Ausbildung der Ausbilder (AdA) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Leseratee

"Moment, ich muß erst im Handbuch nachschauen - mauern, aufräumen und ???."

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

„Moment, ich muß erst im Handbuch nachschauen – mauern, aufräumen und ???.“

Ein Titel, der zu tausend Prozent auf den Ausbildungsbetrieb meines Sohnes zutrifft. Selbstverständlich gibt es auch Firmen, die über ein gut funktionierendes Lehrlingsprogramm verfügen, nur eben nicht diese Firma. Ich war immer sehr Stolz dort zu arbeiten, aber als mein Sohn seine Lehre begann und mich ständig nervte mit den Worten: „In was für einem Laden arbeitest du eigentlich“, begann ich für einige Dinge, um die ich mich vorher nicht gekümmert habe und auch nicht mußte, die Augen etwas weiter zu öffnen.

Wie in meinem Steckbrief zu lesen ist bin ich arbeitslos. Vorher habe ich 23 Jahre in einem Baubetrieb als Sekretärin gearbeitet, davon die letzten 11 Jahre im Büro der Geschäftsleitung. So kenne ich eigentlich sehr gut die Unterschiede der Lehrlingsausbildung in der ehemaligen DDR und danach. Wenn ich von Lehrlingsausbildung schreibe, bezieht sich das auf die innerbetriebliche Ausbildung. Es soll keine Wehmutsbeschreibung sein, sondern aufzeigen, daß einige Dinge sehr gut hätten übernommen werden sollen. Wenn ich das jetzt alles so aufschreibe, kommt mir der Verdacht -Geld vom Staat für die Lehrlinge kassieren, aber ja nichts für sie tun -. Billige Arbeitskraft, die den Mund halten sollte. Kritiker sah man überhaupt nicht gerne und mein Sohn war ein eifriger Kritiker, also immer etwas unbequem.

Zu DDR-Zeiten wurden die Lehrlinge, wenn sie in den Ferien auf die Baustellen verteilt worden sind, in sogenannten Lehrlingsbrigaden zusammengefaßt. Jeder Brigade war ein Ausbilder zugeteilt, der sie zu ihren Arbeiten einteilte, Kritik übte, sie anleitete, die Arbeit überwachte und mit Rat und Tat zu Seite stand, wenn es mal nicht so funktionierte. So waren sie nie sich selbst überlassen und wurden von einer Ecke in die andere geschubst, weil keiner so recht wußte, wo er sie einsetzen sollte.

Mein Sohn genoß eine Ausbildung als Maurer mit Fachhochschulabschluß. Eine teure Ausbildung nicht nur für den Lehrling, sondern auch für den Betrieb. Die Einmaligkeit dieser Ausbildung sollte eigentlich für den Betrieb eine Verpflichtung gegenüber dem Lehrling sein.
Die Einsätze meines Sohnes auf den Baustellen waren oftmals sehr chaotisch. Klar, zuerst konnte er noch nicht viel und mußte sich an Aufräumungsarbeiten beteiligen, aber auch nachdem er bereits im zweiten bzw. dritten Lehrjahr war, verbesserte sich dieser Zustand kaum. Manchmal wurde ihm erlaubt zu mauern, öfter mußte er Urlaub nehmen, weil man nicht wußte wohin mit ihm oder er wurde artfremd in der maschinentechnischen Abteilung eingesetzt.

Für die Lehrlinge gab es außerhalb der Baustellen einen Betreuer, der keine Vorstellung von dem Niveau seiner Ausbildung hatte und auch die Bauleiter und Poliere auf den Baustellen konnten damit so recht nichts anfangen.
(Die Ausbildung, die mein Sohn in Anspruch nahm, gibt ihm die Möglichkeit, nach erfolgreichem Abschluß, sofort ein Studium zum Bauingenieur aufzunehmen.)

Da mein Sohn schon etwas älter war, er hat seine erste Ausbildung im zweiten Lehrjahr abgebrochen, waren natürlich seine Vorstellungen und Gedanken über die Ausbildung etwas gereifter. In einem Gespräch erzählte er mir dann, daß er gerne mal mehr Einblick in die Arbeit des Bauleiters haben möchte. Dazu zählt zum Beispiel die Organisation einer Baustelle, die Materialabwicklung, die Angebotsauswertung und das Lesen von Bauplänen. Ich fand diese Idee super und sagte zu ihm, spreche mit deinem Betreuer darüber, was er auch tat. Aber dieses Gespräch fruchtete leider nicht. Noch heute stelle ich mir die Frage, warum eigentlich nicht. Er mußte weiterhin seiner Maurerarbeit nachgehen oder die Baustelle aufräumen.

Im Personalbüro gab es noch eine Mitarbeiterin, die den bürokratischen Kram für die Lehrlinge erledigte und Ansprechpartnerin sein sollte, wenn es Probleme gab, aber auch sie reagierte nicht auf sein Anliegen. Den Weg zum Personalchef ersparte er sich, denn der hatte überhaupt keine Ahnung von Lehrlingsbetreuung. Ihn interessierten bloß die schulischen Leistungen. Ich muß zur Schande meiner ehemaligen Firma eingestehen, sie waren froh, wenn er weit weg in der Schule war. Es herrschte die totale Gleichgültigkeit, was den innerbetrieblichen niveauvollen Einsatz betraf. Man war nur richtig „scharf“ auf allerbeste Noten. Doch eine Ausbildung besteht nicht nur aus Theorie. Ich erinnere mich noch wie mein Sohn eines Tages sagte, wie soll ich eigentlich im Betrieb das Mauern weiter üben, wenn man mich nicht läßt. So freute er sich immer, wenn er der Firma den Rücken kehren konnte.

Am liebten hätte ich mich eingemischt, aber mein Sohn hat es mir verboten und ich habe mich daran gehalten. Nicht ganz, drei Monate bevor ich die Firma verlassen mußte, konnte ich mir einen entsprechenden Kommentar nicht verkneifen, aber da war seine Ausbildung bereits beendet. Sollte sich jetzt jemand die Frage stellen, warum ich nicht doch früher reagiert habe, kann ich nur schreiben, es wäre für die Ausbildung meines Sohnes nicht sehr vorteilhaft gewesen.

Als ich vor zwei Tage über diese Rubrik gestolpert bin, mußte ich sofort wieder an seine Ausbildung denken. Angefangen von der Mitarbeiterin im Personalbüro, die eingeschüchtert war vom Personalchef bis zum Polier auf der Baustelle, sie alle sollte man in ein Programm stecken mit dem Titel „Ausbildung der Ausbilder“. Aber wer schickt sie dahin? Die Lehrlinge?

Es gibt diesen wunderbaren Spruch, den einige Eltern und Großeltern immer wieder gerne vom Stapel lassen „Lernjahre sind keine Herrenjahre“. Ich finde diesen Spruch abgedroschen und die, die ihn benutzen, haben wohl keine besseren Einfälle. Alles entwickelt sich vorwärts, warum nicht auch die Lehrlingsausbildung?

34 Bewertungen, 3 Kommentare

  • Estha

    02.10.2008, 10:22 Uhr von Estha
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hallöchen, ich wars nur ...

  • hjid55

    11.02.2007, 12:34 Uhr von hjid55
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & lg Sarah

  • Baby1

    16.12.2006, 01:15 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    ~~ * LG Anita * ~~