Arbeiten im Ausland Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 08/2003
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Erfahrungsbericht von mariokoehler
Endlich Lehrertisch und nicht mehr Schulbank! - Meine Assistenz-Zeit.
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Mein Großvater war es, meine Mutter ist es, und mein Zwillingsbruder will es werden: Lehrer.
Natürlich wollte ich da eine Ausnahme machen und mich für einen anderen Beruf entscheiden... hat nicht geklappt.
Schon während meiner Wehrdienstzeit nahm ich mir vor, meinen Bruder in Frankreich zu besuchen, der (während ich meine Helmtarnung auf den Übungen verbesserte, den Feind beobachtete und mich auf dem Fahrerplatz des Kampfpanzers Leopard 2 A4 mächtig langweilte und mir eigentlich ziemlich blöd vorkam) in Frankreich als Deutsch-Assistent tätig war. Das Dienstzeitende rückte immer näher, und somit auch die Reise nach Frankreich. Gut gewappnet war ich ja... durch LK Französisch in Berlin.
Nie kam es für mich in Frage, sich mit Schülern herumzuärgern, ewig voller Kreidestaub zu sein und schlecht bezahlt noch obendrein. Doch der Besuch bei den Kollegen meines Bruders hat mich eines Besseren belehrt. Ich wurde herzlich aufgenommen und verließ nach dem Tag des Besuches die Familien in dem Glauben, sie eigentlich schon viel länger zu kennen.
Allerdings hatte ich eine andere Mission: Weiterfahrt Richtung Portugal, die Eltern besuchen und dabei am Strand braun werden. Und dort hat mich dann der Gedanke, vielleicht nicht auch ein Jahr nach Frankreich zu gehen, nicht mehr losgelassen.
Ich gebe zu, normalerweise wollte ich nach dem Sommer zu studieren anfangen - jedoch mit welchen Aussichten? Bei Psychologie muß man bis 3 Jahre auf seinen Studienplatz warten, und dann ist nicht mal sicher, wo die Universität sein soll. Und außerdem sind die Psychologen ja sowieso alle verrückt.
Nach Deutschland zurückgekehrt, bereitete ich meinen Auslandsaufenthalt vor. Dazu hat mein Bruder die Fäden gezogen. Eine Deutsch-Lehrerin, die an seiner Schule als Springer arbeitete, war nämlich auch an meiner Schule tätig. Und so hatte ich einen Ansprechpartner.
Die Deutsch-Assistentin vor mir war alles andere als motiviert, und so sollte es für mich doch ein Leichtes sein, Deutsch in Frankreich einen Aufschwung zu verpassen.
Ende September fuhr ich ohne Kind und Kegel, dafür aber mit dem Auto, viel Motivation und jeder Menge Sachen im Gepäck nach Guingamp, der 8000-Seelen-Metropole an der Côtes d\'Armor (Bretagne). Ich lernte sofort meine 3 Deutschlehrer kennen und bekam vom Direktor ein Zwei-Zimmer Appartement, direkt auf dem Schulgelände. Außerdem teilte ich mir einen weiteren Aufenthaltsraum, den \"Salon\" (und außerdem die Küche) mit den beiden anderen Assistenten (aus Irland und Mexiko kommend).
Bezahlt wurde ich auch. 2200FRF pro Monat (entspricht etwa 335,00EUR) - dabei kostete mich mein \"Appartement\" nichts, ebenso mußte ich keinen Eurocent für die Mahlzeiten bezahlen. (Die Lehrer hingegen legten für jedes Essen 6,10EUR auf den Tisch.)
Meine Arbeit bestand nun darin, die Schüler in Deutsch zu unterrichten. Dabei bekam ich meistens eine halbe Klasse von einem Deutschlehrer, nur, wenn der Lehrer mal abwesend war, hatte ich das Privileg, die ganze Klasse zu nehmen.
Meine Niveaus waren Klasse 7 bis 12 und BTS (eine Art Berufsschulklasse). Außerdem machte mir die in der Stadt ansässige Universität das Angebot, eine Gruppe von Studenten in Deutsch zu unterrichten. Das nahm ich natürlich an, und so verdiente ich mir noch ein kleines Zubrot (etwa 25,00EUR pro Stunde). Nicht schlecht für jemanden, der noch nicht einmal angefangen hatte zu studieren, oder?
Um nicht nur die gesprochene Sprache, sondern auch die schriftliche Sprache zu perfektionieren (oder zumindestens zu verbessern), nahm ich auch regelmäßig am Unterricht der 8. Klassen teil. Nicht als Schüler, sondern in hospitierdender Tätigkeit. Somit konnte ich die Grammatik auffrischen und verschiedene Lehrmethoden kennen lernen.
