Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) Testbericht

No-product-image
ab 55,41
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von FrauNeedle

Mein Zappelphillip

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Mein Sohn ist jetzt 5 Jahre alt und bekommt zur Zeit Ergotherapie. Falls ihr jetzt fragt, was ist denn Ergotherapie? Darüber schreibe ich noch einen gesonderten Bericht, das würde hier sonst zu einem Roman werden. Heute ist mein Bericht über ADS dran.

Was ist ADS?
ADS heißt Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom.
Das heißt, Kinder (auch Erwachsene) haben eine Störung der Informationsverarbeitung im Gehirn. Um euch das etwas näher zu bringen, möchte ich euch meine Geschichte erzählen.

Es geht um meinen Sohn Lando. Er war schon immer etwas spät entwickelt, das heißt, er fing später an zu krabbeln, zu laufen und zu sprechen. Alles nicht weiter wild, dachte ich mir - der eine früher, der andere später.
Er war schon immer ein Zappelphillip, nie konnte er sich lange mit etwas beschäftigen, immer wieder mußte er eine Pause einlegen, um erstmal herumzurennen. Er war immer sehr laut, eckte überall an und fiel ständig hin. Einfach eine wilde Hummel, dachte ich mir.
Mit 3,5 Jahren fing er an zu stottern, so schlimm und so lange, daß ich ihn in Behandlung einer Logopädin gab. Das Stottern hatte sie schnell weg, mit vereinzelten Buchstaben hatte er weiterhin große Schwierigkeiten. Da bei Lando alles noch so babyhaft aussah, ließ ich ihn nocheinmal vom Kinderarzt untersuchen. Auch führte ich weitere Gespräche mit der Logopädin und wir kamen zu der Erkenntnis, daß seine Grob- und Feinmotorik weit zurück ist, also genau das, was ich schon seit langem erzählt hatte, wurde nun endlich auch von Fachleuten bestätigt. Ich habe schon lange gesagt, mit meinem Sohn stimmt etwas nicht. Als Mutter von 4 Kindern bilde ich mir ein, ein Urteil darüber abgeben zu können.

Da der logopädische Unterricht bei Lando nichts mehr brachte, wurde uns empfohlen, eine Ergotherapeutin aufzusuchen. Schon nach kurzer Zeit war ihr klar, daß Lando eine Entwicklungsstörung hatte. Jetzt wurde mir endlich erklärt, warum er überall aneckt, sich stößt oder fällt. Ihm fehlt der Bezug zu seinem Körper. Er weiß zwar, daß er zwei Arme hat, er weiß aber nicht, wo sie aufhören. Na gut, das so nebenbei....

In vielen Gesprächen erzählte ich immer wieder, wie sehr zappelig er ist. Er kann sich auf nichts richtig konzentrieren. Er malt immernoch Krikelkrakel, fängt vieles an und bringt nichts zuende. Ich habe manchmal das Gefühl, daß er selbst im Schlaf noch sehr unruhig ist, denn warum wird er wohl sonst noch ständig wach? Ich habe erzählt, daß das ziemlich stark meine Nerven angreift. Ständig ist er laut und zappelig. Wer das nicht selbst erlebt, denkt meist, hier fehlt nur die strenge Hand der Erziehung, aber glaubt mir, ich zeige Grenzen!

Heute, nach einem halben Jahr Ergotherapie hatte ich mal wieder ein ausführliches Gespräch mit der Therapeutin. Sie sagte mir, daß alles dafür spricht, daß Lando am ADS leidet...

Es gibt angeblich zwei unterschiedliche Arten von ADS - mit oder ohne Hyperaktivität.

ADS mit Hyperaktivität heißt:
- Das Kind ist ein richtiger Zappelphillip
- Es ist laut und unkonzentriert
- Es ist impulsiv
- Es ist unberechenbar

ADS ohne Hyperaktivität heißt:
- Das Kind ist ein wahrer Träumer
- Es ist ständig in geistiger Abwesenheit
- Es lebt in einer Traumwelt
- Es ist eher sehr leise

Bei meinem Sohn ist eindeutig klar, daß er nicht hyperaktiv ist! Auf ihn trifft beides zu. Er ist der laute Zappelphillip, der in einer Traumwelt lebt. Im Kindergarten paßt er sich an, braucht viel Konzentration und ist eher ein leises Kind. Zu Hause läßt er dann alles Aufgestaute und "Aufgesparte" heraus, ist genau das Gegenteil - laut und unkontrolliert.

