Atheismus Testbericht

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Erfahrungsbericht von PrinceofLies

Das Leben eines Atheisten

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Vorwort
Heuer will ich auch mal ein paar Worte verlieren,wie ich zu meinem Glauben gekommen bin.
Desweiteren will ich begründen worin dieser Glaube sich begründet und aufzeigen,was es heißt sich Atheist zu nennen und mit dieser Aussage zu leben.

Mein theologischer Werdegang
Wie die Mehrheit hierzulande entstamme auch ich einer christlichen Familie mit allem was dazugehört.
Sprich in einem Alter,wo ich nicht einmal sprechen konnte wurde ich in der evangelischen Tradition getauft,in einen evangelischen Kindergarten gesteckt und mit sechs Jahren eingeschult und folgerichtig in den evangelischen Religionsunterricht gesteckt.
So verbrachte ich meine Zeit bis ich etwa vierzehn Jahre alt war als Christ ohne eigenes Zutun,denn ein Mitspracherecht über sich selbst hat man in der evangelischen Kirche erst nach der Konfirmation,welche auch bei mir mit vierzehn anstand.
Nun ich hatte zu eben jener Zeit eine Eigenart,die man als "glaubt christlich zu sein" bezeichnen könnte,denn ich wuchs ein Leben lang mit vorgesetzten Dogmen auf und kannte nichts anderes als Christ zu sein.
Als ich jedoch in den Konfirmandenunterricht kam hatte ich Gelegenheit mehr über Christentum zu lernen als üblich in diesem Alter,denn ich hatte das Vergnügen die konträren Ansichten und Auslegungen der Bibel von meinem Pfarrer und meiner Religionslehrerin,seiner Frau kennenzulernen.

Irritiert,daß der Eine die Ansicht des Anderen aus meinem Munde nicht akzeptieren wollte begann ich nachzudenken,aber wies so ist,so war auch ich gefangen in jenem Zug,den man Herdentrieb nennt:
Alle meine Kumpels wurden zu der Zeit konfirmiert worden (wir hatten eine überwiegend evangelische Gemeinde damals) und auch mich interessierte brennend die Möglichkeiten die Geschenke in allzu nützliche Dinge wie eine Stereoanlage zu investieren.

Und so kams und ward doch anders!
Meine Konfirmation war ein Riesenfest und meine gesamte Familie,die nun wirklich nicht als klein zu bezeichnen wäre überhäufte mich mit Geldscheinen,doch unser Pfarrer,welch Dank ich ihm hierfür dann doch noch schulde war der Ansicht,wir hätten eine "Konfirmandenfreizeit" noch nötig.

Zwei Wochen im Nirgendwo war es für uns gedacht zu beten,Bibel lesen und sein Wort aufzusaugen um allzu christlich weiterzuleben.
Nun wir nahmens wohl zu wörtlich,oder vielleicht auch nur zu listig,denn uns war gleich zu Beginn der Fahrt bewusst,daß wir einen Streich für unseren Jugendreferendar vollbringen mussten.

Die Idee war schlicht und ergreifend,dessen Türbogen mit Zeitungspapier zu verkleben und um nicht aufzufallen brauchten wir ne Ausrede für ein längeres Wachbleiben.
Mit "Wir wollten noch ein wenig in der Bibel lesen" wars schnell getan und da fand ich doch so eine oder andere Stelle,die mich wunderten.
Jedenfalls blieb der Streich ein Teilerfolg,da unser Referendar den Spieß umkehrte und uns beim Verkleben von der Treppe aus zusah und sich köstlich amüsierte,doch die eine oder andere Stelle der Bibel blieb mir doch dann hängen.
Neben den bedeutenden Widersprüchen zwischen Schöpfungsbericht und Paradieserzählung (beim Bericht ist der Mensch das letzte lebende Wesen,was entsteht,bei der Paradieserzählung das erste) war es insbesondere das Kapitel 3.Mose 18,das mich nachdenklich stimmte.
Das Kapitel nennt sich selbst "Gebot geschlechtlicher Verirrungen" und enthält neben allem Möglichen auch die Begründung für die Diskriminierungen der Homosexuellen.

