Beute (gebundene Ausgabe) / Michael Crichton Testbericht

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Erfahrungsbericht von magnifico

In den Klauen der Technik

Pro:

sehr spannend und ein wenig unheimlich

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Ja

Micheal Crichton, der Autor von „Beute“, greift mit seinem Roman ein Zukunftsszenario auf, das vielleicht gar nicht so irrealistisch ist, wie es nach dem ersten Lesen erscheinen mag, Doch selbst wenn – hoffentlich – das, was der Autor hier verfasst hat, in absehbarer Zeit bzw. den nächsten Generationen reiner Science-fiction ist, so ist der Roman selbst doch wirklich eines: herausragend und absolut lesenswert. Denn obgleich die Handlung in beinahe schon „platter“ Linearität verläuft, also wirklich nur ein Handlungsstrang gesponnen und vom Leser verfolgt werden muss – man vergleiche insoweit Tolkiens „Der Herr der Ringe“, bei dem es eine teilweise nur schwer feststellbare Zahl an Haupt- und Nebenhandlungssträngen gibt, von denen die beiden prominentesten wohl zum einen Frodo auf dem Weg zum Herzen Mordors und zum anderen der Kampf in Gondor sind – ist die Spannung, vielleicht gerade auch dadurch, so gut wie immer auf dem höchsten Niveau.

Worum es geht, will ich nur kurz darlegen, um niemandem die Freude und den Nervenkitzel zu nehmen:

Der arbeitslose Biotechnologe Jack, der eine Kapazität auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz ist, wird in ein Forschungslabor mitten in einer Wüste von Nevada als Berater gebracht, um dort eine als „Problem“ umschriebene Katastrophe zu bereinigen...nur stößt er ständig auf Hindernisse und Geheimnisse, denn das Unternehmen, das die Entwicklung von Nanorobotern, also Maschinen, die auf molekularer Ebene produziert werden und ihrerseits selbst nur die Größe von Makromolekülen erreichen, ist alles andere als an einer öffentlichen Eskalation interessiert...um so mehr, als die Lage nicht nur außer Kontrolle geraten ist, sondern bereits erste letale Erscheinungen in unmittelbarer Umgebung des Labors sichtbar werden: Tierkadaver, die an extrem sorgfältig präparierte Laborleichen erinnern...


Gegenstand des Romans ist, wie vielleicht die meisten schon erkannt haben, eine der Technologien, die so gerne als „Technologie des 21. Jahrhunderts“ oder auch „die Technologie überhaupt“ gepriesen und verkauft wird: die Nanotechnologie.
Ziel aller Forschungsarbeiten in diesem Bereich ist es, Maschinen nicht länger aus mechanischen oder elektronischen Komponenten zu entwickeln und durch fortgesetzte Miniaturisierungsarbeiten kleinstmöglich zu bekommen – man denke etwa an die lange Zeit immer kleiner werdenden Prozessoren oder auch die Speicherdichte von Festplatten bei gleichem äußeren Volumen – sondern quasi von der anderen Richtung „zuzupacken“: anstelle von noch so kleinen Komponenten werden Maschinen und Werkzeuge unmittelbar auf molekularer Ebene hergestellt und verwendet – und zwar so, dass die Transponierung und Transformation von Molekülen und Atomen selbst möglich ist. Vorteil dieser „Hypertechnologie“ wäre es, dass direkt an den Grundfesten der Materie „gebastelt“ werden könnte, also jede Form der mechanisch-chemischen Umarbeitung von Stoffen, wie sie seit Jahrhunderten fester Bestandteil so ziemlich jeder Herstellungsprozesse ist, entfiele.

Einmal abgesehen von den unglaublichen Schwierigkeiten und der zunehmend aufgeworfenen Frage, ob eine solche Technologie, die letztlich die Enzyme der höher entwickelten Organismen kopieren würde bzw. müsste, deren Erforschung gegenüber der Genom-Analyse sich ausnimmt wie der Versuch, eine zwanzigbändige Enzyklopädie ebenso wie ein einzeiliges Gedicht auswendig zu lernen, realisiertbar ist, gibt es mittlerweile auch Stimmen, die einmal mehr die Menschheit kurz vor dem Öffnen einer weiteren „Büchse der Pandora“ sehen – und zu denen wohl auch Crichton, wenn schon nicht gehört, so doch wenigstens Sympathien hat.