Eines ist jedoch bei ADS-Kindern klar:
Sie haben es sehr schwer im Leben, weil ihre Mitmenschen sie nicht verstehen und richtig auf sie eingehen können. Sie geben stets ihr Bestes, doch wegen ihres ADS schaffen sie es meist nicht, etwas zu Ende zu bringen ohne Hilfe. Sie können ihre Ziele nur erreichen, wenn "starke" Bezugspersonen sie unterstützen.

ADS-Kinder haben eine individuelle Entwicklung ihrer Begabungen. Nur weil sie an diesem Syndrom leiden, heißt es noch lange nicht, daß sie nicht intelligent sind. Im Gegenteil, meist durch dieses Defizit entwickeln sie andere Begabungen umso besser.

Das Gehirn eines "gesunden" Menschen filtert alle Eindrücke, die von außen kommen nach Wichtigkeit, sortiert es nach Themen und schickt es zur Weiterverarbeitung in die "Fachabteilung". Bei ADS-Personen ist das anders. Sie haben eine andere Art, Informationen aufzunehmen, zu sortieren und abzuspeichern. Die Aufnahmefilter für Informationen und die Verarbeitungzentrale im Gehirn sind nicht optimal. Deshalb ist bei ihnen gezieltes Handeln sehr schwierig.

Dadurch entstehen Lernschwierigkeiten, die sich spätestens in der Schule richtig bemerkbar machen. Sie haben durch die Lernschwierigkeiten ständig Negativ-Erfahrungen und verlieren dadurch wiederum immer mehr an Selbstbewußtsein. Daher ist es sehr wichtig, dem Kind mit viel Unterstützung und sehr viel Lob die Positiv-Erfahrungen zu vermitteln. So stärkt man das Selbstwertgefühl des Kindes.

ADS-Kinder müssen öfter, länger und härter Trainieren, um zu Erfolgserlebnisse zu kommen. Das schaffen sie aber nicht alleine. Sie müssen immer wieder angespornt werden und zwar von allen Bezugspersonen, die um das Kind herum sind.

Ich wünsche allen ADS-Personen viele Erfolgserlebnisse, damit sie Spaß im Leben haben.

Diesen Bericht schrieb ich vor knapp einem Jahr auf ciao und dem alten Yopi. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass mein Sohn kein ADS hat, aber Hyperaktivität konnte noch nicht ganz ausgeschlossen werden. Er bekommt weiterhin Ergo und macht sehr gute Fortschritte.

FrauNeedle

35 Bewertungen, 8 Kommentare

  • Miyuki

    21.08.2003, 09:07 Uhr von Miyuki
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr guter Bericht. Was die wenigsten wissen, ist daß ADS auch bei Erwachsenen auftreten kann - habe selbst als Erwachsener damit starke Probleme.

  • Nicebaer

    13.02.2003, 19:07 Uhr von Nicebaer
    Bewertung: sehr hilfreich

    Meine Tochter ist so wie du deinen Sohn beschreibst - beides: Ein lauter Zappelphillip in einer Traumwelt. Da ich erst heute (nach 4 Jahren von Arzt zu Arzt rennen) die Verdachtsdiagnose ADS bekommen habe habe ich deinen Bericht regelrecht verschlungen! Kl

  • Indigo

    31.10.2002, 11:17 Uhr von Indigo
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich empfehle meinen beitrag zum gleichen Thema und meine das nicht als Eigenwerbung. Mein Beitrag wäre der Kommenatr zu Deinem, doch will ich ihn hier nicht rein kopieren.

  • Macchiaveli

    22.10.2002, 00:21 Uhr von Macchiaveli
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hi! Mein Sohn wurde dieses Jahr eingeschult.Schon nach einigen Tagen teilte mir seine Lehrerin mit,dass sie den Verdacht hat er leide unter ADS.Jetzt bin ich ziemlich hin und hergerissen,da er einige Eigenarten aufweist,die dem entsprechen,aber auf andere

  • 25188

    22.05.2002, 14:09 Uhr von 25188
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr interessant

  • unauffaellig007

    22.04.2002, 14:01 Uhr von unauffaellig007
    Bewertung: sehr hilfreich

    Danke das du es gemacht hast, jetzt ist er Sehr hilfreich.Mfg 007

  • campino

    22.04.2002, 14:00 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich gehe mal davon aus, Du ergänzt den Beitrag um das Ende...

  • anonym

    22.04.2002, 13:59 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Fehlt da nicht das Ende?