Bauzeichner/in Testbericht

No-product-image
Leider kein Preis
verfügbar
Auf yopi.de gelistet seit 08/2003
Summe aller Bewertungen
  • Einstellungschancen:  durchschnittlich
  • Aufstiegschancen:  gut
  • Verdienstmöglichkeiten:  durchschnittlich
  • Sozialleistungen:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von ChopSuey

Wozu gibt´s eigentlich Architekten?

  • Einstellungschancen:  durchschnittlich
  • Aufstiegschancen:  durchschnittlich
  • Verdienstmöglichkeiten:  durchschnittlich
  • Sozialleistungen:  durchschnittlich

Pro:

Abwechslungsreich, macht Spaß, man wird gefordert, Sprungbrett für´s Studium

Kontra:

Hohe Anforderungen, kann ganz schön stressig werden, könnt besser bezahlt sein, Zukunft is fragwürdug

Empfehlung:

Ja

Heutzutage einen Aubildungsplatz direkt nach der Schule zu bekommen ist ja fast schon eine Glückssache. Und dann auch noch etwas zu finden was einem Spaß macht... Schätze mal bei mir wars ne Ausnahme, dass ich nach der ersten Bewerbung eingestellt wurde. Ok, mehr als zwei hab ich auch nicht weggeschickt, aber es ist ja keine Seltenheit, dass manche bis zu 50 Bewerbungen und mehr wegschicken müssen, bevor sie ne Stelle finden. Da ich nun mal Glück hatte dacht ich mir, wieso eigentlich nicht mal über den Beruf schreiben? Schließlich hab ich lange genug dafür gebraucht das passende für mich zu finden. Nachdem Abschluss der Schule, hing ich ne ganze Weile in der Luft und hatte kein Ahnung, was ich mit mir anfangen sollte. Aufem Gymi kriegt man ja eh keine Entscheidungshilfe ;) Mittlerweile steht jedoch fest: Bauzeichnerin soll´s sein.

Wieso gerade Bauzeichnerin?

Einfach deshalb, weil ich etwas gesucht hab bei dem ich zeichnerisch tätig sein konnte, aber auch am Computer arbeite. Da gibt es ja ne ganze Menge zur Auswahl. Mein erstes Anstreben war ein Studium zur Kommunikationsdesignerin... aber auch Medieninformatikerin, oder Grafikerin wären in Frage gekommen... kommt vielleicht auch noch :) Mich für Bauzeichnerin zu entscheiden, war eher Zufall, da ich mich durch die Bücher vom Arbeitsamt gewälzt hatte (Gespräche mit Berufsberatern waren übrigens kaum hilfreich!) und feststellte, dass es ziemlich genau meinen Interessen und Vorstellungen entspricht. Zwar kann man wenig kreativ sein, da man nach Vorgabe arbeitet... aber man hat trotzdem einen gewissen Spielraum.

Was man in jedem Fall mitbringen sollte, ist räumliches Vorstellungsvermögen, die Fähigkeit organisiert und präzise zu arbeiten und arbeiten im Team ist eh unabdingbar. Ausserdem schadet ein wenig mathematisches Know-how nicht... vor allem im Bereich der Geometrie, wie ich feststellen durfte. Flächenberechnungen muss man in jedem Fall beherrschen, aber das wird alles im 1.Lehrjahr in der Schule wiederholt.

Und: Wer nicht im Umgang mit dem Computer geübt ist oder sich damit schwer tut, sollte sich eh lieber zweimal überlegen \'Bauzeichner\' als Beruf in Erwägung zu ziehen.

Ausbildungsinhalte

Als Bauzeichner arbeitet man hauptsächlich am Rechner. Vorrangig erstellt man Lagepläne, Grundrisse, Detailzeichnungen etc. zu einem Bauvorhaben. Und zwar nach Entwurfsskizzen und Anweisungen von Architekten und Ingenieuren. Anstellung findet man folglich also in Architektur- und Ingenieurbüros, im öffentlichen Dienst oder in Betrieben der Bauindustrie. Neben der zeichnerischen Tätigkeit müssen Bauzeichner, auch Flächenberechnungen durchführen, Bauanträge stellen und die Menge der nötigen Baustoffe berechnen... wo man auch nicht drumrum kommt: Telefon- und Schriftverkehr. Zudem können Bauzeichner auch zu Vermessungsarbeiten auf der Baustelle herangezogen werden.

