Boheme - Annett Louisan Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 01/2005
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Summe aller Bewertungen
- Cover-Design:
- Klangqualität:
Erfahrungsbericht von himmelssurfer
Überraschend gut
Pro:
jazzige Elemente, die Stimme
Kontra:
die Stimme, manchmal holpert es
Empfehlung:
Ja
Überraschend gut
### Bericht ###
Als ich Annett Louisan das erste Mal mit ihrem Song „Das Spiel“ gehört habe, bin ich nicht sonderlich lange dabei geblieben. Beim Zappen durch die Fernsehsender flimmerte das Video dazu auf einem der Musikkanäle an mir vorbei. Es erschien mir nicht gerade ansprechend: Der Song war nett, aber nicht wichtig, die Interpretin nicht häßlich, aber auch keine Schönheit und der Text diente eher dazu, mich aufzuregen, als mich daran zu erfreuen. Da sang, ganz im Stile unserer Zeit eine junge Dame davon, „ihren Spaß“ haben zu wollen und keine feste Beziehung. Im Kontext der heutigen Gesellschaft nachvollziehbar, aber eben nicht meine Einstellung dazu.
Ich registrierte also: da ist jemand neues, der mich nicht interessiert und vergaß es wieder. Vorerst. Dann stellte sich heraus, daß meiner Freundin dieses Lied ausgesprochen gut gefiel. So daß ich mir dann sogar irgendwann den Namen der Interpretin gemerkt habe, was bei der Schreibweise gar nicht so einfach war.
Bei meinem letzten größeren Einkaufsbummel nun bot sich mir die Gelegenheit, einmal in die zu dem Song gehörige Longplay-CD reinzuhören. Dachte mir: “Tu es einfach mal. Vielleicht sind die anderen Songs ja ganz nett.“ Und siehe da, manchmal ist alles ganz anders. Nach dem Anspielen mehrerer Songs war klar: Hier liegt eigentlich so etwas wie eine versteckte Jazzplatte vor. Mit eingängigen Melodien, teilweise gar nicht so schlechten Texten und einer entsprechenden Instrumentierung. Also habe ich mir die Platte denn letztlich doch noch gekauft.
Und es bisher nicht bereut. Genaueres könnt Ihr hier nun nachlesen.
Annett Louisan ist eine junge Dame im Alter von 25 Jahren, die mit ihrer Familie in Hamburg lebt. Der Nachname ist ein Künstlername, den sie nach ihrer Großmutter Louise angenommen haben soll. Musik macht sie schon ihr halbes Leben lang. Die hier zu besprechende Platte „Bohème“ ist ihr erster Longplayer.
Der Stil der Künstlerin ist schwer zu beschreiben. Die Instrumentierung und auch die Art des Gesanges läßt sich am ehesten unter „Barjazz“ einordnen, also Musik, die man in einem guten Jazzlokal hören würde. Dort allerdings am ehesten auf englisch. Von daher ist das ganze Projekt schon mal nicht uninteressant. Aber auch Popelemente sind durchaus aufzufinden.
Die Grundinstrumente bestehen aus Bass, Gitarre und dem Schlagzeug, klassischen Jazzinstrumenten, gelegentlich ergänzt von Streichern und Tasteninstrumenten.
Wer sich noch weiter über die Künstlerin informieren mag, kann dies unter www.annettlouisan.de tun (hier sind auch Bilder der Künstlerin zum download zu finden) oder er bemüht die Suchmaschine seines Vertrauens.
### Begleitheft/Inlay ###
Das Begleitheft ist schön aufgemacht. Schwarzer Text auf weißem Grund, zusätzlich sind einige Fotos der Künstlerin enthalten. Zu lesen sind alle Texte der CD sowie die jeweiligen Instrumente. Auch die Danksagung darf nicht fehlen.
Insgesamt liegt hier schon mal der erste Pluspunkt vor.
