Arbeitslosengeld Testbericht

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Erfahrungsbericht von Stehberger

Arbeitslosigkeit – muss das sein?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es derzeit knapp 4.000.000 Arbeitslose, was einer Quote von fast 10 % entspricht. Und diese Zahlen und die eigene Unsicherheit des Arbeitsplatzes (bei uns geben sich die Unternehmensberater die Klinke in die Hand) brachten mich zum Nachdenken.

Als erstes fielen mir die Zeiten der Vollbeschäftigung in den 1960er Jahren ein. Da hatten wir soviel Arbeit, dass wir sogar Arbeitskräfte aus dem Ausland anwerben mussten, um die anfallende Arbeit zu bewältigen. Es mussten keine Beiträge mehr in die Arbeitslosenversicherung entrichtet werden. Das Erstaunliche ist, dass nach den Auskünften der damals Beschäftigten, die Arbeit damals weniger stressig war, klar die Arbeitszeit war damals noch länger, aber es wurde auch nicht von früh bis spät durchgearbeitet.

Dann überlegte ich mir, warum sich dieses geändert haben könnte. Als Gründe fielen mir die langsame Sättigung des Marktes (Güter die in den 1960ern noch die Ausnahme in einem Durchschnittshaushalt darstellten (Fernseher, Auto, etc.), waren in den 1970 fast schon überall zuhause) und die zunehmende Technisierung ein. Immer mehr Arbeitsplätze wurden durch Maschinen, Roboter und später Computer ersetzt. Was anfangs eine große Erleichterung für die arbeitenden Menschen war, stellt sich nun als Jobkiller dar. Aber, wenn ich Besitzer einer Fabrik wäre, wäre mir natürlich auch eine Maschine lieber, die zwar teuer in der Anschaffung ist, aber nicht wie ein Arbeiter auf 8 Stunden Arbeitszeit pro Tag begrenzt ist, keinen Urlaub beantragt, keine Krankheitszeiten hat und insgesamt mit Ihrem wirtschaftlichen Risiko besser zu kalkulieren und leichter zu ersetzen ist.

Damals forderten einige Personen (soweit ich weiß, auch Willy Brand) die Einführung einer sogenannten Maschinensteuer. Mir fiel dazu noch folgendes ein. Die Betreiber von solchen „arbeitsplatzersetzenden“ Maschinen hätten ja für die durch den Einsatz der Maschine wegfallenden Arbeitsplätze weiterhin die Sozialversicherungsabgaben (Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung, inzwischen auch noch Pflegeversicherung) zahlen können. Dann wären diese Versorgungen heute noch sichergestellt. Natürlich vorausgesetzt, dass der Staat, wie sträflicherweise in den 1960er Jahren geschehen, keine Entnahmen von überschüssigen Geldern vorgenommen hätte. Wären diese damals zur Finanzierung des Gesamthaushalts entnommenen Gelder in eine Rücklage geflossen (vor allen in der gesetzlichen Rentenversicherung), wäre das System der staatlichen Fürsorge heute sicherlich weniger marode.

Maschinen sollten eigentlich das Leben der Menschen, auch und vor allem der Arbeiter, vereinfachen. So wurden anfangs diese Maschinen (19. Jahrhundert) auch lobgepriesen. Die Realität sah jedoch schon damals anders aus, die maschinellen Webstühle kosteten viele Arbeitsplätze und drückten die Löhne der Weber unter das Existenzminimum. Selbstständige Weber mussten Ihre Arbeitszeiten drastisch erhöhen, um für Ihren Lebensunterhalt sorgen zu können. Arbeitszeiten von 12 bis 14 Stunden waren die Regel, 18 Stunden keine Seltenheit. Auch heute ist es so, dass der Einsatz von Maschinen bzw. Computern weniger Arbeitserleichterung als Arbeitsplatzverlust verursacht.

