrungsbericht von Black-Rose

Rose kennt auch Angst

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Hallo Ihrs,

In den letzten Tagen habe ich entschieden einen grossen Schritt zu wagen. Ich möchte eine Serie über eine Gruppe schreiben, die eine Musik macht, die mich erstens in ihren Bann gezogen hat und zweitens für mein Leben undenkbar geworden ist.

Vor vier Jahren hörte ich sie zum ersten Mal und war begeistert von der Mischung aus Darkwave, Gothic und Klassik. Dazu eine Stimme und Texte, die ehrlicher und persönlicher nicht sein können und einfach unter die Haut gehen. Ich kann mich gut mit den Texten identifizieren.
Vielen sagt die Musik nicht zu, weil sie zu finster ist. Aber gerade das fasziniert mich und auch die extravagante Art und Weise der Verarbeitung verschiedener Stile zu einem aussergewöhnlichen Werk.

Finster macht traurig - finster macht melancholisch. Und das wollen viele nicht sein. Stimmt, weil sie den Mut dazu nicht haben. Aber es gibt Menschen, die stehen zu ihren Gefühlen, sprechen sie aus, schreiben sie auf und machen musikkalische Werke daraus und geben Kraft und Hoffnung.

Aber von wen oder was rede ich hier eigentlich?
Ich rede von LACRIMOSA einer Gruppe, die 1990 von Tilo Wolff gegründet wurde und auch sein eigenes Plattenlabel \"Hall of Sermon\" damit er sich uneingeschränkt entfalten kann.

Ein Jahr später erschien das erste Kapitel seines Gesamtwerkes, sein erstes Album, welches schlicht und einfach \"Angst\" heisst.

Wir alle haben verschiedene Ängste in uns. Doch wer ist in der Lage, offen und ehrlich seine Angst nach aussen zu zeigen. Vor allem wenn es um die Liebe geht, die uns verletzlicher als alles andere macht.

Liebe ist ein sehr wichtiges Thema in diesem Album. Allein gelassen, hilfesuchend, weinend, am Rande der Existenzlosigkeit, der Selbstvernichtung entgegenblickend und die Erinnerung verdrängend. Alles resultierend aus dem Schmerz der Liebe und alles ist schwarz.

In einer reichlichen 3/4 Stunde kann ich meinen Gefühlen Ausdruck verleihen und weiss, ich bin nicht allein.

Hier meine Kurzzusammenfassung zu diesem Album:
Eine \"Seele in Not\" geraten sieht sich im \"Requiem\" am Tor der Hölle. Nicht \"Lacrimamosa\", nein der Papst ist \"Der Ketzt\". \"Der letzte Hilfeschrei\" treibt die \"Tränen der Existenzlosigkeit\" ins Gesicht.

So habe ich die Titel in eine Geschichte gefasst. Denn das Album in sich ist eine Geschichte.

Worauf lässt man sich bei diesem Album ein?
Wie schon erwähnt, auf viel wahre Worte, geschrieben aus Wut, Blindheit und dem Drang danach gehört zu werden, auf extravagante melancholische Musik, die den Texten angemessen ist.

\"Seele in Not\" (9:21), so der erste Titel führt in das Geschehen ein. Mit Orgeltönen und einem zerrenden Geräusch, ähnlich dem Schreien von Möven, wird der Song eingeleitet. Ein Kampf aus der Not beginnt mit den Worten: \" Halte jetzt die Fackel an mein Gesicht…\"

Seine Seele in Not leidet und sucht den Weg zum Licht, zur Erlösung aus den Qualen der \"vergangenen Tage\"
Hilfe sucht er vor dem Ertrinken, \"doch kein Schiff in Sicht\".

Verloren in dem Schmerz der Liebe ist der am Ertrinken und weiss keinen Hilfeschrei. Die Liebe ist nur Illusion und das Baby, welches daraus entstand eine \"Lüge im ersten Atemzug\".

\"Blind vor Wut
Blind vor Schmerz
Taub aus Liebe
Stumm vor Angst
Ich verliere den Verstand\"

Das sagt alles, aber seine Erinnerung schiebt er fort. Er versucht abzuschliessen mit dem Thema, weil \"gemalte Bilder schmeicheln nur, denn wer malt schon, was so hässlich ist?\"




\"Requiem\" (9:40), der zweite Titel beginnt langsam und schwermütig mit sanften Klängen vom Piano.
Das Ende vor Augen sieht er sich:
\"als Engel am Tor der Hölle
Lucifer im Paradies\"

Er fleht um einen Augenblick.
In dramatischer Untermalung durch Schlagzeug und Streicher setzt er fort und ist bereit zu gehen.