Denn ebenso wie mit dem Einsatz der nuklearen Kräfte der Materie könnte, und wann wurde eine Technologie schon rein zivil und friedlich eingesetzt, der Griff auf das Fundament allen Seins auch zur Auslöschung des gewohnten irdischen Daseins führen: denn, und genau da setzt auch Crichton an, ließe sich eine sich selbst reproduzierende Armada winzigster Roboter, die nicht einmal durch gewöhnliche Bleiwände aufgehalten werden könnten, so gut wie gar nicht aufhalten...die Menschheit plagt sich ja schon seit Jahrzehnten und Jahrhunderten vergeblich mit Bakterien und Viren, Staub und Insekten, ab, die allesamt zumindest gleich groß oder um etliches größer als die Minibots wären. Und eine auf die Auflösung aller Strukturen ausgerichtete „Horde“ derartiger Universalmaschinchen, die kein Problem mit der „Verdauung“ von so ziemlich allem hätte, könnte, eine entsprechende Anzahl vorausgesetzt, nach ersten Überlegungen ganze Wolkenkratzer in Stunden oder Tagen „verdauen“ – die darin Befindlichen eingeschlossen.

Der Roman erscheint zunächst, auch wenn er beim Lesen infolge der Spannung und des unsicheren Handlungsverlaufes sehr reizvoll ist und regelrecht verschlungen werden will, rückblickend als „platt“ und oberflächlich, denn Crichton verzichtet auf Komponenten wie parallele Handlungsverläufe oder häufige Szenenwechsel. So habe ich ihn schon mit der Vorstellung eines „spannenden und gut geschriebenen Romans vom Schlage Star Trek oder Star Wars“ ins Regal zurück stellen wollen, denn mehr scheint erst mal nicht drin zu sein: ein typischer Serien-SF eben, der nur keine Serie kennt.

Doch bei nochmaliger Betrachtung, zu der man sich nicht aufraffen muss, die vielmehr von selbst kommt und letztlich durch Assoziationen und Gespräche mit anderen eintritt, wurde mir zumindest klar, dass da doch mehr zwischen den Zeilen steht, als nur ein guter, aber gehaltsarmer, SF: das sich unzählige Male bereits ereignete und wohl auch noch viele Male bevorstehende Ereignis, das mit jeder neuen Entdeckung einhergeht: nach der Begeisterung über dieselbe ein Missgriff und schon beginnt schier endloses Grauen.
So etwa nach der Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn, die ihren traurigsten Höhepunkt mit Hiroshima und Nagasaki erreichte, aber auch, wesentlich weiter in der Vergangenheit liegend, die Entdeckung etwa des Schwarzpulvers in China, bei dem unter anderem der Alchimist sein Leben lassen musste. Die Erforschung und Züchtung von Viren mit der Theorie, auch AIDS ist ein aus einem Labor entkommende künstliche Virenart, die schlichtweg außer Kontrolle geraten ist, brauchen wohl ebenfalls nicht den Vergleich zu scheuen.

Der Roman ist also ein Denkanstoss in eine Richtung, in die meistens dank Kommerz und Profitdenken wenig oder zu spät gedacht wird, selbst wenn Organisationen wie „Club of Rome“ versuchen, genau das seit Jahren zu verhindern. Crichton versucht es nur eben weniger mit Flugblättern und Zeitungsannoncen, Berichten und Studien, als vielmehr über die Phantasie und Einfühlsamkeit der Leser...und das, meine ich, ist ihm durchaus gelungen.

Gelesen bzw. verschlungen habe ich den Roman innerhalb eines vollen Tages, was dank der etwas groß geratenen Schriftgestaltung und der platzgreifenden Darstellung, zumindest in meiner Ausgabe, nicht unbedingt an den über 400 Seiten gescheitert wäre...eine Nacht kann halt doch recht lang werden. Ich fand und finde ihn sehr spannend und, wenngleich nicht unbedingt tiefgehend, doch sehr lesenswert, wobei wahrscheinlich auch weniger begeisterte oder sogar enttäuschte Reaktionen möglich sind, denn ein Grisham-Pendant ist es nun auch wieder nicht, an dessen Ende die „Moral der Geschichte“ beinahe über den letzten Zeilen schwebt...hier will sie dann doch etwas mehr aus dem Leser selbst entwickelt werden.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2005-02-09 08:49:24 mit dem Titel Horror Nanotechnik

