Bestrafungen Testbericht

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Erfahrungsbericht von BjoernS

Die Sicht eines Trainers

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Da ich noch keine eigenen Kinder habe, scheint es unsinnig zu sein, sich mit dem Thema Bestrafung zu beschäftigen. Ist es für mich aber nicht, da ich fast täglich mit einer Gruppe Jugendlicher arbeite – und gerade bei den oft nicht einfachen Pubertierenden kommt man nicht um das Thema herum. Es geht also in diesem Bericht um die „Bestrafungsmöglichkeiten“, die ich als Trainer einsetze – für manche mögen einige Dinge hart klingen, aber ich habe damit bisher gute Erfahrungen gemacht.


Allgemeines

Eigentlich halte ich von direkten Bestrafungen nur wenig, körperliche Züchtigung lehne ich (auch als Erziehungsmethode von Eltern) vollständig ab – mal ganz davon abgesehen, dass ich es als Trainer auch nicht dürfte.

Soweit es irgendwie möglich ist, versuche ich mit Lob und Anerkennung zu arbeiten. Diese Vorgehensweise gibt den Jugendlichen nicht nur ein positives Feedback auf ihre Leistungen und ihr Verhalten, sondern ist oft noch ein zusätzlicher Ansporn. Für die anderen Gruppenmitglieder hat das Lob eines Schwimmers ebenfalls ein positiven Hintergrund, denn fast jeder Mensch sucht positive Bestätigung und wenn jemand gelobt wird, versuchen die Gruppenmitglieder, die es mitbekommen haben, ebenfalls ein Lob zu erhalten und passen ihr Verhalten entsprechend an.

Trotzdem können nicht alle Konflikte oder Verhaltensweisen durch dieses Vorgehen gelöst werden und manchmal geht es gar nicht anders, als zu bestrafen. Dabei unterscheide ich sehr wohl zwischen Maßnahmen, die für mich als „erzieherische Maßnahmen“ gelten und „echter Bestrafung“, wobei letztere nur sehr selten angewandt wird.


Erzieherische Maßnahmen

Erzieherische Maßnahmen sind auch eine Form der Bestrafung – keine Frage, aber ihr Ziel ist es in erster Linie, das zukünftige Verhalten zu beeinflussen und nicht, eine reine Strafe zu erwirken. Einige Beispiele, die ich anwende:

~~~ Vergessene Sachen ~~~
Es kommt immer wieder vor, dass die Schwimmer irgendwelche Dinge am Beckenrand vergessen. Dies ist prinzipiell kein Problem, da ich die Sachen einsammele und dann am nächsten Trainingstag wieder verteile. Kommt es aber häufiger vor, so wird das Ganze ziemlich nervig. Schließlich ist es eigentlich nicht meine Aufgabe, den Sportlern ihren Krempel hinterher zu schleppen. Wer zu oft Gegenstände vergisst, bekommt sie nur wieder, wenn er/sie vor der gesamten Mannschaft eine Gegenleistung bringt. Meistens einigt sich die Mannschaft dabei, was für eine Gegenleistung es ist – wobei der Vergessliche eine Mitspracherecht hat. Zur Auswahl stehen: „ein Lied singen“, „ein Schwimmtechnik erklären“, „ein biologische Funktion (z.B. Pulsfrequenz) erklären“ oder „alle Schwimmleinen reinziehen“. Die Auswahl ist ganz unterschiedlich, aber insgesamt habe ich mit dieser Maßnahme ziemlich gute Erfahrungen gemacht. Demjenigen, der etwas vergessen hat, ist die auszuführende Aktion meist etwas peinlich und er achtet in der nächsten Zeit ziemlich gut auf seine Sachen ...

