Budapest Testbericht

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Erfahrungsbericht von dottigross_juliaa

Dann doch lieber Wien... oder Prag... oder...

Pro:

Ein paar Sehenswürdigkeiten...

Kontra:

...und der Rest Plattenbauten

Empfehlung:

Nein

Irgendwie reizte es mich schon lange, einmal nach Ungarn zu fahren. So nahmen wir uns vor, dieses Jahr im Juni 2005, einen zweiwöchigen Urlaub am Balaton zu verbringen. Als ich dies bei verschiedenen Gelegenheiten gegenüber Freunden und Kollegen erwähnt, riet man mir entschieden ab. Der Plattensee sei zu flach, zu warm und zu schlammig. Budapest, ja, Budapest sei schön, aber eine Tagesreise würde durchaus reichen.

Neugierig gemacht, buchten wir über Ostern eine 4-Tages-Busreise nach Budapest. Jeweils ein Tag gingen für Hin- und Rückreise drauf. Ein weiterer Tag wurde für einen Ausflug nach Höllökö verplant, so dass uns nur ein ganzer Tag und ein zusätzlicher Abend in der Hauptstadt blieb. Nicht genug Zeit, um sich eine ausführliche Meinung zu bilden, aber lang genug, um einen kleinen, aber nachhaltigen Eindruck zu bekommen.


Anreise
++++++
München - Salzburg - Wien - Grenzübergang Österreich/Ungarn (Nickelsdorf) - Budapest. Das war die Route, die unser Bus nahm. Nach ca. 13 Stunden (inkl. Pausen) und ca. 840 km hatten wir Allgäuer die anstrengende Fahrt überstanden.


Übernachtung
+++++++++++

Das Reiseunternehmen hatte uns ein Zimmer im *Hotel Hunor* in der Pünkösdfürdö u. 40 reserviert. Das Hotel liegt etwa 8 km vom Stadtzentrum entfernt und kann problemlos mit der *grünen* Vorortbahn erreicht werden (Haltestelle *Békásnegyer*). Das Hotel entspricht der landestypischen 3***Sterne-Kategorie. Allzuviel sollte man sich davon aber nichts versprechen. Unser kleines Zimmer lag im achten Stockwerk, war einfach und nicht sehr modern eingerichtet und und fiel durch sein veraltetes und sehr kleines Badezimmer auf. Das sogenannte Frühstücksbuffet bestand aus zwei/drei Sorten Wurst, etwas Käse, helles Brot, Müsli und warme und kalte Getränke. Das Abendessen war zwar reichhaltig, aber nicht besonders gut.


Verkehrsverbinung
++++++++++++++

Das Budapester Busnetz soll sehr gut ausgebaut sein. Wir haben jedoch nur die drei U-Bahn-Linien in Anspruch genommen. Mit einem Tagesticket für umgerechnet ca. 6.- EUR (erhältlich an jeder U-Bahn-Haltestelle) kamen wir dabei - trotz ausgiebiger Fußmärsche - preislich gut weg. An diesem einen Tag wurden wir gleich dreimal einer Fahrkartenkontrolle unterzogen. Dabei standen die *Herren in Dunkelblau* auf dem Bahngleis - an der einzigen Treppe die zum Ausgang führte.

Wie erwähnt, gibt es drei U-Bahn-Linien in Budapest, mit denen man die meisten Sehenswürdigkeiten leicht erreichen kann. Einzig der Gellertberg muss zu Fuß oder mit dem Bus *erklommen* werden. Die Züge machen einen guten Eindruck, wobei ich nicht beurteilen kann, ob sie auch technisch einwandfrei sind. Dieses Verkehrsmittel scheint auch bei den Einheimischen sehr beliebt zu sein, denn die Wagen waren meist sehr voll.