Die Wochenarbeitszeit wird nicht reduziert, sie liegt seit Jahren bei 35 bis 40 Stunden, je nach Tarifvertrag, obwohl die Arbeitslosenzahlen weiterhin steigen. Vielerorts werden Überstunden in sehr großen Mengen absolviert. Auch staatliche Institutionen sind hier nicht ausgenommen. Bei einigen Tarifverhandlungen werden sogar die Wochenarbeitszeiten mit der Begründung der Arbeitsplatzsicherung erhöht. Das widerspricht doch jeglicher Vernunft, wie kann man bei immer weiterschreitender Rationalisierung der Arbeit einen Arbeitsplatz sichern, indem ich die Arbeitszeit erhöhe. Klar, Wirtschaftsexperten würden mich jetzt mittels Zahlen, wirtschaftlichen Fakten und Vergleichsmodellen erschlagen wollen. Aber der Mensch wie Du und ich versteht doch da die Welt nicht mehr.

Nun war eine Zeit lang davon die Rede, die Arbeitslosigkeit dadurch zu senken, indem man sich auf sogenannte Dienstleistungsberufe konzentriert, bzw. die neue schafft. Nur, wenn es immer mehr Arbeitslose gibt, gibt es immer weniger Leute, die es sich leisten können, Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. In Amerika hat man ja die Arbeitslosenquote auch mit Hilfe solcher Modelle senken können. Nur ist dabei auch klar geworden, dass Dienstleistungsberufe zum Teil sehr niedrig bezahlt werden. Dies führte dann auch dazu, dass es dort Beschäftigte gibt, die 2 bis 3 gering bezahlte Arbeitsstellen haben (morgens 3 Stunden Pakete bei UPS sortieren, tagsüber im Supermarkt Tüten packen und abends noch für 4 Stunden Pizzaausfahrer) und mit dem Monatsverdienst können sie gerade mal Ihren Lebensunterhalt verdienen. Aber: Diese Leute tauchen nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auf.

Apropos Arbeitslosenstatistik. Die Arbeitslosenzahlen bzw. –quoten können international nicht verglichen werden. In einigen Ländern werden z.B. ausländische Arbeitslose nicht mitgezählt in Japan wiederum werden Langzeitarbeitslose (über 1 Jahr arbeitssuchend) nicht mitgezählt. Daher hat Japan auch nur um die 3 % Arbeitslose.

In diesem Zusammenhang: Argumente wie „viele Arbeitslose wollen doch gar nicht arbeiten“ finde ich derzeit unangebracht. Soll man doch erst mal denen einen Arbeitsplatz besorgen, die auch arbeiten wollen, was sicherlich die Mehrheit der Arbeitslosen ist. Erst wenn die Arbeitslosenzahl beträchtlich gesunken ist, kann man sich Gedanken machen, wie man die Verbliebenen wieder in die Arbeitswelt integriert. Durch diese Argumentation, in die auch die großen Parteien jetzt einsteigen, und deren Umsetzung, kann jedoch erreicht werden, die Arbeitslosenquote zu senken und gleichzeitig die verursachten Kosten durch Minderung des Arbeitslosengeldes bzw. der Arbeitslosenhilfe zu senken. Wer würde das nicht machen? Glaube nie einer Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast.

Nun wird argumentiert, dass wieder mehr Arbeitsplätze entstehen, wenn man die Arbeitgeber finanziell entlastet. Hat der Arbeitgeber mehr Geld zur Verfügung, stellt er auch neue Arbeitnehmer ein. Könnte das wirklich so sein? Der Grundsatz jeglicher Wirtschaftlehre ist doch möglichst großen Ertrag bei geringstem Aufwand zu schaffen. Viele Unternehmen haben Ihre Produktion doch bereits in Länder, in denen billiger produziert werden kann, verlegt. Erzielte Gewinne werden ja auch nicht in neue Arbeitsplätze investiert, sondern zur Entwicklung und Anschaffung neuer, Arbeitskraft sparender Maschinen, Weiterentwicklung der Produkte und Befriedigung der Aktionäre verwandt.

