Boxenhaltung Testbericht

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Erfahrungsbericht von winselwuermchen

Ausbildung von Perden

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Sie haben sich also ein Pferd gekauft? Aha..oh, ein 2 jähriges, schön, ja, natürlich, nur wenn man selbst ausbildet weiß man am Ende was mit dem Pferd gemacht wurde und kann ihm genau das beibringen was man von ihm will.. Wie lange reiten sie schon? Ach?, doch schon ein ganzes Jahr? Das ist doch schon einmal was. Einen Pferdeausbilder haben sie nicht nach Tips gefragt? Ist ja auch unnötig, kostet nur Geld... Aber das Buch \"Funny reitet ihr Pony ein\" haben sie verschlungen. Sehr lobenswert.
Na, dann viel Spaß im KRANKENHAUS!

So, nach dieser kurzen Einleitung mit der ich mir vielleicht Kritik einhandele wie vielleicht mit meinem ganzen Bericht kommt es nun zu selbigem:
Jeder Pferdebesitzer kennt das Problem von sich selbst oder einem Reitkollegen: Ein schlecht ausgebildetes, gerittenes oder bockiges Pferd. So ziemlich jeder dürfte mittlerweile wissen, daß die Ursache solcher Probleme fast immer (es gibt auch Pferde die von Natur aus ein wenig \"eigen\" sind) allein beim Menschen liegen. Unerfahrene Reiter die eigentlich noch Unterricht bräuchten, kommen auf die Idee ein Pferd einzureiten. Das sie damit weder sich noch (und das finde ich wichtiger) dem Pferd einen Gefallen tun sehen sie nicht ein. Ohne sich Gedanken zu machen wird ein Pferd Wochenlang longiert bis einer gefunden ist der sich drauftraut um meistens öfter unten als drauf zu sein. Also wird nach Lösungen gesucht damit das Pferd seinen Reiter nicht mehr herunterwerfen kann. Von „am Sattel festbinden“ über Schnüre die ein Bocken verhindern bis hin zu Beruhigungsmitteln oder unaufhörlichen Prügeln hab ich da schon vieles gesehen. Leider.
Natürlich ist so ein Pferd meistens auch irgendwann eingeritten, aber ob es an der weiteren Zusammenarbeit mit dem Menschen Spaß hat, wag ich zu bezweifeln. Ich sage nicht, dass meine Methode (also ich hab sie nicht erfunden, so machen das viele, aber ich wende sie an) die richtige ist. Ich möchte einfach nur, dass sie darüber nachdenken ob darin nicht doch ein kleines bisschen Wahrheit liegt. Gedanken machen über die Arbeit mit dem Pferd und alle Möglichkeiten auswägen, ohne manche zu verurteilen, ist das was ich erreichen will.

Mal im Ernst:
HABEN SIE SICH SCHON EINMAL GEDANKEN DARÜBER GEMACHT..
...warum Pferdeausbilder momentan sehr hoch im Kurs stehen und Könner wie Pat Parelli oder Monty Roberts so gefragt sind?,
...warum es Pferde gibt die sich lieber das Genick brechen beim Überschlagen statt geritten zu werden,
...was wirklich in ihrem Pferd vorgeht, wenn sie auf ihm reiten oder ihm etwas beibringen wollen,
...warum manche Ausbilder Dinge tun die Sie als Tierquälerei, Machogehabe oder sonst was betiteln

Nun, ich versuche jetzt ihnen meine Art der Pferdeausbildung näher zu bringen. Dem einen wird sie vielleicht gefallen, der andere wird sie eventuell verurteilen, aber ich kann Ihnen versichern daß ich (23 Jahre, Umgang mit Pferden seit 10 Jahren) mittlerweile über 50 Jungpferde eingeritten habe und nicht eines davon am Ende seiner ersten Ausbildungsstufe (des Einreitens) problematisch war. Was die späteren Reiter dann daraus machen ist nicht in meinem Ermessen.

Vielleicht werden sie jetzt denken, ich bin arrogant, überheblich, selbstverliebt oder was weiß ich was.
Nein, ich denke nicht daß eine dieser Bezeichnungen auf mich zutrifft. Ich bin leider auch kein solcher Pferde\"mann\" wie Roberts oder Parelli, aber ich habe mir Gedanken darüber gemacht, was ich tue, wann ich es tue und warum ich es so tue und nicht anders. Immerhin sind Pferde mein Beruf und ich kann mir keine Fehltritte oder -einschätzungen erlauben.