### Die Titel im Einzelnen ###
1. das spiel (2:57)
Wohl das Stück, welches inzwischen jeder irgendwo mal gehört hat. Hier allerdings nicht in der Radioversion (siehe Titel 13), sondern etwas anders interpretiert.
Eine ruhige Gitarrenmelodie leitet den Song ein. Als Annetts Stimme einsetzt, nimmt sich die Gitarre zurück und dient nur noch als Untermalung. Annett beginnt mit einer Art Sprechgesang und erzählt davon, daß sie nicht wußte, welche Gefühle ihr Handeln heraufbeschwören würde. Beim Refrain kann man dann merken, daß Annett durchaus auch singen kann. Die Melodie ist eingängig und dreht sich bei mehrmaligem Hören tief ins Ohr hinein. Aber auf eine angenehme Art und Weise. Einer der Titel, die nicht zwangsläufig nach kurzer Zeit nerven, sondern die auch nach mehrmaligem Hören durchaus zu gefallen wissen.
Auch der Text wird bei genauem Hinhören ein wenig differenzierter als es anfangs den Anschein hat. Da erwacht die Sexualität und wird von der Protagonistin ausgelebt, was aber bei ihrem Partner dazu führt, daß er sie ganz für sich haben will. Dies jedoch ist nicht das, was die Protagonistin sich gewünscht hat. Sie will doch erst mal „nur spielen“. So kann es gehen, wenn man sich über die Gefühle der/des anderen keine oder unzureichende Gedanken macht.
Insgesamt ein Song, den man gerne und öfter hören mag, eine schöne Ballade, die in erster Linie auch von der Gitarre lebt. Und dem Gesang der Künstlerin.
2. die lüge (3:25)
Auch hier wieder eine ruhige Gitarre zu Beginn. Der beginnende Gesang von Annett paßt sich diesem ruhigen Tempo an. Die Melodie schmeichelt sich in das Ohr und erheischt Aufmerksamkeit. Beim Refrain kommen dann die ersten Jazzelemente auf, indem der Kontrabaß und der Besen des Schlagzeugs gemeinsam mit der Gitarre zu den tragenden Instrumenten werden. Ein sehr ruhiges Stück, daß damit den Text gut unterstützt, der auch inhaltlich durchaus gewürdigt werden will.
„ich ertrink in deiner Stimme
wie eine Träne tief im Meer
sie wiegt all meine Sinne
wie auf Wolken hin und her
auch wenn es nur ein Märchen ist
es zieht mich hilflos in seinen Bann
es fühlt sich dermaßen gut an
daß ich es nicht fassen kann
Refrain:
sag das noch mal
und hör nie mehr damit auf
dieser Mond scheint so klar
trag mich trotzdem zu ihm rauf
bring diesen Augenblick
für eine Ewigkeit zurück
bitte sag das noch mal
belüg mich noch mal“
Während des Stückes wird deutlich, daß die Stimme von Annett Louisan manchmal etwas piepsig wirkt, daß sie nicht alle Töne so erreicht, wie sie es vielleicht sollte. Was bei diesem Song aber nicht weiter stört.
3. die dinge (2:32)
Bass und Gitarre. Die Melodie scheint bekannt. Ein Klassiker des Jazz scheint’s. Und auch wenn dies täuscht: man wippt von Anfang an mit. Die Stimme ist witzig und spritzig und nimmt sich inhaltlich selber auf die Schippe. Ebenfalls gut zu hören.
Der Song handelt von einer Frau, die sich im Grunde genommen von ihrem Freund aushalten läßt, und nicht nur von ihm.
„Ich bin total daneben und das Maß ist voll
ich würd ja damit aufhören
doch ich weiß nicht wo
ich damit anfangen soll“
4. das gefühl (2:45)
Gleich nimmt einen die Melodie wieder gefangen. Die Stimme klingt sehr schön und man hört ihr gerne zu. Gitarre und Besen unterstützen den Gesang, der Bass setzt Akzente. Später dann einen Part mit der Violine. Insgesamt sehr ruhig.