Insgesamt gibt es drei Schwerpunkte:]

  • Hochbau und raumbildender Ausbau
  • Ingenieurbau
  • Tief-, Straßen- und Landschaftsbau

Mein Schwerpunkt ist der Hochbau bzw. Architekturbau. Natürlich wird wie überall, das duale Lernsystem angewendet, wobei die Schule für die Theorie und der Betrieb für die Praxis zuständig ist. Im Büro hab ich aber jetzt schon mehr gelernt als in der Schule... praktischer Unterricht ist eben immer noch am effizientesten. Die ersten zwei Ausbildungsjahre (Grundausbildung) unterscheiden sich noch nicht in den verschiedenen Fachbereichen und werden sowohl im Hoch- als auch im Tiefbau gleich unterrichtet ... erst im 3. Jahr (Fachbildung) trennen sich die Wege und der Schwerpunkt wird auf die entsprechende Fachrichtung gelegt. Umgang mit dem Zeichenbrett hat man im Übrigen nur in der Schule, denn im Büro wird schon lange alles nur noch per Computer gemacht. Warum man es trotzdem noch lernt, bleibt fraglich... aber auch das wird sich wohl in den nächsten Jahren ändern, da selbst zeichnen einfach zu viel Zeit beansprucht... und der Umgang mit Tuschestiften und Schablonen will erst mal gelernt sein ;)

Im 1. und 2. Ausbildungsjahr lernt man erst mal die Arbeitsabläufe kennen und erfährt den Umgang mit Behörden und den am Bau beteiligten Gewerken. Was besonders wichtig ist: man muss mit der entsprechenden Software umgehen können, was sich als ziemlich schwierig herausstellt. In den meisten Büros werden AutoCAD, Spirit oder, wie bei uns, Nemetschek eingesetzt... was echt ne Wissenschaft für sich is. Man sollte schon allein dafür nen Orden kriegen, wenn man das beherrscht *g* Das ist auch mein größtes Sorgenkind, aber wird schon werden meint mein Chef ;) Zudem wirkt man an Bauprozessen mit, konstruiert Bauteile und lernt die Vermessungstechniken kennen.

Im 3. Lehrjahr kommen dann noch, speziell bei meinem Schwerpunkt, hinzu: Selbständiges Erstellen von Bauzeichnungen sowie die Auswahl und Verwendung der Baustoffe.

Zu der Ausbildung gehört im Übrigen auch ein Baustellenpraktikum, das sich auf insgesamt 3 Monate beläuft... was bedeutet, dass man richtig mitarbeitet um zu wissen mit was man es überhaupt zu tun hat, wenn man Baustoffe für sein Bauvorhaben verplant. Ich freu mich schon drauf mal ne Mauer hochzuziehn oder ne Wand zu verputzen, LOL! Ebenso gehören mindestens 20 Baubegehungen dazu.

Verdienstmöglichkeiten

Laut Tariftabelle des Arbeitsamtes sollte man im 1.Jahr um die 450 Euro und im 3. Jahr etwa 600 Euro verdienen.
Die Realität sieht da jedoch ganz anders aus, das ist immer noch abhängig von der Zahlungsmotivation des Arbeitgebers. Wozu es dann Tariftabellen gibt bleibt fraglich. Ich hab festgestellt, dass mein Gehalt guter Durchschnitt ist und mit den angegebenen Tarifen fast konform geht... allerdings kann man ab etwa 250 Euro aufwärts rechnen, wenn ich an die Mehrheit meiner Klassenkameraden denke. Azubigehälter sind ja für gewöhnlich immer recht mager. Sollte man clever genug sein, sich seinen Ausbildungsplatz zum Beispiel bei der Stadt zu suchen, wird man automatisch auch besser entlohnt. Zumindest bewegen sich die Zahlen dann eher zwischen 500 und 600 Euro. Ich war leider nicht clever genug *g*

Perspektiven

Ein Job mit Zukunft? Momentan sicher eher nicht, da es in der gesamten Baubranche - so wie eigentlich überall zur Zeit - recht mager aussieht. Wer nach der Ausbildung vom Betrieb übernommen wird, kann sich wirklich glücklich schätzen. Das entscheidet sich dann nach Auftragslage... wie das bei mir aussieht steht noch in den Sternen, aber ich bin ja auch erst am Anfang.

