Chemnitz Testbericht
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Erfahrungsbericht von helko2000
¡ Die Stadt ist besser als ihr Ruf !
Pro:
eine Stadt im Umbruch
Kontra:
es gibt noch viel zu tun
Empfehlung:
Ja
Anreise und Lage
Basics
Geschichte
Mein Chemnitz
Rund um Chemnitz
Fazit
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Anreise und Lage
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Gut, da ich ja in Leipzig wohne ist die Anreise gar kein Problem. Chemnitz liegt einfach etwa 80 km südlich von Leipzig am Fuß des Erzgebirges.
Die Anreise kann mit dem Auto erfolgen, z.B. über die B 95 (dauert aber sehr lange) oder über die A 14 und A 4. Die direkte Autobahn A 72 Leipzig – Chemnitz ist zZ im Bau und soll dann ab 2006 für den Verkehr offen sein.
Aber ich wollte einfach mal etwas von der durchaus hübschen Landschaft sehen und wählte daher die Bahn. Etwa 1,5 h dauert die Fahrt von L nach C, was aber an den zZ stattfindenden Bauarbeiten liegt. Ab 2009 soll dann auch die Bahntrasse endlich ausgebaut sein. Zukünftige geplante Fahrzeit liegt bei 50 Minuten.
Aber auch sonst ist die Verkehrsanbindung von Chemnitz ganz gut. Die A 4 (F – DD) führt fast am Zentrum vorbei und die A 72 aus Hof kreuzt die A 4 im Chemnitzer Norden.
Per Bahn erreicht man auch Dresden ohne Probleme.
Basics
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Doch nun mal ein paar Daten zur Stadt selbst.
Chemnitz hat etwa 260.000 Einwohner und ist Sitz des Regierungspräsidiums des gleichnamigen Regierungsbezirkes sowie der Zollverwaltung des Freistaates, der Regionalgruppe des Bundesamtes für Zivildienst, des BGS, des Landesarbeitsamtes und vieler Landesbehörden.
Die wirtschaftliche Situation ist für ostdeutsche Verhältnisse recht gut. Zwar wirkt für Nicht-Wirtschaftler eine Arbeitslosenquote von etwa 15% recht hoch, allerdings muss man auch einen Blick auf die Beschäftigungsquote werfen. Mit etwa 620 von 1000 sieht es da nämlich schon ganz gut – besser als in Teilen des Saarlandes.
Chemnitz ist historisch gesehen eins der führenden Industriezentren in Deutschland. Noch vor 150 Jahren sah man Chemnitz aus gleicher Höhe mit Manchester und Essen.
Nach dem Zusammenbruch der Industrie nach 1945 kam dann die Planwirtschaft nach Chemnitz. Produziert wurde viel, aber 90% des Absatzes ging in die UDSSR und war auch nicht Weltmarkttauglich.
Mit dem Zusammenbruch der DDR und UDDSR war dann natürlich auch erst einmal mit der Produktion in Chemnitz Schluss.
In den Folgejahren gelang es jedoch der Staatsregierung mit gezielten Subventionen die Ansiedlung großer Industriefirmen zu fördern. Volkswagen, Miele, Schlick und Siemens sind Beispiele, wo es glückte.
Aber auch aus eigener Wirtschaftskraft hat C viel geleistet: EnviaM ist wohl das bekannteste Exportprodukt auf dem europäischen Energiemarkt made in Chemnitz.
Geschichte
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Ich wollte schon immer wissen woher denn der Name stammt. Also kaufte ich mir am Samstag einen Reiseführer und der konnte da helfen: Kamenicze. Das ist ein slawisches Wort und bedeutet Geröllbach.
Ja, das ist klar. Immerhin heißt ja der Fluss auch Chemnitz. Der Name der Stadt stammt also von Namen des Flusses.