Sehenswürdigkeiten
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Innerhalb eines Tages kann man die meisten Sehenswürdigkeiten - schließt man diverse Museen aus - besichtigen. Das Reise-Resümee meines Freundes bringt es eigentlich auf den Punkt: *Fünf Sehenswürdigkeiten - der Rest Plattenbauten*. Das mag jetzt ein bisschen hart klingen, aber mich hat Budapest etwas enttäuscht. Ich hatte es mir ein wenig wie Prag vorgestellt: die Altstadt von der Burganlage getrennt, schöne Kirchen und Bauten, Künstlerviertel etc.


| Parlament | Das Parlament liegt direkt am Ufer der Donau und ist mit der roten Metro bequem zu erreichen. Die Haltestelle ist nicht weit davon entfernt. Für unangemeldete Besucher ist das Gebäude leider nur von außen zu besichtigen. Doch auch von außen macht es einen imposanten Eindruck. Die verspielte Fassade erinnerte mich ein wenig an das Westminster in London.

| Markthalle | Ich bin ein Fan von Wochenmärkten und Markthallen. Egal, wohin ich reise, ich möchte wenigstens einmal über einen Markt schlendern. So war es für mich klar, dass ich die Markthalle in Budapest sehen möchte. Das war auch der Grund, warum wir uns von unserer Reisegruppe absetzten, die an diesem Tag einen anderen Reiseverlauf nahm. In der Markthalle verbrachten wir dann auch immerhin zwei Stunden bis ich mich endlich losreißen konnte.
Die Halle ist täglich von 6 bis ca. 17 Uhr geöffnet - samstags von 6 bis 14 Uhr. Sie ist über die blaue Metro-Linie (M2) zu erreichen (U-Bahnhof Batthyány tér). Im Erdgeschoss befinden sich zahlreiche Wurst-/Fleischverkäufer, unzählbar viele Obstgeschäfte und einige Gewürzstände. Touristen kaufen meist die landestypische ungarische Salami ein, von der man sich aber nicht zu viel versprechen sollte. Ich hatte sie mir scharf und würzig vorgestellt und wurde leider enttäuscht. In Deutschland schmeckt jede Haussalami besser. Als Mitbringsel für die liebe Verwandtschaft haben wir uns dann für etwas Paprika entschieden. Geschmacklich nicht anders als bei uns - dafür aber in hübsche Stoffsäckchen verpackt und mit einem kleinen Gewürzschäuffelchen versehen. Auch hier sollte man einen Preisvergleich wagen. Die Stände am Hallenrand bieten ihre Waren meist etwas billiger an, als die auf der *Hauptstraße*.
Auf der Galerie im ersten Stock findet man vor allem Souvernierläden, in denen vor allem Häkel- und Klöppelarbeiten angeboten werden. Mir gefallen diese handwerklichen Arbeiten nicht, trotzdem fand ich sie schön anzusehen.

Wer Hunger hat, sollte zum Kaffeehauses *Gerbeaud* schlendern. Dort gibt es rund um die Uhr etwas zu Essen - ob Frühstück, Mittagessen, den 5-Uhr-Tee oder abends in der benachbarten Bar den Absacker inkl. Snack. Da wir zur Mittagszeit in der Nähe waren, wollte wir eigentlich einkehren. Doch das Frühlingsfest machte uns einen Strich durch die Rechnung. Auf dem großen Vorplatz waren zahlreiche Buden aufgebaut, in denen köstliche Leckereien in großen Pfannen brutzelten. Das Gemüsegericht - auf Plastiktellern serviert - kostete jedoch auch 4.- EUR, was ich für *Ost*-Verhältnisse zu teuer fand. Wir wurden davon nicht satt, aber frisch gestärkt konnten wir unseren Sightseeing-Marathon weiterführen.

| Große Synagoge | In der Dohány utca 2–8 befindet sich die große Synagoge. Da wir an einem Samstag dort vorbei schauten, war sie leider geschlossen. Sicherheitsbeamte bewachten das Gebäude, dass bereits von außen einen außergewöhnlichen Eindruck auf mich machte. Schade, dass ich nicht hinein gehen konnte. Geht man an der rechten Seite der Synagoge vorbei, am Friedhof vorbei, sieht man durch einen hohen Zaun hindurch das Mahnmal zum Gedenken der Opfer des Holocaust.

| Die Donau | trennt Budapest in zwei Stadthälften, wobei auf der einen Seite der *Der Burghügel zu Buda* und auf der anderen Seite die *Neustadt Pest* zu finden ist. Zahlreiche Brücken verbinden beide Ufer miteinander. So kann man entweder über die große grüne *Elisabethbrücke* oder aber über die Kettenbrücke die Seiten wechseln. Etwas weiter flussabwärts gibt es noch die sogenannte *Margitbrücke*, die nach der nahegelegenen Insel *Margareteninsel* (Margitsziget) benannt ist. Meinem Freund gefiel die Kettenbrücke am besten. Für mich stellte sie nur einen praktischen Übergang zur anderen Seite dar. Sie ist nämlich die günstigste Verbindung, um direkt zur Standseilbahn und zum *Burghügel zu Buda* zu gelangen.