Blind schaut er seinem Ende entgegen und fragt selbst noch:
\"ist es vorbei?
Ist es geschehen\"

Ende des Liedes ist fast heitere Drehorgelmusik.



\"lacrimamosa\" (5:16) ist ein Instrumentalstück. Dominiert vom Piano ist es für mich persönlich ein sehr ergreifendes Stück. Mit Schwere gefüllt, aber mit Licht erhellt.
Tränenreich lässt man vermuten, sowie die lat. Übersetzung von lacrima=die Träne.


\"Der Ketzer\" (7:12) ist nicht er selbst, sondern der Papst.
Orgel und HardRock Gitarrensound untermalen die Anklage an den Papst, der im Bund mit dem Satan zu stehen scheint. Hass ruht auf ihm, aber er vergibt im Namen aller.


\"Der letzte Hilfeschrei\" (5:12) ist für mich der angsterfüllteste Titel. Abgeschoben ins Abseits ins Exil in dem Sinne eine Irrenanstalt beteuert er, dass er doch gesund ist und will nur raus.
Er fühlt sich im stich gelassen, von seinen Eltern, Freunden und seiner Frau.
Er fühlt sich vergessen, bittet um Hilfe, hat Angst und schreit letztendlich nur um kompetente Hilfe.

Durchzogen ist der ganze Song mit Herzschlagegeräuschen und dem Piepen, wie man es von einem Gerät aus dem Krankenhaus kennt, wenn man an dieses angeschlossen ist. (weiss leider nicht den fachgerechten Namen dafür - klärt mich auf :) )
Am Ende erscheint das Todsignal.

Mit \"Tränen der Existenzlosigkeit\" (10:30) endet das Album, und das Thema von \"Seele in Not\" wird nochmals aufgegriffen, denn er hat nicht wirklich abgeschlossen.
Der Song beginnt ruhig mit melancholischen Keyboardklängen und der Gesang in Form eines Sprechgesanges setzt ein.
In \"Seele in Not\" hat er die Erinnerung verdrängt, hier ruft er sie sich wieder herbei. Er erinnert sich mit Schmerz ganz allein. Er sieht nur einen Ausweg und der heisst sterben, die Erinnerung sterben lassen: \"so hat es mich nie gegeben!\" endet der Song.

Somit endet das erste Kapitel und auch mein Versuch Euch diese CD zu beschreiben.
Aber wie schaut sie aus?
Das Cover ist im typischen Lacrimosastil d.h. mit dem Lacrimosalogo, dem Clown und in Schwarz-Weiss.
Eine Stadt überdeckt mit schwarzen Wolken und am Horizont die Sonne.

Das Booklet, ebenfalls in schwarz-weiss ist sehr hilfreich, da man manchmal die Worte nicht recht versteht. Dabei gibt es die Texte in deutsch, wie englisch.



Weitere Infos könnt Ihr unter
www.hall-of-sermon.de,
www.stolzesherz.de
und
www.lacrimosa.com
ergattern.

So, hier endet mein Bericht, wen es interessiert hier kommen noch die Songtexte.

So far einen lieben gruss von der
@}--}----






01 - Seele in Not
Halte jetzt die Fackel
An mein Gesicht
Ein Vogel gleitet übers Wasser
Doch er sieht mich nicht
Mein Schiff ist längst gesunken
Ich bin am ertrinken
Ich kenne so viele Hilfeschreie
Doch kein Schiff in Sicht

Nur verlorene Stunden
Nur verlorene Tage
Verloren wenn wir sterben
Verloren an was ?
Doch ich lebe
Ich lebe immer noch
Ich lebe
Als eine Lüge

Und die Liebe
Eine Illusion
Du tanzt im Licht der Zeit
Du tanzt in Eitelkeit
Eine leere Flasche
Und ich sterbe vor Durst
Keine Kerze hat mehr Feuer
Doch mein Herz verbrennt

Ich höre den Schrei eines Babies
Lüge im ersten Atemzug
Asche zu Asche - Staub zu Staub
Der sünde sei vergeben
Blind vor Wut - Blind vor Schmerz
Taub aus Liebe - Stumm vor Angst
Kann ich mich nicht mehr halten
Verliere den Verstand

Ich kenne nicht deine Stimme -
Kann dich ja nicht verstehen
Weiss nicht mal wie du aussiehst -
Habe dich ja nie gesehen
Kann nicht mal zu dir sprechen -
Nicht mal diesen Satz :
Ich liebe Dich !