Gründungsdatum ist übrigens das Jahr 1136 – damals entstand ein Benediktinerkloster oberhalb einer Furt auf dem heutigen Schlossberg. Unterhalb siedelten dann immer mehr Menschen aber ab wann die Siedlung dann auch als solche bezeichnet wurde ist nicht bekannt. Daher hat man einfach zu einer list gegriffen und einfach gesagt: wir definieren: Chemnitz wurde 1154 gegründet.
Blütezeit dieser Siedlung war das Mittelalter. Zinn und Erz aus dem nahen Gebirge wurden hier verarbeitet. Industrie entstand.
Zu einer zweiten Blüte kann es dann ab 1830 mit dem aufkommenden Industrialismus.
In den Folgejahren siedelten sich dann immer mehr Werkzeug und Maschinenfabriken an. Die erste deutsche Dampflokomotive wurde hier gebaut. Audi wurde hier gegründet. Adam Opel studierte hier (in einem Vorort). usw.
Der Schicksalstag der Stadt ist der 5. März 1945. In nur einem einzigen Luftangriff wurde Chemnitz das gleiche Schicksal zu teil wie Dresden – die totale Zerstörung. Nach dieser Nacht standen 80% der Häuser in der Innenstadt nicht mehr, über 10.000 Menschen waren gestorben.
Doch es sollte noch schlimmer kommen. Nach einer kurzen Zeit unter amerikanischer Besetzung kam es unter russische Kontrolle. Die Industrie wanderte ab und wurde gezielt vertrieben (ich sprach am Samstag mit dem Erben einer ehemaligen mittlegroßen Chemnitzer AG, der 1946 vollständig seine ganze Firma aufgeben musste und wenige Jahre später auch sein privates Eigentum entzogen bekam).
Der Wiederaufbau der Industrie geschah nur unter dem Blick auf den sozialistischen Markt und die Stadt sollte zur Musterstadt des Sozialismus werden. Selbst intakte Gebäude wurden z.T. abgerissen um Platz für die stalinistische Architektur zu bekommen.
1953 erreichte dieser Wahn seinen Höhepunkt: Die Regierung der „DDR“ nannte Chemnitz einfach in Karl-Marx-Stadt um – ohne das dieser Herr überhaupt mal etwas mit der Stadt zu tun gehabt hatte. Erst 1990 durften sich die Bürger wieder als Chemnitzer bezeichnen.
Mein Chemnitz
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Als in im Jahr 1994 nach Chemnitz kam sah es wirklich erschütternd aus. Überall heruntergekommene stalinistische Architektur, alles schmutzig und ungepflegt – also wirklich wie im tiefsten Sozialismus.
Umso überraschter war ich gestern als ich sah, was sich hier in nur zehn Jahren entwickelt. Natürlich ist auch heute noch der stalinistische Baustil allgegenwärtig, aber das Stadtbild hat sich grundlegend geändert.
Moderne Einkaufszentren im futuristischen Design präsentieren sich dem Besucher, die Gebäude sind gepflegt, die Fußgängerzone im Zentrum wirklich schick. Die historischen Gebäude restauriert, der Nahverkehr revolutioniert durch eine gemeinsame tram, die zugleich außerhalb der Stadt zur Regionalbahn wird.
Zwei große Malls im Zentrum bieten sehr gute Einkaufsmöglichkeiten.
Hervorragend ist auch das Flair am Fluss. Viele kleine gemütliche Kneipen laden zum Essen direkt am Wasser ein. Das Wasser – vor zehn Jahren schmutzig und stickend – heute klar und geruchlos.
In Chemnitz die Kneipenszene hat sich einfach super entwickelt. Viele Bars, Restaurants, einige Brauereien und Clubs laden zum Besuch ein. Auch das Nachtleben ist durchaus gut – zumindest am Samstagabend war viel los.
Die Oper erstrahlt in unmittelbarer Bahnhofsnähe als Glanzstück des Opernplatzes und auch das Schauspielhaus ist sehenswert. Berühmt sind auch die Museen der Stadt: so sind die Kunstsammlungen Chemnitz wohl jedem Sachsen ein Begriff, das Industriemuseum zeigt Chemnitz um 1850 und dann gibt es ja noch die ganzen kleineren, wie z.B. das das Schlossbergmuseum oder das Eisenbahnmuseum.
