Der Fremde (Taschenbuch) / Albert Camus Testbericht
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Erfahrungsbericht von SVoigt3000
Wenn man zwei Weltkriege erlebt hat...
Pro:
Thematik, Charakter des Meursault, interessant und fesselnd
Kontra:
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Empfehlung:
Ja
-----STORY:-----
Meursault ist ein Franzose in Algier, Algerien. Eines Tages bekommt er die Nachricht, er müsse seine Mutter beerdigen, da sie gestorben sei. Traurig ist er wegen des Todes eigentlich weniger, aber die 2 Stunden lange Busfahrt zum Altersheim, in dem seine Mutter lebte, ist ihm zuwider. In dem Altersheim hält er aber eine Nacht Totenwache, beerdigt seine Mutter am nächsten Tag und fährt wieder nach Hause. Dort trifft er, einen Tag nach der Beerdigung, eine ehemalige Arbeitskollegin, Marie, beim Schwimmen wieder. Die Beiden verbringen den Tag gemeinsam und werden dann schließlich auch ein Paar.
Alles scheint gut zu laufen, doch dann kommt der Tag, der Meursaults Leben von Grund auf ändern sollte. An einem schönen Strand erschießt er, durch eine Verkettung unglücklicher Umstände und durch einen riesigen Zufall, einen Mann. Meursault wird ins Gefängnis gebracht und der Prozess beginnt...
-----ALBERT CAMUS:-----
Albert Camus wurde am 7.11.1913 in Algerien geboren. 1934 begann er an der neugegründeten Universität in Algier das Studium der Philosophie und heiratete mit 21 Jahren die erst 19-jährige Simone Hié. Später trat Camus der kommunistischen Partei bei, gründete 1936 das "Theater der Arbeit" in Algier.
1938 fing Camus an, an seinem Roman "Der Fremde" zu schreiben, das 1942 im besetzten Frankreich zu einer literarischen Sensation wurde. Es folgten weitere Romane ("Die Pest", "Der Mythos des Sisyphos"), verschiedene (politische) Schriften etc. 1957 erhielt Albert den Literaturnobelpreis. 1960 kam Camus bei einem Autounfall in Frankreich ums Leben.
-----ZAHLEN, DATEN, FAKTEN:-----
Titel: Der Fremde
Autor: Albert Camus
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag
Erschienen: 1994
Seiten: 143
-----KOMMENTAR:-----
Warum ich unbedingt mal etwas von Albert Camus lesen wollte, weiss ich gar nicht mehr. Auf jeden Fall standen 2 seiner Romane auf meinem Wunschzettel bei Amazon. Einen, eben diesen "Der Fremde", bekam ich dann von einer Freundin und deren Freund zum Geburtstag geschenkt. Gefreut habe ich mich sehr, da ich große und anspruchsvolle Literatur liebe. Und genau das darf man von einem Albert Camus, seines Zeichens Literaturnobelpreisträger, wohl erwarten.
Beim Lesen der ersten Seiten war ich geschockt. Sprachlich ist "Der Fremde" sehr einfach, fast schon niveaulos geschrieben. Hauptsatz reiht sich an Hauptsatz. Doch recht schnell wurde mir klar, dass Camus diesen einfachen Satzbau als Stilmittel nützt. Die einfache Folge von Hauptsätzen erzeugt beim Lesen deutliches BeFREMDen, was natürlich zum Romantitel und zum Inhalt passt.
Meursault ist ein Fremdling, ein Sonderling. Deutlich wird das natürlich schon durch die Teilnahmslosigkeit bei der Beisetzung der Mutter und dem vorhergehenden Zeremoniell. Ist man hier noch betroffen über sein Verhalten, kann man später lachen. Denn irgendwann fragt ihn seine Freundin Marie, ob er sie lieben würde. Seine Antwort: Das täte nun nichts zur Sache, aber er glaube, er würde sie nicht lieben. Später will Marie wissen, ob er sie heiraten möchte. Seine Antwort: Ihm sei das egal, aber wenn sie das wolle, dann würden sie heiraten. Und lieben würde er sie immer noch nicht.
All das macht deutlich, dass die Welt für Meursault fremd ist. Das kann man politisch lesen. Camus war Kommunist und kann anhand von Meursault den von der Welt entfremdeten Arbeiter beschrieben haben. Aber er hat hier sicher auch das Kind zweier Weltkriege beschrieben, das sich von der Welt entfremdete und desillusioniert ist. Bei seiner Zelle sagt es Meursault dem Gefängnisgeistlichen auch, dass alle Menschen das Privileg haben, irgendwann zu sterben. Die Ansicht, der Tod wäre ein Privileg, liegt natürlich nahe, wenn man das Töten und Sterben zweier Weltkriege gesehen kann. Und genau wie Meursault sind die Soldaten und Zivilisten der Weltkriege durch einen aberwitzigen Zufall zu Mördern, zu Desillusionierten, zu Fremden geworden: Sie lebten durch irgendeinen Zufall in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Und so wird Meursault als Fremdling und Sonderling zum Sündenbock (Meursault: "Meursm Sot!" = "Stirb, du Tor!"), der nicht für das eigentliche Verbrechen, den Mord, sondern für die Teilnahmlosigkeit bei der Beerdigung seiner Mutter und seine Ungläubigkeit verurteilt wird.
Und so endet der Roman dann kurz vor der Hinrichtung Meursaults mit einem atemberaubenden, nachdenkenswertem Absatz. Meursault sitzt in seiner Zelle, kurz vor der Hinrichtung, und begreift: So kurz vor dem Tod wird man frei von allem, man ist bereit nocheinmal zu Leben. Ihn erfüllt eine Ruhe und der Roman endet...
-----FAZIT:-----
Ich bin begeistert. Albert Camus bringt einem mit "Der Fremde" eine Generation von Menschen näher, ein Lebensgefühl einer Zeit, die wir heute in Europa zum Glück nicht mehr kennen. Ganz große, lehrreiche und nachdenkenswerte Literatur.
25 Bewertungen, 9 Kommentare
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26.07.2006, 23:20 Uhr von panico
Bewertung: sehr hilfreichlg panico :-)
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17.07.2006, 01:26 Uhr von tanja2003
Bewertung: sehr hilfreich~~~ sh ~~~
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16.07.2006, 20:56 Uhr von SuicideToday
Bewertung: sehr hilfreich~*~sehr hilfreich~*~man liest sich~*~
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16.07.2006, 20:06 Uhr von Estha
Bewertung: sehr hilfreich☼☼☼ ... lg susi ... ☼☼☼
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16.07.2006, 18:08 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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16.07.2006, 17:05 Uhr von HiRD1
Bewertung: sehr hilfreich~~ SH. Gruß, Ralf ~~
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16.07.2006, 16:32 Uhr von Vicky
Bewertung: sehr hilfreich* Sehr hilfreich - Vic *
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16.07.2006, 16:18 Uhr von naddanix
Bewertung: sehr hilfreich**LG ANNA**
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16.07.2006, 16:06 Uhr von blackangel63
Bewertung: sehr hilfreich◄ SH ◄► LG ◄► ANJA ►
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