Cornwall Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von Gimmick404
der geheimnisvolle und wilde Südwesten Englands
Pro:
traumhafte Landschaft
Kontra:
Linksverkehr, teuer
Empfehlung:
Ja
Der wilde Südwesten Englands, geheimnisvoll, atemberaubend, düster, einsam und wild, schroffe Küste, raue See und malerische Ortschaften. So oder so ähnlich stellen sich sicher die meisten Cornwall, den äußersten südwestlichen Zipfel Englands vor. Und ich muss gestehen, zumindest im Januar, dem Zeitpunkt meiner Stippvisite, konnte das alles nicht nur gehalten werden, im Gegenteil, meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen – wobei einiges sicher in den Sommermonaten nicht so anzutreffen sein dürfte.
Nun fragen sich sicher einige: Wieso denn grade Januar? Es passte für mich damals zeitlich perfekt. Ich wohnte damals für ein halbes Jahr in Birmingham in Central England, der Abstecher in den Süden war einfach zu reizvoll als dass wir widerstehen konnte, ein Wochenende dort zu verbringen. Die Anreise war also für mich nicht die für Festländer übliche. Von Birmingham aus waren es ca. 500 KM, die über ein gut ausgebautes Autobahnnetz recht zügig zurückgelegt waren. An Bristol vorbei endete die Autobahn bei Exeter in der Grafschaft Devon, die Cornwall vorgelagert ist. Von hier aus ging es dann quer durch Devon, vorbei an den Moorlandschaften (das aus den Edgar Wallacebekannte Dartmoor sei hier nur erwähnt) mitten hinein ins Herz von Cornwall. Gut ausgebaute Landstraßen ließen ein zügiges Tempo zu, soweit es mein alter Kadett mit 5 Insassen, das Tempolimit und der übrige Verkehr zuließen. Der übrige Verkehr hielt sich aber jahreszeitbedingt doch sehr in Grenzen. Die Landschaft selbst kann man wohl als typisch englisch bezeichnen: sanfte Hügel und viel grün. Erstes Ziel war St. Ives an der Nordküste Cornwalls. Die eigentliche Hauptroute nach Lands End und Penzance musste man verlassen, um diese 11,000 Einwohner zählende Ortschaft zu erreichen. Ein Abstecher, der sich unbedingt lohnt. Eine malerische Bucht und in die abfallende Küste gebaute Häuser, enge Gassen und dazu wunderschöner Sandstrand, ein sich bei Ebbe recht weit zurückziehendes Meer. Ein wirklich schöner Ort, der allerdings nicht so das düstere an sich hatte, er wirkte auf mich recht hell und lebendig. In Sommermonaten kann ich mir durchaus vorstellen, dass hier einiges los ist, sogar im Januar war ein verhältnismäßig reger Betrieb am Strand und an der Uferpromenade.
Von hier aus kehrten wir dann nicht zurück auf die A 30, die in Land’s End ihr Ende findet, sondern folgten der Küstenstraße. Dies dauerte zwar länger, denn die Straße war nicht nur kurvig sondern auch noch viel schmaler. Gegenverkehr gab es aber kaum. Dafür einfach traumhafte Ausblicke aufs Meer, wunderschöne Küsten und viel Grün. All zu viele Touristen waren wirklich nicht unterwegs. Das Wetter war so, wie man es erwarten konnte: stürmisch und regnerisch, typisch fürs Meerwetter gab es aber auch immer wieder sonnige Abschnitte. Dass Land’s End ein Ort ist, der touristisch extrem vermarktet wird – wen wundert es? Der westlichste Punkt Englands, schroffe Küste allein diese beiden Attribute scheinen wie ein Magnet zu wirken. Der riesige Parkplatz war so gut wie leer, Parkgebühren mussten dennoch entrichtet werden, aber wer kehrt schon wieder um, so kurz vorm Ziel? Eben. Also bezahlt und ausgestiegen, ging es dann direkt an dem an der Küste gebauten Hotel vorbei hin zur Steilküste. Viele recht gut ausgebaute Wege rauben ein wenig den Charme, ein unwegbares und gefährliches, vor Schmugglern wimmelndes Gelände zu betreten. Ein wenig entschädigte dafür die raue See, die Gischt und die allgemeine Düsterheit, die auch auf das Wetter zurückzuführen war. Meist wünscht man sich im Urlaub ja Sommer und Sonne, hier hätte das nicht gepasst. Hier MUSS das Wetter einfach schlecht sein, dann gewinnt dieser Ort doch sehr an Atmosphäre. Deshalb war wohl der Januar schon ein optimaler Zeitpunkt: einsam, windig, regnerisch und stürmisch.
