Ausbildung - Tipps & Tricks Testbericht

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Erfahrungsbericht von matthew

doppelbelastung, eines der Maurer werden wollte ,und die Fachhochschulreife mitnahm.

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Im September 99 begann ich meine Ausbildung als Maurer mit Fachhochschulreife. In Fachkreisen nennt man diese Ausbildung auch DOMAZI oder Doppelqualifizierung - Maurer mit Fachhochschulreife.

Meine Gedanken dazu waren: \"Ich erlerne den Maurerberuf und erlange in 3 Jahren Ausbildung gleichzeitig die Hochschulreife\". Aber es kam alles ganz anders. Die Ausbildung verlief eigentlich ganz normal, nur musste man ja die Hochschulreife auch noch unter den Hut bringen.

Die praktische Ausbildung fand in einem Ausbildungsbetrieb in Schwerin und überbetrieblich im ABC-Bau Rostock (hier verbringt man die meiste Zeit und lernt das Mauern) statt.
Mit vielen anderen Auszubildenden verbrachte ich die meiste Zeit in einer grossen Halle, 2 Gruppen a ca. 20 Azubis. Die Gruppenzusammensetzung der praktischen Ausbildung durchlief auch gemeinsam die Theorie. Also durften wir uns über drei Jahre gegenseitig den Nerv rauben. Erholung voneinander gab es nur, wenn man im Ausbildungsbetrieb arbeiten musste.
Unter Anleitung eines nicht immer gut gelaunten Lehrmeisters, ist ja auch kein Wunder bei der nervigen Jugend, durften wir dann unsere ersten Gehversuche starten. Zu unseren Glanzstücken gehörten Kamine, Treppen und ganzen Haushälften. Das schönste waren die Verputzarbeiten. Sie stärkten besonders die Armmuskeln und ersparten einem damit den Gang ins Fitneßzentrum. Aber nicht nur der Körper wurde trainiert, sondern auch der oft schwache Geist fand seinen Einsatz beim Mauern von Rundbögen und Fensteröffnungen. War der Geist dann richtig in Hochform, erbarmte sich der Lehrmeister und führte uns in die Bereiche Strukturputz, Rauputz und Verklinkern mit Ziegeln ein. Am wohlsten fühlten wir uns, wenn die Aufräumungsarbeiten begannen und wir unser mühevolles Tageswerk wieder abreißen durften. Gemauert wurde mit Kalksandstein, die immer wieder verwendet wurden. Als Mörtel benutzten wir ein Gemisch aus Kalk und Kies. Der Nachteil war, daß die Steine nach dem Abriß von Hand gesäubert werden mußten. Noch mehrmaligem Säubern sahen sie dann aus wie Bonbons (rund und keine Ecken mehr). Auch hatten sie an Gewicht zugenommen, weil sie das Wasser vom Mörtel aufsaugten. Da die Zeit zum Trocknen nicht immer ausreichte, blieb uns geknechteten Lehrlingen nichts weiter übrig, als mit diesen schweren Steinen zu mauern. Jeder kann sich bestimmt vorstellen, daß unsere Arme stets etwas länger waren als normal und unsere Handgelenke anfingen zu quietschen. Nicht vergessen möchte ich das Sieben des Mörtels, ein notwendiges Übel, da sich durch die Steinsäuberungen immer wieder abgeplatzte Ecken darunter mischten.
An manchen Tagen waren wir ganz schön entkräftet. Der Kalk zog einem das Wasser aus den Fingern, Mörtelspritzer wollten unbedingt ins Auge und Unmengen von Staub füllten neben dem Zigarettenrauch unsere Lungen, da die Abzugsvorrichtung mal wieder aus Geiz abgeschaltet blieb. Dieses Trainingsprogramm, auch überbetriebliche Ausbildung genannt, beherrschte unseren Geist und Körper in der Regel 2-3 Wochen. Danach wurde 2-3 Wochen die Intelligenz getestet oder der Ausbildungsbetrieb benötigte dringend unsere billige Arbeitskraft für 3 Wochen. Die schönste Zeit des Jahres durften wir auf den Baustellen unserer Ausbildungsfirmen verbringen. Das war immer eine große Freude für die verantwortlichen Bauleiter und Poliere. Aber um mal den Ernst in den Vordergrund zu stellen, die ersten Wochen auf den heimischen Baustellen waren schon sehr anstrengend, wenn man sich nicht gerade ausruhen durfte beim Aufräumen.
Mit fortgeschrittener Zeit wurden wir aber nicht nur im Mauern ausgebildet, sondern auch an andere Baugewerke heran geführt. Hierzu gehörten Strassenbau, Holzbau(Zimmerer), Trockenbau, Stahlbetonbau und Fliesenlegen.

Und dann kam für uns der richtige Kracher, die Berufsschule. Der Unterrichtsstoff war eigentlich dem einer normalen Maurerlehre ähnlich, nur wir waren ja ausgesuchte Superexemplare und die mußten etwas mehr in ihren Köpfen unterbringen können. Also nahmen wir unsere restliche Kraft zusammen und quälten uns durch die Fächer Hochbau, Werkstoffkunde, fachbezogene Mathematik, Deutsch, Sozialkunde, Sport und die Hochschulfächer Statik, Mathematik, Englisch, Chemie, Physik, Philosophie. Zu unserem Lieblingsfach erwählten wir die Statik, schon zu erkennen an dem Klassendurchschnitt von 4. Natürlich lag dieses schlechte Ergebnis nicht nur an uns. Man hätte für dieses Fach einfach mehr Zeit einplanen müssen und diese Worte sind mal wieder ernst gemeint. Dazu kam dann noch, daß die schullose Zeit einfach zu lange bemessen war. Da hatte sich der jugendliche Querkopf so angestrengt und nach vier Wochen schulfrei, war alles wieder weg. Ich glaube, wir hatten oft keinen Kopf, sondern einen Käse mit sehr großen Löchern, auf den Schultern.

Ich muß ehrlich eingestehen, es war eine anstrengende Ausbildung. Von anfangs 23 Schülern traten nur 12 zur Abschlussprüfung an und erlangten mit Müh und Not die Hochschulreife.
Es gab 2 Prüfungen, einmal die zum Maurergesellen und einmal die zur Hochschulreife.

Trotz eines Krankenaufenthaltes zwischen den Prüfungen habe ich es geschafft und möchte hiermit unseren Lehrern ein großes Lob aussprechen. Sie hatten es nicht immer einfach mit uns. Da wir oftmals die Klappe zu weit aufrissen oder vor Müdigkeit den Kopf auf den Schulbänken ausruhten.

Diese Ausbildungweg ist, so viel ich weiss, einzigartig in Deutschland. Man macht eine Lehre plus Hochschulreife in 3 Jahren. Normal ist 3 Jahre Lehre und dann 1 Jahr Fachhochschule. Ich habe also 1 jahrchen gesparrt wenn man es so sagen will.

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