Berchtesgadener Land Testbericht

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Erfahrungsbericht von suppengirl

Suppi erklimmt die Alpen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Vorwort:
*******

Als mich letztes Jahr in den Pfingstferien ein guter Freund anrief und mich fragte, ob ich Lust hätte mit ein paar Leuten zwei Tage in die Berge zu fahren, sagte ich spontan zu ohne genau zu wissen wohin uns die „Reise“ führen sollte. Bald schon erfuhr ich, dass es uns in Berchtesgadener Land verschlagen sollte. Das Ziel war die Schneibsteinhütte, von wo aus wir den dazu gehörigen Berg erklimmen wollten.

Der Schneibstein:
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Der Gipfel dieses (mir bis dahin vollkommen unbekannten) Berges ist immerhin 2277m hoch. Er liegt ca. 10km südlich von Berchtesgaden direkt an der österreichischen Grenze. Um ganz genau zu sein: Der Gipfel gehört zur Alpenrepublik.

Das Schneibsteinhaus:
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Es liegt auf fast 1700m Höhe. Um es zu erreichen muss man vom Parkplatz aus bereits ca. 2 Stunden zu Fuß zurück legen, was mit Gepäck schon eine recht anstrengende Angelegenheit ist.

Eine Übernachtung kostet 45DM (Matratzenlager) bzw. 53DM (Mehrbettzimmer). Da wir ein geiziges Völkchen sind *g* bzw. auf zu viel Komfort gerne verzichten können, haben wir uns für die erste Variante entschieden. Im Matratzenlager haben auf je zwei Etagen auf zwei Seiten insgesamt 24 Leute Platz. Da das Zimmer nicht voll belegt war, konnten wir uns es zu fünft auf einer „Liegefläche“ für sechs Personen bequem machen.

Im Preis inklusive sind Abendessen und Frühstück., Getränke müssen allerdings bezahlt werden. Das Essen kann man als rustikale Hausmannskost bezeichnen, es gibt kräftige Fleischgerichte (z.B. Gulasch mit Knödel) oder typisch bayerisch-österreichische Mehlspeisen (z.B. Kartoffelpuffer mit Apfelmus). Das Frühstück beinhaltet Brot, Wurst, Marmelade, Müsli und verschiedene Getränke. „All you can eat“ scheint das Motto der Wirtsleute zu sein, denn nicht nur beim Frühstücksbuffet kann man nach Belieben zugreifen, auch beim Abendessen kann man bei Bedarf noch Nachschlag verlangen.

Der Preis geht voll in Ordnung. Natürlich kann man dafür keinen besonderen Luxus erwarten. Die Duschen sind im Keller in einem eiskalten Raum, Bettwäsche (bzw. Schlafsack) muss man selber mitbringen (und schleppen *ächz*). Die Zimmer sind eng und ziemlich finster. Besonders kurios: Das Licht in den Matratzenlagern kann man nicht selbst betätigen, es wird von der Wirtsstube aus „ferngesteuert“. Es ist also ratsam eine Taschenlampe mitzubringen (woran wenigstens eine von uns Gott sei Dank gedacht hatte).

Doch trotz allen Unbequemlichkeiten war die Schneibsteinhütte genau so wie ich mir so eine Alpenhütte in meinen romantischen Bergphantasien immer erwartet hatte. Die Wirtsleute waren freundlich, hilfsbereit und großzügig. Das Ambiente der „Stube“ war robust-heimelig, und wir hielten es abends bis zwei Uhr aus, was uns gestattet wurde, obwohl der Herr Wirt schon um kurz nach zwölf ins Bett ging. Wir hatten danach ein richtig schlechtes Gewissen, dass wir zwei Flaschen „Eigengetränke“ dabei hatten *g*, die wir nach und nach an unseren Tisch schmuggelten *schäm*. Andererseits waren die Getränke ansonsten nicht gerade billig (ein Bier z.B. für 5,50DM, das sind ja fast Münchner Verhältnisse!) und da wir auch davon einiges konsumierten, haben die Herrschaften mit uns sicher noch genug Geschäft gemacht.

