Bangkok Testbericht

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Erfahrungsbericht von sili74

Stadt der Gegensätze

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Die Thai nennen sie Krung Thep oder „Stadt der Engel“. In der Vergangenheit wurde sie von westlichen Besuchern als Venedig des Fernen Ostens bezeichnet. Für uns heißt sie Bangkok, und sie ist die Hauptstadt Thailands, des alten Königreiches Siam.
Als im 16. Jahrhundert die ersten Europäer nach Thailand kamen, war Bangkok nur ein kleines Fischerdorf, in dem auch chinesische Kaufleute und Kunsthandwerker wohnten. Heute präsentiert sich Bangkok als eine von lebhaftem Treiben erfüllte Metropole, in der auf faszinierende Weise Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen.



Eine Stadt der Gegensätze
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Im Jahre 1782 verlegte König Rama I., der erste König der gegenwärtigen Dynastie der Chakkris, die Hauptstadt Siams von Thonburi über den Fluß Chao Phraya nach Bangkok. Hier, am Ostufer einer Flussbiegung, erbaute er seine Residenz, den königlichen Palast. Da der Fluss die Stadt an drei Seiten umfließt, wurde sie von zahlreichen Kanälen — Klongs genannt — durchzogen, die als Wasserstraßen dienten sowie zur Wasserversorgung, als Waschgelegenheit und als Marktplatz. „Venedig des Fernen Ostens“ war tatsächlich ein passender Name für die Stadt.

Heute hingegen finde ich keine idyllischen Szenen an schimmernden friedlichen Kanälen mehr vor, wenn man von den sogenannten „Schwimmenden Märken“ mal absieht. Auch die meisten auf Pfählen erbauten Häuser und die Bambusflöße sind nicht mehr da. Statt dessen treffe ich auf eine lärmende Metropole voller Betonbauten und Neonlichter mit endlosen Verkehrsstaus, eine Stadt, in der das Überqueren der Straße ein schreckliches Erlebnis ist Die meisten Kanäle wurden zugeschüttet, um dem Straßennetz der Stadt zu weichen. Zwei-, drei- oder vierstöckige Geschäftshäuser haben die Wohnhäuser an den Kanälen verdrängt.

In vieler Hinsicht hat Bangkok mit seinen hohen Bürogebäuden und den klimatisierten Einkaufszentren ganz und gar westlichen Charakter angenommen. Doch direkt neben dem Ultramodernen befindet sich das Traditionelle — buddhistische Tempel, Heiligtümer und Geisterhäuschen. In einem buddhistischen Kloster meditieren und singen Mönche, und die Leute versuchen, dort Ruhe und Frieden zu finden. Draußen verstopfen endlose Schlangen von Autos, lauten samlors (offene, dreirädrige Taxis), Motorrädern und qualmenden Bussen und Lastwagen die Straßen, von denen einige vor nur hundert Jahren noch Elefantenpfade waren. Dementsprechend stinkt die Stadt auch bestialisch von den Abgasen. Und an heißen Tagen fällt einem vor lauter abgasverpesteter Luft das Atmen schwer.

In den vornehmen Wohngegenden der Stadt wohnen die Menschen in klimatisierten Apartments, die im westlichen Stil gestaltet sind. Doch am Stadtrand und in den ärmeren Stadtgebieten leben Familien, oft mehrere Generationen, in kleinen Holzhäusern, die kaum möbliert sind, aber gewöhnlich eine Fernsehantenne auf dem Dach haben.



Das religiöse Leben
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Etwa 95 Prozent der Thai sind Buddhisten. Das erste, was einem Besucher daher auffallen wird, ist die große Zahl glitzernder Tempel oder Wats mit den übereinander gelegten, spitz zulaufenden Stapeldächern und den reichverzierten Giebeln. Etwa 400 der 30 000 buddhistischen Klöster des Landes befinden sich in Bangkok. Am berühmtesten ist der Tempel des Smaragd-Buddha. Es handelt sich um die königliche Kapelle, die Thailands meistverehrten Gegenstand birgt, eine 61 Zentimeter hohe Buddhastatue aus grünem Kristall (genauer gesagt Jade). Sie wird als so heilig betrachtet, dass nur der König persönlich ihre drei verschiedenen Gewänder wechselt — jeweils zu Beginn der regnerischen, der kalten und der heißen Jahreszeit.

An einer der belebtesten Kreuzungen der Stadt steht Bangkoks bekanntestes Heiligtum mit einer vergoldeten Statue der vierköpfigen Hindu-Gottheit Brahma. Buddhismus und Hinduismus sind hierzulande von Anfang an verschmolzen gewesen.

