Cote d'Azur Testbericht

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Erfahrungsbericht von w.gruentjens

Er ist wiedergekommen - an die Cote d'Azur

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Der junge Mann steht an einem Kiosk. Er ist zum ersten Mal an der Cote d’Azur, an der blauen Küste, bei der aber nicht der Sand, sondern das Meer blau ist. Er ist mit seinem Freund per Anhalter und Zug von Deutschland hierher gekommen. O Licht, o Farben, Schiffe, Wasserspiegelungen – welch ein Genuss. Badetage, Streunen in Häfen zwischen modernsten Yachten und alten, stinkenden Fischerbooten, Klettern über Felsstrände, Schwimmen im schönen, klaren Wasser – er will gar nicht mehr zurück.

Zuerst ist er in Marseille mit dem Zug angekommen, und den Gang am Vieux Port in die Altstadt hat er genossen. Ein kleiner Mäusezirkus war da, die Mäuse tanzten, kletterten, konnten Seiltanzen, und der Franzose, der sie gezähmt hatte, kam ihm wie ein Zauberer vor.

Dann das Abendessen: Für den kleinen Geldbeutel musste man schon nach etwas Preiswertem ausschauen. Die Gassen, die er mit seinem Freund ging, wurden immer kleiner, die Türen zu den Wirtshäusern immer abenteuerlicher, und da stand es: Menu 3,50 f. Das war ja ein günstiger Preis, also musste es probiert werden.

Zuerst gab es eine Boullabaisse, wie es sie eben nur in Marselle in engen, kleinen Kellerwirtschaften geben kann. Dann kam etwas Salat, und dabei schrie die Wirtin immer: „Biftek ou Cotelette?“ Und er, der Junge, der zum ersten Mal ohne Eltern in Frankreich war, und der nicht wusste, was Biftek war, der aber wusste, dass ihm Kotelett immer geschmeckt hatte, zögerte nicht, das auch hier zu bestellen.

Natürlich waren sie beide darauf gefasst, jetzt ein paar Schnäpse spendiert zu bekommen. Man hatte ja schon genug von den Leuten gehört, die dann bei der Fremdenlegion gelandet waren. Aber es ging alles gut, und nachdem das köstliche Essen verspeist war und nach einem kleinen Bummel zum Busbahnhof ging es dann zur ersten Station an der Cote d’Azur, nach La Ciotat.

Die Jugendherberge dort lag etwas abseits, war aber doch gut zu erreichen. Er war ganz stolz darauf, auf die Frage des Herbergsvaters nach 3 Nächten, wenn man nichts anderes bestellt, „automatiquement?“ gefragt zu haben. Dann am nächsten Tag der Genuss des Strandes, Sonne, baden im Meer, sich von den Wellen hochheben lassen, und Sonne, Sonne – oh je, wer wird denn da ganz rot und noch röter? Der Apotheker wusste gleich, als er die roten Gestalten sah, was zu tun war, es bedurfte keiner Erklärungen. Le soleil? Ja, es war die Sonne.

Und dann der verzweifelte Versuch, etwas zu essen zu kaufen. Ganz unverständlich war den Leuten das Wort „pain“, bis der Junge sagte: „Pain, pour manger.“ – „Ah, peng!“ Dann gab es noch einen Liter Milch, beides wurde an ein altes Fischerboot mitgenommen, und dann wurde große Jause gehalten.

Alle 3 Tage ging es weiter in eine andere Jugendherberge, Six-Fours-la-Plage war die nächste. Schlafen in großen Armeezelten, Feuerstellen, Jugendliche aus aller Herren Länder. Der Spanier kocht und erklärt auf Spanisch, ein Franzose übersetzt aus dem Spanischen ins Französische, ein anderer Franzose aus dem Französischen ins Englische, und so und mit Händen und Füßen bekommen wir alle – Belgier, Niederländer, Engländer, Deutsche - dann das Rezept erklärt. Abendes zusammen ins Kino, ein amerikanischer Western mit französischen Untertiteln – so lernt man zwei Sprachen gleichzeitig – oder auch nicht.

Die nächste Station ist Le Trayas, und von dort geht die Fahrt ins legendäre Saint Tropez: 90 Minuten mit dem Bus an der herrlichen Küstenstraße entlang. Palmen, Agaven, Bougainvilleen und Kakteen schmücken die Küstenstraße, romantische Häuser, meist mit grau gewordenem Putz sind zu sehen, und endlich ist es da, das Fischerdorf, über das er im Fernsehen einen Bericht gesehen hat.

Einerseits ein paar arme Fischerboote, aber andererseits die tollsten großen Yachten. Aus den Fischerhäusern, die am Hafen liegen, sind längst feine Restaurants geworden, und die schönsten Tische mit der besten Lage sind schon gedeckt. Sogar der gekühlte Hummer steht schon da. Damit die Millionäre keine Sekunde warten müssen, wenn sie endlich kommen.

Der Spaziergang durch die Dorfmitte wird zu einem Gang durch enge Gassen, in denen die Wäsche zum Trocknen aufgehängt ist. Auf den Dächern laufen die Stromleitungen mit ihrem Isolatoren, die ein sehr graphisches Bild abgeben, das er mehrmals fotografiert.

Schließlich Cannes, mehr etwas für Rummel-Liebhaber als für Romantiker, aber ein sehenswertes Erlebnis.

Ja, er wird wiederkommen.

Er blickt sich um, sieht die Kreuzung mit der neuen Ampelanlage und die kahlen Berge, die gerade von einem Waldbrand rasiert worden sind.