Textlich wird das Leben mit einem (Kleidungs-)Einkaufsbummel verglichen. Es ist gar nicht so einfach, ein Leben zu finden, zu entwickeln, das „paßt“.
„Ewigkeiten kommen und gehen
hab sie mehr als einmal anprobiert
hier zu eng, da zu streng
irgendwo kneift es mich
zu skurril, nicht mein Stil
das Gefühl steht mir nicht
ich schau mich nur um
schau mich nur mal um“
5. daddy (4:06)
Bass, Gitarre, Besen und Violine bilden den Klangteppich, den die Stimme von Annett dann kurz darauf betritt. Ihre Stimme ist nicht unbedingt schön zu nennen, aber hier wirkt sie auch bei den leisen Tönen ausgesprochen kraftvoll. Die Grundmelodie ändert sich nicht sonderlich und plätschert ein wenig vor sich hin. Paßt aber gut zum Song.
Die Abnabelung vom Vater, der eigentlich keiner war...
6. die katze (3:01)
Kräftiger Bass, unterstützt vom Besen und der Gitarre, Einspieler der Violine. Die Stimme wechselt zwischen Gesang und Sprechgesang. Wieder wirkt sie etwas fiepsig, aber für diese Art von Musik sieht man ihr das nach. Der Text wird mit einem ironischem Unterton vorgetragen. Stimme und Instrumente wechseln sich ab und ergänzen sich optimal.
Der Text handelt von Frauen, die es perfektioniert haben, von einem Mann alles zu bekommen und ihn gleichzeitig auf Abstand zu halten.
„sie spielt mit der Beute
zieht nie mit der Meute sie kuscht nicht
sie zählt deine Mäuse sie mordet sie leise und gründlich
nein, sie wird dir nie gehör’n
doch du streichelst sie so gern
das weiß sie ganz genau
miau“
7. der schöne (4:00)
Wunderbar jazziger Einstieg mit Bass, Besen und Gitarre. Im Grunde genommen müßte hier gar keiner Gesang mehr erfolgen. Man fühlt sich auch so bereits wohl.
Annett’s Gesang paßt sich jedoch perfekt der Musik an, so daß man ihr das „Eindringen“ durchaus verzeiht. Der Text ist einfach klasse und es macht Laune, dem Song zuzuhören.
Auch hier wieder: die Stimme ist nicht unbedingt schön und manchmal nicht ausgeprägt genug, manche Verse „holpern“, aber trotzdem: es paßt.
8. die gelegenheit (3:23)
Wieder die drei Standardinstrumente mit einer schönen Melodie. Der Gesang perfekt darin eingebettet. Der fröhliche Bass peitscht die gute Laune nach vorne und hält Fuß und Kopf in Aktion. Der Text ist nettes Beiwerk und eigentlich gar nicht nötig. Aber trotzdem nett anzuhören: Eine Frau wartet auf einen Heiratsantrag, in einer durchaus witzigen Variante vorgetragen.
9. der blender (3:27)
Gitarre, sehr langsam. Dann setzt der Bass ein. Annett’s Stimme versucht hier zu singen. Irgendwie klingt es aber dieses Mal nicht sehr überzeugend und es klingt trotz des Gesanges eher nach Sprechgesang. Für mich eindeutig der schwächste Titel der Platte.
Inhaltlich weist die Protagonistin jemand anderen darauf hin, daß das erwünschte Objekt der Begierde nichts ist, was gut tut.
„Er ist ´n Blender erster Güte
wie ein Schmetterling leicht
er nimmt ´n Schluck von jeder Blüte
solang der Vorrat reicht“
10. die trägheit (3:44)
Kräftiger Einstieg. Hier überzeugt die Stimme von Annett wieder. Auch der Text ist erneut ironisch und witzig zu hören. Einprägsame Melodie und guter Text lassen einen gerne zuhören, auch wenn der Titel insgesamt sehr ruhig ist.
