Autogas Testbericht

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Erfahrungsbericht von mariokoehler

Ich fahre ein Raketenfahrzeug - dank Autogas

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Seit Mai 2002 spielte ich mit dem Gedanken, mein Fahrzeug auf den bivalenten Autogas-Antrieb umrüsten zu lassen. Der Grund war denkbar einfach: die Ökosteuer steigt und steigt (Grüne sei Dank!), ebenso die Steuern für die Kraftstoffe Benzin und Diesel (auch hier ein Hoch auf die Rot-Grün-Regierung!) Im Portemonnaie hingegen herrscht, besonders für den kleinen Bürger, gähnende Leere vor. (Vielen Dank, Herr Eichel!)

Nun gut. Die Entscheidung, sich für einen zukunftsweisenden und nicht sehr häufigen Antrieb zu entscheiden, habe ich nicht nur aufgrund der (in meinen Augen: unfähigen) Regierung getroffen. Nein. Während meines Frankreich-Aufenthaltes bemerkte ich an vielen Tankstellen den Zusatz "G.P.L", den ich auch an fast jeder Tankstelle in den Niederlanden und Belgien lesen konnte. Diese Abkürzung, die in Deutschland als "LPG" bekannt ist, bedeutet nicht etwa, wie Ex-DDR-Bürger vermuten könnten, "Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft", sondern "gaz de pétrole liquéfié", also "Flüssig-" oder "Autogas".

Was hat es nun mit diesem Autogas auf sich? Die Zahlen sprechen nicht gerade für sich. Während in Italien ca. 1.200.000 Fahrzeuge mit Autogas fahren (in Frankreich sind es knapp 500.000 Fahrzeuge, in Portugal 50.000), trifft man in Deutschland relativ wenige Fahrzeuge dieser Gattung an. Nicht einmal 10.000 Autogas betriebene Fahrzeuge sind in Deutschland zugelassen. Das mag am früheren Benzinpreis liegen, der im Europavergleich doch recht niedrig war und einen hohen Kostenaufwand für die Installation einer Autogas-Anlage nicht rechtfertigte. Jetzt allerdings ist eine Installation einer Autogas-Anlage interessant, da ein Liter Super momentan 1,06EUR kostet, 1 Liter Autogas ist hingegen für 0,51EUR zu bekommen. (Die Autogas-Preise können sich je nach Lieferant und Region unterscheiden.)

In Belgien oder den Niederlanden kann man an den Autobahntankstellen Autogas für ca. 0,40EUR pro Liter erwerben, auf Landstraßen liegt der Literpreis noch einmal bis zu 4Ct niedriger.

Doch welche Vorteile bietet Autogas?
Zuerst ist die gesetzliche Preisfestschreibung zu nennen. Selbst die Ökosteuer kann am Preis höchstens 0,3Ct verändern. Autogas gilt als zukunftsweisend und wird daher bis 2009 staatlich gestützt. Das bedeutet, daß ich noch 7 Jahre lang für stabile Preise tanken kann. Das Autogas verbrennt im Gegensatz zu Benzin rußfrei. Dadurch wird der Motor geschont, es sammelt sich in den Kolben und im Öl kein Ruß an, die Ölschlammbildung wird weitgehend verhindert. Der Motor läuft hörbar ruhiger, da die Oktanzahl des Autogases bei ca. 110 liegt. (Normalbenzin: 91, Super: 95.)
Einige sagen, daß die Zündkerzen- und Ölwechselintervalle verdoppelt werden können, jedoch würde dann der Motor nicht mehr geschont als mit Benzin. Also lieber die Intervalle einhalten.
Oftmals kursiert das Gerücht, daß Motorschäden bei Autogasfahrzeugen häufiger auftreten als bei Benzinfahrzeugen. Das war vielleicht früher so, als die Fahrzeuge noch Vergaser hatten. Durch neue Technik werden Fehlzündungen (Backfire) jedoch vollständig ausgeschlossen. Also keine Angst.
Andere Besserwisser sagen, daß Motoren eher überhitzen, da Autogas heißer als Benzin verbrennt. Das mit der Verbrennungstemperatur stimmt zwar, aber das ganze Autogas-System ist an den normalen Kühlkreislauf angeschlossen. Sollte der Motor also etwas wärmer werden, wird dies durch das Kühlsystem geregelt. Der Motor ist also schlußendlich auch nicht heißer also sonst.

