Bush, George W. Testbericht

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Erfahrungsbericht von new_siveritas

DDR-Feeling in der Innenstadt

Pro:

nicht viel

Kontra:

Abgeriegelte Innenstadt, Bush bekam von Protesten nix mit

Empfehlung:

Nein

Für alle Nicht-Berliner, die sich das wahrscheinlich gar nicht so recht vorstellen können: Um das Hotel Adlon, wo der Cowboy aus Texas mit seiner Family nächtigte, [bzw. um das Brandenburger Tor] war alles weiträumig abgesperrt. Ab Friedrichstraße ging nichts mehr. Das betraf natürlich auch die Anwohner, denn das Gebiet ist kein reines Einkaufs- und Parlamentsviertel. Die Anwohner dieser Sperrzone mussten sich ausweisen, konnten de facto zwei Tage lang keinen Besuch empfangen, ihre Autos wurden durchsucht.

Fallen Euch geschichtliche Parallelen ein? Mir schon! In Ostberlin gab es auf einem Streifen in der Nähe der Mauer, der je nach Sicht 100 bis 500 Meter breit sein konnte, das sogenannte Grenzgebiet. Die Bewohner dieses Gebiets mussten sich ausweisen, konnten auch keinen Besuch empfangen (außer nahe Verwandte, und auch die nur nach Anmeldung).

Ein Gefühl der Beklemmung kam bei mir schon auf, als ich die Absperrungen an der Friedrichstraße, etwa am Kulturkaufhaus Dussmann, sah. Fatal erinnerten sie mich an die Absperrungen am Brandenburger Tor, die man dort bis ANNO 1989 „bestaunen“ konnte.

O.K., könnte man einwenden, ist ja nur für zwei Tage. Aber wenn man teilweise nicht einmal in die eigene Wohnung kommt, die Fenster geschlossen halten muß, und sogar im Vorfeld der Ankunft Bushs mit „liebem Besuch“ vom BGS rechnen muß, wenn man in unmittelbarer Nähe des Brandenburger Tors wohnt. Sollte so etwas in einem freiheitlich-demokratischen Staat möglich sein? Meiner Meinung nach nicht. In der Berliner Zeitung merkte ein Journalist an, das sich Bush und Schröder doch auf ner Bohrinsel treffen sollten, anstatt die ganze Innenstadt dicht zu machen. Recht hat er!

In Amerika ist es übrigens gängige Praxis, einzelne Stadtviertel abzusperren, wenn es der – geheiligten – Sicherheit dient, das weiß ich von einem Freund, der ein Jahr lang im südlichen Manhattan gelebt hat. [Ich rede NICHT von der Zeit nach dem 11. September, da war das sowieso alles evakuiert]. Dort benötigte man an einem Tag mal ne Genehmigung, wenn man überhaupt das Haus verlassen wollte! Wollen wir solche Zustände auch? Quo vadis, BRD?


Außerhalb der Sperrzone gab es viele Arten von Protesten. Am Tag vor seiner Ankunft war Unter den Linden ne friedliche Demo mit Teilnehmern aus ganz Deutschland (und nicht nur daher). Es geht also. Am Tag von Bushs Ankunft gab es zum Bleistift n Konzert vor dem Dom, n Gebet, ab 18 Uhr „Bush-Trommeln“, jede/r sollte was zum Lärm machen mitbringen. Doch Mr. Bush himself wurde fleißig von sämtlichen Protesten abgeschirmt. Einzig von dem Transparent, das zwei PDS-Abgeordnete bei Bushs Bundestagsbesuch entrollten, bekam er etwas mit. Hinterher entschuldigte sich der Fraktionsvorsitzende bei Bush dafür, das seine Parteifreunde die „Frechheit“ besessen hatten, einem Menschen, der über 150 Hinrichtungsbefehle unterzeichnet und mehrere Angriffskriege angezettelt hat, mitzuteilen, dass sie ihn nicht so toll finden.

Hoffen wir mal, das Mr. President uns nicht so schnell wieder beehrt! Ich hab nämlich kein Bock auf ne abgeriegelte Innenstadt

16 Bewertungen, 1 Kommentar

  • grashopper

    26.05.2002, 13:50 Uhr von grashopper
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ja, man kann es wirklich übertreiben mit dem Wahlkampfspektakel auf Kosten der Steuerzahler - anders kann man das kaum noch sehen- oder sind wir inzwischen alle nur noch paranoid ?