Ich verfluche die Erinnerung Und schicke sie weit fort
Sie legt sich in mein Grab Und wärmt für mich den Sarg
Gemalte Bilder schmeicheln nur
Denn wer malt schon was so Hässlich ist ?



02 - Requiem
Als die Sonne den Tag verliess
Den Finger am Abzug
Die Flüsse im Dreck
Die Augen fest verschlossen, die Seele verkrampft
Die Erinnerung gefressen, Die Zukunft voller Angst
Ein Engel am Tor der Hölle
Luzifer im Paradies
Eine Jungfrau flüstert meinen Namen

In nomine patris, filii et spirituus sancti
Amen

Lass mein Licht noch brennen
Und gib mir deinen Namen
Seid Still
Und lasset mich leben
Nur diesen Augenblick
Nur noch einen Moment

Dann nehmt mich mit
Lasst mich noch beten
Lasst mich noch einmal fliehen
Ich komme zurück zu euch
Aber niemals zum Teufel

In nomine patris, filii et spirituus sancti
Amen

Wer schickt nach mir ?
Ich bin doch nicht blind
Und doch, ich kann nichts mehr sehen
Es ist soweit, habe ich recht ?
Darf ich noch etwas sagen ?
Hört mir noch jemand zu ?
Hat es noch ein Gewicht ?
Wer kann mich jetzt noch spüren ?
Ist es geschehen ?
Ist es vorbei ?
Ist es geschehen ?

03 - Lacrimamosa
Instrumental

04 - Der Ketzer
Selbstgerecht
Unfehlbar
Sündenlos
Du nennst dich Papst

Mit blutverschmierten Händen
Aus längst vergangenen Zeiten
Mit gespaltener Zunge
Tröstest du die Armen
Arm, weil du ihr Geld stahlst
Arm, weil sie dir glaubten
Oh Papst, du hast es weit gebracht
Ich weine um deine Seele

Herr der Fliegen
Satan
Du bist der Herr
Der Kirche
Im Namen Gottes
Tust du dein Werk
Her der Fliegen
Du bist der Papst
Unser Papst auf Erden
Dein Name vergehe
Dein Wille ist des Satans
Dein Reich ist die Hölle
Vergib uns unseren Hass
Wie auch wir vergeben deinem Fleisch

Deinem Fleisch - Des Satans Diener
Deinem Blut - Des Fleisches Kraft


05 - Der letzte Hilfeschrei
Wochen und Monate verstreichen
Und die Einsamkeit steht mir bei
Das ist der Lohn - eiserne Einsamkeit
Das ist der Alptraum meines Daseins
Alleine - vergessen - abgeschoben ins Exil
Keine Liebe, Wärme, Hoffnung nur die Sehnsucht brennt in mir
Ich hör nur Stimmen und Geschwätz
doch keiner redet je mit mir
Ich will hier raus - ich will hier weg
Ich weiss nicht mal was mir fehlt
Ich bin gesund...

Wo sind die Menschen, die mir ihre Liebe versprachen ?
Wo sind die Eltern, die mich zeugten ?
Wo sind meine Freunde, die zu mir standen ?
Wo ist die Frau, die mich liebte ?
Hat sie mich vergessen ?
haben mich alle vergessen ?
Hat man mich ausgesetzt ?
Hat man mich zurückgelassen ?
Kann sich denn keiner an mich erinnern ?
Kann mir keiner helfen ?
Bin ich denn ganz alleine ?
Und wo ist der Doktor ?
Wo sind die Schwestern ?
Ich brauche Hilfe !
Ich habe Angst !
Hilfe !


06 - Traenen der Existenzlosigkeit
Meine Augen der Angst sind geflohen
Mein Geist will sich mit mir verschliessen
Mein Herz ist verhungert
Und meine Seele blickt mich fragend an

Lasst uns tanzen lasst uns spielen
Lasst uns einfach nur glücklich sein
Lasst uns tanzen lasst uns spielen
Lasst uns die Erinnerung wieder beleben
Doch niemand wird mich hören
Wer soll mich denn auch hören ?
Ich bin doch ganz alleine !

Tagsüber haben wir gelacht und gespielt
Nachts sassen wir nur da und weinten
Wir haben nie begriffen, wie schön es war
Später wollte ich Schönheit schöpfen
Doch ich begriff sehr schnell
Ein Wurm verkriecht sich im Dreck
Und dort liege ich immer noch
Bereit zu sterben
Bereit zu verfallen
Bereit mich selbst zu vergessen
So wird keine Träne fliessen
So wird keine Seele trauern
So hat es mich nie gegeben !

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