Die Uni ist die beste ostdeutsche Universität. Zu diesem Urteil kommen eigentlich jedes Jahr wieder die großen Ranking-Untersuchungen. Mit traumhaften Zahlen wie 1 Prof zu 60 Studenten und dem Abschluss in der Regelstudienzeit übt sie natürlich eine große Anziehungskraft auf junge Leute aus.
Doch auch außerhalb des Zentrums erkennt man Chemnitz nicht wieder! Kassberg nennt sich ein Viertel voller rekonstruierter Jugendstilhäuser und die Villa Esche ist unbedingt einen Besuch wert.
Die Messe Chemnitz wurde erst 2003 eröffnet und ist daher wirklich modern. Auch innen bietet sie alles, was man von einem Tagungszentrum erwarten kann. Außerdem ist der Anschluss an den Verkehr perfekt: tram und Regionalbahn – Autobahn – alles kein Problem. Dazu tausende von Parkplätzen – wirklich alles durchdacht.
Auch in den Außenbezirken gibt es vieles zu entdecken. Das Wasserschloss Chemnitz ist nicht nur ein toll rekonstruiertes Schloss am Fluss Wirschnitz (ich kenne es noch aus „DDR“-Zeiten – damals war es ein Schweinestall (leider kein Witz), hatte z.T. kein Dach mehr und war mehr eine Ruine als ein Gebäude), sondern beherbergt auch das sächsische Automobilmuseum. Davor kann man im einem 18-Loch Golfplatz mit Blick auf das Erzgebirge golfen (leider war zu schlechtes Wetter dafür – Schade).
Sport
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Die Chemnitz Arena soll endlich wieder große Sportereignisse in die Stadt holen.
Als Sportstadt ist Chemnitz nämlich durchaus berühmt. Besonders im Eiskunstlauf (Katharina Witt, Ingo Steuer), im Radsport Michael Hübner oder im Fußball Michael Ballack haben ihre Karriere in Chemnitz begonnen.
Rund um Chemnitz
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Beliebte Ausflugsziele außerhalb der Stadt ist die Burg Rabenstein und auch die Greifensteine. Schnell ist man mit dem Auto auch in Oberwiesenthal und kann dort auf den Fichtelberg, den höchsten Berg des Freistaates. Besonders in der Weihnachtszeit sind die Städte im Erzgebirge einfach traumhaft.
Fazit
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Ein Besuch in Chemnitz bedeutet den Umbruch zu erleben. Auch heute wird hier an jeder Ecke gebaut und gewerkelt. Es ist toll zu sehen was sich getan hat, aber es gibt eben noch viel zu tun. 40 Jahre Kommunismus haben zu starke Spuren hinterlassen.
Daher zZ leider nur ein GUT, aber man muss es einfach mal gesehen haben!
24 Bewertungen, 4 Kommentare
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25.03.2006, 23:47 Uhr von Mieze83
Bewertung: sehr hilfreichEs macht Spaß so einen tollen Bericht über seine alte Heimat zu lesen. <br/>Er ist mehr Wert als ein sh aber mehr geht leider nicht. <br/> ***lg*** <br/> ++So
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18.11.2005, 15:02 Uhr von glowhand
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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19.05.2005, 00:39 Uhr von April
Bewertung: sehr hilfreichEin sehr interessanter Bericht! Mir gefällt Chemnitz total gut! Die Villa Esche hat es mir ebenfalls sehr angetan! LG April
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03.09.2004, 14:58 Uhr von Lomax
Bewertung: sehr hilfreichICh war selber schon in Chemnitz wie auch auf dem Fichtelberg und Rabenstein. Alles eine sehr schöne Sache, Chemnitz selber hat sich in den letzten Jahren gut rausgemacht! Super Bericht!
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