Die Nachteile?
Ja, es gibt auch Nachteile. Der Gas-Verbrauch liegt etwa 10-15% höher als der Benzin-Verbrauch. (Mein Autogas-Verbrauch ist statistisch etwa 13% höher als im Benzin-Betrieb.) Das liegt jedoch an der chemischen Dichte des Autogases und hat rein physikalische Gründe. Das Tankstellennetz ist nicht flächendeckend. Ich persönlich habe Glück, denn im Umkreis von ca. 40km habe ich die Auswahl zwischen 5 Tankstellen. Jedoch werden täglich neue Flüssiggastankstellen eingerichtet. Und wer sein Haus mit Gas heizt und einen Flüssiggastank im Garten hat, der kann sogar eine private Tankstelle für das Auto im Garten errichten, denn Autogas und Heizgas sind identisch. Entweder reines Propangas oder ein Gasgemisch 50:50 bzw. 60:40 Propan/Butan.

Am besten kommt man mit einem Gasgemisch. Bei reinem Propan wird der Verbrauch höher, jedoch ist Propan winterfester als Butan.

Eigene Erfahrungen:
Nachdem ich seit Mai 2002 mit dem Gedanken gespielt habe, eine Autogas-Anlage einbauen zu lassen, habe ich im Juli 2002 den Auftrag zum Einbau gegeben. Erstes Problem: eine Autogas-Anlage war nicht fristgerecht lieferbar, da momentan eine hohe Nachfrage besteht. Erst Ende September rief mich mein Autohaus an, die Autogasanlage bekommen zu haben. Der Einbau an sich dauert nur 4 Werktage, da jedoch der Gaseinfüllstutzen fehlerhaft produziert wurde, mußte erst Ersatz bestellt werden. Ich wartete also knapp 14 Tage auf den Umbau. (Und bekam kostenlos einen Mietwagen von meiner Werkstatt.)

Der erste Eindruck mit Autogas war durchaus positiv. Im Motor hat sich nicht wirklich viel verändert (Fotos siehe Homepage), im Innenraum wurde ein Steuergerät zum Umschalten vom Benzin- auf Autogas-Betrieb angebracht. Das Fahrzeug startet IMMER mit Benzin. Selbst, wenn der Schalter auf "Autogas" steht, wird das Auto mit Benzin starten. Bei einer bestimmten Drehzahl schaltet das Steuergerät automatisch auf den Gasbetrieb um. Normalerweise merkt man davon nichts, lediglich bei kälteren Temperaturen könnte der Motor ruckeln oder unter Umständen ausgehen. Daher empfehle ich, nach dem Anlassen im Leerlauf auf das Gaspedal zu treten, bis das Steuergerät auf Gas umschaltet. Läuft das Auto erst einmal mit Gas, kann nichts mehr schief gehen.

Der Tank befindet sich an der Stelle des Ersatzrades in der Ersatzradmulde und faßt 51 Liter. Jedoch können davon nur 80% befüllt werden - es gibt eine Füllstopp-Vorrichtung, die es dem Gas ermöglicht, sich auszudehnen. Die Reichweite ist daher verhältnismäßig gering; etwa 400km auf der Autobahn und 500km auf der Landstraße. Da jedoch der Antrieb bivalent ist, kann man während der Fahrt auf den Benzinbetrieb umschalten. Das kann man beispielsweise machen, wenn keine Autogastankstelle in der Nähe ist. Weiterer Vorteil: mit beiden Kraftstoffen erzielt man eine Reichweite von insgesamt ca. 1000km!
Übrigens gibt es kein Ersatzrad mehr, denn dort sitzt nun der Gastank. Anstelle des Ersatzrades führe ich nun eine Reifenfüllflasche mit, und sollte mir tatsächlich ein Reifen platzen, wo mir eine Füllflasche wenig hilft, dann kann ich immer noch auf die Gelben Engel zurückgreifen.

Die Vibrationen im Wagen sind hörbar niedriger, der Motor viel leiser. Eine theoretisch schwächere Motorleistung von bis zu 10% habe ich persönlich nicht bemerkt. Auf der Autobahn genehmigte sich mein Kia Rio 1.5LS (98PS) 9,9 Liter Autogas, was ungefähr 8,7 Litern Benzin entspricht. Auf reinen Landstraßen habe ich pro 100km sogar einmal nur 8,1 Liter auf 100km benötigt, was nur ca. 7,1 Litern Benzin entspricht.