Falls sie nach dieser langen Einleitung noch wach sind: jetzt geht es los mit der Arbeit und den Erklärungen. Als erstes will ich Ihnen erzählen, wie ich ein junges Pferd einreite und warum ich es so mache. Eins vorneweg: Ich bin ein Freund davon ein Pferd in jungem Alter einzureiten, aber dass junge Pferde schon Leistungen erbringen müssen finde ich unverantwortbar. Dies ist nicht nur in vielen Pferderennställen gang und gebe sondern auch in einigen Westernställen. Hier sitzen dann allerdings 80 kg Männer mit Westernsätteln auf den 2 jährigen Quartern und keine 50 Kilo Reiter mit 3 Kilo Trainingssattel. Ich schreibe dies aus dem Grund, da ein junges Pferd (bis mind. Ende 3 jährig) wenn überhaupt nur geringe Lasten tragen kann ohne dass sein Bewegungsapparat Schaden nimmt. Sie müssen also auf das Gewicht des Reiters achten wenn das Pferd einreiten soll.

Die Arbeit mit einem Pferd beginnt schon im Fohlenalter. Die Grundzüge des Führens, Hufe geben und auch eine gewisse Respektierung des Menschen müssen erlernt werden. Darauf gehe ich aber in einem anderen Bericht ein.

Ich beginne meine Arbeit meistens mit 2 jährigen Pferden. Im Rennstall wird dies an den hochgezüchteten, frühreifen Pferden so praktiziert, aber auch wenn ich ein Pferd anderer Rasse ausbilden soll, beginne ich soweit es möglich ist in diesem Alter.
Jetzt werden sie sicher sagen, dass es Tierquälerei ist ein Pferd welches noch nicht dem Fohlenalter entsprungen ist einzureiten.
Hierzu jetzt meine Sicht der Dinge:
Pferde sind dem Menschen körperlich weit überlegen. Dies dürfte wohl auch jeder wissen.
Bei einem ca. 2 jährigen Pferd ist der Instinkt sich unterzuordnen noch sehr stark ausgeprägt.
Gut vorbereitete Jungpferde sehen in ihrem Menschen eine Art Leittier dass schon weiß was es tut, auch wenn es am Anfang unangenehm ist.
Und eines der wichtigsten Vorteile: Ein junges Pferd hat noch nicht die Kraft und Ausdauer eines Erwachsenen Tieres. Dies kann je nach Charakter des Pferdes immens wichtig sein.

Ich beschreibe Ihnen mal die erste Woche an zwei verschiedenen Pferden die ich vor kurzem in meinem Betrieb eingeritten habe.

Pferd 1 (Fini) ist eine 2 jährige Vollblutstute welche direkt von der Koppel zu uns kam. Natürlich war sie halfterführig und auch sonst normal vorbereitet. Sattel oder Trense hatte sie noch nie gesehen.

Pferd 2 (Freya) ist eine 4 jährige Vollblutstute. Diese wurde auch soweit korrekt vorbereitet indem sie halfterführig war und Hufe gab. Allerdings wurde 8 Wochen bevor sie zu uns kam mit dem Longieren des Pferdes begonnen. Nur an einem Longierzaum. Keine Trense, kein Sattel. Ergo: nichts beigebracht – außer Kondition.

