Barcelona Testbericht

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Erfahrungsbericht von mugge

"Barcelona es bona si la bossa sona"

Pro:

Miro, Gaudi, Kultur,

Kontra:

latente Kriminalität

Empfehlung:

Ja

Barcelona

Am Meer wurde die Weltstadt Barcelona einst errichtet.
Ein idealer Ort an dem Kunst und Kulturen zusammentreffen und wo der Handel blüht.

Die mit ca. drei Millionen Einwohnern(inklusive Großraum) zweitgrößte Stadt Spaniens befindet sich im Nordosten der iberischen Halbinsel.Die Hauptstadt der Provinz Katalonien ist berühmt für Ihre Universitäten und genießt internationales Ansehen als Olympiastadt,als Zentrum des Cartoons und der spanischsprachigen Buchkunst sowie als Metropole des Design in Europa.

Geographisch gesehen wird Barcelona vom Mittelmeer im Osten zum Inland hin von zwei wesentlichen Hügelketten abgeschirmt. Der Berg Montjuic bildet die Stadtgrenze in westlicher Richtung ,die Sierra de Collserda hingegen im nördlichen Bereich.

Bevölkerung:

Barcelonas Bevölkerung besteht hauptsächlich aus Katalanen.
Diese Volksgruppe mit eigenen Wurzeln und eigener Sprache ,setzte
sich über die Jahrhunderte hinweg den verschiedensten Unterdrückungsversuchen zur Wehr und besitzt heute wieder weitgehende Autonomie gegenüber der spanischen Regierung. Katalanen gelten als hilfsbereit, fleißig, ehrlich verläßlich und ziemlich spanienuntypisch als pünktliche Menschen -ihre Geselligkeit bleibt dabei aber keinesfalls auf der Strecke.Wir hatten mal einen ultranationalen Katalanen an unserer Uni. Der einzige Mensch , der mit ihm Spanisch sprechen durfte war seine Freundin:-)

Geschichte:

Der Sage nach versuchte Herkules einst mit neun Schiffen das rettende Ufer zu erreichen, dort wo sich heute Barcelona befindet. Doch im Sturm gingen acht Schiffe verloren und so nannten die Überlebenden den Ort bar canona.

Als erwiesen gilt, das ca. 1000v.Chr. iberische Stämme im heutigen Stadtgebiet zu finden waren.
Um 131v.Chr. gab es dann eine römische Siedlung in der Nähe des Montjuic und die Stadt begann sich zu entwickeln.
Über die Jahrhunderte hinweg erlebte Barcelona nun häufig wechselnde Besitzverhältnisse.414n.Chr. eroberten die Westgoten die Stadt um sie dann 713n.Chr. an die Mauren zu verlieren ,ehe 801n.Chr. die Franken unter Ludwig dem Frommen davon Besitz ergriffen.
Später führten die militärischen Verdienste Guifred el Picos dazu, daß Barcelona Unabhängigkeit erlangte und unter den Grafen von Barcelona zu großer wirtschaftlichen Blüte gelangte.
Mit dem durch Heirat herbeigeführten Zusammenschluß der Grafschaft mit Arragon im Jahre 1134 erfolgte eine immense Ausweitung des Machtgebietes, z.B. auf Teile des Mittelmeerraumes.
Barcelona verfügte über bedeutende Handelsbeziehungen und ihre Einwohner waren stolz auf die bedeutensten Werftanlagen des Mittelalters, ein eigenes Parlament(Generalitat) und auf Ihre Ständevertretung(Cortes)
Mit der Entdeckung Amerikas 1492 sank der wirtschaftliche Stern Barcelonas rasch. Andere Städte verdienten Ihr Geld nun mit den reichen Schätzen der neuen Welt ,während die hiesige Kaufmannsschaft aus diesem erträglichem Geschäft ausgeschlossen wurde.
Im Jahre 1716 erfolgte neue politische Ungemach. Im Zuge des französischen Erbfolgekrieges verbot man die katalanische Sprache und hob die Unabhängigkeit auf.
Mitte des 18 Jhd. setzte dank der einsetzenden Industrialisierung eine neuerliche ökonomische Blütezeit ein.
Die Barcelonesen besannen sich auf ihre Wurzeln und so kämpfte die Bevölkerung ab 1890 erneut um Eigenständigkeit.Diese Bemühungen wurden 1932 mit Erfolg gekrönt.Die zweite Republik brachte die Autonomie zurück. Es sollte nicht lange so bleiben.
Nachdem ab 1936 der spanische Bürgerkrieg seinen Tribut unter der Bevölkerung forderte verloren die Katalonen 1939 ihre Freiheit wieder, als General Franco die Macht im Staate übernommen hatte.Nach dessen Tod erfolgte 1979 ein Volksentscheid für die Rückübertragung der früheren Rechte.