Nun denn,so kam ich heim mit vielen wirren Gedanken und begann mich und meinen Glauben genauer zu untersuchen.
Mit sechzehn,siebzehn etwa,begann ich,bedingt durch den Untericht mich mit diversen Philosophen in diesem Zusammenhang zu beschäftigen.
Unsere Lehrerin belohnte es sogar,wenn wir ihr widersprachen,sofern wir dies begründet taten und da wir damals eine etwas rebellische Phase hatten (wer nicht in diesem Alter?),taten wir dies zuhauf.
Da für eine gute Begründung die kurzen Abschnitte von Marx,Nietzsche oder Feuerbach,die wir im Unterricht erhielten nicht ausreichten nahmen ein Kumpel und ich es auf uns,deren Werke privat zu lesen und zudem uns auch mit Hegel zu beschäftigen.

Dieser Abschnitt im Religionsunterricht endete theoretisch (praktisch zogen wir das Thema bis ins Abitur raus) in einer Arbeit zum Thema Gottesglaube/Atheismus,bei der es eine besonders bedeutende Aufgabe gab.
Sie nannte sich "Nennen sie die fünf Gottesbeweise,die Theologen im Mittelalter zum Beweis der Existenz Gottes zusammenstellten und nehmen sie zu diesen kritisch Stellung!"
Ein Satz,der so sicherlich nie wieder bei unseren Arbeiten stand,denn das Wörtchen kritisch nahmen ich und mein Kumpel sehr genau.

Um ein Beispiel zu liefern:
Einer dieser Gottesbeweise war folgender:
"Alles was wir in der Natur sehen sind Wirkungen einer Ursache und jede Ursache hat wiederum eine Ursache.Eine endlose Kette von Ursachen ist nicht denkbar,also muss es eine erste Ursache gegeben haben und die muss Gott gewesen sein!"

Nun war ich neben dem atheistischen Philosophie eben auch recht gut in Mathematik und Physik und beschäftigte mich auch da über den Unterichtsstoff hinaus ein wenig.
So in etwa war meine Antwort:
"Zunächst einmal fällt auf,daß der Schluß das Gott die erste Ursache aller Dinge gewesen sein muss unbegründet bleibt.Immerhin erklärt die Urknalltheorie schon ein paar Jährchen die Entstehung von Zeit und Raum aus dem Nichts.
Darüberhinaus ist die Frage,warum etwas undenkbares nicht existieren soll wiedersinnig,oder weiß jemand was Einsteins Rechnungen mit neun Dimesnionen sein soll?
Zudem bestätigt uns die Mathematik auch,daß unendliche Ketten nichts ungewöhnliches sind,denn Folgen,Reihen und Funktionen sind exakt solche Zusammenhänge.
Aber hiervon ganz abgesehen handelt es sich bei diesem Beweis natürlich um einen Auszug des Ursache-Wirkungsprinzip der Naturwissenschaften,wobei der Theologe vermutlich die zweite Hälfte vergessen hat niederzuschreiben.
Im Ganzen heißt es nämlich:
Alles was wir in der Natur sehen sind Wirkungen einer jeweiligen Ursache und jede Ursache hat eine spezifische Wirkung.Deshalb läßt sich jede Ursache anhand ihrer spezifischen Wirkung beweisen.

Was dieser Theologe anhand dieses Gottesbeweises also tatsächlich bewiesen hat ist,daß Gott nicht existieren kann,denn die Beweisbarkeit seiner Existenz hat sich nicht zeigen lassen!"

Ich erhielt ne ein für die Arbeit mit der Begründung,daß trotz intensivstem Versuchen meine Argumente nicht widerlegt werden konnten und war damit auf einem neuen Grad meines theologischen Werdeganges angekommen.
Ich war Atheist,nicht mehr weil ich nichts mit meinem vorigen Glauben anfangen konnte,sondern weil ich dies begründen konnte.

