Ardbeg Uigedail Testbericht
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- Geschmack:
- Geruch:
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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen
Das flüssige To(r)ffee-Bonbon
Pro:
- siehe Text -
Kontra:
- siehe Text -
Empfehlung:
Ja
Egal, welchen Whisky man auch bevorzugt: Das, was man im Laden kauft, ist entweder ein so genannter Blend (ein „Verschnitt“, der aus verschiedenen Sorten besteht – der ungemein populäre Johnnie Walker etwa besteht zu einem nicht unwesentlichen Teil aus dem Speyside Single Malt Whisky „Cardhu“) oder ein Single Malt Whisky (die Destillate mit dem „e“ zwischendrin sind wiederum eine Klasse für sich, allerdings keine schottische). Eines haben sie in der Regel alle gemeinsam: Bei jedem einzelnen von ihnen handelt es sich um eine auf Trinkstärke herabgesetzte Spirituose. Will heißen: Keinen von ihnen hat man so belassen, wie er aus seinem Fass gekommen ist, in dem er mindestens drei (meist aber sechs oder mehr) Jahre gelagert hat.
Allerdings gilt auch hier: Keine Regel ohne Ausnahme – und die heißt in diesem Falle „Fassstärkenabfüllung“. Will sagen: Einige Hersteller bieten ihren Kunden neben einer handelsüblichen, meist auf 40-43 Volumenprozent Alkohol herabgesetzten Abfüllung außerdem eine unverdünnte Version ihres Erzeugnisses an. Die Stärlke solcher Abfüllungen kann bei 60 Prozent und mehr liegen, und die meisten von ihnen trinkt man am besten unter Zugabe eines Schlückchens Wasser – oft erschließt sich der komplexe Geschmack, denn so ein Hochprozenter haben kann, nämlich wirklich erst dann. Solche Abfüllungen können, müssen aber nicht zwangsläufig auch in anderer Hinsicht naturbelassen sein. Wenn sie es sind, sind sie nicht mit Zuckerkulör gefärbt (dass die Branche der Farbe ihrer Erzeugnisse gern nachhilft, ist ein offenes Geheimnis) und auch nicht “chill filtered“ – das wiederum heißt, dass geringe Fettanteile im Whiskey, die das Produkt bei Temperaturschwankungen leicht trüb erscheinen lassen können, nicht herausgefiltert wurden, indem man den Whisky auf niedrige Temperatur abgekühlt hat, bei der das Fett dannn quasi ausfällt.
Auf den Punkt gebracht heißt das Folgendes: Alkohol ist ein Geschmacksträger, Fett ist es auch, und manche Abfüllung in Fassstärke ist deshalb geschmacklich noch intensiver als die verbreitetetere Standardabfüllung der gleichen Marke.
Beim „Ardbeg Uigedail“ (übersetzt: Feuerwasser-mit-eingebautem-Feuerwerk) handelt es sich um eine Abfüllung in Fassstärke, und zwar um eine mit 54,2%. Das für mich Erstaunliche daran ist: Obwohl der Uigedail (übersetzt: Der-noch-besser-schmeckt-als-der-Zehnjährige) gut und gerne zehn Prozent mehr Alkohol mitbringt als die zehnjährige Standardabfüllung, ist der Uigedail (ok, ich geb’s zu: Ich habe keine Ahnung) ein Gaumenschmeichler allererster Güte. Anders gesagt: Seine Stärke fällt nicht unangenehm auf. Hier heißt Stärke wirklich „Kraft“ und nicht „Schärfe“.
Den Inhalt der Flaschen mit dem Uigedail-Etikett beschreibt ein Anbieter so:„Inside is 1993 Ardbeg matured in Bourbon Barrels and 1977 Ardbeg matured in Sherry Barrels.“ Bourbon? Sherry? Kenner wissen: Seinen Geschmack verdankt ein Whisky in nicht unwesentlichem Maße dem Fass, in dem er lagert; uns es ist alles andere als unüblich, dass Whisky in ehemaligen Sherry- oder Bourbonfässern reift bzw. nachreift. In meinen Augen (und sicher nicht nur in denen) ist das eine Kunst und Wissenschaft für sich, denn gerade weniger robusten Whiskys muss die Lagerung im Sherryfass nicht unbedingt gut bekommen; schlimmstenfalls tritt der eigene Charakter dann einfach zu sehr in Hintergrund – am besten, man verschenkt solche Flaschen an die Sherryfans im Bekanntenkreis, die sich über solche Gaben meist aufrichtig freuen.
A props Schenken: Ausgeliefert wird der Ardbeg (Neudeutsch-anglisierend: „Der Ardbeg kommt“) in einer Geschenkverpackung. Das erwähne ich, weil ich mir diese Flasche ausnahmsweise nicht selbst geschenkt habe, sondern zum Geburtstag verehrt bekommen habe. Darüber habe ich mich umso mehr gefreut, als ich die 55 Euro, die man gemeinhin für den Uigedail anlegen muss, Monat um Monat nicht hatte erübrigen können.