Alles in Allem hatte ich also bis zu 18 Stunden wöchentlich, davon bis zu 12 zu geben (oder manchmal auch mehr).
Hier einige Tipps:
Man muß nicht nur nach Frankreich gehen, wenn man Lehrer werden will. Auch für diejenigen, die mal hier studieren oder einfach nur die Sprache verbessern wollen, ist ein Assistenzposten genau das richtige.
Dabei ist es gar nicht so schwierig, hier eine freie Assistenzstelle zu bekommen. Viele Schulen nämlich würden händeringend jeden nehmen, den sie bekommen könnten.
Ich schlage vor, bei Interesse an privaten Schulen anzufragen. Dort differiert zwar das \"Gehalt\", aber das Ansehen ist besser. Wobei das nicht heißen soll, öffentliche Schulen seien nicht gut genug - im Gegenteil: oftmals bekommt man hier sogar mehr Geld, hat aber einen festen Studenplan und nicht so viele Freiheiten.
Der Vorteil im Kollegium ist, daß man als Assistent (und dann noch Ausländer) viele Privilegien genießt. Man wird oft eingeladen und erlebt deshalb auch viel.
Man muß die Arbeit mit Kindern (oder besser: Schülern) lieben. Wer Probleme hat, auf Meinungen einzugehen oder zu diskutieren, der wird es auch schwer haben, einen Namen zu machen.
Und noch eins: das Straßennetz ist (zumindest in der Bretagne) sehr gut. Da wird man schon einmal verleitet, den ein oder anderen Kilometer mehr zu fahren. Das geht aufs Geld, vor allem, wenn man keinen Diesel hat.
Könnte ich die Zeit noch einmal zurückdrehen, um irgendetwas am Frankreichaufenthalt zu verändern, würde ich mit Sicherheit nicht so viele Kilometer abspulen (25.000km seit September 2001). Vielleicht wäre ich mit einem Fahrrad oder den Turnschuhen besser bedient gewesen.
Fazit: Laßt Euch nicht die Möglichkeit entgehen, ein Jahr (oder Schuljahr) nach Frankreich zu gehen. Die Plätze sind vorhanden. Man muß nur nicht bei Agenturen anfragen, sondern bei den Schulen direkt.
Natürlich wollte ich da eine Ausnahme machen und mich für einen anderen Beruf entscheiden... hat nicht geklappt.
Schon während meiner Wehrdienstzeit nahm ich mir vor, meinen Bruder in Frankreich zu besuchen, der (während ich meine Helmtarnung auf den Übungen verbesserte, den Feind beobachtete und mich auf dem Fahrerplatz des Kampfpanzers Leopard 2 A4 mächtig langweilte und mir eigentlich ziemlich blöd vorkam) in Frankreich als Deutsch-Assistent tätig war. Das Dienstzeitende rückte immer näher, und somit auch die Reise nach Frankreich. Gut gewappnet war ich ja... durch LK Französisch in Berlin.
Nie kam es für mich in Frage, sich mit Schülern herumzuärgern, ewig voller Kreidestaub zu sein und schlecht bezahlt noch obendrein. Doch der Besuch bei den Kollegen meines Bruders hat mich eines Besseren belehrt. Ich wurde herzlich aufgenommen und verließ nach dem Tag des Besuches die Familien in dem Glauben, sie eigentlich schon viel länger zu kennen.
Allerdings hatte ich eine andere Mission: Weiterfahrt Richtung Portugal, die Eltern besuchen und dabei am Strand braun werden. Und dort hat mich dann der Gedanke, vielleicht nicht auch ein Jahr nach Frankreich zu gehen, nicht mehr losgelassen.
Ich gebe zu, normalerweise wollte ich nach dem Sommer zu studieren anfangen - jedoch mit welchen Aussichten? Bei Psychologie muß man bis 3 Jahre auf seinen Studienplatz warten, und dann ist nicht mal sicher, wo die Universität sein soll. Und außerdem sind die Psychologen ja sowieso alle verrückt.
Nach Deutschland zurückgekehrt, bereitete ich meinen Auslandsaufenthalt vor. Dazu hat mein Bruder die Fäden gezogen. Eine Deutsch-Lehrerin, die an seiner Schule als Springer arbeitete, war nämlich auch an meiner Schule tätig. Und so hatte ich einen Ansprechpartner.