Nach einiger Zeit, es mag wohl so an die eine Stunde gewesen sein, waren wir dann doch etwas durchnässt, außerdem wurde es jetzt doch recht schnell dunkel. Übernachten, so hatten wir geplant, wollten wir nicht in irgendeiner Höhle, Bed & Breakfast klingt da doch viel attraktiver. Da Land’s End diesbezüglich nicht allzu viel zu bieten hatte, fuhren wir dann in die nächstgelegene Stadt, Penzance, die knapp 20,000 Einwohner zählt. Ich hatte schon mal gelesen, dass die Südküste Cornwall auch „Cornish Riviera“ genannt wird. Andere Orte wie Torquay (das allerdings zu Devon gehört) bestätigten später diesen Eindruck, aber hier in Penzance wurde mir die Ähnlichkeit mit so manch Südeuropäischer Küstenregion so wirklich bewusst. Ich erinnere mich auch noch, wie einer von uns meinte: „das ganze hier erinnert mich so an Südfrankreich“ (da gibt es ja auch eine Riviera, um den Bogen wieder zu kriegen...). Der ganze Baustil wirkt hier teilweise gar nicht so typisch britisch, viele Häuser sind aus dunklem Stein gebaut, dazu viele Palmen, die hier aufgrund es meist recht milden Klimas durchaus bestehen können. Sicher, so manche Häuser sind auch typisch britisch, aber der Gesamteindruck war eben doch, dass Penzance genauso gut auch in Frankreich oder Italien sein könnte. Abends wurde es richtig stürmisch und es regnete sich richtig ein. Das konnte uns aber natürlich nicht davon abhalten, dennoch, nachdem wir eine recht günstige Unterkunft gefunden hatten (ca. 12 Pfund pro Person und Nacht), noch in die Stadt aufzubrechen. Schließlich hatten wir Hunger – und Durst. Malerische Straßen verleihen dem Ort seinen ganz besonderen Charme. Insgesamt macht er zwar einen weniger hellen Eindruck, als St. Ives im Norden, aber ich muss zugeben, für mich war er dadurch auch noch reizvoller. Die Küste ist in Penzance selbst eher nicht zum baden geeignet, ein Sandstrand befindet sich aber einige Kilometer westwärts.
Am nächsten Tag sahen wir diesen dann auch bei Tageslicht. Ganz in der Nähe befindet sich das englische Gegenstück zum französischen Mount Saint Michelle – der Saint Michael’s Mount. Ebenfalls durch einen Damm mit dem Festland verbunden wirkt er zwar eher wie die Miniaturausgabe des Originals, dem die Benediktinerabtei aus dem 14. Jahrhundert, die auf ihm erbaut wurde, auch früher unterstand. Schön anzuschauen bleibt es natürlich allemal. Anschließend ging es noch ein paar Kilometer Richtung Südwesten, Ziel war Mousehole, ein kleiner Fischereiort, malerisch in die Felsen gehauen. Wer die Zeit hat, sollte diesen mitnehmen.
Weiter ging es. War am ersten Tag noch der westlichste Punkt Englands unser Ziel, so war es einen Tag später schon wieder einer dieser Punkte, diesmal allerdings der weniger bekannte, der südlichste. Eine einzige Straße führt zum Lizard Point, südöstlich von Penzance gelegen. Das Wetter wurde jetzt noch schlechter, der Regen noch heftiger und der Wind noch bissiger. Dieser Ort scheint keine allzu große touristische Bedeutung zu haben. Im Gegensatz zu Land’s End waren am Ziel eher wenige Parkplätze, zu bezahlen gab es auch nichts. Die Fußwege für die letzten Meter zur Küste waren bei weitem nicht so gut ausgebaut, teilweise war es schon richtig eng, der Abgrund nicht allzu weit entfernt. Man konnte sich regelrecht gegen den Wind lehnen, so stark war es jetzt, ich erinnre mich auch noch, eine Schachtel Zigaretten den Klauen des Sturms überlassen zu müssen. Macht nichts. Man konnte einem Weg folgen, der direkt ans Meer führte. Die Wellen waren richtig hoch. Die kleine Felsenbucht, die uns unten erwartete, ließ schon eine eigentümliche Atmosphäre aufkommen: so muss es viele Jahrhunderte gewesen sein in einer Schmugglerbucht. Im Gegensatz zu Land’s End wirkt dieser Ort viel geheimnisvoller – weil er nicht so bekannt ist. Für mich ein Geheimtipp. Ich weiß nicht mehr so genau, wie lange wir letztlich dort geblieben sind, am Ende waren wir jedenfalls total durchnässt, das Gebläse hatte jede Menge Arbeit, so beschlagen waren die Fensterscheiben des Autos.
