Timeline (gebundene Ausgabe) / Michael Crichton Testbericht

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Erfahrungsbericht von ghostwriterk

Liegt die Zukunft in der Vergangenheit?

Pro:

die historischen Teile sind gut ausgearbeitet

Kontra:

logische Fehler in der Handlung

Empfehlung:

Nein

Diese Frage stelle ich mir, nachdem ich das Buch Timeline von Michael Crichton gelesen habe. Der Roman, den der Erfolgsschriftsteller hier abgeliefert hat, handelt von Zeitreisen in die Vergangenheit. Für das Buch hat Crichton wohl sehr ausführliche Nachforschungen angestellt, wie das Literaturverzeichnis an Ende des Romans belegt. Die historischen Teile sind denn für mich auch die besten des Buches. Schon aus dem Grund, da hier wohl doch recht authentisch die Zeit des Mittelalters geschildert wird. Allerdings kenne ich mich in der Geschichte des Mittelalters nicht gerade gut aus.

Mit dem Gedanken an einen Sience-fiction Roman habe ich dieses Buch erworben, aber dann festgestellt, daß es mehr eine Version von „Nur noch 48 Stunden" ist. Der Handlung willen sind davon im Roman noch einmal 9 Stunden von diesem Zeitrahmen abgezwackt worden. Ein großer Teil der Geschichte spielt in Frankreich im Jahr 1357. Zu dieser Zeit herrschte in Europa der 100-jährige Krieg, was eine recht actionreiche Handlung zur Folge hat.

Die historischen Teile sind denn auch weniger die Sache, die ich an diesem Buch bemängele. Es sind statt dessen die Teile, die in der Gegenwart oder doch der näheren Zukunft spielen. Da ist, wohl der Handlung willen, einiges unter die Tastatur des Autors gefallen. Da mag auch die Erklärung nicht helfen, daß sich einige Phänomene der Quantenphysik nicht mit Logik erklären lassen. Je mehr ich die Geschichte auseinander nehme, desto mehr Schwachpunkte fallen mir in der Hinsicht auf.

Zum einen ist es sicher das Zeitlimit von 37 Stunden. So lange haben die Reisenden zur Rückkehr, danach sind sie verloren. Aber weshalb denn? Wer oder was ist das Hindernis, um die Menschen später abzuholen? Und sei es erst nach Jahren oder auch Jahrzehnten, mit einer besseren Technik. Der Zeitpunkt der Ankunft kann doch beliebig gewählt werden. Auch ist der Begriff Zeitreise etwas irreführend, denn genau genommen geht es um eine Reise in ein fast identisches Universum. So erklärt es das Buch, für die Ungereimtheiten der Story in dem Bereich ist es für mich keine zufriedenstellende Erklärung. Wenn ich das ganze konsequent zu Ende denke, ist ein großer Teil Handlung überflüssig, so wie sie im Buch erzählt wird.

Crichton hat hier für mich zu sehr auf Action gesetzt, wohl auch, um das ganze gut lesbar zu machen. Gelungen ist das, dafür ist die Story aber dann zu kurz gekommen. Da wäre weitaus mehr drin gewesen, hätte Crichton das Konzept des Multiuniversums besser umgesetzt.

Die Gesichte selbst liest sich gut, zumal die einzelnen Abschnitte nicht zu lang sind. Der Roman läuft in einem Stück durch. Es gibt also keine Sprünge, wenn vom Mittelalter in die Gegenwart gewechselt wird oder umgekehrt.

Unterm Strich hat mich dieser Roman ganz gut Unterhalten. Vor allem die Teile, die im Mittelalter spielen sind sehr interessant, bisweilen aber auch brutal. Ich habe jetzt mehr das Bild von blutrünstigen Rittern und Herrschern vor Augen, bei denen das Leben anderer nicht viel Zählt. Da ich aber eigentlich einen Science-fiction Roman erwartet habe, bin ich in diesem Bereich etwas enttäuscht worden. Es gibt im Buch zwar eine, für den Laien ganz gute Erklärung der Technik und Quantenphysik. Für mich ist dieser Teil des Buches aber zu oberflächlich geraten. Auch ist die Quantentechnologie nach meiner Auffassung viel zu nah an die Gegenwart gelegt worden.

Wie dem auch sei, mehr hinterfragen werde ich die Story nicht mehr, denn ansonsten werde ich noch den recht guten Eindruck zerstören, den ich beim Lesen dieses Buches hatte. Es ist ein Buch, bei dem ich meinen Denkapparat bei vielen Passagen ausschalten kann. Zum einen wegen der Schwächen in der Handlung, zum anderen ist die Geschichte doch vorhersehbar und hat aus dem Grund nur wenige Überraschungen auf Lager. Unterhalten hat mich dieser Roman dennoch oder auch gerade deshalb ganz gut.

Michael Crichton hat aber sicher auch schon bessere Romane geschrieben, als er das mit Timeline getan hat. So oft wie Andromeda werde ich es wohl nicht zur Hand nehmen. Lesenswert ist es dennoch gewesen und auch eine Verfilmung dürfte interessant werden.

© ghostwriterk
alias bugsbunny (ciao); trashwriter (dooyoo)

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