Die Deutsch-Assistentin vor mir war alles andere als motiviert, und so sollte es für mich doch ein Leichtes sein, Deutsch in Frankreich einen Aufschwung zu verpassen.
Ende September fuhr ich ohne Kind und Kegel, dafür aber mit dem Auto, viel Motivation und jeder Menge Sachen im Gepäck nach Guingamp, der 8000-Seelen-Metropole an der Côtes d\'Armor (Bretagne). Ich lernte sofort meine 3 Deutschlehrer kennen und bekam vom Direktor ein Zwei-Zimmer Appartement, direkt auf dem Schulgelände. Außerdem teilte ich mir einen weiteren Aufenthaltsraum, den \"Salon\" (und außerdem die Küche) mit den beiden anderen Assistenten (aus Irland und Mexiko kommend).
Bezahlt wurde ich auch. 2200FRF pro Monat (entspricht etwa 335,00EUR) - dabei kostete mich mein \"Appartement\" nichts, ebenso mußte ich keinen Eurocent für die Mahlzeiten bezahlen. (Die Lehrer hingegen legten für jedes Essen 6,10EUR auf den Tisch.)
Meine Arbeit bestand nun darin, die Schüler in Deutsch zu unterrichten. Dabei bekam ich meistens eine halbe Klasse von einem Deutschlehrer, nur, wenn der Lehrer mal abwesend war, hatte ich das Privileg, die ganze Klasse zu nehmen.
Meine Niveaus waren Klasse 7 bis 12 und BTS (eine Art Berufsschulklasse). Außerdem machte mir die in der Stadt ansässige Universität das Angebot, eine Gruppe von Studenten in Deutsch zu unterrichten. Das nahm ich natürlich an, und so verdiente ich mir noch ein kleines Zubrot (etwa 25,00EUR pro Stunde). Nicht schlecht für jemanden, der noch nicht einmal angefangen hatte zu studieren, oder?
Um nicht nur die gesprochene Sprache, sondern auch die schriftliche Sprache zu perfektionieren (oder zumindestens zu verbessern), nahm ich auch regelmäßig am Unterricht der 8. Klassen teil. Nicht als Schüler, sondern in hospitierdender Tätigkeit. Somit konnte ich die Grammatik auffrischen und verschiedene Lehrmethoden kennen lernen.
Alles in Allem hatte ich also bis zu 18 Stunden wöchentlich, davon bis zu 12 zu geben (oder manchmal auch mehr).
Hier einige Tipps:
Man muß nicht nur nach Frankreich gehen, wenn man Lehrer werden will. Auch für diejenigen, die mal hier studieren oder einfach nur die Sprache verbessern wollen, ist ein Assistenzposten genau das richtige.
Dabei ist es gar nicht so schwierig, hier eine freie Assistenzstelle zu bekommen. Viele Schulen nämlich würden händeringend jeden nehmen, den sie bekommen könnten.
Ich schlage vor, bei Interesse an privaten Schulen anzufragen. Dort differiert zwar das \"Gehalt\", aber das Ansehen ist besser. Wobei das nicht heißen soll, öffentliche Schulen seien nicht gut genug - im Gegenteil: oftmals bekommt man hier sogar mehr Geld, hat aber einen festen Studenplan und nicht so viele Freiheiten.
Der Vorteil im Kollegium ist, daß man als Assistent (und dann noch Ausländer) viele Privilegien genießt. Man wird oft eingeladen und erlebt deshalb auch viel.
Man muß die Arbeit mit Kindern (oder besser: Schülern) lieben. Wer Probleme hat, auf Meinungen einzugehen oder zu diskutieren, der wird es auch schwer haben, einen Namen zu machen.
Und noch eins: das Straßennetz ist (zumindest in der Bretagne) sehr gut. Da wird man schon einmal verleitet, den ein oder anderen Kilometer mehr zu fahren. Das geht aufs Geld, vor allem, wenn man keinen Diesel hat.
Könnte ich die Zeit noch einmal zurückdrehen, um irgendetwas am Frankreichaufenthalt zu verändern, würde ich mit Sicherheit nicht so viele Kilometer abspulen (25.000km seit September 2001). Vielleicht wäre ich mit einem Fahrrad oder den Turnschuhen besser bedient gewesen.
Fazit: Laßt Euch nicht die Möglichkeit entgehen, ein Jahr (oder Schuljahr) nach Frankreich zu gehen. Die Plätze sind vorhanden. Man muß nur nicht bei Agenturen anfragen, sondern bei den Schulen direkt.
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