Micheal Crichton, der Autor von „Beute“, greift mit seinem Roman ein Zukunftsszenario auf, das vielleicht gar nicht so irrealistisch ist, wie es nach dem ersten Lesen erscheinen mag, Doch selbst wenn – hoffentlich – das, was der Autor hier verfasst hat, in absehbarer Zeit bzw. den nächsten Generationen reiner Science-fiction ist, so ist der Roman selbst doch wirklich eines: herausragend und absolut lesenswert. Denn obgleich die Handlung in beinahe schon „platter“ Linearität verläuft, also wirklich nur ein Handlungsstrang gesponnen und vom Leser verfolgt werden muss – man vergleiche insoweit Tolkiens „Der Herr der Ringe“, bei dem es eine teilweise nur schwer feststellbare Zahl an Haupt- und Nebenhandlungssträngen gibt, von denen die beiden prominentesten wohl zum einen Frodo auf dem Weg zum Herzen Mordors und zum anderen der Kampf in Gondor sind – ist die Spannung, vielleicht gerade auch dadurch, so gut wie immer auf dem höchsten Niveau.

Worum es geht, will ich nur kurz darlegen, um niemandem die Freude und den Nervenkitzel zu nehmen:

Der arbeitslose Biotechnologe Jack, der eine Kapazität auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz ist, wird in ein Forschungslabor mitten in einer Wüste von Nevada als Berater gebracht, um dort eine als „Problem“ umschriebene Katastrophe zu bereinigen...nur stößt er ständig auf Hindernisse und Geheimnisse, denn das Unternehmen, das die Entwicklung von Nanorobotern, also Maschinen, die auf molekularer Ebene produziert werden und ihrerseits selbst nur die Größe von Makromolekülen erreichen, ist alles andere als an einer öffentlichen Eskalation interessiert...um so mehr, als die Lage nicht nur außer Kontrolle geraten ist, sondern bereits erste letale Erscheinungen in unmittelbarer Umgebung des Labors sichtbar werden: Tierkadaver, die an extrem sorgfältig präparierte Laborleichen erinnern...


Gegenstand des Romans ist, wie vielleicht die meisten schon erkannt haben, eine der Technologien, die so gerne als „Technologie des 21. Jahrhunderts“ oder auch „die Technologie überhaupt“ gepriesen und verkauft wird: die Nanotechnologie.
Ziel aller Forschungsarbeiten in diesem Bereich ist es, Maschinen nicht länger aus mechanischen oder elektronischen Komponenten zu entwickeln und durch fortgesetzte Miniaturisierungsarbeiten kleinstmöglich zu bekommen – man denke etwa an die lange Zeit immer kleiner werdenden Prozessoren oder auch die Speicherdichte von Festplatten bei gleichem äußeren Volumen – sondern quasi von der anderen Richtung „zuzupacken“: anstelle von noch so kleinen Komponenten werden Maschinen und Werkzeuge unmittelbar auf molekularer Ebene hergestellt und verwendet – und zwar so, dass die Transponierung und Transformation von Molekülen und Atomen selbst möglich ist. Vorteil dieser „Hypertechnologie“ wäre es, dass direkt an den Grundfesten der Materie „gebastelt“ werden könnte, also jede Form der mechanisch-chemischen Umarbeitung von Stoffen, wie sie seit Jahrhunderten fester Bestandteil so ziemlich jeder Herstellungsprozesse ist, entfiele.

Einmal abgesehen von den unglaublichen Schwierigkeiten und der zunehmend aufgeworfenen Frage, ob eine solche Technologie, die letztlich die Enzyme der höher entwickelten Organismen kopieren würde bzw. müsste, deren Erforschung gegenüber der Genom-Analyse sich ausnimmt wie der Versuch, eine zwanzigbändige Enzyklopädie ebenso wie ein einzeiliges Gedicht auswendig zu lernen, realisiertbar ist, gibt es mittlerweile auch Stimmen, die einmal mehr die Menschheit kurz vor dem Öffnen einer weiteren „Büchse der Pandora“ sehen – und zu denen wohl auch Crichton, wenn schon nicht gehört, so doch wenigstens Sympathien hat.

