Erfahrungsbericht von paelzer
Wenn Kinder nie zur Ruhe kommen
Pro:
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Kontra:
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Empfehlung:
Ja
Immer mehr Kinder können sich nicht konzentrieren. Es fällt ihnen schwer, sich ausdauernd mit einer Sache zu beschäftigen, sie lassen sich schnell ablenken, sind ausgesprochen sprunghaft und ungeduldig. Viele Eltern bekommen schon im Kindergartenalter erhebliche Probleme mit ihrem hyperaktiven Sprössling: Der Zappelphilipp kann nirgendwo ruhig sitzen, schmeißt ständig etwas
um, verwickelt sich täglich in Raufereien und zieht sich ständig Beulen und Blutergüsse zu.
Spätestens in der Schule kommt es zu ernsthaften Schwierigkeiten: Die Leistungen sind schlecht, der Unterricht wird gestört, dauernd gibt es Ärger mit den Lehrern. Die Störung bleibt nicht ohne Folgen für das noch wenig ausgeprägte Selbstwertgefühl. Das Kind fühlt sich oft abgelehnt - häufige Zurückweisungen ziehen es in eine Abwärtsspirale aus Wut, Frust und Kummer, die schließlich zu trotziger Abwehr und völliger Leistungsverweigerung führen kann.
Natürlich kommt es gleichzeitig zu großen Spannungen in der Familie, die Eltern fühlen sich hilflos und überfordert. Der Teufelskreis aus Ermahnungen und Vorwürfen kann schließlich sogar zur kindlichen Depression führen.
Neue Erkenntnisse belegen, dass das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom eine genetisch bedingte Erkrankung ist. Betroffenen Kindern mangelt es an Botenstoffen im Gehirn, die dafür sorgen, Informationen richtig zu verarbeiten und die Wahrnehmung zu koordinieren. Das hyperaktive Kind befindet sich ständig in einer Art Alarmzustand. Diese Erscheinung lässt sich mit Medikamenten behandeln: Der Wirkstoff Methylphenidat bringt die Botenstoffe wieder auf ein normales Niveau, die Kinder beruhigen sich, werden ausgeglichener und zugänglicher. Damit steigt ihre Chance, auch einmal positive Rückmeldungen zu bekommen, sie werden gelobt, erzielen Erfolgserlebnisse und steigern ihr Selbstwertgefühl.
Die medikamentöse Behandlung macht allerdings nur Sinn, wenn auch tatsächlich ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom vorliegt. Um das festzustellen, ist eine sorgfältige Diagnose erforderlich, spezialisierte Kinderärzte oder Kinderpsychiater müssen das Kind untersuchen und mehrere genau definierte Symptome über einen Zeitraum von mindestens einem halben Jahr feststellen.
Die Diagnose ist deshalb so wichtig, weil Unruhe, Konzentrationsstörungen oder Aggressionen auch die Folge von Überforderung und seelischer Not sein können. Nicht selten sind Kinder heute frühzeitig auf sich allein gestellt, überforderte Eltern ziehen kaum noch Grenzen, der Fernseher ersetzt die Erziehung. Schon die Drei- bis Fünfjährigen sitzen im Durchschnitt jeden Tag 76 Minuten vor der Glotze -meistens allein. Erzieher und Kinderärzte betrachten die Bilderflut mit Sorge. Denn in den meisten Kindersendungen herrscht das Chaos - endlose Comic-Episoden schleppen sich unmotiviert von Kampf zu Kampf. Wer sich täglich durch dieses Programm zappt, kann leicht zum Zappelphilipp werden.
Aber auch wenn die Diagnose "genetisch bedingte Aufmerksamkeitsstörung" steht, ist es mit Medikamenten alleine nicht getan. Denn auch hierbei gehen Experten davon aus, dass soziale Einflussfaktoren die Symptome verstärken. Eltern brauchen Unterstützung und Beratung, damit sie an ihr Kind glauben und es immer wieder ermuntern. Besonders wichtig sind eine strukturierte Umgebung, klare Tagesabläufe und feste Regeln. Die Behandlung sollte in jedem Fall durch Verhaltens- oder Familientherapie ergänzt werden.
Tipps für betroffene Eltern
· Loben Sie Ihr Kind, so oft es geht! Hyperaktive Kinder brauchen besonders viel Bestätigung.
· Sorgen Sie für feste Regeln!
· Ein Kind braucht Fixpunkte: Das fängt beim Aufstehen an - auch Mahlzeiten und Bettruhe sollten möglichst immer zur gleichen Zeit
stattfinden.
· Seien Sie eindeutig! Ziehen Sie rechtzeitig Grenzen, treffen Sie klare Entscheidungen.
· Verbannen Sie ablenkende Dinge!
· Richten Sie für Ihr Kind einen Platz ein, an dem es ungestört lernen oder Hausaufgaben machen kann.
· Räumen Sie dort alles weg, was ablenkt: Comics, Game-Boy oder Pokemon-Karten. Entfernen Sie den Fernseher ganz aus dem Kinderzimmer.
Ich habe dies absichtlich so ausführlich beschrieben, um einen Einblick in diese Umfangreiche Problematik zu geben. Wir haben selbst ein „ADS“-Kind. Wir haben allerdings aus Prinzip auf den Einsatz von Medikamenten verzichtet und es nur mit einer Therapie versucht, was Gott sei Dank bisher hervorragende Verbesserungen im Verhalten des Kindes gebracht hat.
Aber letztendlich muss jeder für sich entscheiden: Medikamente ja oder nein.
15 Bewertungen, 3 Kommentare
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21.08.2003, 09:10 Uhr von Miyuki
Bewertung: sehr hilfreichLeider setzt ADS sich oft ins Erwachsenenalter fort - ich bin 27 & habe erst vor einem halben Jahr meine Diagnose bekommen. Ich habe vor kurzem eine Therapie begonnen, bekomme aber auch gleichzeitig Equasym - gleicher Wirkstoff wie Ritalin.
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12.06.2002, 13:59 Uhr von Jakini
Bewertung: sehr hilfreichDer Bericht macht mir Hoffnung in Bezug auf meine mittlere Tochter, die sehr wild ist. Oft habe ich gehört, sie wäre unerzogen und verwöhnt, kann gut sein, sie ist ein Folgekind, das erste Kind nach dem Tod des Bruders. Doch ich binmir siche
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10.03.2002, 00:12 Uhr von Ilenia
Bewertung: weniger hilfreichUnd wo sind die Erfahrungen ? Das wirkt auf mich, wie ich es in jedem Lehrbuch über ADS nachlesen kann.
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