Billy Joel Testbericht

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Erfahrungsbericht von emmtie

Turnstiles - Nachdenkliches Frühwerk des Piano man

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Billy Joel ist einer der Interpreten, den viele Menschen vom Namen her nicht kennen oder zumindest nicht einordnen können, dessen Lieder aber einem breiten Publikum vom Hören her ein Begriff sind.

Denn in der Zeit von 1972 bis 1993 lieferte er eine durchgängige Serie von Spitzenalben ab, die sowohl jedesmal Single-Hits, die hohe Plazierungen in den Charts erreichten, aber gleichzeitig auch qualitativ genauso gute Songs, die keinesfalls „Füllmaterial“ für die Hits waren, beinhalteten. Lieder wie „Uptown girl“, „It’s still rock’n’roll to me“, „Only the good die young“ oder „Just the way you are“ dürften den meisten ein Begriff sein, selbst wenn die Namen hier im ersten Moment vielleicht nichts sagen. Alleine die Tatsache, daß diese Songs als Hintergrund für alle möglichen passenden (und unpassenden) Reportagen, Berichte, Filme etc. bis heute verwendet werden, spricht Bände. Aber das Lied, da am bekanntesten sein dürfte und gleichzeitig auch eine Art Markenzeichen und Autobiographie darstellt, ist „Piano man“; der Song über den Barpianisten in der Cocktail-Bar, der die Leute kurzfristig mit seinem Liedern ablenkt, mit dem er 1974 nach einer längeren Durststrecke mit genau diesen Jobs, bekannt wurde.

Der Stil seiner Lieder, die er durchweg selbst geschrieben hat, sind zu meist Pop-Balladen im besten Sinn des Wortes oder Rock-Songs, aber ohne die vordergründige Aggresivität in der Musik, die z.B. bei einem Springsteen zu spüren ist.. Zumeist auf einem Klavier-Sound aufgebaut, erzählen sie sowohl mit der Musik als auch mit dem Text Alltags-Geschichten, die aber neben den geschilderten Erlebnissen durchaus tiefgründig sein können. Als Beispiele sei nur „Goodnight, Saigon“ über den Vietnam-Krieg von 1982, der eigentlich nur die Empfindungen eines Soldaten schiidert, der aber z.B. mich dazu gebracht hat, mich näher mit diesem Krieg zu beschäftigen, oder „Allentown“ über eine fiktive Stadt und deren Niedergang in der Stahlkrise, genannt. Und immer wieder versteht es Billy Joel sowohl mit seinen Melodien, bei denen man durchaus seine klassische Musikausbildung erkennen kann, und gleichzeitig Texten, die zum nachdenken anregen, Songs zu schaffen, die im wahrsten Sinne des Wortes unvergeßlich bleiben.

Nachdem seine CD von 1993 „River of dreams“ mit dem Song „Famous last words“ endete, konzentriert sich Billy Joel seit dem eher auf die klassische Musik und ist zwar noch ab und zu getourt, hat aber seit dem keine neuen Rock-/Pop-Songs mehr veröffentlicht. Leider !!!!

Das Album „Turnstiles“, auf das ich jetzt noch ein wenig genauer eingehen will, stammt aus dem Jahr 1976 und somit aus einer relativ frühen Phase seiner Karriere. Aber trotzdem wirken die Songs zeitlos und das Album hat auch 25 Jahre nach seiner Veröffentlichung nichts von seinem Charme verloren.

Es beginnt mit einem „Say goodby to Hollywood“, einem vom Klavier und Schlagzeug getragenen Midtempo-song, der den Schwerpunkt ganz klar auf die markante Stimme Billy Joels legt. Durch die Streicher und das Saxophon-Solo wir ein wenig BigBand-Atmosphäre verbreitet.

„Summer, Highland falls“ beginnt mit Klavier-Läufen und Gesang, danach setzt dezent die Rhytem-Section ein. Und bis auf die Bläser-Solos, die aber auch eher verhalten sind, bleibt es bei diesem angenehm ruhigen Tonfall. Eines meiner Lieblingslieder.

„All you wanna do is dance“ bringt nun eine Art Pseudo-Reggae mit nachgeahmten Steeldrums ist Spiel, mit dem ich persönlich weniger anfangen kann. Für mich ist dieses Lied der Schwachpunkt der Platte.

Dafür geht es aber gleich mit einem Höhepunkt weiter: „New York State of mine“, eine Liebeserklärung an „seine Stadt“. Sparsam instrumentiert mit leichten Streichern und Saxophon, wieder sehr an Barmusik angelehnt. ein Song zum Augenschließen und genießen und schon kann man die Stadt förmlich vor sich sehen.

Und musikalisch geht es im gleichen ruhigen Grundton mit „James“ weiter, wobei hier das ein wenig wie eine Orgel klingende Keyboard das Klavier und eine wunderschöne Klarinette die Bläser ersetzt und es zusätzlich schöne Backround-Vocals und Chöre gibt.

Aber damit man nicht ganz „wegträumt“ kommt nun wieder ein Kracher, der neben „Piano man“ zumindest auf Live-Konzerten ein zweites Markenzeichen wurde: „Angry young man“, der Song, der ein eigenen Vorspiel, ein „Prelude“ hat (schöne Grüße aus der Klassik), das zumindest bei Fans durch seine markanten Klavierläufe wahrscheinlich noch beliebter als der eigentliche Song sein wird. Die Orgelpassage in der Mitte ist unzweifelhaft stark von Bach beeinflußt. Das Gefühl bei diesem Song, kann man wohl nur verstehen, wenn man ihn schon einmal live erlebt hat.

Und schon wird es wieder besinnlicher: „I've loved these days“. Ruhiges Klavier, nur das Orchester im Hintergrund erhöht beim Refrain den Spannungsbogen.

Und zuletzt gibt es noch einen richtigen Epos mit „Miami 2017 (Seen the lights go out on Broadway)“, eine Art Rückblick aus der Zukunft, durchaus sarkastisch gemeint. Von der Musik etwas rockiger, mit schönen Bläsersätzen.


Insgesamt, bis auf die genannte Ausnahme, eine Sammlung von Spitzensongs, die schon zu diesem frühen Zeitpunkt seiner Karriere die Bandbreite seines Könnens zeigte. Von Grundtenor eines der ruhigsten und nachdenklichsten Alben Billy Joels, wahrscheinlich auch deshalb einer meiner All-time-Favorites.

14 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Herzkine

    09.04.2002, 20:43 Uhr von Herzkine
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich habe mir die Greatest Hits 1-3 gekauft , und auch die Erfahrung gemacht dass die meisten leute nicht wissen was für lieder alle von billy Joel sind

  • butterkeks

    23.03.2002, 20:00 Uhr von butterkeks
    Bewertung: sehr hilfreich

    Also mir ist Billy Joel auf jeden Fall ein Begriff, denn ich bin ein großer Fan von ihm. Sowohl seine frühen Werke als auch die aktuelleren gefallen mir sehr gut. Letztens hatte ich das Glück beim Zappen zufällig zu einem Live-Konzert