„ich hab ganz konsequent
den ganzen Tag verpennt
jetzt brauch ich sehr viel Ruhe
für Dinge die
ich heut nicht tue
ich fang ganz spontan
überhaupt nichts an...“
Ein Appell an das überzeugte Nichtstun. ;-)
11. die formel (3:38)
Ein weiterer Song, wo Instrumente und Stimme gut harmonieren und sich gut ergänzen. Wieder schön jazzig und zum Mitswingen einladend. Der Text ist nett, aber nicht wichtig. Ein Lied über das menschliche Miteinander. Insgesamt gut zu hören. Vielleicht ein bißchen lang.
12. das liebeslied (3:25)
Besen und Gitarre lassen einen in einer wunderschönen Melodie mitschweben. Wieder der Bass als Akzent. Der Gesang ist ebenfalls sehr angenehm zu hören. Wie der Titel sagt: ein Liebeslied, in genau der richtigen Stimmung vorgetragen. Zum Mitschmelzen des Herzens und Mitfühlen. Sofern einen das Wort „Scheiße (bin ich verliebt)“ dabei nicht stört. Der Text hat was:
„meine Zweifel war’n ihr Geld nicht wert
sie ergaben sich stumm
du bist alles was mein Herz begehrt
es schlägt pausenlos um sich herum
...
bin erblindet auf den ersten Blick
bin sprachlos und taub
meine Logik bricht sich das Genick
ist all ihrer Klarheit beraubt“
13. das spiel (radiomix) (2:58)
Wie bei Titel 1, nur scheinen die Instrumente hier etwa kräftiger eingesetzt worden zu sein. Es klingt einfach „voller“. Stimme und Instrumente sind hier gleichwertig, während in der ersten Variante doch eher Annett’s Stimme im Vordergrund stand. Ebenfalls noch ruhig vorgetragen, aber insgesamt poppiger.
### Titelliste und persönliche Wertung ###
1. das spiel (2:57) ==> gut
2. die lüge (3:25) ==> gut
3. die dinge (2:32) ==> gut
4. das gefühl (2:45) ==> sehr gut
5. daddy (4:06) ==> gut
6. die katze (3:01) ==> gut
7. der schöne (4:00) ==> sehr gut
8. die gelegenheit (3:23) ==> gut
9. der blender (3:27) ==> nicht besonders
10. die trägheit (3:44) ==> gut
11. die formel (3:38) ==> gut
12. das liebeslied (3:25) ==> sehr gut
13. das spiel (radiomix) (2:58) ==> gut
### Schluß und Fazit ###
Die Platte ist auf jeden Fall eine positive Überraschung. Wenn man aufgrund des bekannten Titels gewisse Erwartungen hegte, werden die hier zum Glück enttäuscht.
Herausgegeben ist eine schöne seichte Jazzplatte mit selbstironischen Texten und schönen Melodien.
Die Stimme der Interpretin trägt nicht immer. Manchmal ist sie zu schwach, manchmal zu fiepsig und manche der Verse holpern deutlich. Aber trotz alledem ist es ok und reduziert den Hörspaß nur unmerklich.
Eine Platte, die nicht für die Ewigkeit geschaffen ist, aber die angenehm im Ohr kleben bleibt. Die man bewußt oder aufgrund der schönen jazzigen Elemente auch im Hintergrund hören kann. Und die auch aufgrund des Preises (etwa 13.- Euro) angenehm auffällt.
„Bohème“ war letztes Jahr eine der meistverkauften Platten. Aus gutem Grund, wie ich finde.
Leute, die eigentlich keinen Jazz mögen, sollte vielleicht vorher einmal reinhören, aber ich denke, den meisten wird’s gefallen.