| Die Standseilbahn | bietet eine bequeme Auffahrt zum Burghügel. Die Einzelfahrt hinauf kostet 1,80 EUR. Die Abfahrt ist mit 1,30 EUR etwas günstiger. Wer gut zu Fuß ist, kann den gut ausgebauten, aber bei Nässe etwas glitschigen Weg hinauf nehmen. Es gibt die Möglichkeit, auf einer kleinen Brücke über der Bahn zu rasten, und von dort aus nette Fotos von den Wagons zu machen. In der Bergstation kann man auf einer nett gestalteten Tafel interessante Informationen zur Standseilbahn nachlesen.

| Burghügel | Auf dem Burghügel gibt es einiges zu sehen. In den zahlreichen *historischen Gebäuden* sind diverse Musseen untergebracht. Da wir daran kein Interesse haben, ließen wir den Burgpalast mit der Ungarischen Nationalgalerie, der Nationalbibliothek und dem Historischen Museum usw. links liegen. Einzig beim imposante *Matthias-Brunnen* mit der hübschen Jagdszene blieben wir stehen. Der Baumeister Alajos Stróbl stellt hier König Matthias als Weidmann dar.
Im neu renovierten Sándor-Palais residiert heute der ungarische Staatspräsident. Ein Beweis liefern einige Soldaten, die um das Gebäude patrolieren und jeden energisch zurück weisen, der zu nahe kommt.
Auf dem kompletten Burghügel befindet sich die sogenannte Altstadt, mit ihren schmucken Häuschen und kopfsteinbepflasterten Straßen. Kleine Läden, viele Restaurants und Cafés sowie die ein oder andere Galerie stehen für die Touristen bereit. Dieser Teil der Stadt wurde nicht durch Plattenbauten verunstaltet, was mich ein wenig mit Budapest aussöhnte.

| Die Matthiaskirche | erinnert mich ein wenig an den Petersdom in Wien. Seine bunten Dachziegel und die verzierten, schmalen Türme sind typisch für dieses Bauwerk, dessen Grundstein bereits im 13. Jahrhundert gelegt wurde. Leider durften wir die Kirche am Ostersamstag nicht betreten. Das ärgerte mich schon sehr und das Wachpersonal, das uns den Eintritt verwehrte, gab auch keine erklärenden Worte ab.

| Die Fischerbastei | - weltberühmt - erinnert mich sehr an Disney Land. Mit seinen Türmchen und Erkern gleicht es eher dem Cindarella-Schloss aus Disneys Wunderwelt.
Gleich daneben befindet sich das Hilton Hotel, das eine atemberaubene Halle besitzt mit Blick über die Donau und Pest. Wer es sich leisten kann, sollte dort zum Sushi-Essen einkehren. Für umgerechnet 15.- EUR kann man dort 30 Minuten lang *Sushi satt* essen.

| Die Maria-Magdalenen-Kirche | wurde einmal 1686 und ein weiteres Mal im zweiten Weltkrieg 1944/45 zerstört. Es steht nur noch ein Turm, dessen Glockenklang zur vollen Stunde mir allerdings sehr gut gefallen hat. Im Inneren befindet sich eine frei im Raum stehende Wendeltreppe, auf der man 171 Stufen hinauf steigen kann.

| Ruszwurm | Eine *berühmte* Konditorei liegt in der Szentháromság utca 7. Das *Ruszwurm* ist ein wahrer Touristenmagnet und ich kam gerade mal einen Meter hinein, weil die Menschenmassen sich darin drängten. Mein Freund konnte keinen Fuß hinein setzen und trat kopfschüttelnd den Rückzug an. Nur ein paar Schritte weiter Richtung Statue des András Hadik gibt es ein modernes Bistro, das ebenfalls leckere Kuchen anbietet und das ich deshalb wärmstens empfehlen kann.


Einkaufen
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In der Nähe der *Elisabethbrücke* - auf Pester Seite - befindet sich eine hübsche Fußgängerzone, die es mit jeder anderen Einkaufsstraße in Deutschland aufnehmen kann. Bei einem abendlichen Schaufensterbummel konnte ich nur einen kurzen Blick auf die Preise werfen. So fielen mir ein paar 59-Euro-teure Esprit-Sneakers auf, die bei uns 69.- EUR kosten. S’Oliver-T-Shirts waren ab 12.- EUR zu haben, die bei uns regulär mit 14.95 EUR ausgezeichnet sind.