Wirtschaft:

"Barcelona es bona si la bossa sona"
"Wenn der Geldbeutel klingelt,geht es Barcelona gut."

Baumwollverarbeitende Industrie war es, die die neuzeitliche barcelonesische wirtschaftliche Hochkonjunktur begründete.
Um 1830 konzentrierte sich z.B. die Hälfte der spanischen Textilindustrie in der Stadt.Gegen 1870 folgte dann die Pharmaindustrie.

Heute ist die Provinzhauptstadt ein bedeutendes Finanzzentrum; eine Touristenhochburg; Zentrum des spanischsprachigen Verlagswesens in der Welt , sowie ein bedeutender Ort der Chemie,-Druck,-und Textilindustrie.
Wie schon in alter Zeit fällt auch dem Hafen heute eine große wirtschaftliche Bedeutung zu.

Stadtstruktur:

Bedingt durch die geografische Lage ,welche keine unbegrenzte Ausbreitung der Stadtgrenzen zuläßt, sowie durch Phasen wirtschaftlichen Aufschwunges und geschickter Städtebaupolitik erfährt Barcelona einen stetigen Wandel und bauliche Erneuerung.Der Stadtaufbau gliedert sich in drei große Bereiche:die Kernstadt mit dem malerischen Stadtkern ,einschließlich der Stadtteile Eixample ;Barceloneta und Montjuic , den suburbanen Bereich jenseits des Eixample und in die Industriegebiete.


Sehenswürdigkeiten

Die Altstadt:

Las Ramblas

Die von Barcelonas berühmtester Straße ,Las Ramblas , durchschnittene Altstadt ist einer der eindruckvollsten und harmonischsten Stadtkerne Europas. Las Ramblas, einst aus einem Gebirgsbach entstanden ist die heutige Prachtallee zwischen Plaza de Catalunya und Hafen Pulsader des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens der Stadt.Der Besucher findet hier Maler, Straßenkünstler; diverse Märkte und Erholung aller Art. Doch ein bisschen Vorsicht ist geboten. Unter die Touristen mischen sich gerne Hütchenspieler und Taschendiebe. Letztere sind besonders einfallsreich , wenn es um Beute geht. Mir wollte einmal in Madrid Sur ein Langfinger meinen Laptop direkt aus den Armen klauen. Dank einer mächtigen Kanonade spanischer Schimpfwörter meinerseits ließ der Spitzbube davon ab. Ein anderes Mal in Pamplona klaute mir ein gemeiner Dieb mein Handy aus der Hosentasche.
Besondere Beachtung verdient die Oper Grand Teatre del Liceu (weltberühmt für Wagnerinszenierungen und der Mailänder Skala in Größe und Prunk ähnlich);die unermeßliche Markthalle Boqueria ( dort gibt es lecker Obst und Fisch u.a.) ,sowie die über eine Seitenstraße erreichbare Plaza Reial -mit Palmen bestandener Inbegriff malerischer Schönheit .
Mein persönlicher Tip: Es ist sehr Lohnenswert dem Marinemuseum nahe des Hafens einen Besuch abzustatten.
Eine Galeere in Originalgröße ist das Highlight der Ausstellung. Der Hafen selbst ist Tummelplatz für Einheimische und Touristen. Riesige Seebrücken laden zum Schlendern ein. Außerdem laden eine Reihe von Restaurants zur Einkehr ein.

Barri Gotic

Weiter im Osten liegt das Barri Gotic -das Herz der Stadt.
Die Römer gründeten 27v.Chr. an dieser Stelle eine Siedlung.
Seitdem befindet sich dort die Stadtverwaltung.Hier im sogenannten gotischen Viertel findet man die mittelalterliche Kathedrale,den traditionsreichen Sitz des katalonischen Parlamentes(Generalitat) sowie den Palast der Katholischen Könige, wo Christopher Kolumbus 1493 nach seiner Rückkehr aus Amerika empfangen wurde.

Aber die Altstadt war auch ein Ort der Unterdrückung.
An der Stelle des heutigen Stadtparkes La Ciutadella verloren einst über zehntausend Menschen im Zuge borbounischer Willkür ihre Unterkunft.1714 ließ der Borbounenkönig Phillip V zum Bau einer Militärzitadelle ganze Straßenzüge abreißen.1869 wurde der Grund der Stadt Barcelona übergeben,woraus dann das Weltausstellungsgelände 1888 prunkvoll gestaltet wurde.
Heute findet man in den weitläufigen Parkanlagen das Museum für moderne Kunst,
sowie den zoologischen Garten.