Ehrensache, dass ich die Flasche sofort entkorkt und allen interessierten Umstehenden eingeschenkt habe – ich finde, es ist eine Unart, Spirituosen, die man geschenkt bekommt, schnellstmöglich beiseite zu schaffen, um dann im stillen Kämmerlein und unter Ausschluss der Öffentlichkeit einen zur Brust zu nehmen. Alleine trinken ist Alkoholismus, Geiz ist nicht geil, und Whisky Tastings sollten erst recht soziale Veranstaltungen sein. Alles andere ist Tinnef.
Wir (hier: die Kollegen und ich) haben uns also einen genehmigt. Ganz so, wie man das mit einem ordentlichen Whisky tut, und das fängt mit einem geeigneten Glas an. Nosing-Gläser hatten wir nicht, aber Sektgläser taten’s auch. Hauptsache, das edle Destillat landet nicht im Zahnputzbecher oder gar im Whiskey Tumbler (der ist nämlich für Bourbon, und zwar für Bourbon auf Eis – und das ist wiederum eine ganz andere Angelegenheit als ein wohltemperierter, zimmerwarmer Single Malt). Wir haben also großzügig eingeschenkt, hingebungsvoll geschwenkt und dann erst einmal die Nase Bekanntschaft mit dem Destillat schließen lassen.
Ich liebe den regulären Ardbeg (ich kannte den zehnjährigen, den sechzehnjährigen kannte ich noch nicht). Ardbeg ist einer meiner ganz großen Favoriten; unter den Whiskys von der Insel Islay, aber auch ganz „absolut“ gesehen. Der Uigedail war mir bereits wärmstens empfohlen worden, aber die Verkostung hat dann selbst meine hoch gesteckten Erwartungen noch übertroffen: Der Uigedail ist wirklich eine Klasse für sich. Zu allem, was ich am Ardbeg liebe, gesellt sich in der Nase wie am Gaumen jede Menge karamellige Süße – der Uigedail, so würde ich meinen unmittelbaren Eindruck mal beschreiben, ist gewissermaßen das To(r)ffeebonbon unter den Islay Whiskys. Zur perfekt ausbalancierten Mischung aus Rauch, Torf und Karamell kommen dann noch Anklänge an Heidekraut (die Beschreibung habe ich immer wieder gelesen – spätestens jetzt weiß ich, was ich mir darunter vorzustellen habe) und fruchtige Noten – der Ardbeg Uigedail ist wirklich unheimlich komplex. Dass er seine vielfältigen Aromen schon ohne Zusammenspiel mit Wasser preisgibt, schraubt meine Erwartungen an ein einschlägiges Experiment natürlich erst recht hoch – was der Uigedail wohl erst offenbart, wenn man ihm noch ein wenig Wasser beimengt … ?
R e s ü m e e
Ganz einfach: der beste Single Malt, den ich seit sehr langer Zeit gekostet habe. Wer den regulären Ardbeg so liebt wie ich, wird für den Uigedail ebenfalls nur Lob finden; wer sich mit Islay Whiskys im Allgemeinen schwer tut, wird sicher gar nicht erst auf den Gedanken kommen, sich den Uigedail zuzulegen – mit anderen Worten: der Uigedail ist keine „Einstiegsdroge“ für die Islaywelt, dafür ist er mit gut 55 Euro auch einfach zu teuer. Wer die Taliskers, die Highland Parks, die Laphroaigs und Lagavulins mag, der kann mit dem Ardbeg Uigedail aber eine echte Entdeckung für sich machen: Soviel Geschmack, soviel Frucht bei so wenig alkoholischer Schärfe war selten im Reich der Fassstärke – die zusätzlichen zehn Volumenprozent, die der Uigedail mitbringt, zahlen tatsächlich auf den Geschmack ein.
22 Bewertungen, 6 Kommentare
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03.08.2007, 19:15 Uhr von speedy13
Bewertung: sehr hilfreichDen sollte man echt kennen! Obwohl der 10jährige schon etwas zu jung ist.
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03.01.2007, 20:37 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichsh & lg Sarah
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13.09.2006, 12:52 Uhr von Tut_Ench_Amun
Bewertung: sehr hilfreichNa denn: Prost-tata! Beim Lesen der Produktüberschrift befiel mich die Befürchtung ein neuer Virus sei entdeckt worden. Jetzt gieß ich mir beruhigt einen auffe Lampe.
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13.09.2006, 11:59 Uhr von Schnarcher1
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht! LG
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12.09.2006, 22:01 Uhr von PrinceofLies
Bewertung: sehr hilfreichsh auch wenns nicht gerade mein Lieblings-Whiskey ist hast Du ihn hervorragend beschrieben
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12.09.2006, 21:55 Uhr von papaonline
Bewertung: sehr hilfreichtoller bericht , somit ein sh und einen lg von online papa freue mich auch auf nette gegenlesungen
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