Jedoch heißt das nicht Ende der Fahnenstange, denn es gibt schließlich Weiterbildungsmöglichkeiten, z.B. zum Konstrukteur oder Bauleiter. Allerdings selbst wenn man in dem Beruf bleibt, ist man nicht vor ständiger Weiterbildung gefeit, da die rasante Entwicklung der EDV-Branche verlangt, dass man immer auf dem neusten Stand der Technik bleibt. Ebenso is dies nötig, was das Baurecht und insbesondere die Bautechnik angeht.

Von vielen wird die Ausbildung zum Bauzeichner auch als Vorbereitung für ein eventuelles Studium genutzt, was mich auch zum nächsten Punkt bringt.

Zugangsvoraussetzungen

Für die Ausbildung braucht man keine besondere schulische Vorbildung. Ob Hauptschulabschluss oder Abitur ist egal... so heißt es zumindest. Denn von den meisten Betrieben wird mindestens mittlere Reife oder höher verlangt, da die beruflichen Anforderungen stetig steigen. Ohne Abi hätte ich speziell in unserem Betrieb keine realistische Chance auf den Ausbildungsplatz gehabt. Und wer Abi hat, hat natürlich auch den Vorteil das 1. Lehrjahr zu überspringen. Wenn man das denn will... die Betriebe sind davon eher weniger begeistert, Azubis sind nun mal billige Arbeitskräfte. Ich hab diese Option ausgeschlagen, und im Nachhinein war´s auch die richtige Entscheidung. Ich wüsste nämlich nicht wo ich die Zeit hernehmen sollte, den Stoff eines ganzen Jahres nachzuholen.

In meiner Klasse ist das recht bunt gemischt, wobei die meisten mittlere Reife haben und von 20 Schülern nur 3 Abitur.. und zwar mit der Absicht ein späteres Studium anzuhängen. Als Auswahl wären da Architektur oder Bauingenieurwesen. Wobei ich eher noch am schwanken bin ob sich ein Studium lohnt, denn auch als Architekt hat man kaum noch Chancen eine feste Anstellung zu bekommen, da siehts noch düsterer aus, als bei den Bauzeichnern. Wenn dies der Fall nach abgeschlossenem Studium sein sollte, hat man ja aber immer noch seine Ausbildung auf die man zurückgreifen kann. Was wohl der Grunde für die meisten ist, erst selbige zu absolvieren... als Sicherheit.

Jedoch bleibt auch die Option - und zwar für jeden – die Ausbildung auf 2 bzw. 2,5 Jahre zu verkürzen, falls der Betrieb einverstanden ist.

Alternativ...

...wären auch Berufe wie Technischer Zeichner, Vermessungstechniker oder gar Designer ins Auge zu fassen. Denn das Tätigkeitsfeld ist recht ähnlich. Ich könnte mir auch gut vorstellen mich danach bei einem Grafiker zu bewerben, denn was ich allein in den letzten 3 Monaten über Bildbearbeitungsprogramme, erstellen von 3D-Zeichnungen und Grafiken gelernt habe, reicht locker um es nach 3 Jahren professionell zu betreiben, lol.

Prüfung

Wie bei jeder Ausbildung, kommt man um eine Abschlussprüfung nicht drumrum. Blöderweise wurde die alte Verfahrensweise bei Prüfungen komplett über den Haufen geworfen und eine neue erstellt. Wieso weiß ich nicht, aber man hat ja auch den Unterrichtsinhalt neu gegliedert. Früher war es beispielsweise noch so, dass man den computergestützten Teil der Prüfung bei sich im Büro machen durfte... am eigenen Rechner, mit der bekannten Software. Zu diesem Zweck musste natürlich in jeden Betrieb ein Beauftragter der IHK kommen um die Prüfung abzunehmen und zu gewährleisten, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Mittlerweile hat man dies geändert... die Prüfung findet in der Schule statt. Zu wenige Prüfer? Zu viel Aufwand! Zu hohe Kosten! Leider scheint keiner daran zu denken, dass man in der Schule mit AutoCAD arbeiten muss... dieses Fach haben wir alle 2 Wochen 2 Schulstunden lang. Wie soll man bitte in der Zeit, den Umgang mit einem so komplexen Programm beherrschen und damit ne Prüfung bestehen, wenn man täglich im Betrieb ein ganz anderes Programm nutzt? Ok, diejenigen die nächstes Jahr Prüfung machen, sind die ersten, die Bekanntschaft mit der neuen Verfahrensweise machen.. man wird ja sehn wie das klappt.