Weiter ging es Richtung Westen, Ziel war jetzt das im zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörte Plymouth, die größte Stadt der Grafschaft Devon, die man eigentlich nicht wirklich von Cornwall trennen sollte, wenn man dort einen Urlaub verbringt. Plymouth selbst ist nicht sehr sehenswert, mit seinen fast 250,000 Einwohner ist es aber eine wichtige Hafenstadt und Militärhafen. Der Hafen hat mir eigentlich auch recht gut gefallen, auch wenn wir natürlich nur einen kleinen Ausschnitt zu sehen bekamen.
Nachdem wir dann auch in Plymouth übernachtet hatten, ging es nun zur letzten Etappe, nach Paignton. Diese Stadt liegt in einer Bucht (Torbay), und zwar exakt in der Mitte, östlich befindet sich das weit bekanntere Torquay, welches selbst im Januar von Touristen überlaufen schien und einen sehr mondänen Eindruck machte beim durchfahren sowie im Westen Brixham. Paignton selbst hatte natürlich auch durchaus das Flair eines Urlaubsorts. Der Ort selbst hat wohl recht wenig sehenswertes zu bieten, dafür bietet der Strand die Gelegenheit zu ausgedehnten Spaziergängen, eine Gelegenheit, die wir dann natürlich auch wahrnahmen. Insgesamt würde ich diese Bucht zwar nicht als absolutes Muss bezeichnen, aber auch hier lohnt ein Abstecher durchaus, wenn man nach der Einsamkeit der Küsten Cornwalls auch mal wieder eine eher belebtere Strandmeile sehen möchte. Vor allem Torquay ist ein typisch englisches Seeband mit mediterranem Flair, abgerundet wird dieser Eindruck durch die vielen Palmen.
Leider drohte der Sonntag nun auch zuende zu gehen. Die Rückfahrt nach Birmingham drohte. Auf diesem Weg ging es wieder vorbei an Exeter, dieses Mal hielten wir jedoch dort an, auch, weil wir Hunger hatten. Die gut ausgebaute Straße geht kurz vor der Stadt ziemlich steil bergab, die Stadt selbst liegt dann wieder auf einem Berg. Knapp einhunderttausend Einwohner und eine schöne und mächtige Kathedrale (St. Peter), das ist mir noch in Erinnerung geblieben. Ansonsten soll es hier noch alte Stadtmauern geben und ein altes Castle, erbaut von William The Conqueror, mittlerweile zur Ruine verkommen. Da es allerdings schon recht spät war, blieb leider nicht mehr die Zeit, auf Besichtigungstour zu gehen.
Ansonsten gibt es auch in Cornwall noch viele schöne und große Gärten, wie auch in vielen anderen Gebieten Großbritanniens. Die Jahreszeit war jedoch für diese nicht wirklich geeignet, so dass sie bei uns außen vor blieben. Englische Gärten sind aber in den wärmen Sommermonaten für naturbegeisterte immer eine Empfehlung.
Was bleibt zu sagen? Eigentlich erfüllt Cornwall alle Klischees, die man sich so vorstellen kann und die ich schon ganz zu Beginn erwähnte. Bleibt eigentlich nur zu sagen, dass unvergessliche Eindrücke geblieben sind. Ob ich wieder hinfahren werde? Irgendwann mal, keine Frage.
Noch ein eher allgemeinerer Tipp zum autofahren: In vielen Buchhandlungen vor Ort findet man den „Road Atlas of Britain“ vom AA, einem britischen Automobilclub. Dieser ist recht preisgünstig und die Karte selbst sehr übersichtlich, auch wenn das riesige Format wenig handlich ist.