01.02.2005
by Himmelssurfer
### Bericht ###
Als ich Annett Louisan das erste Mal mit ihrem Song „Das Spiel“ gehört habe, bin ich nicht sonderlich lange dabei geblieben. Beim Zappen durch die Fernsehsender flimmerte das Video dazu auf einem der Musikkanäle an mir vorbei. Es erschien mir nicht gerade ansprechend: Der Song war nett, aber nicht wichtig, die Interpretin nicht häßlich, aber auch keine Schönheit und der Text diente eher dazu, mich aufzuregen, als mich daran zu erfreuen. Da sang, ganz im Stile unserer Zeit eine junge Dame davon, „ihren Spaß“ haben zu wollen und keine feste Beziehung. Im Kontext der heutigen Gesellschaft nachvollziehbar, aber eben nicht meine Einstellung dazu.
Ich registrierte also: da ist jemand neues, der mich nicht interessiert und vergaß es wieder. Vorerst. Dann stellte sich heraus, daß meiner Freundin dieses Lied ausgesprochen gut gefiel. So daß ich mir dann sogar irgendwann den Namen der Interpretin gemerkt habe, was bei der Schreibweise gar nicht so einfach war.
Bei meinem letzten größeren Einkaufsbummel nun bot sich mir die Gelegenheit, einmal in die zu dem Song gehörige Longplay-CD reinzuhören. Dachte mir: “Tu es einfach mal. Vielleicht sind die anderen Songs ja ganz nett.“ Und siehe da, manchmal ist alles ganz anders. Nach dem Anspielen mehrerer Songs war klar: Hier liegt eigentlich so etwas wie eine versteckte Jazzplatte vor. Mit eingängigen Melodien, teilweise gar nicht so schlechten Texten und einer entsprechenden Instrumentierung. Also habe ich mir die Platte denn letztlich doch noch gekauft.
Und es bisher nicht bereut. Genaueres könnt Ihr hier nun nachlesen.
Annett Louisan ist eine junge Dame im Alter von 25 Jahren, die mit ihrer Familie in Hamburg lebt. Der Nachname ist ein Künstlername, den sie nach ihrer Großmutter Louise angenommen haben soll. Musik macht sie schon ihr halbes Leben lang. Die hier zu besprechende Platte „Bohème“ ist ihr erster Longplayer.
Der Stil der Künstlerin ist schwer zu beschreiben. Die Instrumentierung und auch die Art des Gesanges läßt sich am ehesten unter „Barjazz“ einordnen, also Musik, die man in einem guten Jazzlokal hören würde. Dort allerdings am ehesten auf englisch. Von daher ist das ganze Projekt schon mal nicht uninteressant. Aber auch Popelemente sind durchaus aufzufinden.
Die Grundinstrumente bestehen aus Bass, Gitarre und dem Schlagzeug, klassischen Jazzinstrumenten, gelegentlich ergänzt von Streichern und Tasteninstrumenten.
Wer sich noch weiter über die Künstlerin informieren mag, kann dies unter www.annettlouisan.de tun (hier sind auch Bilder der Künstlerin zum download zu finden) oder er bemüht die Suchmaschine seines Vertrauens.
### Begleitheft/Inlay ###
Das Begleitheft ist schön aufgemacht. Schwarzer Text auf weißem Grund, zusätzlich sind einige Fotos der Künstlerin enthalten. Zu lesen sind alle Texte der CD sowie die jeweiligen Instrumente. Auch die Danksagung darf nicht fehlen.
Insgesamt liegt hier schon mal der erste Pluspunkt vor.
### Die Titel im Einzelnen ###
1. das spiel (2:57)
Wohl das Stück, welches inzwischen jeder irgendwo mal gehört hat. Hier allerdings nicht in der Radioversion (siehe Titel 13), sondern etwas anders interpretiert.