Pferd 1: Fini wurde getrenst in den Roundpen geführt und dort zum Traben und Galoppieren angetrieben. Wenn sie ein Buch von Monty Roberts gelesen haben, verstehen sie was da passierte: Der Join Up.
Bereits nach ca. 3 Minuten hatte ich alle Signale zur Mitarbeit des Pferdes erhalten. Sie kam zu mir, ich zeigte Fini den Sattel und legte ihn ihr auf. Dann schickte ich sie sofort wieder weg von mir und trieb sie in den Galopp. Nach 2 bis 3 Runden galoppieren und buckeln hatte sie schon keine Lust mehr dazu. Hier spielt es auch eine Rolle dass sie keine Kondition vorher hatte.
Fini kam wieder zu mir und ich machte sie an einem Strick fest. Meine Freundin hielt sie und ich legte mich erst über den Sattel damit sie sich an das Gewicht gewöhnt. Nachdem sie dass nicht beunruhigte hob mich meine Freundin in den Sattel. Meine Freundin führte mich einige Runden im Schritt. Währenddessen sprach ich Fini und tätschelte sie am ganzen Körper ab.
Dann wurde der Strick abgemacht und ich versucht sie sanft in die Richtung zu bringen in die ich wollte. Nachdem ich 2 Minuten alleine „ritt“ stieg ich ab, sattelte und trenste ab und führte sie in ihre Box zurück. Die ganze Arbeit hatte 30 Minuten gedauert und Fini hatte weder geschwitzt noch zu irgendeinem Zeitpunkt beunruhigt ausgesehen.
Die nächsten beiden Tage wurde diese Prozedur noch wiederholt und dann ging sie mit zwei Führpferden für 20 min. reiten. Sie war locker und fand diese neuen Eindrücke scheinbar sogar „ganz interessant“. Nach diesen 5 Tagen kam sie wieder ganz auf die Koppel zu ihren Freunden von wo sie in einem Jahr wieder heruntergenommen wird um mit der eigentlichen Ausbildung zu beginnen. Wenn ich nach der langen Pause die jetzt folgt den Sattel im Roundpen wieder auflege, wird sie direkt und ohne Schwierigkeiten mitarbeiten.
Pferd 2 : Freya wurde ebenfalls getrenst und in den Roundpen geführt. Dort schickte ich sie weg. Sie galoppierte fast 15 min. lang bevor sie für die Weiterarbeit bereit war. Ich legte ihr den Sattel auf und schickte sie erneut los. Freya bockte und galoppierte im Kreis herum. Da Freya schon die 8 Wochen Konditionstraining intus hatte und ein gehöriges Selbstbewusstsein schaffte sie es 45!!!! Min. zu galoppieren bevor sie zur weiteren Mitarbeit „einwilligte“. Aber da sie wie schon, wie erwähnt, ein gutes Selbstbewusstsein in ihren 4 Lebensjahren sammeln konnte dauerte es eine Weile bis ich mich in den Sattel setzen konnte. Da sie aber immer noch teilweise unwillig war beendeten wir die Arbeit am ersten Tag nur mit 2 Runden führen im Schritt. Die ganze Arbeit hat 1 Std und 15 min. gedauert. Freya war nassgeschwitzt und relativ schlecht gelaunt. Die nächsten 4 Tage gab es die gleiche Prozedur bis sie endlich die Signale des Join Up erkennen ließ und bereit war mit der richtigen Arbeit anzufangen.

Natürlich ist Freya ein ziemlich krasses Beispiel. So lange am Stück zu galoppieren hatte noch kein Pferd vorher geschafft, aber dies kam durch das „Konditionstraining“ der letzten 8 Wochen an der Longe in ihrem Heimatstall. Und ein 4 jähriges Pferd ist vom Selbstbewusstsein einem 2 jährigen so weit voraus, dass es durchaus nicht alles nimmt wie es kommt, sondern sich dagegen wehrt. Dies ist nicht nur kontraproduktiv sondern eine extreme Belastung für Körper und vor allem Psyche der älteren Stute. Von der Gefahr abgeworfen zu werden ganz zu schweigen.

Ich weiß keinen Grund warum ein Pferd nicht mit 2 Jahren eingeritten werden sollte. Jedes Pferd ist in der Lage mit 2 Jahren einen leichten Reiter bis zu einer halben Std zu tragen für ein paar Tage. Danach kann es sein Jungpferdeleben ja weiter auskosten bis es 3 oder 4 jährig ist. Die Grundbegriffe sind ihm bekannt und es wird kein Problem mit Sattel oder Reiter haben. Ein Pferd vergisst nichts.

Jedoch sollten sie die Arbeit mit einem jungen Pferd nicht übertreiben auch wenn es noch so viel Begeisterung an den Tag legt. Wenn es einmal Muskelkater bekommt könnten sie ihm das Reiten schon verleiden. Die Faustregel ist: 5% Steigerung pro Tag. Ich habe auch noch nie beim Einreiten eine Peitsche oder sonstige „Erziehungsmittel“ gebraucht. Anders als einige die ich beim Einreiten von älteren Pferden beobachtet habe und die sich mit dem „störrigen Vieh“ nicht anders zu helfen wussten als bei jedem Ungehorsam draufzuschlagen.
Außerdem: Bei den über 50 Jungpferden hatte ich erst einen Abwurf, und der kam aus eigener Dummheit. Ob sie es mir glauben oder nicht.

P.S. Die Pferde der Wiener Hofreitschule werden auch 2 jährig eingeritten und dann wieder auf die Koppel gestellt.

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