Das Eixample:

Nördlich der Altstadt befindet sich das Eixample.
Die größte Stadterweiterung in der Geschichte Barcelonas fand nach 1854 statt.
Ildefons Cerda i Sunyer plante dieses Areal in einer schachbrettartigen geometrischen Anordnung,mit ausreichenden Grünflächen .Seine Pläne wurden aber nicht vollständig umgesetzt.

Der große Reichtum dieser Zeit führte dazu, daß die innovativsten ihrer Zeit vom Großbürgertum eingeladen wurden , ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Es entstand die größte Jugendstilgebäudesammlung Europas. Herausragensder Architekt der sogenannten Modernisme war Antoni Gaudi.Sein nievollendeter ,monumentaler Kirchenbau ,"Sagrada Familia", bestimmt auch heute noch maßgeblich Barcelonas Stadtbild .Für mich sieht die Kathedrale eher wie eine große Sandburg aus.

Innerhalb des Eixample am Passeig de Gracia befinden sich die schönsten Modernismebauten,das Goldene Viereck(Quadrat d'Or).Bewundern kann man dort z.B. das Tapiesmuseum ,architektonische Werke Gaudies wie z.B. die Casa Mila ,sowie den Block der Zwietracht(Illa de la Discordia)-Hort der berühmtesten Modernismebauten der Zeit zwischen 1900 und 1910.
Allen Fans von Gaudi sei ein Besuch im Parque Güell angeraten. Hier hat sich der Architekt fantasievoll ausgetobt.

Einzigartig ,ja geradezu revolutionär ist die Anlage des Krankenhauses Santa Creu zu bezeichnen.Luis Domenech versuchte durch die Einbettung der Krankenpavillions in eine Parkanlage und konsequente unterirdische Anlage aller Funktionseinrichtungen den Genesungsprozeß der Patienten zu unterstützen.

Montjuic:

Westlich der Altstadt schließt sich das Stadtgebiet Montjuic an.
Es ist einer der interessantesten Orte der Stadt.
Das heutige größte Naherholungsgebiet Barcelonas war einst wichtiger Ausspähpunkt katalonischer Admiräle und erstes Siedlungsgebiet im Altertum.Auf dem Berggipfel trutzt ein älteres Fort Wind und Wetter.
Hier oben sollten Touristen ein bisschen vorsichtig sein. Bei meinem Rundgang um das Museumsgemäuer sah ich etliche Obdachlose herumstreunen.

Die Weltausstellung 1929 brachte dem Hügel eine rege Bautätigkeit ein.
Der Besucher findet dort Ausstellungen über Katalonische Kunst , Archeologie sowie über Joan Miro.Das Museum Fundacion Miro ist sehr reichhaltig mit den Werken des Künstlers ausgestattet. Allerdings sollte man früh am Tage zu einem Besuch aufbrechen. Gegen Mittag kommen ganze Busladungen von Touristen an.

Für Architekturfreunde bietet das spanische Dorf(Abbild regionaler Baukunst Spaniens) eine interessante Fundgrube.
Es stimmt wirklich- Läuft der Besucher um eine Straßenecke wähnt er sich schon wieder in einem anderen Landesteil.
Als Gast ärgerte ich mich sehr über die maßlos übertriebenen Eintrittsgelder in das Dorf.

Imposante Bauten wie der Palau Nacional oder die Placa Espanya mit den gewaltigen Wasserspielen ,sowie olympische Anlagen befinden sich am Fuße des Berges..

Sport:

Sport scheint in der Olympiastadt hochgeschätzt zu sein.
Sportvereinen wie dem 1.FC Barcelona mit dem größten Fußballstadion Europas ist eine riesige Mitgliederschar beschieden. Fußball bot Zuflucht und Gemeinschaft im Kampf um Unabhängigkeit in der Francoära.
Großer Beliebtheit erfreuen sich auch Basketball, Tennis, Boule und Golf.

Am 17.10.1986 konnte IOC Präsident Samaranch,seines Zeichens Katalane, seiner Heimatstadt eine frohe Botschaft übermitteln:
Barcelona wird Olympiastadt-Ausrichter der olympischen Sommerspiele 1992.
Es kam zu Freudenstürmen in der Bevölkerung worauf Jahre baulichen Umbruches folgten.Städtebauliche Ideen und Großpprojekte(Flughäfen,Stadtsanierung etc.) konnten nun endlich in die Tat umgesetzt werden.

Kultur

Sardana:

Ausdruck für katalanisches Nationalgefühl ist der Sardanatanz.
Tänzer jeder sozialen Schicht vereinen sich ,um in majestätisch anmutenden Schrittfolgen zu den Klängen einer elfköpfigen Blaskapelle ihre innere Gemeinschaft zum Ausdruck zu bringen. Manchmal spielen die Bands auch auf der Rambla.

