Coldplay Testbericht

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Erfahrungsbericht von roobii

A Rush Of Blood To The Head - der Soundtrack zum Kuscheln

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Vor einigen Jahren war ich noch ärgster Bewunderer des Britpops. Niemand konnte mich auch nur im geringsten davon überzeugen, dass diese Musikrichtung nicht die bester der Welt ist. Nun sind einige Jahre ins Land gezogen und mein Geschmack hat sich etwas geändert. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass der Britpop sich kaum weiterentwickelt hat und die bekannten Bands wie OASIS oder Blur nur noch kommerzorientierte Mucke machen. Große Neuerungen sind von denen also nicht zu erwarten!

Im Schatten der Headliner der Szene haben sich glücklicherweise noch andere Kombos durchgesetzt. Zu ihnen zählt zweifelsfrei Coldplay. 1996 in der Blütezeit des Britpops fanden sich Chris Martin an Mirko, Gitarre und Piano, Guy Berryman am Bass, Jonny Buckland an der Gitarre und Will Champion am Schlagzeug zu dieser Band zusammen. Nach anfänglich selbstproduzierten Veröffentlichungen, erhielten sie 1999 einen Maiordeal bei EMI. Ab hier ging es nur bergauf. Die erste LP \"Parachutes\" schlug in England ein wie eine Bombe und schnell war der Name Coldplay in aller Munde. Selbst in den USA wurden sie gefeiert.

Nach solch großem Erfolg ist der Erwartungsdruck nicht zu unterschätzen. Nach 2 Jahren ausgedehnter Tourneen erschien nun \"A Rush Of Blood To The Head\". Mit diesem Album werden Coldplay es schaffen, auch den letzten Kritiker zu überzeugen. Das Echo in der einschlägigen Presse ist voll des Lobes, überall zieren die Jungs die Titelseiten der Magazine. Was ist also dran an dieser Musik?

Dominiert wird die Musik eindeutig von der Stimme von Chris Martin. Sie wirkt filigran fast zerbrechlich und hat es manchmal schwer sich gegen die Instrumente durchzusetzen. Jedoch schafft Martin es jeder Melodie seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Perfekt ergänzen sie Gesang und Rest der Band. Angst hat man nur, wenn man sich eine ausgedehnte Liveshow vorstellt. Reicht diese Stimme für 2 Stunden?

Das Markenzeichen der Musik sind mit Abstand die schönen Melodien. Fast ein bisschen zu traurig kommen sie daher, Melancholie in Perfektion. Trotzdem verfällt der Hörer nicht in depressive Stimmung, da die Lichtblicke des Albums gezielt platziert sind. Insgesamt ist die neue Scheibe runder als \"Parachutes\" ausgefallen. Die Gitarren haben keine Chance mehr, auch nur ansatzweise zu kreischen. Die neuen Coldplay legen wert auf perfekte Harmonien. Streichereinlagen machen die Musik noch weicher und legen immer einen massiven jedoch unaufdringlichen Klangteppich unter die Melodien.

Weiter in den Vordergrund ist auch das Piano gerückt, immer mehr Anteile werden von diesem Instrument dominiert. Bestens zu hören ist das in \"The Scientist\", ein toller Song der durch Schlichtheit überzeugt. Wieder ist die Stimme Mittelpunkt des Geschehens, jedoch wird diese Aufgabe von Martin meisterlich gelöst.

Der Weichspülgang hat natürlich einige Ecken abgeschliffen, die mancher (so auch ich) noch besonders gemocht hat. So gehen die Gitarren leider immer mehr unter in der Musik. Sie verkümmern fast zu akustischen Beiwerk, was nur noch benutzt wird um den Sound voller erscheinen zu lassen. Auf der ersten CD war das noch anders, hier hatte auch die Rockgitarre noch seine Berechtigung. Gleiches gilt für das Schlagzeug. Nur selten fällt es auf, meistens fungiert es als Rhythmusgerät. Eigenständige Akzente bleiben aus dieser Ecke jedoch aus. Trotzdem ist die Mischung perfekt. Viele Bands haben perfekte Einzelmusiker, die ihre Instrumente bis ins kleinste beherrschen und trotzdem schaffen sie es nicht gute Songs zu produzieren. Coldplay machen das anders, manchmal ist eben doch weniger mehr. Die exakt abgestimmten Einzelelemente ergeben ein großes Ganzes, eine große Band, fähig gute Musik zu machen.

Als Gesamtwerk kann niemand diese Platte vollkommen schlecht finden. Jeder kann hier mindestens einen Song für sich herausfinden. Am besten geeignet ist diese Musik für die traute Zweisamkeit. Der gelungene Soundtrack für Kuschelstunden. Dann noch die Augen schließen und die Phantasie erledigt den Rest.

Coldplay hat mir das Wort Britpop wieder ins Gedächtnis gerufen. Sicherlich ist das nicht mehr die Musik der frühen OASIS, die noch rotzig und wild daherkam. Aber Musik soll sich ja auch weiterentwickeln und wenn es in diese Richtung geht bin ich dabei!

TRACKLIST :
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01. Politik
02. In My Place
03. God Put A Smile Upon Your Face
04. The Scientist
05. Clocks
06. Daylight
07. Green Eyes
08. Warning Sign
09. A Whisper
10. A Rush Of Blood To The Head
11. Amsterdam

FAKTEN:
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Titel: A Rush Of Blood To The Head
Label: Parlophone / EMI
VÖ : 26.08.2002
Spielzeit: 54:20 min.
Internet: http://www.coldplay.de, http://www.coldplay.com, http://www.arushofbloodtothehead.com

DISKOGRAPHIE:
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2002 A Rush Of Blood To The Head
2000 Parachutes
1999 Brothers & Sisters (EP)
1998 Safety (EP)

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