Unter http://autogas.mariokoehler.net habe ich einige Fotos von meinem Autogas-Fahrzeug und eine technische Beschreibung der Anlage veröffentlicht. (Wenn der Server nicht ausgefallen ist, lohnt sich sogar ein Besuch!) Außerdem wird man eine stets aktuelle Langzeitstatistik bezüglich des Verbrauchs finden.

Ich fahre monatlich 2000km. Bei einem Verbrauch von 8,1 Litern benötige ich monatlich ca. 162 Liter Autogas, was mich knapp 83,00EUR kostet. Um 2000km mit Benzin zurücklegen zu können, benötige ich zwar nur 146 Liter (bei einem Verbrauch von 7,3 Litern), bezahle aber dafür 153,00EUR. Ersparnis pro Monat: 70,00EUR, im Jahr 840,00EUR.
Die Installationskosten von 2050,00EUR haben sich also nach 2 Jahren und 5 Monaten amortisiert.

Fazit: Manchmal muß man investieren, bevor man Gewinn macht. Für Autogas spricht ferner die Möglichkeit, das Fahrzeug in Zukunft als Autogas-Fahrzeug besteuern zu lassen; zukünftig soll es nicht nur Steuermarken für Diesel- und Benzinfahrzeuge geben, sondern auch für Autogas-Fahrzeuge.
Und wer mit dem Gedanken spielt, sich einen Diesel- oder Benziner zu kaufen, der sollte einen Benziner nehmen und gleich auf Autogas umrüsten lassen. Die Installationskosten entsprechen den Mehrkosten bei Dieselmotoren, die Unterhaltungskosten sind beim Kraftstoff ähnlich niedrig, nur sind die Steuern für ein Dieselfahrzeug höher als die für einen Benziner oder Gaser.

Update April 2003: Nach jetzt mehr als 15.000 mit Autogas zurückgelegten Kilometern ziehe ich eine positive Bilanz. Und wenn ich mir - besonders auf Reisen durch Europa - den Benzinpreis ansehe und mit dem Gaspreis vergleiche, dann kann ich schon schmunzeln. Autogas kostet hier in Deutschland etwa 0,53€, in den Niederlanden ist es auf der Autobahn für etwa 0,46€ pro Liter zu bekommen; im grenznahen Gebiet ist es etwas teurer. Den absoluten Superpreis hat Belgien zu bieten - hier habe ich auf der Autobahn für sagenhafte 0,339€ getankt! In Frankreich muß man zwischen 0,52€ und 0,62€ bezahlen, in Portugal bekommt man es für knapp 0,50€. In Spanien habe ich keine einzige LPG-Tankstelle gesehen, was aber aufgrund des recht niedrigen Benzinpreises nicht so schlimm ist.

Die Verbrauchswerte "ausländischer" Gassorten sind sehr unterschiedlich zum "deutschen" Gas. Während ich hier in Deutschland schon Verbrauchswerte von unter 8 Litern (Landstraße) gemessen habe, liegt der Verbrauch mit niederländischem, belgischem und französischem Gas weitaus höher. Bei gemäßigter Landstraßenfahrt ist der Verbrauch nicht unter 9,5 Liter zu bringen, auf der Autobahn genehmigt sich mein Kia schon mal knapp 11 Liter. In Portugal lag der Verbrauch etwas niedriger, dennoch sind knapp 10 Liter (Autobahnfahrt) sehr hoch. Das mag an der Zusammensetzung des Gases liegen. Hier in Deutschland wird ein Propan-Butan-Gasgemisch angeboten, in Portugal scheint es teilweise reines Butangas zu sein, was der Schriftzug "Butagáz" auf den Tanks neben der Zapfsäule nur bekräftigt. Auch in Frankreich scheint man sich Butangases zu bedienen, in Belgien konnte ich hingegen "Propan" auf einem Primagas-Gasbehälter lesen. Vielleicht sind die Gassorten auch regional unterschiedlich. Eines scheint sich jedoch zu bestätigen: Gasgemische verwenden Holland, Belgien, Frankreich und Portugal wohl nicht.