Ach ja, ein wenig schockiert waren wir fast von der teilweise sehr modernen Ausstattung. Auf unsere überraschten Reaktionen über den Münzfernsprecher wurde uns verraten, dass es im Haus gar einen Internetanschluss gibt. Das nächste Mal werden wir also per Internet www.schneibsteinhaus.de reservieren. Auf dieser Seite findet man übrigens auch knappe Informationen über die verschiedenen Touren, die sich von der Hütte aus anbieten.

Unsere Touren:
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Wie schon erwähnt war unsere erste Tour schon die vom Parkplatz zur Hütte. Man kann dabei zwischen zwei Routen wählen. Die eine ist streckenmäßig etwas länger als die andere, dafür aber weniger steil. Für die ungeübten Wanderer (so wie ich einer bin) würde ich aus meiner Erfahrung heraus die flachere Variante empfehlen. Wir taten das leider nicht und so pfiff ich schon bald auf dem letzten Loch *jammer*.

Das Wetter war wunderschön und uns entfalteten sich atemberaubende Ausblicke. Der Watzmann und diverse andere Berge, felsig und grün bewachsen, dazwischen wunderschöne Täler und Seen... traumhaft!

Die Wege sind – bis auf die ganz steilen Stück, die zum Teil direkt über die Almen und zwischen den Kuhherden durch führen – schön angelegt, teils sogar etwas zu breit für meinen Geschmack, so dass wir ihnen schnell den Spitznamen „Autobahnen“ verpassten.

Am zweiten Tag wollten wir eigentlich die sogenannte „Kleine Reibe“ auf den Schneibstein, auf der anderen Seite wieder herunter und dann weiter fast bis zum Königssee (wird mit ca. 5 Stunden angegeben) bestreiten. Leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung, denn es begann abends zu regnen und hörte erst wieder am Mittag des nächsten Tages auf.

Nachdem wir den Vormittag singend in der Wirtsstube verbracht hatten (Wir sind nämlich alles Mitglieder in einem Gospelchor und können nicht umhin zu singen anzufangen, wenn sich mindestens vier von uns auf einem Haufen befinden *g*. Davon waren übrigens nicht nur die anderen Gäste, sondern auch der Wirt so begeistert, dass er uns spontan um halb zwölf eine Runde Schnaps auf den Tisch stellte... *hicks*), rafften wir uns gegen ein Uhr dann doch noch zu einer Wanderung auf. Die kleine Reibe hatte wir uns aber aus dem Kopf geschlagen, da diese bei nassem Wetter nicht ganz ungefährlich ist. Statt dessen wollten wir nur den Schneibstein besteigen und dann direkt wieder den Rückweg antreten.

Die Wege konnte man diesmal nicht mehr als Autobahnen bezeichnen und das war auch gut so. Statt dessen ging es sprichwörtlich über Stock und Stein, durch Matsch und schließlich gar durch Schnee. Gerade das richtig für das Suppengirl, das zwar konditionell nicht die stärkste und auch nicht die mutigste ist, das aber gerne – so lange es nicht zu gefährlich wird – so ein bisschen klettert. Leider war die Angelegenheit zum Teil sehr rutschig und das Wetter uns immer noch nicht hold. Es hatte zwar aufgehört zu regnen, der Gipfel lag jedoch in dichtem Nebel. Deshalb entschlossen wir uns ca. 100 Höhenmeter unter dem Gipfel doch noch zum Umkehren, denn eine besondere Aussicht hätten wir von da oben aus ohnehin nicht gehabt. Außerdem waren wir zu diesem Zeitpunkt froh über jeden Felsen, über den wir nicht wieder hinunterklettern mussten. Denn wie jeder weiß: Das Runterkommen ist mitunter viel schwieriger und gefährlicher als das Hinaufkommen.

