Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Derberni

Kinder mit Gewalt anpassen!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Kinder, die auffälliges Verhalten zeigen, kaum in der Lage sind, ihre Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum zu bündeln, zappelig sind, werden heute gerne auch hyperaktive Kinder genannt. Es gibt sie überall, sie werden auch ADS-Kinder (oder HKS, ADHS) genannt und die Medien sind voll von Berichten über diese neue Spezies. Meist werden sie mit Medikamenten vollgestopft, um sie ruhig zu stellen, denn es gibt ein Mittel für diese Kinder. Es heißt Ritalin, und soll unseren Kinder helfen, konzentrierter zu sein. Die Nachfrage ist enorm, und der Umsatz steigt.

Hier kommt mein kritischer Bericht über eine medikamentöse Behandlung eines gesellschaftlichen Problems:


Das Medikament Ritalin ist eine zentrale Stimulanz und ist verschreibungspflichtig. Es enthält den Wirkstoff: Methylphenidat-HCl und ist in Deutschland in Tabletten zu 10 mg und zu 20mg (Ritalin SR) erhältlich.
Für Ritalin muss der Arzt ein besonderes Rezept ausstellen, da Ritalin der Verordnung zur Verschreibung von Betäubungsmitteln (BtMVV) unterliegt.


Kinder, die an ADS leiden, also hyperaktiv sind, bekommen in Deutschland immer häufiger dieses Medikament verschrieben, denn es soll die Ablenkbarkeit reduzieren,
die Fähigkeit, Aufgaben abzuschließen, verbessern,
Hyperaktivität und Ruhelosigkeit reduzieren
und die Impulsivität abschwächen.

Ritalin beeinflusst den Stoffwechsel des Gehirns. Hyperaktive Kinder leiden nämlich, so die gängige Theorie, an einer Stoffwechselstörung im Gehirn, dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS).

In den Hirnregionen, in denen die Aufmerksamkeit und die Motorik gesteuert werden, soll der Botenstoff Dopamin fehlen. Demnach ist die Datenverarbeitung im Gehirn gestört. Warum das so ist, das ist bis heute noch nicht eindeutig geklärt. Eben sowenig weiß man, was bei der Einnahme von Ritalin im Gehirn tatsächlich passiert und warum man Kinder, die an ADS leiden, mit einem aufputschenden Mittel so weit beruhigen kann, daß sie dem Unterrichtsgeschehen folgen und ihre Aufmerksamkeit bündeln können.


Ritalin enthält wie gesagt als wirksamen Inhaltsstoff das zur Wirkstoffgruppe der zentralen Stimulanzien gehörende Methylphenidat.

Diese Stimulanzien beeinflussen über das Gehirn das vegetative Nervensystem, indem sie die körpereigenen Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin freisetzen.
Methylphenidat wird beim hyperkinetischen Syndrom oder ADS bei Kindern eingesetzt. Bei dieser mit bestimmten Verhaltensauffälligkeiten einhergehenden Verhaltensstörung liegen möglicherweise Störungen in den Nervenzellen vor, die Dopamin freisetzen.

Von Nervenzellenendigungen freigesetzte Botenstoffe binden kurz an spezielle Rezeptoren auf einer anderen Zelle und lösen so bestimmte Wirkungen in der Zelle aus. Nach der Bindung an die Rezeptoren, werden die Botenstoffe wieder in die ursprüngliche Nervenzelle aufgenommen. Zentrale Stimulanzien hemmen diese Wiederaufnahme der Botenstoffe: So sorgt Methylphenidat dafür, dass mehr Noradrenalin und Dopamin im Gehirn zur Verfügung stehen. Die Wirkungsdauer ist 3-4 Stunden. Stimulanzien bewirken im Körper eine erhöhte Leistungsbereitschaft:

Die Konzentrationsfähigkeit nimmt zu und Müdigkeit, sowie körperliche Abgeschlagenheit werden unterdrückt.

Schön und gut, wenn Ritalin so einen positiven Einfluß haben kann, wieso wird es immer wieder neu diskutiert, wieso gibt es so widersprüchliche Aussagen zu den Nebenwirkungen?


Nebenwirkungen:

An dieser Stelle möchte ich etwas Aufklärung betreiben.
Daß Ritalin kaum Nebenwirkungen hat, das entspricht nicht der Wahrheit. Nur in Deutschland sieht die Sache etwas anders aus. Vergleicht man den Beipackzettel des Herstellers Novartis
zu Ritalin aus den USA mit dem aus Deutschland, dann kommt Erschreckendes ans Tageslicht: In Deutschland bekommt der Patient nicht einmal die Hälfte der Informationen, die die Patienten in den USA erhalten. Nach meiner Recherche sind
folgende Nebenwirkungen bekannt:

Bei Kindern und Erwachsenen

Häufig:

Besonders zu Behandlungsbeginn treten Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, sowie Magenbeschwerden auf.
Bei Kindern werden Übererregbarkeit, Müdigkeit, Traurigkeit, Ängstlichkeit, Weinerlichkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Gewichtsverlust beobachtet.
Mundtrockenheit, Durchfall und Verstopfung können auftreten.