Neben dem computergestützten Teil der Prüfung, gibt es natürlich auch einen praktischen Teil, in der man von Hand zeichnen muss... es sei denn der Prüfungsauschuss entschließt sich, beide Teile nur am Rechner zu prüfen. Was man machen kann, aber eher unwahrscheinlich ist. Und letztendlich muss man dann auch den theoretischen Teil absolvieren. Was unschöne Erinnerungen an meine Abiklausuren wachruft. Dieser Teil besteht aus Multiple-Choice Aufgaben in den Fächern Fachkunde, Fachrechnen, technisches Zeichnen und Wirtschafts- und Sozialkunde.

Voraussetzung für die Zulassung zur Abschlussprüfung ist natürlich die Zwischenprüfung die am Ende des 2. Lehrjahres absolviert wird. Diese kann man im Fall der Fälle bis zu 3 mal wiederholen. Ebenso wichtig, ist es ein Berichtsheft zu führen um zugelassen zu werden... ich muss gestehn das meins seit Wochen vor sich hinstaubt. Is ja aber nur ne Formalität.

Laut meinem Lehrer, der zuuufällig auch im Prüfungsausschuß ist, sind die Anforderungen an Bauzeichner sehr hoch gesteckt; was zur Folge hat, dass man bei der Prüfung automatisch mit ein oder zwei Noten unter dem gewohnten Schnitt rechnen muss. \'Ne eins kommt einmal im Schalljahr vor\'... meint der vermeintliche Experte ;)

Also...

...ganz allgemein kann ich sowieso denjenigen, die sich nicht sicher sind was ihre Zukunft angeht nur raten: erst mal ein Praktikum machen... egal ob für´s Studium oder Ausbildung, man stellt es sich meist anders vor als es in Wirklichkeit ist. Bei mir war es zumindest so, da mir nicht klar war, was alles dazu gehört. Trotz vorheriger Recherche, sollte man sich nicht auf die Theorie verlassen. Bevor man mir zugesagt hat, sollte ich auch erst mal einen Tag zum Probearbeiten erscheinen, nicht nur damit man mich einschätzen kann, sondern auch damit ich mir sicher bin, ob es wirklich das richtige für mich ist. Keine Ahnung ob das jeder macht...aber Nachfragen kostet nix.

Ich bin ziemlich froh, dass ich mich für die Ausbildung entschieden hab, denn die Arbeit macht meistens Spaß und ist abwechslungsreich. Vor allem natürlich da einem immer mehr Verantwortung übertragen wird. Glücklicherweise sind wir ein recht kleiner Betrieb mit etwa 15 Mitarbeitern... so dass die Atmosphäre recht locker ist (sonst hät man mir den kleinen Unfall mit dem Auto vom Chef wohl auch net so schnell verziehen *g*). In größeren Betrieben sieht´s da ganz anders aus, wie ich oft von meinen Mitschülern höre, da es nicht für jeden Azubi einen eigenen Rechner geben kann und man somit nicht von Anfang an die Möglichkeit hat wirklich was zu lernen. Wenn man Pech hat, wird man die ersten drei Monate mit Pläne falten beschäftigt, LOL. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit bei den größeren Betrieben übernommen zu werden auch höher. Ich hab´s jedenfalls gut getroffen und da ich die Probezeit auch endlich hinter mir hab bin ich guter Dinge, dass es weiterhin so gut läuft. Zwar hab ich auch öfter mal Zweifel, ob ich mir das alles zutraue wenn ich sehe, was mein Ausbilder so alles am Tag bewerkstelligt, aber ich hab ja noch ausreichend Zeit es zu lernen.

Übrigens: Der Anteil der Frauen liegt seit Jahren konstant bei über 50% ...was mehr als logisch ist bei den hohen Anforderungen :)

Und wozu gibt´s nun Architekten? Ich hab keine Ahnung, denn die Arbeit machen ja eh wir *g*

Merci für die Aufmerksamkeit. Wer noch Fragen hat, darf gerne losschießen.... :)

© ChopSuey

45 Bewertungen