~~~ nicht zuhören ~~~
Das „Nicht-zuhören“ ist in meinen Augen schon ein größeres Vergehen, da es die Arbeit am Beckenrand erschwert und vor allem den Zeitplan des Trainings durcheinander bringt. Die Strafe besteht im allgemeinen darin, dass der- oder diejenige aus dem Wasser kommen muss und die nächsten Punkte des Trainingsplans gegenüber der Gruppe ansagt und erklärt. Dabei lenke ich dann andere Mitglieder der Mannschaft bewusst ab oder falle dem „Nicht-Zuhörer“ ständig ins Wort. Er/Sie soll lernen, wie störend es ist, wenn jemand ständig dazwischen redet oder nicht zuhört. Ziel ist es, die Folgen des eigenen Verhaltens am eigenen Leib zu spüren. Inzwischen kommt dieses Vergehen fast gar nicht mehr vor, denn fast jeder hat diese Strafe ein- oder zweimal bekommen und jeder hat daraus gelernt. Bald rückt aber wieder Nachwuchs auf, so dass ich diese Maßnahme wohl wieder ausgraben muss ...

~~~ Raufereien / verbale Auseinandersetzungen ~~~
Natürlich kommt es auch immer mal vor, dass sich zwei hitzige Teenies in die Wolle kriegen. Da gibt es dann keine Pardon mehr. Zunächst müssen beide das Wasser verlassen und sich alleine – also mit ausreichenden Abstand zueinander – auf die Bank setzen. Das ist eine echte Strafe, aber nach etwa 15 Minuten hole ich die beiden dann wieder zusammen, und zwinge sie mir den Grund der Auseinandersetzung zu erklären. Anschließend versuche ich immer, zu dritt eine akzeptable Lösung zu finden. Dabei kommt mir die vorhergegangene Strafe in den meisten Fällen zugute, da sich die beiden Hitzköpfe abgekühlt haben.


Echte Strafen

Echte Strafen spreche ich nur sehr selten aus, aber es gibt immer wieder Situationen, die sich leider nicht anders lösen lassen. Meistens sind solche Strafen dann eine Kollektivstrafe, d.h. die Strafe trifft nicht einzelne Personen sondern die gesamte Mannschaft. Ich habe mit dieser Form eine sehr gute Erfahrung gemacht, denn meistens führt es dazu, dass die Mannschaft aufpasst, dass niemand über die Stränge schlägt. Es entsteht eine Art Gruppenzwang und ein paar Personen sind immer dabei, die rechtzeitig merken, wenn die Situation „brenzlig“ wird – diese Personen greifen dann in das Geschehen ein und weisen den Rest der Mannschaft auf die möglichen Folgen hin. Und ob ihr es glaubt oder nicht, dass klappt auch bei den 14 bis 16jährigen bereits hervorragend. Schließlich will niemand dafür verantwortlich sein, dass die gesamte Mannschaft bestraft wird.

Eine der Strafen ist der Trainingsabbruch – meistens zunächst bejubelt, aber im Nachhinein wird diese Maßnahme durchaus als Strafe empfunden. Ich greife äußerst selten zu dieser Maßnahme und kann mich eigentlich gar nicht mehr erinnern, weshalb ich es das letzte Mal ausgesprochen habe.

Die letzte Stufe der Bestrafung ist die Einberufung eines Elternabend. Hiervor haben die Jugendlichen am meisten Angst. In meinem Verhältnis zu den Teenies betone ich immer, dass sie mit allen Problemen zu mir kommen und ich niemanden gegenüber etwas sage (auch gegenüber den Eltern nicht). Eine Ausnahme ist es natürlich, wenn ich rechtliche Konsequenzen zu befürchten hätte. An diese Regel halte ich mich und von daher ist eine Einberufung eines Elternabends immer damit verbunden, dass Dinge auf den Tisch kommen, von denen niemand etwas erfahren sollte. Wenn möglich drohe ich diese Maßnahme vorher mindestens einmal an – das alleine reicht im allgemeine aus. Zuletzt angewandt habe ich sie, weil sich die Jugendlichen nicht an das absolute Alkoholverbot während einer Wettkampffahrt gehalten haben – auch am zweiten Abend nicht, nachdem wir nach dem ersten Abend noch einmal darüber gesprochen haben. Seit dem spielt Alkohol zum Glück keine Rolle mehr ...


Schlußwort

Ich hoffe ihr konntet mit meinen Ausführungen aus der Sicht des Trainers etwas anfangen. Um es noch einmal zu betonen, wenn möglich bestrafe ich nicht, wenn es aber doch nötig wird, muss auf jeden Fall eine Lehre aus der Strafe gezogen werden können.

Vielen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren.
Cu easywk

P.S. Als erzieherische Maßnahme empfehle ich die Strafe mal :-)