Eine ruhige Gitarrenmelodie leitet den Song ein. Als Annetts Stimme einsetzt, nimmt sich die Gitarre zurück und dient nur noch als Untermalung. Annett beginnt mit einer Art Sprechgesang und erzählt davon, daß sie nicht wußte, welche Gefühle ihr Handeln heraufbeschwören würde. Beim Refrain kann man dann merken, daß Annett durchaus auch singen kann. Die Melodie ist eingängig und dreht sich bei mehrmaligem Hören tief ins Ohr hinein. Aber auf eine angenehme Art und Weise. Einer der Titel, die nicht zwangsläufig nach kurzer Zeit nerven, sondern die auch nach mehrmaligem Hören durchaus zu gefallen wissen.
Auch der Text wird bei genauem Hinhören ein wenig differenzierter als es anfangs den Anschein hat. Da erwacht die Sexualität und wird von der Protagonistin ausgelebt, was aber bei ihrem Partner dazu führt, daß er sie ganz für sich haben will. Dies jedoch ist nicht das, was die Protagonistin sich gewünscht hat. Sie will doch erst mal „nur spielen“. So kann es gehen, wenn man sich über die Gefühle der/des anderen keine oder unzureichende Gedanken macht.
Insgesamt ein Song, den man gerne und öfter hören mag, eine schöne Ballade, die in erster Linie auch von der Gitarre lebt. Und dem Gesang der Künstlerin.
2. die lüge (3:25)
Auch hier wieder eine ruhige Gitarre zu Beginn. Der beginnende Gesang von Annett paßt sich diesem ruhigen Tempo an. Die Melodie schmeichelt sich in das Ohr und erheischt Aufmerksamkeit. Beim Refrain kommen dann die ersten Jazzelemente auf, indem der Kontrabaß und der Besen des Schlagzeugs gemeinsam mit der Gitarre zu den tragenden Instrumenten werden. Ein sehr ruhiges Stück, daß damit den Text gut unterstützt, der auch inhaltlich durchaus gewürdigt werden will.
„ich ertrink in deiner Stimme
wie eine Träne tief im Meer
sie wiegt all meine Sinne
wie auf Wolken hin und her
auch wenn es nur ein Märchen ist
es zieht mich hilflos in seinen Bann
es fühlt sich dermaßen gut an
daß ich es nicht fassen kann
Refrain:
sag das noch mal
und hör nie mehr damit auf
dieser Mond scheint so klar
trag mich trotzdem zu ihm rauf
bring diesen Augenblick
für eine Ewigkeit zurück
bitte sag das noch mal
belüg mich noch mal“
Während des Stückes wird deutlich, daß die Stimme von Annett Louisan manchmal etwas piepsig wirkt, daß sie nicht alle Töne so erreicht, wie sie es vielleicht sollte. Was bei diesem Song aber nicht weiter stört.
3. die dinge (2:32)
Bass und Gitarre. Die Melodie scheint bekannt. Ein Klassiker des Jazz scheint’s. Und auch wenn dies täuscht: man wippt von Anfang an mit. Die Stimme ist witzig und spritzig und nimmt sich inhaltlich selber auf die Schippe. Ebenfalls gut zu hören.
Der Song handelt von einer Frau, die sich im Grunde genommen von ihrem Freund aushalten läßt, und nicht nur von ihm.
„Ich bin total daneben und das Maß ist voll
ich würd ja damit aufhören
doch ich weiß nicht wo
ich damit anfangen soll“
4. das gefühl (2:45)
Gleich nimmt einen die Melodie wieder gefangen. Die Stimme klingt sehr schön und man hört ihr gerne zu. Gitarre und Besen unterstützen den Gesang, der Bass setzt Akzente. Später dann einen Part mit der Violine. Insgesamt sehr ruhig.
Textlich wird das Leben mit einem (Kleidungs-)Einkaufsbummel verglichen. Es ist gar nicht so einfach, ein Leben zu finden, zu entwickeln, das „paßt“.