Essen und Trinken
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Da wir im Hotel aufgrund der Halbpension mit Essen versorgt wurden, kann ich nur bedingt Auskunft geben. Wir haben - wie bereits berichtet - auf einem Frühlingsfest eine Kleinigkeit gegessen. Das Pfannengericht war sehr lecker und für einen Snack zwischendurch auch ausreichend. Ein zweites Mal wurden wir abends in einer Fußgängerzone in ein Restaurant gelockt, das von außen eigentlich ganz gut aussah. Leider war das angebotene Menü sein Geld nicht wert. Für 10.- EUR kann man auch eigentlich nicht viel erwarten und wir haben uns geschworen, uns nie wieder von irgendwelchen Kellnern ins Lokal locken zu lassen.


Die Einheimischen
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An einem Tag kann man weder die Stadt noch die Einheimischen kennen lernen. Wir haben - wie überall auf der Welt - gemischte Erfahrungen gemacht. Während der Bahnhofsvorsteher sehr nett, aber des Englischen nicht mächtig war, hat uns eine alte, hutzelige Oma in gebrochenem Deutsch am Ticketautomaten weiter helfen können. Während die Ladenbesitzer in Höllökö sehr engagiert ihre Waren darboten, kamen wir mit der volkloristischen Tanzgruppe gar nicht ins Gespräch. Der Portier unseres Hotels war sehr auskunftsfreudig und hilfsbereit - unsere Reiseleitung lehnten wir rundweg ab, weil sie anmaßend und frech war. Nun, so macht man eben unterschiedliche Erfahrungen, die nicht das ganze ungarische Volk widerspiegeln kann...


Budapest bei Nacht
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Unsere Reise beinhaltete einen Operetten-Abend mit *Gräfin Maritza*, den wir - aufgrund des Zeitmangels - streichen mussten. Wir wollten lieber noch einen Spaziergang durch das beleuchtete Budapest machen, was wir nicht bereuten. Vor allem vom Gellertberg aus hat man bei Nacht einen herrlichen Blick über das glitzernde Lichtermeer. Aber auch am Ufer der Donau, wo alle paar Meter eines der Kreuzfahrtschiffe anlegt, wird nicht mit Licht und Farben gespart. *Budapest bei Nacht* sollte man sich wirklich gönnen!


Sauberkeit
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Ich habe jetzt schon öfter die Meinung gehört, dass Budapest sehr schmutzig sein soll. Ich finde, dass Budapest nicht schmutziger ist als andere vergleichbare Groß- oder Hauptstädte. Einzig die Tatsache, dass ich nirgendwo Mülleimer fand und meinen Abfall erst abends im Hotel entsorgen konnte, machte mich stutzig. Sicherlich, am Straßenrand und vor allem abseits der üblichen Touristenwegen muss man mit größeren Verschmutzungen rechnen. Aber das gibt es in Florenz, Paris oder Köln auch. Es fiel mir jedoch auf, dass die veralteten Wohnhäuser dieser Stadt einen schlechten Eindruck machen. So hatte ich hier und da durchaus Angst, ob nicht gleich der Putz von der Fassade abbröckelt, oder ganze Balkone herunter stürzen könnten.


Fazit
++++

Ich interessiere mich schon seit längerer Zeit für eine Donaukreuzschifffahrt. Diese Schiffe machen unter anderem eineinhalb Tage in Budapest Station und nur einen knappen Tag in Wien. Seitdem ich Budpest besucht habe, kann ich diese Reiseplanung nicht nachvollziehen. Budapest ist bei weitem nicht so sehenswert, wie man sich es allgemeinhin vorstellt. Da würde ich Wien auf jeden Fall vorziehen. Auch Prag, mit seiner hübschen Altstadt und der Burg, finde ich wesentlich schöner. Es gibt eigentlich keinen Grund nach Budpest zu reisen, außer dem, dass man behaupten kann, mal dort gewesen zu sein.


In diesem Sinne... alles bleibt anders... eure Dotti

14 Bewertungen, 1 Kommentar

  • sloope

    16.08.2005, 02:05 Uhr von sloope
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr interessanter bericht