Nun denn,das Abitur ging vonstatten,Bundeswehr war auch einmal und es ging ans Studium.
Da sich hier der Bekanntenkreis,insbesondere der ähnlich kontrovers denkende Anteil erhöhte kam ich in Kontakt mit zahlreichen ähnlichdenkenden Menschen und erhielt auch zahlreiche weitere Autoren,die es zu lesen galt.
Allen voran natürlich Deschner,zu dem ich schon einen Beitrag veröffentlicht habe,aber auch viele Werke zu anderen Religionen,insbesondere den vorchristlichen.

Nun so ward ich Atheist,doch was heißt das überhaupt?

Der Glaube Atheismus
Zunächst einmal bleibt festzuhalten,daß auch Atheismus eine Glaubensform ist,denn alles was nicht beweisbar ist ist ein Glaube.
Da ich zwar begründen kann,warum ich nicht an jene oder sselbige Theologie glaube,aber deren Nichtigkeit nicht beweisen kann (dies setzte die Möglichkeit eines absoluten Beweises voraus,der uneingeschränkt und zu jeder möglichen Relation und Anschauung passt und dies ist nicht möglich) kann man auch hier nur sagen ich glaube atheistisch.

Dies setzt als erste Konsequenz voraus,daß der moralische Anker,nach dem man lebt sich nicht auf Gebote von Gott und Göttern basiert.
Sprich man ist gezwungen sich selbst eine solche Wertemarkierung zu machen und allzuviele verlieren sich hierbei in der nihlistischen Weltanschaung.
Für mich sah dies konkret darin aus,daß ich mich teilweise an Richtlinien des Christentums richtete,denn damit wuchs ich auf und den eigenen Charackter kann man nicht überwinden.
Teilweise lehnte ich aber auch eben christliche Richtlinien wie die ersten drei Gebote logischerweise ab.

Danach gilt es sich selbst eine Begründung für diese moralischen Richtlinien zu finden,denn die Angst vor dem Tag des jüngsten Gerichts funktioniert nunmal nicht,wenn man an dessen Stattfinden nicht glaubt.

Ein einfaches,aber fähiges Motto ist hierbei eine alte Weisheit:
"Was du nicht willst,das man dir tut,das füg auch keinem andern zu!"

Leben als Atheist
Nun haben wir unseren moralischen Kompass und die Begründung warum wir uns dran halten,doch wars das schon?
Atheist zu sein heißt aber auch sich als Fremdkörper zu fühlen in einer vorwiegend christlichen Gesellschaft.
So muss ich auch heute,acht Jahre nachdem ich mich selbst das erste Mal als Atheist bezeichnet habe meiner Familie aufs Neue erklären,warum ich in keine Kirche gehe.
So werde ich noch heute gefragt ob ich Taufpate sein möchte,wenngleich ich den Eltern bereits unzählige Male davon berichtete,für was für ein barbarisches Ritual ich es halte ein Kind ohne Fähigkeit zu widersprechen in einen Glauben hineinzuzwängen.

Konkret heißt das Leben als Atheist,anders zu sein,und mit dieser Andersartigkeit zu leben.
Notwendig wird damit das viele Lesen,was mittlerweile zu meinem größten Hobby wurde,denn nur wer sich auskennt kann eine brauchbare Rechtfertigung liefern.

Es heißt aber auch so manchen Nachteil mit sich zutragen,denn entweder wird man unehrlich gegenüber anderen,bzw. sich selbst,oder man hat ernsthafte Probleme einmal Kindern einen Kindergartenplatz zu bewahren.

Fazit
Nun denn soweit zu mir,meinem Glauben und meiner Weise diesen Glauben auszuleben.
Wie ich schon sagte muss man sich einen solchen moralischen Kompass und seine Begründung selbst zusammenfinden und damit ist dies nur meine Weise meinen Glauben zu leben.
Auch der Werdegang ist sicherlich so nicht gleich ein zweites Mal zu finden,denn um Atheos zu sein,muss erst einmal ein Grund Theos abzulehnen gefunden sein.

Ich hoffe ihr hattet ein wenig Gefallen daran zu erfahren,wie und warum ich Atheist geworden bin und würde mich über Kommentare freuen.

