Creep (DVD) Testbericht

Creep-dvd-horrorfilm
ab 49,32
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Erfahrungsbericht von LilithIbi

U-Bahn Schacht der 1000 Leichen?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Es bedurfte schon eines etwas längeren Vorspieles, bis ich den Film „Creep“ endlich mal zu sehen bekam. Die erste DVD, die ich zu hause hatte, lief gar nicht erst. Und als ich sie endlich mal umgetauscht bekam, stand meine erste Arbeitswoche an, wonach ich abends doch immer recht gerädert zu hause ankam und mich für nichts anderes mehr in der Lage sah, als grade noch die zweite Folge von „Hallo Holly“ futternderweise anzusehen und alsbald dann auch schon wieder ins Bett zu gehen.

Doch vor wenigen Tagen war es dann endlich so weit ~ ausgeschlafen bin ich dank meiner Wunderviren ja nun totalitär; es wird nach wie vor früh dunkel, so dass die perfekte Stimmung gegeben ist ~ also sollte ich mir den Film endlich mal zu Gemüte führen können!


//WORUM GEHT’S?//

Worum es geht, erfahren wir auf dem DVD Cover nur recht spärlich ~ und nachdem man den Film gesehen hat, fragt man sich zudem, ob der Schreiberling „Creep“ überhaupt wirklich gesehen hat. Wie dem auch sei ~ ich auf meinen Londontrip war und als Bahnvielfahrerin war schon mal von dem Schauplatz des ganzen fasziniert: Als Kate von einer Party Richtung U-Bahn losmarschiert, um irgendwo George Clooney aufzulauern, passiert ihr das, vor dem wir alle ein wenig bis viel Panik haben: sie schläft auf dem Bahnsteig ein und verpasst somit die letzte Bahn.

Was in Deutschland noch halb so wild ist, gestaltet sich hier als gar nicht so lustig: denn Kate (Franka Potente) wurde am U-Bahnhof eingeschlossen. Scheinbar wird hier alles vergittert; und somit muss Kate sich schon damit abfinden, die Nacht auf dem Bahnsteig zu verbringen.
Dies gestaltet sich dann aber doch recht fluchs als typischer Fall von Denkste: denn auf einmal kommt doch noch ein Zug, der zwar (fast) leer ist, aber immerhin fährt. Also hopst Kate hinein, nur um sich wenig später doch wieder verzweifelt zu fühlen, als das Licht in der Bahn ausgeht und sie von ihrem „guten“ Bekannten Ray (Jeremy Sheffield) beinahe vergewaltigt wird.

Beinahe, ja: denn irgendwas oder irgendwer offensichtlich sehr kräftiges reißt Ray von Kate runter ~ den letzten Blickkontakt zufolge sieht Kate, dass Ray auf eine sehr unnette Art und Weise umgebracht wird.

Also macht Kate das, was sie auch schon in ihrem wohl berühmtesten Film tat: sie rennt....



//MEINE MEINUNG//

Ich muss schon sagen, zu Anfang verstörte mich mal wieder dieses „zwei Stories in einem“ Getue; eben weil „Creep“ doch ganz anders beginnt als es sich dann letztlich weiterentwickelt. Kaum hat man nämlich seine Sympathie mit den ersten Darstellern beschlossen, verschwinden sie scheinbar nicht nur aus dem Reich der Lebenden, sondern auch aus dem weiteren Verlauf des Filmes ~ doch auch nur ebenfalls scheinbar; was ich persönlich als kongeniale Umsetzung der Verknüpfung bezeichnen würde.

Es fällt eigentlich gar nicht auf, dass in diesem Machwerk nur eine Handvoll Leute mitspielen; eben weil dafür doch genug los ist. Putzig vor allem der kleine Hund der Obdachlosen Mary und Jimmy; der dem ganzen noch mal eine andere Art Sympathie und Spannung verleiht. Mary (Kellie Scott) selbst taucht schon mal zu Anfang des Filmes auf; doch weder Kate noch ich als Zuschauer ordnete dieser Begegnung eine besondere Wichtigkeit zu ~ somit kann man schon fast behaupten, dass man aus dem Schocker „Creep“ noch was lernen kann.