Dabei können wir von Glück sagen, dass wir eine schnelllebige Wegwerfgesellschaft sind. Technische Geräte werden nicht mehr bis zum Ende Ihrer Lebensdauer genutzt, vieles wird schnell ersetzt, um eben mithalten zu können. Gerade im Bereich Unterhaltungselektronik (das alte „Zeugs“ kommt auf den Müll) oder Kfz, wo die alten Autos in ärmere Länder des ehemaligen Ostblocks wandern und bei uns durch, meines Erachtens sehr teuere, Neuwagen ersetzt werden. Dies ist auch wirtschaftlich gefahrlos, weil man sich dadurch keine Märkte kaputtmacht.

Im Gegensatz zu anderen großen Wirtschaftsmächten haben wir eine soziale Marktwirtschaft. Das heißt, der Staat kümmert sich noch um die sozial Schwächeren, sorgt für ein soziales Netz, das einen in Notsituationen auffängt und eine Absicherung für Krankheitszeiten, Arbeitslosenzeiten und die Alterversorgung darstellt. Wir sollten stolz darauf sein, und auch weiterhin für den Erhalt dieses Netzes einstehen. Mit Erschrecken denke ich an die bereits bestehende Zweiklassen-Krankenfürsorge in Amerika, wo sich arme Leute keine guten Ärzte leisten können. Wer reich ist hat dort eine höhere Chance z.B. den Krebs zu besiegen. Ansatzweise ist dies ja leider auch bei uns schon der Fall, insbesondere denke ich hierbei an Zahnbehandlungen und die unterschiedliche Behandlung von Kassen- und Privatpatienten.

Was habe ich, als Nichtfachmann also für Vorschläge zur Senkung der Arbeitslosenzahl und die damit für den Staat verbundenen Kosten.

Eine einfache Rechnung (zugegebener Maßen könnte sie auch von einem Milchmädchen stammen) soll hier als Denkanstoß dienen: Wir haben 4.000.000 Arbeitslose (10%), das heißt, dem Arbeitsmarkt stehen 40.000.000 Arbeitskräfte zur Verfügung. Würde man nun die Arbeitszeit um 10 % senken, müssten auch wiederum 10 % mehr Beschäftigte eingestellt werden. Geht man von einer Wochenarbeitszeit von 37,5 Stunden aus, hieße das eine Senkung auf rund 35 Stunden. Damit hätten wir eine Vollbeschäftigung. Nicht eingerechnet sind hierbei die vielen geleisteten Überstunden, welche die Senkung vermindern würden. Gleichzeitig würden die Lohnkosten eines Arbeitgebers um 10 % steigen. Diese Zahl würde sich jedoch durch staatliche Unterstützung mindern lassen. Das Geld hätte der Staat aus der Arbeitslosenversicherung, die er ja bei Vollbeschäftigung nicht mehr benötigt, bzw. hier in die Schaffung von Arbeitsplätzen investiert. Da bei Vollbeschäftigung insgesamt mehr Geld zur Verfügung steht, würde auch der Produktabsatz ansteigen, was wiederum positive Auswirkungen für die Arbeitgeber hätte. Anhand des Durchschnittseinkommens von 1997, welches 2001,-- DM (1.074,-- €) pro Kopf betrug (Quelle: DIW) würde sich folgende Rechnung ergeben: 36.000.000 Arbeitnehmer verdienen 38.664.000.000 €, davon 10 % sind 3.866.400.000, also rund 3,9 Milliarden Euro pro Monat bzw. 46,8 Milliarden € pro Jahr. 1997 wurden insgesamt aber 143 Milliarden DM (= 76,2 Milliarden) für die Arbeitslosenversicherung aufgewendet (Quelle: CDU). Also, selbst ohne Beteiligung der Arbeitgeber würde das Modell ausreichend finanziert sein.

Ich weiß nicht, warum das nicht, zumindest ansatzweise, funktioniert.

Ich wünsche Euch allen einen festen, sicheren und befriedigenden Arbeitsplatz, Gruß Euer Hanse

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