Selten:
In Einzelfällen können so genannte psychotische Reaktionen (z.B. Halluzinationen), unkontrollierte Bewegungen/Zuckungen z.B. des Gesichts auftreten.
Schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen z.B. in Form von Blutbildveränderungen sind möglich.
Bei Erwachsenen wurden häufig Kopfschmerzen, Konzentrationsmangel und Geräuschempfindlichkeit beobachtet.
Es kann zu Herzjagen, Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen, Herzschmerzen sowie Blutdruckveränderungen kommen.
Gelegentlich Unruhe, Übererregbarkeit, Aggressivität, Verfolgungsideen und Angst
Entzündungen der Mundschleimhaut
Überempfindlichkeitsreaktionen
Selten
So genannte psychotische Reaktionen (z.B. Halluzinationen) sowie vermehrtes Träumen sind möglich.
In Einzelfällen wurde eine Entzündung oder der Verschluss von Hirngefäßen beobachtet.


Wo liegt das Problem?

ADS ist wahrscheinlich das am gründlichsten erforschte psychische Kinderleiden und Ritalin das am häufigsten untersuchte Kinder-Pschychopharmakum. Dennoch sind noch viele Fragen offen.


In einer Pressemitteilung vom Oktober 2001 weist die Drogenbeauftragte, Marion Caspers-Merk, auf den von 1993 bis 2000 um das 13,6-fache gestiegenen Verbrauch des Wirkstoffs Methylphenidat-HCl, welches in Medikinet und Ritalin enthalten ist.

Und genau hier beginnt das Problem:

ADS ist ein sehr unscharfes Störungsbild und keine echte Diagnose. Nur ein Bruchteil der Kinder, die Ritalin einnehmen wurde tatsächlich das Fehlen von Dopamin nachgewiesen.
Ein Kinderarzt/Psychologe kann unter normalen Umständen gar nicht in der Lage dazu sein, diese Diagnose zu stellen, denn diese ist sehr aufwendig und dauert mehrere Tage. Die aufwendige Magnetresonanzaufzeichnung des Gehirnstoffwechsels, mit dem das Fehlen von Dopamin nachgewiesen wird, ist kaum in einer Kinderarztpraxis realisierbar. Die Gefahr ist sehr groß, daß Ritalin auch Kindern verabreicht wird, welche aus ganz anderen Gründen verhaltensauffällig werden. Viele Kinder zeigen in ihrer Schullaufbahn auffälliges Verhalten, sei es aus Pupertätsgründen, aus sozial oder individueller Schädigung. Auch unterforderte Hochbegabte Kinder zeigen diese dem ADS-Bild entsprechende Verhaltensweisen.
Vor Behandlungsbeginn mit Ritalin muß der Arzt differntialdiagnostisch verschiedene organische und psychische Krankheiten und Störungen des Sozialverhaltens ausschließen, weil diese anders behandelt werden müssen. Des weiteren ist nach Entwicklungsrückständen und schulischen Lernstörungen, die häufig mit diesem Verhaltensmuster kombiniert auftreten, zu forschen, um gezielt fördern zu können. Und das ist leider selten der Fall!

Wie ist es zu erklären, daß eine neurophysiologische Störung plötzlich in solchen Größenordnungen Grundschüler erfasst? Hat die Medizin bisher geschlafen, wurden Kinder in ihren Ausbildungsmöglichkeiten behindert, weil niemand ihr Leiden diagnostizieren konnte? Oder ist es viel mehr so, dass Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom eine Diagnose ist, die in Mode gekommen ist?

Zu befürchten ist letzteres. Für viele Kinder und für noch mehr Erwachsene ist ADS eine bequeme Erklärung. Für ein bestimmtes Verhalten ist ein Etikett gefunden worden. Das beruhigt die Eltern, entlastet die Kinder und schafft den Lehrern Luft. Denn niemand muss sich mehr für das auffällige Verhalten verantwortlich fühlen.

Dank der neurophysiologischen Erklärung bekommt das auffällige Verhalten den Status einer Krankheit und lässt sich folglich mit einem Medikament in den Griff bekommen. Inwieweit die Hyperaktivität eines Kindes mit der Struktur des Unterrichts zu tun haben kann, mit den immer schneller werdenden Abläufen täglicher Handlungen, mit der permanenten Ruhelosigkeit und Überforderung auch aller Erwachsenen, muss nicht mehr reflektiert werden.

Damit scheint das Problem gelöst zu sein!
Die Realität sieht aber anders aus:

Als alleinige Therapie taugt das Medikament nämlich nicht. Es hat keinen heilenden Effekt, sondern lindert nur die Symptome. Zusätzlich zur Behandlung mit Ritalin muß der Arzt unbedingt eine Verhaltenstherapie durchführen. Ein Medikament allein kann in der Regel keine Probleme lösen. Es kann nur, in mehr oder weniger begrenzten Umfang, Voraussetzungen schaffen, die es dem Kind, seinen Eltern und Lehrern ermöglichen, an der Problemlösung zu arbeiten, bzw. eine Verhaltensänderung herbeizuführen.

Pädagogisch-psychotherapeutische Hilfen, in denen die Beratung der Eltern einen wesentlichen Teil ausmachen sind angebracht.

Nur leider müssen viele Betroffene in Deutschland teilweise mehrere Jahre auf einen geeigneten Therapieplatz warten.
Eine Therapie ist außerdem relativ aufwendig und teuer. Eine Pille ist preiswerter- man bekommt sie sofort-
und sie wirkt gleich!

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