„Ewigkeiten kommen und gehen
hab sie mehr als einmal anprobiert
hier zu eng, da zu streng
irgendwo kneift es mich
zu skurril, nicht mein Stil
das Gefühl steht mir nicht
ich schau mich nur um
schau mich nur mal um“
5. daddy (4:06)
Bass, Gitarre, Besen und Violine bilden den Klangteppich, den die Stimme von Annett dann kurz darauf betritt. Ihre Stimme ist nicht unbedingt schön zu nennen, aber hier wirkt sie auch bei den leisen Tönen ausgesprochen kraftvoll. Die Grundmelodie ändert sich nicht sonderlich und plätschert ein wenig vor sich hin. Paßt aber gut zum Song.
Die Abnabelung vom Vater, der eigentlich keiner war...
6. die katze (3:01)
Kräftiger Bass, unterstützt vom Besen und der Gitarre, Einspieler der Violine. Die Stimme wechselt zwischen Gesang und Sprechgesang. Wieder wirkt sie etwas fiepsig, aber für diese Art von Musik sieht man ihr das nach. Der Text wird mit einem ironischem Unterton vorgetragen. Stimme und Instrumente wechseln sich ab und ergänzen sich optimal.
Der Text handelt von Frauen, die es perfektioniert haben, von einem Mann alles zu bekommen und ihn gleichzeitig auf Abstand zu halten.
„sie spielt mit der Beute
zieht nie mit der Meute sie kuscht nicht
sie zählt deine Mäuse sie mordet sie leise und gründlich
nein, sie wird dir nie gehör’n
doch du streichelst sie so gern
das weiß sie ganz genau
miau“
7. der schöne (4:00)
Wunderbar jazziger Einstieg mit Bass, Besen und Gitarre. Im Grunde genommen müßte hier gar keiner Gesang mehr erfolgen. Man fühlt sich auch so bereits wohl.
Annett’s Gesang paßt sich jedoch perfekt der Musik an, so daß man ihr das „Eindringen“ durchaus verzeiht. Der Text ist einfach klasse und es macht Laune, dem Song zuzuhören.
Auch hier wieder: die Stimme ist nicht unbedingt schön und manchmal nicht ausgeprägt genug, manche Verse „holpern“, aber trotzdem: es paßt.
8. die gelegenheit (3:23)
Wieder die drei Standardinstrumente mit einer schönen Melodie. Der Gesang perfekt darin eingebettet. Der fröhliche Bass peitscht die gute Laune nach vorne und hält Fuß und Kopf in Aktion. Der Text ist nettes Beiwerk und eigentlich gar nicht nötig. Aber trotzdem nett anzuhören: Eine Frau wartet auf einen Heiratsantrag, in einer durchaus witzigen Variante vorgetragen.
9. der blender (3:27)
Gitarre, sehr langsam. Dann setzt der Bass ein. Annett’s Stimme versucht hier zu singen. Irgendwie klingt es aber dieses Mal nicht sehr überzeugend und es klingt trotz des Gesanges eher nach Sprechgesang. Für mich eindeutig der schwächste Titel der Platte.
Inhaltlich weist die Protagonistin jemand anderen darauf hin, daß das erwünschte Objekt der Begierde nichts ist, was gut tut.
„Er ist ´n Blender erster Güte
wie ein Schmetterling leicht
er nimmt ´n Schluck von jeder Blüte
solang der Vorrat reicht“
10. die trägheit (3:44)
Kräftiger Einstieg. Hier überzeugt die Stimme von Annett wieder. Auch der Text ist erneut ironisch und witzig zu hören. Einprägsame Melodie und guter Text lassen einen gerne zuhören, auch wenn der Titel insgesamt sehr ruhig ist.