Ein weiterer Bestandteil des fernöstlichen Gepräges sind die vielen Geisterhäuschen, die in der ganzen Stadt zu sehen sind. Nach Meinung der Thai ist jeder Landstrich von einem Schutzgeist besetzt, der besänftigt werden muss. Daher wird praktisch neben jedem Bauwerk, sei es ein Wohngebäude, ein Hotel, eine Bank, ein Bürokomplex oder sogar ein Kloster, ein Geisterhäuschen aufgestellt.

Die vermischten Glaubensansichten und religiösen Vorstellungen haben die Einstellung und das Denken der Thai in vielerlei Hinsicht geformt. Obwohl in den Augen der Buddhisten das Leben hauptsächlich aus Leid besteht, halten die Thai viel von sanuk (Vergnügen oder Spaß). Dies führt bei ihnen zu einer sorglosen und gelassenen Lebensauffassung. Wenn das auch mitunter hilfreich ist, so trägt es allerdings nicht zu einem reibungslosen Verkehr und zur Beachtung notwendiger Gesetze bei. Die Einstellung mai pen rai („Das macht nichts“) oder tam sabai („Immer mit der Ruhe“) hilft weder Probleme wie die Unordnung zu lösen, noch ermutigt sie zu weitsichtiger Planung. Und als Tourist hatte ich es deshalb mit den Bewohnern Bangkoks auch nicht immer leicht, obwohl die Thais wirklich sehr freundlich und hilfsbereit sind.

Das geduldige Ertragen unerfreulicher Verhältnisse erklärt sich unter andrem auch daraus, dass die Thai der Ansicht sind, vergangene Karma (Taten) seien für Unglück verantwortlich. Nicht nur scheint der Bauer mit seinem schweren Los im Leben zufrieden zu sein, sondern auch der durchschnittliche Autofahrer in der Stadt ärgert sich kaum darüber, wenn sich jemand mit seinem Auto direkt vor ihn setzt. Die Insassen eines überfüllten Busses lassen sich selbst dann nicht aus der Ruhe bringen, wenn das Fahrzeug während der stickigen Nachmittagshitze in einem der vielen Staus stecken bleibt. Diese Einstellung wird passenderweise als jai yen (kühler Kopf) bezeichnet.



Eine sich wandelnde Stadt
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Die traditionelle Lebensweise ist im Schwinden begriffen. Doch noch heute wird schon Kindern Achtung vor Älteren beigebracht. Es ist ein erfreulicher Anblick, zu beobachten, wie Schüler ihren Lehrer mit einem wai begrüßen; sie neigen den Kopf, wobei die Handflächen unter dem Kinn aneinandergedrückt werden.

Safrangelb gekleidete Mönche, die ihre allmorgendlichen Almosengänge machen, gehören in Bangkok zum Straßenbild. Viele junge Männer ehren nach wie vor die Tradition und leben für kurze Zeit als Mönche. Dies tun sie während ihres Urlaubs bei voller Bezahlung durch den Arbeitgeber.

Alle Straßen Thailands laufen in der Hauptstadt zusammen. Dies bringt den dichtgedrängtesten Verkehr Asiens, ja vielleicht der ganzen Welt mit sich. Viele Straßen wurden gebaut, indem man Kanäle zuschüttete. Die Folge sind Entwässerungsprobleme, verstopfte Abflussrohre und häufige Überschwemmungen, besonders während der jährlichen Regenzeit.
Hinzu kommt noch, dass Bangkok sinkt — über vier Zentimeter im Jahr. Wird daher das „Venedig des Fernen Ostens“, wo auf faszinierende Weise Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen, bald das „Atlantis des Fernen Ostens“ werden?



Fazit
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Ich habe Bangkok nur von seiner kulturellen Seite kennen gelernt. Dem Nachtleben und alles was damit verbunden ist, bin ich bewusst aus dem Weg gegangen. Deshalb enthält mein Bericht auch keinerlei Bezugnahmen darauf. Aber wie ich gesehen habe, gibt es dazu ja bereits viele Berichte.

Wer in Thailand ist, sollte sich Bangkok auf jeden Fall ansehen. Die Stadt hat viel zu bieten.
Allerdings bin ich der Meinung, dass Bangkok alleine die Reise nach Thailand nicht wert gewesen wäre. Deshalb auch nur 3 Sterne für Bangkok Stadt.

Die für mich schönsten Sehenswürdigkeiten, die bei weitem mehr asiatischen und buddhistischen Flair verbreiten, liegen außerhalb von Bangkok.
Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

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