Denn ebenso wie mit dem Einsatz der nuklearen Kräfte der Materie könnte, und wann wurde eine Technologie schon rein zivil und friedlich eingesetzt, der Griff auf das Fundament allen Seins auch zur Auslöschung des gewohnten irdischen Daseins führen: denn, und genau da setzt auch Crichton an, ließe sich eine sich selbst reproduzierende Armada winzigster Roboter, die nicht einmal durch gewöhnliche Bleiwände aufgehalten werden könnten, so gut wie gar nicht aufhalten...die Menschheit plagt sich ja schon seit Jahrzehnten und Jahrhunderten vergeblich mit Bakterien und Viren, Staub und Insekten, ab, die allesamt zumindest gleich groß oder um etliches größer als die Minibots wären. Und eine auf die Auflösung aller Strukturen ausgerichtete „Horde“ derartiger Universalmaschinchen, die kein Problem mit der „Verdauung“ von so ziemlich allem hätte, könnte, eine entsprechende Anzahl vorausgesetzt, nach ersten Überlegungen ganze Wolkenkratzer in Stunden oder Tagen „verdauen“ – die darin Befindlichen eingeschlossen.

Der Roman erscheint zunächst, auch wenn er beim Lesen infolge der Spannung und des unsicheren Handlungsverlaufes sehr reizvoll ist und regelrecht verschlungen werden will, rückblickend als „platt“ und oberflächlich, denn Crichton verzichtet auf Komponenten wie parallele Handlungsverläufe oder häufige Szenenwechsel. So habe ich ihn schon mit der Vorstellung eines „spannenden und gut geschriebenen Romans vom Schlage Star Trek oder Star Wars“ ins Regal zurück stellen wollen, denn mehr scheint erst mal nicht drin zu sein: ein typischer Serien-SF eben, der nur keine Serie kennt.

Doch bei nochmaliger Betrachtung, zu der man sich nicht aufraffen muss, die vielmehr von selbst kommt und letztlich durch Assoziationen und Gespräche mit anderen eintritt, wurde mir zumindest klar, dass da doch mehr zwischen den Zeilen steht, als nur ein guter, aber gehaltsarmer, SF: das sich unzählige Male bereits ereignete und wohl auch noch viele Male bevorstehende Ereignis, das mit jeder neuen Entdeckung einhergeht: nach der Begeisterung über dieselbe ein Missgriff und schon beginnt schier endloses Grauen.
So etwa nach der Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn, die ihren traurigsten Höhepunkt mit Hiroshima und Nagasaki erreichte, aber auch, wesentlich weiter in der Vergangenheit liegend, die Entdeckung etwa des Schwarzpulvers in China, bei dem unter anderem der Alchimist sein Leben lassen musste. Die Erforschung und Züchtung von Viren mit der Theorie, auch AIDS ist ein aus einem Labor entkommende künstliche Virenart, die schlichtweg außer Kontrolle geraten ist, brauchen wohl ebenfalls nicht den Vergleich zu scheuen.

Der Roman ist also ein Denkanstoss in eine Richtung, in die meistens dank Kommerz und Profitdenken wenig oder zu spät gedacht wird, selbst wenn Organisationen wie „Club of Rome“ versuchen, genau das seit Jahren zu verhindern. Crichton versucht es nur eben weniger mit Flugblättern und Zeitungsannoncen, Berichten und Studien, als vielmehr über die Phantasie und Einfühlsamkeit der Leser...und das, meine ich, ist ihm durchaus gelungen.

Gelesen bzw. verschlungen habe ich den Roman innerhalb eines vollen Tages, was dank der etwas groß geratenen Schriftgestaltung und der platzgreifenden Darstellung, zumindest in meiner Ausgabe, nicht unbedingt an den über 400 Seiten gescheitert wäre...eine Nacht kann halt doch recht lang werden. Ich fand und finde ihn sehr spannend und, wenngleich nicht unbedingt tiefgehend, doch sehr lesenswert, wobei wahrscheinlich auch weniger begeisterte oder sogar enttäuschte Reaktionen möglich sind, denn ein Grisham-Pendant ist es nun auch wieder nicht, an dessen Ende die „Moral der Geschichte“ beinahe über den letzten Zeilen schwebt...hier will sie dann doch etwas mehr aus dem Leser selbst entwickelt werden.

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