Weniger erfreulich ist meiner Meinung nach der Umstand, das es nicht nur völlig unlogisch ist, dass Kate eben diesen Namen trägt, wobei sie doch im Film ebenfalls eine Deutsche darstellt. Nehmen wir an, es ist die „England angepasste“ Form von Katrin und konzentrieren uns auf die grauenhafte Synchronisationsstimme einen erst mal aus dem Filmgeschehen reißt. Ich persönlich hab noch nie verstanden, warum sich deutsche Darsteller nicht einfach selbst dolmetschen; aber dies auch nur am Rande. Ihre Rolle jedenfalls kann man ihr abnehmen ~ auch wenn man ihr ab und an am liebsten links und rechts eine kleben möchte, weil sie einfach vollkommen „daneben“ reagiert; ständig wieder in die Falle tappst oder zu lange zögert, bis sie sich entschließt, etwas zu tun.

Doch grade dieser Umstand bringt noch ein wenig mehr Spannung in das Geschehen; und ich muss sagen, dass es mir vorkommt, das ohne dieses ewige „hin und her“ Christopher Smiths Machwerk noch ein wenig schlechter geworden wäre.

Ja, ich rede von „noch schlechter“ ~ ohne sagen zu wollen, dass „Creep“ wirklich schlecht ist. Es fällt mir schwer, diesen Film zu bewerten; eben weil manche Stellen einfach zu sehr „enttäuschten“, wobei dies auch wieder ein zu hart gegriffenes Wort ist.

Gefallen hat mir vor allem der Umstand, dass einer, von dessen Überleben ich eigentlich felsenfest überzeugt war, eben doch starb ~ plötzlich und unerwartet.
Gefallen hat auch die Szene im „OP Raum“, die wohl auch den Höhepunkt des ganzen Filmes darstellt. Man erkennt die Ansätze des Hintergrundes, ohne mittels einer platten Offenbarung die Geschehnisse ins Lächerliche zu ziehen.

Doch genau an dieser Stelle hinkt „Creep“ eben auch ~ die Person des Killers wird nur äußerst ansatzweise angedeutet; wieso er überhaupt „dort unten haust“, was es mit den Ratten auf sich hat, wieso er tut, was er tut und wie er - schon allein rein äußerlich „so geworden ist“... all dies bleibt völlig offen und der eigenen Phantasie überlassen.
Sicherlich erwartete ich keine lückenlose Charakteristika; aber ein paar Teilinfos, wie sie bspw. in „The Cell“ gestreut wurden, wären nicht nur zum Verständnis, sondern auch für die positivere Filmbewertung hilfreich gewesen. Hier muss ich vielleicht zugeben, dass ich jetzt auch keine Idee habe, wie man das genau hätte machen können; doch meines Erachtens nach bot sich in der OP Szene eben doch eine gewisse Möglichkeit, von mir aus mit der ausgeleierten Methode der gezeigten Zeitungsartikel.

Wie dem auch sei ~ bei „Creep“ handelt es sich um einen Film, der fast ausschließlich im Dunkeln abläuft; was sich hier aber keinesfalls als „nervig“ oder gar „störend“ erweist. Ganz im Gegenteil: hier funktioniert diese so aufgebaute Spannung, ich selbst (und das als Schockergeprüfte Guckerin!) rechnete andauernd damit, dass doch wieder jemand um die Ecke hopste.
Ein paar typische „Horrorfilm-typische“ Abläufe waren natürlich auch hier gegeben; so konnte man sich ab und an ausmalen, was nun passieren würde ~ doch gleichzeitig schafft „Creep“ es immer wieder zu überraschen; entweder weil etwas DOCH NICHT passiert oder eben DOCH NOCH.


//ERGO//

Es fällt mir wirklich schwer, überhaupt auch nur vor mir selbst festzustellen, wie ich diesen Film nun eigentlich fand. Zustimmung findet von mir jedenfalls die „FSK16“ Frage, also derart, dass ich auch auf FSK18 plädieren würde. So viel Gemetzel findet hier zwar nicht statt, aber es gibt eben eine Szene, die die Frauen unter uns reflexartig die Beine zusammendrücken lässt ~ und unter Umständen die Angst vorm Gynäkologen noch ein wenig schürt. Schwacher Trost für die FSK16 Freigabe, das eine weitere OP Szene entfernt wurde.

~ Im Grunde ist „Creep“ ein typischer Film aus der England Ecke; anders kann man es wohl gar nicht sagen. Und die Briten haben seit Anno tobak einiges dazugelernt! Wenn ich da an das frühe Machwerk „Ruby“ denke; hätte „Creep“ standing ovations verdient.