Außerdem kann es auch sinnvoll sein, einen Britsh Heritage Pass (Preis richtet sich nach der Gültigkeitsdauer) zu erwerben. Dieser Pass kann die teilweise doch horrenden Eintrittspreise, die in England verlangt werden für die vielen Schlösser und Museen, die nicht in privatem Beistz sind, erheblich reduzieren, da der Eintritt innerhalb einer bestimmten Zeit dann kostenlos ist.
Weiterführende Links
http://www.cornwall-devon.com/index.html
http://www.visitbritain.com/de/home6.asp
http://www.grossbritannien2002.com
Nun fragen sich sicher einige: Wieso denn grade Januar? Es passte für mich damals zeitlich perfekt. Ich wohnte damals für ein halbes Jahr in Birmingham in Central England, der Abstecher in den Süden war einfach zu reizvoll als dass wir widerstehen konnte, ein Wochenende dort zu verbringen. Die Anreise war also für mich nicht die für Festländer übliche. Von Birmingham aus waren es ca. 500 KM, die über ein gut ausgebautes Autobahnnetz recht zügig zurückgelegt waren. An Bristol vorbei endete die Autobahn bei Exeter in der Grafschaft Devon, die Cornwall vorgelagert ist. Von hier aus ging es dann quer durch Devon, vorbei an den Moorlandschaften (das aus den Edgar Wallacebekannte Dartmoor sei hier nur erwähnt) mitten hinein ins Herz von Cornwall. Gut ausgebaute Landstraßen ließen ein zügiges Tempo zu, soweit es mein alter Kadett mit 5 Insassen, das Tempolimit und der übrige Verkehr zuließen. Der übrige Verkehr hielt sich aber jahreszeitbedingt doch sehr in Grenzen. Die Landschaft selbst kann man wohl als typisch englisch bezeichnen: sanfte Hügel und viel grün. Erstes Ziel war St. Ives an der Nordküste Cornwalls. Die eigentliche Hauptroute nach Lands End und Penzance musste man verlassen, um diese 11,000 Einwohner zählende Ortschaft zu erreichen. Ein Abstecher, der sich unbedingt lohnt. Eine malerische Bucht und in die abfallende Küste gebaute Häuser, enge Gassen und dazu wunderschöner Sandstrand, ein sich bei Ebbe recht weit zurückziehendes Meer. Ein wirklich schöner Ort, der allerdings nicht so das düstere an sich hatte, er wirkte auf mich recht hell und lebendig. In Sommermonaten kann ich mir durchaus vorstellen, dass hier einiges los ist, sogar im Januar war ein verhältnismäßig reger Betrieb am Strand und an der Uferpromenade.
Von hier aus kehrten wir dann nicht zurück auf die A 30, die in Land’s End ihr Ende findet, sondern folgten der Küstenstraße. Dies dauerte zwar länger, denn die Straße war nicht nur kurvig sondern auch noch viel schmaler. Gegenverkehr gab es aber kaum. Dafür einfach traumhafte Ausblicke aufs Meer, wunderschöne Küsten und viel Grün. All zu viele Touristen waren wirklich nicht unterwegs. Das Wetter war so, wie man es erwarten konnte: stürmisch und regnerisch, typisch fürs Meerwetter gab es aber auch immer wieder sonnige Abschnitte. Dass Land’s End ein Ort ist, der touristisch extrem vermarktet wird – wen wundert es? Der westlichste Punkt Englands, schroffe Küste allein diese beiden Attribute scheinen wie ein Magnet zu wirken. Der riesige Parkplatz war so gut wie leer, Parkgebühren mussten dennoch entrichtet werden, aber wer kehrt schon wieder um, so kurz vorm Ziel? Eben. Also bezahlt und ausgestiegen, ging es dann direkt an dem an der Küste gebauten Hotel vorbei hin zur Steilküste. Viele recht gut ausgebaute Wege rauben ein wenig den Charme, ein unwegbares und gefährliches, vor Schmugglern wimmelndes Gelände zu betreten. Ein wenig entschädigte dafür die raue See, die Gischt und die allgemeine Düsterheit, die auch auf das Wetter zurückzuführen war. Meist wünscht man sich im Urlaub ja Sommer und Sonne, hier hätte das nicht gepasst. Hier MUSS das Wetter einfach schlecht sein, dann gewinnt dieser Ort doch sehr an Atmosphäre. Deshalb war wohl der Januar schon ein optimaler Zeitpunkt: einsam, windig, regnerisch und stürmisch.