Er steht immer noch am Kiosk und blickt in den Spiegel. Er sieht ein junges Gesicht mit schwarzen Locken und blickt auf die Schlagzeile der Bild-Zeitung:

„KRIEG WEGEN MAUER?“


Er blinzelt, ein AUGENBLICK vergeht, vielleicht ein halbes Leben, und er schaut noch einmal in den Spiegel. Er sieht ein älteres Gesicht mit kurzen, grauen Haaren und blickt auf die Schlagzeile der Bild-Zeitung:

„KRIEG GEGEN TERROR?“

Er blickt sich um, sieht den Kreisverkehr, in dem die Autos nach links flitzen, um dann im letzten Augenblick wieder von der linken Fahrbahn auf die rechte und sofort auf die Ausfahrt zuzusausen, und er blickt auf die Berge, die nicht mehr kahl sind, sondern bis obenhin mit schönen, altrosa angestrichenen Häusern mit roten Dächern bebaut sind.

Er ist nicht allein gekommen, und auch die Familie ist begeistert von dieser schönen, reichen, mit Pflanzen geschmückten Gegend, von den weich geschwungenen Stränden und Buchten.

Ja, er ist zurückgekommen, der Zauber der Cote d’Azur blieb in seinem Herzen, auch wenn Studium, andere Ferienziele, kleine Kinder und reiseunwillige Katzen ihn abgehalten haben, er ist zurückgekommen.

Wie sich die Welt ändern kann. Marseille, das war keine Zugfahrt, kein Bummel, das war diesmal eine stundenlange Autofahrt durch Halbslums, dann ein langes Parkplatzsuchen, schließlich bei der Rückfahrt an der Ampel das Aufreißen der Tür, das Wegreißen der Handtasche und die sofortige Flucht der Diebe auf dem Moped.

Saint-Tropez, das war nicht mehr die Busfahrt mit Stadt- und Hafenbummel, das war eine lange Autofahrt vorbei an Industriegebieten und McDonalds und ein Parkplatzsuchen weitab vom Hafen, das im Regen und spätabends schließlich aufgegeben wurde.

Aber es gab nicht nur Enttäuschungen, sondern die neue Situation – Auto statt Bus – brachte auch neue Möglichkeiten. Die schönste will ich hier schildern.

Wenn man auf der Landkarte rechts von Toulon den südlichsten Punkt von Frankreich sucht, dann gibt es noch weiter rechts eine Strecke, an der die Straße gerade durchs Land geht, während die Küste sich weit ins Meer hinausschiebt, fast bis an die Inseln Porquerolles, Ile du Levant usw. heran. Hier liegen die schönsten Strände der Cote d’Azur, allen voran der Parc de L’Estagnol, der einen ca. 500 m breiten Strand in Buchtform besitzt, mit reinem, weißen Sand, der auch ins Meer hinausgeht, ohne von Steinen oder Betonwellenbrechern gestört zu werden.

Ja, er ist wiedergekommen, und er wird immer wieder an die blaue Küste kommen, weil sie – wenn auch eng – doch sehr romantisch ist. Vor allem im Frühherbst, wenn die Saison fast schon zu Ende geht und kaum noch Leute am Strand sind, ist der Aufenthalt am Strand – meist in Badekleidung möglich – ein fast einsamer Genuss.

Sehr schön ist auch, dass die Berge bis ans Meer hinabgehen. Wenn man Lust auf die Berge hat, kann mit einer kleinen Autofahrt schon die wildromantischste Berggegend erschlossen werden. Am wildesten ist hier die George du Verdon, in die sich nur Schwindelfreie mit dem Auto hindurchwagen sollten. Meist reicht es, nur ein Stück hineinzufahren, wenn man nicht erreichen will, dass die ängstlicheren Familienmitglieder vor Angst auf den Boden kriechen.

Und zwischen Meer und Schluchten die mittleren, sanfteren Gegenden der Provence, wie sie Van Gogh gemalt hat: Die Felder, die Lavendelblüte, die sanften Hügel, die alten Burgen.

DIE GEGEND

Das Gebiet des VAR zeichnet sich durch eine reiche, dicht besiedelte und manchmal enge Küste aus. Die Alpen kommen bis an die Küste heran, so dass beide – der Schwimmer oder Windsurfer und der Wanderer oder Spaziergänger – genügend Möglichkeiten vorfinden. Die Großstädte sind nicht unbedingt zu empfehlen, aber in den Kleinstädtchen kann man sich schon wohl fühlen, und wenn man ein paar Kilometer abseits fährt, wird es schon fast altertümlich. Da kann es schon passieren, dass die Straße durch den Ort führt und dass dicht neben den stinkenden Autos die Leute ganz gemütlich auf dem 50 cm breiten Trottoir sitzen und ihren Kaffee oder Wein trinken.

DAS WETTER

Das Wetter ist in der Zeit von April bis September meist zwischen erträglich warm und ziemlich heiß. Ich selbst fahre in der ersten Herbstferienwoche, dann sind die Strände schon wieder fast leer, aber das Wasser ist noch gut warm, und man kann meist in Badekleidung am Strand sitzen. Danach merkt man aber, dass die Saison zu Ende geht, und meist schlägt das Wetter auch sehr heftig um.

DIE PREISE

Die Unterkünfte sind etwa 60 % teurer als in normalen Feriengegenden. Bei den Restaurants kommt es sehr darauf an, ob man die gute Lage bezahlen muss, ob man ein Menu nimmt oder ob man mit Moules frites (überall günstigstes Preis-Leistungsverhältnis) oder mit Pizza vom Holzkohlenfeuer zufrieden ist.


FAZIT

Wer eine Gegend sucht, die man ohne Flugzeug noch erreichen kann, wo man bis Anfang Oktober in warmem Wasser schwimmen kann und sehr viele verschiedene Freizeitmöglichkeiten hat, dem kann die Gegend Cote d‘Azur – VAR nur empfohlen werden.

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