Die Tatsache, dass ich aber eher verstört auf meiner Couch hocken bzw. liegen blieb ist auf den Umstand zurückzuführen, dass hier viel zu viele Fragen offen bleiben und letztendlich die „Hinrichtung“ des Mörders auch ein wenig zu skurril wirkt. Auch fand ich es ein wenig ärgerlich, dass zumindest ein paar der Filmmacher offensichtlich Fans des denkwürdigen Machwerks „Haus der 1000 Leichen“ waren ~ selbst wenn ich diesen Film nicht mehr wirklich im Hinterkopf abgespeichert habe, fühlte ich mich streckenweise doch daran erinnert.

Bemerkenswerft finde ich allerdings, dass „Creep“ ohne allzu offensichtliche Brutalität auskommt ~ die meisten Zerhackstückelungs-Szenen werden lediglich angedeutet; was man wohl auch nicht besser hätte machen können. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass insbesondere explizite Mordszenen umso lächerlicher wirken, je mehr man davon zeigt. Scheinbar wusste Alfred Hitchcock doch mehr, als es seine berühmt-berüchtigten Duschszene verlauten lies....

„Creep“ schafft es, eine derart beklemmende, bedrückende Stimmung beim Zuschauer zu erzeugen, dass selbst hartgesottene Horrorfans wie gebannt vor dem TV-Gerät hocken ~ eben weil hier aus einer etwas „dumm gelaufenen“ Alltagssituation ein wahrer Alptraum wird.

Die „erlösenden Tränen“ Kates am Schluss des Filmes wirken sich ebenfalls auf den Zuschauer aus: nicht, dass ich hier geheult hätte, aber man selbst atmet mit auf, realisiert erst in diesem Augenblick, dass es wirklich vorbei ist ~ und wird dann urplötzlich „allein“ gelassen, als der Abspann beginnt.


//ERGO DES ERGOS//

„Creep“ ist ein verstörender, mitreißender, packender Film; der einem regelrecht vor Augen führt, wie eine anfänglich lediglich missliche Sachlage despotisch eskalieren kann.
Im ersten Augenblick mag man über dieses Machwerk noch ehe enttäuscht den Kopf schütteln ~ doch nachdem man das ganze auf sich wirken ließ, kommt man am Folgetag vielleicht doch zu einem anderen Urteil.
Zumal man sich fragen könnte, wie weit hergeholt die ganze Story eigentlich unbedingt sein muss ~ schließlich verschwinden andauernd Menschen spurlos; und Obdachlosenmörder sind nicht erst seit August Geitlinger, der Ende der 80er Jahre in Frankfurt am Main Stadtstreicher erschlug, weil er „von einer toten Person besessen“ war, bekannt.

14 Bewertungen, 9 Kommentare

  • Carrie711

    23.05.2006, 23:47 Uhr von Carrie711
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hallo Holly hab ich ne Zeitlang auch mal jeden Tag gesehen.... Aber Creep scheint ja auch nicht schlecht zu sein... ;O)) LG Heike

  • superlativ

    22.05.2006, 11:54 Uhr von superlativ
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner bericht! hat mir gut gefallen! liebe grüße superlativ

  • schnekuesschen

    20.05.2006, 20:51 Uhr von schnekuesschen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht...LG Sandy :-)))

  • bodspy

    20.05.2006, 20:13 Uhr von bodspy
    Bewertung: sehr hilfreich

    fleißig weiter lesen° * * * SEHR HILFREICH * * * Liebe Grüße RenÖ ;o

  • anonym

    20.05.2006, 15:01 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner bericht...lg inspire

  • sakibr

    20.05.2006, 14:41 Uhr von sakibr
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht! LG

  • topfmops

    20.05.2006, 14:41 Uhr von topfmops
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein AUFRUF: Wer jetzt zu einem Streik oder Boykott aufruft, hat nicht verstanden, was ein Streik bewirken soll. Seit wann streiken Unternehmer?? Und die Schreiberlinge sind Unternehmer, die ihre Beiträge verkaufen. Ich schädige doch nicht mich selbst. Ganz

  • waltraud.d

    20.05.2006, 14:37 Uhr von waltraud.d
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • Vicky

    20.05.2006, 13:38 Uhr von Vicky
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich - Vic