Feste:

In Barcelona versteht man es auch zu feiern.Zu den großen Festen herrscht Trouble in der Stadt. Die Feierlichkeiten,meist religiösen Ursprunges ,verteilen sich auf das ganze Jahr.Erstes Glanzlicht bietet die Ankunft der Heiligen Könige am 5.Januar.Am Abend finden ausgelassene Aufmärsche statt und artige Kinder erhalten traditionsgemäß Geschenke.Im Februar hält man Karneval worauf sich am 23.April das Saint Jordi Fest anschließt.Die Gelegenheit an einem Tag dem katalonischen Schutzpatron zu huldigen,zu Ehren Cervantes den Tag des Buches abzuhalten und der Tradition halber seiner Geliebten eine Rose zu verehren.
Im Juni hingegen geht es mystisch zu .Mit einem großen Feuerzauber wird die Johannisnacht am 23.Juni zum Tage gemacht.Aus einer Vielzahl weiterer Feste ist noch der Nationalfeiertag Kataloniens hervorzuheben.Der 11.september läßt engagierte Einwohner im Gedenken an die katalanische Niederlage gegen die Borbounen 1714 auf die Straße gehen.

Essen:

Wie überall in Spanien wird auch in Barcelona den kulinarischen Genüssen gefröhnt. Essen ist ein gesellschaftliches Ereignis, es fördert die Kontakte und den freundschaftlichen Zusammenhalt. Hier an der Küste findet man zu den Hauptmahlzeiten, mittags und abends ,häufig Meeresgerichte wie z.B. gegrillten Hummer mit Bohnen und auch deftige Hausmannskost wie gegrillte Blutwurst. Dazu fließt so mancher guter Tropfen Wein .Überhaupt herrscht in Spanien eine andere Eßkultur als in Deutschland.
Zum Frühstück gibt es meistens nur einen Kaffee. Später gegen 11 Uhr treffen sich die Menschen in Tapasbars um einen kleinen Happen zwischendurch zu essen. Am frühen Nachmittag erfolgt das Mittagessen , welches meist in einem der unzähligen Restaurants gehalten wird, bevor gegen 21 Uhr zu Abend gespeist wird.

Nachtleben/Musik:

Theater oder Jazz, große Straßenspektakel oder Oper ,Barcelonas kulturelles Leben ist reich an Abwechslung und Innovation .Größen wie Montserrat Caballe wurden in dieser Umgebung geboren, Maler wie Miro und Picasso zu neuen Werken inspiriert. In der modernen hiesigen Musikszene finden sich "Indie" -Strömungen ebenso ,wie Einflüsse der Klassik ,des Folk und alter spanischer Instrumentalmusik. Nachtschwärmer finden eine lebende Oase, gefüllt mit Bars, Ausstellungen und der Romantik des Augenblickes. Aus Barcelonba stammt auch die Flamenco Fusion Band '' Ojos de Brujo''.
Sie sind in Spanien und Lateinamerika derzeit sehr angesagt.

Design:

Die 80er Jahre, Zeit des Umbruches und der Erneuerung brachten Barcelona einen gewaltigen Bau,-und Designboom.
Weltbekannt ist z.B. der Stararchitekt und Designer Alfredo Arribas(*1954) geworden; er gilt als Begründer des Barcelona Style. Mit seinen Projekten schuf er eine neue Dimension der Raumnutzung und Formensprache. Sein Architektenbüro zeichnete sich z.B. für das Bühnenbild der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona verantwortlich, worauf verstärkt Großprojekte in Angriff genommen wurden. Fazit: Mein Lieblingsort in Spanien

PS: Ich schreibe auch bei dooyoo etc.

15 Bewertungen, 7 Kommentare

  • paula2

    26.01.2007, 10:27 Uhr von paula2
    Bewertung: sehr hilfreich

    toll! LG

  • anonym

    26.01.2007, 09:18 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :o)

  • pointofview

    26.01.2007, 01:31 Uhr von pointofview
    Bewertung: sehr hilfreich

    ~~~Sh + liebe Grüße von PoV~~~

  • morla

    25.01.2007, 23:37 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • sandrad198

    25.01.2007, 22:55 Uhr von sandrad198
    Bewertung: sehr hilfreich

    Supi! LG Sandra

  • sigrid9979

    25.01.2007, 22:30 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    *sh* lg Sigi

  • bodenseestern

    25.01.2007, 22:24 Uhr von bodenseestern
    Bewertung: sehr hilfreich

    ****liebe Grüße Petra****