Nach einiger Zeit, es mag wohl so an die eine Stunde gewesen sein, waren wir dann doch etwas durchnässt, außerdem wurde es jetzt doch recht schnell dunkel. Übernachten, so hatten wir geplant, wollten wir nicht in irgendeiner Höhle, Bed & Breakfast klingt da doch viel attraktiver. Da Land’s End diesbezüglich nicht allzu viel zu bieten hatte, fuhren wir dann in die nächstgelegene Stadt, Penzance, die knapp 20,000 Einwohner zählt. Ich hatte schon mal gelesen, dass die Südküste Cornwall auch „Cornish Riviera“ genannt wird. Andere Orte wie Torquay (das allerdings zu Devon gehört) bestätigten später diesen Eindruck, aber hier in Penzance wurde mir die Ähnlichkeit mit so manch Südeuropäischer Küstenregion so wirklich bewusst. Ich erinnere mich auch noch, wie einer von uns meinte: „das ganze hier erinnert mich so an Südfrankreich“ (da gibt es ja auch eine Riviera, um den Bogen wieder zu kriegen...). Der ganze Baustil wirkt hier teilweise gar nicht so typisch britisch, viele Häuser sind aus dunklem Stein gebaut, dazu viele Palmen, die hier aufgrund es meist recht milden Klimas durchaus bestehen können. Sicher, so manche Häuser sind auch typisch britisch, aber der Gesamteindruck war eben doch, dass Penzance genauso gut auch in Frankreich oder Italien sein könnte. Abends wurde es richtig stürmisch und es regnete sich richtig ein. Das konnte uns aber natürlich nicht davon abhalten, dennoch, nachdem wir eine recht günstige Unterkunft gefunden hatten (ca. 12 Pfund pro Person und Nacht), noch in die Stadt aufzubrechen. Schließlich hatten wir Hunger – und Durst. Malerische Straßen verleihen dem Ort seinen ganz besonderen Charme. Insgesamt macht er zwar einen weniger hellen Eindruck, als St. Ives im Norden, aber ich muss zugeben, für mich war er dadurch auch noch reizvoller. Die Küste ist in Penzance selbst eher nicht zum baden geeignet, ein Sandstrand befindet sich aber einige Kilometer westwärts.
Am nächsten Tag sahen wir diesen dann auch bei Tageslicht. Ganz in der Nähe befindet sich das englische Gegenstück zum französischen Mount Saint Michelle – der Saint Michael’s Mount. Ebenfalls durch einen Damm mit dem Festland verbunden wirkt er zwar eher wie die Miniaturausgabe des Originals, dem die Benediktinerabtei aus dem 14. Jahrhundert, die auf ihm erbaut wurde, auch früher unterstand. Schön anzuschauen bleibt es natürlich allemal. Anschließend ging es noch ein paar Kilometer Richtung Südwesten, Ziel war Mousehole, ein kleiner Fischereiort, malerisch in die Felsen gehauen. Wer die Zeit hat, sollte diesen mitnehmen.
Weiter ging es. War am ersten Tag noch der westlichste Punkt Englands unser Ziel, so war es einen Tag später schon wieder einer dieser Punkte, diesmal allerdings der weniger bekannte, der südlichste. Eine einzige Straße führt zum Lizard Point, südöstlich von Penzance gelegen. Das Wetter wurde jetzt noch schlechter, der Regen noch heftiger und der Wind noch bissiger. Dieser Ort scheint keine allzu große touristische Bedeutung zu haben. Im Gegensatz zu Land’s End waren am Ziel eher wenige Parkplätze, zu bezahlen gab es auch nichts. Die Fußwege für die letzten Meter zur Küste waren bei weitem nicht so gut ausgebaut, teilweise war es schon richtig eng, der Abgrund nicht allzu weit entfernt. Man konnte sich regelrecht gegen den Wind lehnen, so stark war es jetzt, ich erinnre mich auch noch, eine Schachtel Zigaretten den Klauen des Sturms überlassen zu müssen. Macht nichts. Man konnte einem Weg folgen, der direkt ans Meer führte. Die Wellen waren richtig hoch. Die kleine Felsenbucht, die uns unten erwartete, ließ schon eine eigentümliche Atmosphäre aufkommen: so muss es viele Jahrhunderte gewesen sein in einer Schmugglerbucht. Im Gegensatz zu Land’s End wirkt dieser Ort viel geheimnisvoller – weil er nicht so bekannt ist. Für mich ein Geheimtipp. Ich weiß nicht mehr so genau, wie lange wir letztlich dort geblieben sind, am Ende waren wir jedenfalls total durchnässt, das Gebläse hatte jede Menge Arbeit, so beschlagen waren die Fensterscheiben des Autos.