Euer Lügenprinz!

45 Bewertungen, 14 Kommentare

  • hope1

    05.05.2008, 00:49 Uhr von hope1
    Bewertung: sehr hilfreich

    dann erläuter doch deinen moralischen wertekompass mal und ich zeig dir, dass all deine werte doch auf gottes gebote zurückgehen ;)

  • campimo

    18.02.2007, 13:20 Uhr von campimo
    Bewertung: sehr hilfreich

    ¸,ø¤º°`°º¤ø,¸ SH & LG ¸,ø¤º°`°º¤ø,¸

  • Baby1

    30.01.2007, 15:04 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • Zuckermaus29

    03.11.2006, 16:53 Uhr von Zuckermaus29
    Bewertung: sehr hilfreich

    :o) liebe Grüße Jeanny

  • tepungaatewaka

    01.07.2002, 01:08 Uhr von tepungaatewaka
    Bewertung: sehr hilfreich

    Finde deinen "werdegang" sehr interessant. Manchmal denke ich, dass viel zu wenge über Glauben nachdenke, ganz einfach, weil es wohl so sein soll, wie es ist. Bei der Konfirmation zählt das geld, bei der kommunion das Kleid....Ich denke

  • Hathor

    15.04.2002, 22:46 Uhr von Hathor
    Bewertung: sehr hilfreich

    Trotz meiner christlichen Sichtweise durchaus logisch, obwohl ich deine Argumente natürlich widerlegen könnte. Ausserdem muss ein guter Christ Angst vorm Jüngsten Gericht haben (vgl. Offb.)??? Sie von der Hand zu weisen ist natürlich di

  • anonym

    09.04.2002, 23:07 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr interessant. Besonders: ist es wirklich so schwer, als Atheist durch die landschaft zu wandeln? mich hat noch nie einer drauf angesprochen, es interessiert keinen im kindergarten, schule oder sonstwo. In was für einem erzchristlichen Gebiet bist

  • zerocool

    09.04.2002, 19:18 Uhr von zerocool
    Bewertung: sehr hilfreich

    bezeichne mich selbst auch als Atheist.Sehr guer Bericht Gruß zero

  • Alusru

    09.04.2002, 14:41 Uhr von Alusru
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toll geschrieben das sehe ich ebenso lieben Gruß Uschi.

  • larshermanns

    08.04.2002, 17:01 Uhr von larshermanns
    Bewertung: sehr hilfreich

    Bin auch Atheist. Dabei wollte ich mit 14 sogar mal Pfarrer werden! habe damals 2-3mal die bibel gelesen und dabei entdeckt, dass das Christentum von Luegen nur so durchnaesst ist! Allein die Arroganz, sich (wie auch der Islam) als die einzig wahre Religio

  • schweitzman

    08.04.2002, 16:18 Uhr von schweitzman
    Bewertung: sehr hilfreich

    Netter Beweisversuch der jedoch leider nicht konstistent ist. 1. Die Urknalltheorie ist nicht bewiesen (daher auch noch eine Theorie) sie ist hypothetisch nahe an den "Big Bang" rangekommen, doch auch an dieser Stelle, wenige Millionstel Sekunden

  • Schnecke999

    08.04.2002, 16:15 Uhr von Schnecke999
    Bewertung: sehr hilfreich

    Bei mir ist es genau umgekehrt gelaufen: Ich bin in der Ex-DDR auf die Welt gekommen, wurde weder getauft, noch hatte ich sonst irgendwie Berührungen mit der Kirche. Erst durch meinen jetzigen Freund und seinen Onkel (katholischer Priester) bin ich in

  • Nietzsche

    08.04.2002, 16:08 Uhr von Nietzsche
    Bewertung: sehr hilfreich

    lebst du in einer katholischen gegend? hier bei mir fühle ich mich als atheist nicht als fremdkörper... ganz im gegenteil!

  • schweig

    08.04.2002, 16:05 Uhr von schweig
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein wirklich sehr guter und informativer Bericht.