Trotzdem habe ich die Tour ohne Ende genossen. Die Ausblicke die wir hatten, waren zwar von Nebel getrübt, entbehrten aber trotzdem nicht der besonderen Atmosphäre. Dunkle Tannen, grüne Wiesen im Sonnenschein *g* - denn im Tal schien zu diesem Zeitpunkt schon die Sonne! –, bedrohlich wirkende schwarze Felsen und dazwischen wieder saftige Blumenwiesen... Für jeden, der es noch nicht erlebt hat ein großes Versäumnis.
Auch meine Kondition spielte ohne Gepäck mit. Klar kommt man schon mal außer Atem, wenn man innerhalb einer Stunde über 300 Höhenmeter zurücklegt. Aber man fährt ja schließlich nicht in die Berge, um mit dem Lift zu fahren (Und auch nicht um selbiges zu trinken *g* - ich glaub, ich seh zu viel Werbung!).

Fazit:
****

Ich komme aus Ostbayern und ich schäme mich zuzugeben, dass diese beiden Tagen die ersten waren, die ich in den Alpen verbracht habe (abgesehen von „Überquerungen“ auf dem Weg nach Österreich oder Italien). Mittlerweile bin ich aber zu einem richtigen Berg-Freak geworden. Sobald das Wetter einigermaßen passend erscheint, mache ich mich auf die Suche nach einem Mitwanderer und einer passenden Tour. Da ich mittlerweile in München wohne, hab ichs ja auch Gott sei Dank nicht mehr so weit zu den Alpen.

Ein paar Tipps für Anfänger:

Spart nicht an der Ausrüstung. Da unser Tripp eine schnelle Entscheidung war, konnte ich mich nicht mehr sonderlich eindecken und ich habe mir Wanderschuhe und Rucksack ausgeliehen. Das war wohl ein Fehler, denn die Schuhe waren zwar gut, aber leider ein wenig zu groß für mich. Das ist natürlich tödlich und ich habe jetzt noch eine fette Blase an der Ferse, was das Wandervergnügen etwas getrübt hat. Der Rucksack sollte bei weiteren Wegen gut sitzen und vor allem auch gut gepolsterte Träger haben. Bei mir war das nicht so und mir taten innerhalb kurzer Zeit Schultern und Rücken enorm weh. Mittlerweile habe ich investiert und mir gute Wanderschuhe, einen prima Rucksack und dazu auch noch Wanderstöcke gekauft (über die ich so manches Mal schon froh war, wenn ich unvermittelt im Schnee gelandet bin!). Das kostet zwar erstmal, macht sich aber schnell bezahlt.

Wenn ihr noch nie eine Bergtour gemacht habt, nehmt euch eine erfahrene Person mit. Das gibt zum Einen Sicherheit und zum Anderen ist die Gefahr nicht so groß, dass man den Weg verfehlt.

Ganz wichtig: Gut essen und viel trinken bevor ihr euch auf den Weg macht. Als „Brotzeit“ unbedingt Obst einstecken, Bananen oder Äpfel können Erschöpfungszustände erstaunlich schnell lindern.

Und: Überschätzt euch nicht! Lasst euch Zeit und findet euer Tempo! Eine Bergwanderung ist kein Rennen, es soll immer Genuss dabei sein. Also, geht es langsam an, wenn ihr merkt, dass es etwas schnell geht, könnt ihr immer noch beschleunigen.

So, das solls hierzu gewesen sein. Mir ist schon klar, dass dieser Bericht nicht das gesamte Berchtesgadener Land abdeckt, so wie es die Kategorie vielleicht vorschreiben würde. Aber ich denke als repräsentatives Beispiel kann man ihn schon gelten lassen. Und ich glaube nicht, dass es in der Region ein Fleckchen gibt, dass nicht wunderschön ist...

Ein schönes Schlusswort *g*!

22 Bewertungen, 1 Kommentar

  • picassoweiblich

    28.11.2009, 14:56 Uhr von picassoweiblich
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich war da schon sehr oft und habe dort viele Touren gemacht. Einfach traumhaftes Berchtesgadener Land!