Weiter ging es Richtung Westen, Ziel war jetzt das im zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörte Plymouth, die größte Stadt der Grafschaft Devon, die man eigentlich nicht wirklich von Cornwall trennen sollte, wenn man dort einen Urlaub verbringt. Plymouth selbst ist nicht sehr sehenswert, mit seinen fast 250,000 Einwohner ist es aber eine wichtige Hafenstadt und Militärhafen. Der Hafen hat mir eigentlich auch recht gut gefallen, auch wenn wir natürlich nur einen kleinen Ausschnitt zu sehen bekamen.
Nachdem wir dann auch in Plymouth übernachtet hatten, ging es nun zur letzten Etappe, nach Paignton. Diese Stadt liegt in einer Bucht (Torbay), und zwar exakt in der Mitte, östlich befindet sich das weit bekanntere Torquay, welches selbst im Januar von Touristen überlaufen schien und einen sehr mondänen Eindruck machte beim durchfahren sowie im Westen Brixham. Paignton selbst hatte natürlich auch durchaus das Flair eines Urlaubsorts. Der Ort selbst hat wohl recht wenig sehenswertes zu bieten, dafür bietet der Strand die Gelegenheit zu ausgedehnten Spaziergängen, eine Gelegenheit, die wir dann natürlich auch wahrnahmen. Insgesamt würde ich diese Bucht zwar nicht als absolutes Muss bezeichnen, aber auch hier lohnt ein Abstecher durchaus, wenn man nach der Einsamkeit der Küsten Cornwalls auch mal wieder eine eher belebtere Strandmeile sehen möchte. Vor allem Torquay ist ein typisch englisches Seeband mit mediterranem Flair, abgerundet wird dieser Eindruck durch die vielen Palmen.
Leider drohte der Sonntag nun auch zuende zu gehen. Die Rückfahrt nach Birmingham drohte. Auf diesem Weg ging es wieder vorbei an Exeter, dieses Mal hielten wir jedoch dort an, auch, weil wir Hunger hatten. Die gut ausgebaute Straße geht kurz vor der Stadt ziemlich steil bergab, die Stadt selbst liegt dann wieder auf einem Berg. Knapp einhunderttausend Einwohner und eine schöne und mächtige Kathedrale (St. Peter), das ist mir noch in Erinnerung geblieben. Ansonsten soll es hier noch alte Stadtmauern geben und ein altes Castle, erbaut von William The Conqueror, mittlerweile zur Ruine verkommen. Da es allerdings schon recht spät war, blieb leider nicht mehr die Zeit, auf Besichtigungstour zu gehen.
Ansonsten gibt es auch in Cornwall noch viele schöne und große Gärten, wie auch in vielen anderen Gebieten Großbritanniens. Die Jahreszeit war jedoch für diese nicht wirklich geeignet, so dass sie bei uns außen vor blieben. Englische Gärten sind aber in den wärmen Sommermonaten für naturbegeisterte immer eine Empfehlung.
Was bleibt zu sagen? Eigentlich erfüllt Cornwall alle Klischees, die man sich so vorstellen kann und die ich schon ganz zu Beginn erwähnte. Bleibt eigentlich nur zu sagen, dass unvergessliche Eindrücke geblieben sind. Ob ich wieder hinfahren werde? Irgendwann mal, keine Frage.
Noch ein eher allgemeinerer Tipp zum autofahren: In vielen Buchhandlungen vor Ort findet man den „Road Atlas of Britain“ vom AA, einem britischen Automobilclub. Dieser ist recht preisgünstig und die Karte selbst sehr übersichtlich, auch wenn das riesige Format wenig handlich ist.
Außerdem kann es auch sinnvoll sein, einen Britsh Heritage Pass (Preis richtet sich nach der Gültigkeitsdauer) zu erwerben. Dieser Pass kann die teilweise doch horrenden Eintrittspreise, die in England verlangt werden für die vielen Schlösser und Museen, die nicht in privatem Beistz sind, erheblich reduzieren, da der Eintritt innerhalb einer bestimmten Zeit dann kostenlos ist.
Weiterführende Links
http://www.cornwall-devon.com/index.html
http://www.visitbritain.com/de/home6.asp
http://www.grossbritannien2002.com
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