„ich hab ganz konsequent
den ganzen Tag verpennt
jetzt brauch ich sehr viel Ruhe
für Dinge die
ich heut nicht tue
ich fang ganz spontan
überhaupt nichts an...“
Ein Appell an das überzeugte Nichtstun. ;-)
11. die formel (3:38)
Ein weiterer Song, wo Instrumente und Stimme gut harmonieren und sich gut ergänzen. Wieder schön jazzig und zum Mitswingen einladend. Der Text ist nett, aber nicht wichtig. Ein Lied über das menschliche Miteinander. Insgesamt gut zu hören. Vielleicht ein bißchen lang.
12. das liebeslied (3:25)
Besen und Gitarre lassen einen in einer wunderschönen Melodie mitschweben. Wieder der Bass als Akzent. Der Gesang ist ebenfalls sehr angenehm zu hören. Wie der Titel sagt: ein Liebeslied, in genau der richtigen Stimmung vorgetragen. Zum Mitschmelzen des Herzens und Mitfühlen. Sofern einen das Wort „Scheiße (bin ich verliebt)“ dabei nicht stört. Der Text hat was:
„meine Zweifel war’n ihr Geld nicht wert
sie ergaben sich stumm
du bist alles was mein Herz begehrt
es schlägt pausenlos um sich herum
...
bin erblindet auf den ersten Blick
bin sprachlos und taub
meine Logik bricht sich das Genick
ist all ihrer Klarheit beraubt“
13. das spiel (radiomix) (2:58)
Wie bei Titel 1, nur scheinen die Instrumente hier etwa kräftiger eingesetzt worden zu sein. Es klingt einfach „voller“. Stimme und Instrumente sind hier gleichwertig, während in der ersten Variante doch eher Annett’s Stimme im Vordergrund stand. Ebenfalls noch ruhig vorgetragen, aber insgesamt poppiger.
### Titelliste und persönliche Wertung ###
1. das spiel (2:57) ==> gut
2. die lüge (3:25) ==> gut
3. die dinge (2:32) ==> gut
4. das gefühl (2:45) ==> sehr gut
5. daddy (4:06) ==> gut
6. die katze (3:01) ==> gut
7. der schöne (4:00) ==> sehr gut
8. die gelegenheit (3:23) ==> gut
9. der blender (3:27) ==> nicht besonders
10. die trägheit (3:44) ==> gut
11. die formel (3:38) ==> gut
12. das liebeslied (3:25) ==> sehr gut
13. das spiel (radiomix) (2:58) ==> gut
### Schluß und Fazit ###
Die Platte ist auf jeden Fall eine positive Überraschung. Wenn man aufgrund des bekannten Titels gewisse Erwartungen hegte, werden die hier zum Glück enttäuscht.
Herausgegeben ist eine schöne seichte Jazzplatte mit selbstironischen Texten und schönen Melodien.
Die Stimme der Interpretin trägt nicht immer. Manchmal ist sie zu schwach, manchmal zu fiepsig und manche der Verse holpern deutlich. Aber trotz alledem ist es ok und reduziert den Hörspaß nur unmerklich.
Eine Platte, die nicht für die Ewigkeit geschaffen ist, aber die angenehm im Ohr kleben bleibt. Die man bewußt oder aufgrund der schönen jazzigen Elemente auch im Hintergrund hören kann. Und die auch aufgrund des Preises (etwa 13.- Euro) angenehm auffällt.
„Bohème“ war letztes Jahr eine der meistverkauften Platten. Aus gutem Grund, wie ich finde.
Leute, die eigentlich keinen Jazz mögen, sollte vielleicht vorher einmal reinhören, aber ich denke, den meisten wird’s gefallen.
01.02.2005
by Himmelssurfer
15 Bewertungen, 2 Kommentare
-
02.02.2005, 10:31 Uhr von NinaDivine
Bewertung: sehr hilfreich....die textauszüge aus deinem bericht klingen sehr gut,ma guckenw,enn ich ma geld überhaben sollte...vielen dank für diesen tollen bericht lg NIna
-
01.02.2005, 23:54 Uhr von Allisander
Bewertung: sehr hilfreichEin Super Bericht
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