Die Päpstin (Taschenbuch) / Donna Woolfolk Cross Testbericht

ab 18,93
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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  anspruchsvoll
  • Unterhaltungswert:  gering
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Humor:  wenig humorvoll
  • Stil:  sehr ausschmückend

Erfahrungsbericht von GAWOnline1983

Eine starke Frau

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

I. Allgemeines
Meine Mum ist mal wieder schuld. Denn wer könnte bessere Tipps auf Lager haben, wenn es um historische Romane geht als sie?! \"Säulen der Erde\", \"Die siebte Geißel\", \"Die brennende Gasse\", die Medicus-Triologie sind nur Einzelbeispiele für ein paar klasse Bücher, die ich nur dank ihr gelesen habe. So war es auch bei Donna W. Cross. \"Die Päpstin\" sagte mir gar nichts. Nun gut, meine Mum bekam es irgendwo her (ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, ob selbst gekauft oder geschenkt - kann ja auch egal sein ;-)) und hatte es innerhalb von drei Tagen verschlungen. Prompt wurde mir das Wunderwerk auf den Nachttisch gelegt und abends bekam ich die Worte zu hören: \"Les das. Etwas Besseres kann es kaum noch geben.\". Nun gut, ich wurde neugierig. Der Inhalt klang auch ganz vielversprechend. Und das Ende vom Lied: Eine schlaflose Nacht dank eines supertollen Buches.

Ihr bekommt von mir zunächst eine Kurzübersicht über den Inhalt des Romans präsentiert, bevor ihr euch in dem darauf folgenden Punkt näher über den Verlauf der Geschichte und die Personen informieren könnt. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen, hoffe euch gefällt mein Bericht und freue mich auf eure Bewertungen und Kommentare! :)



II. Kurzinhalt
Ein ungewöhnliches Lebenswerk vollbrachte Johanna von Ingelheim. Sie wurde die erste weibliche Päpstin.



III. Inhalt
Im Frankenreich im 9. Jahrhundert: Johanna von Ingelheim wächst wohlbehütet heran. Ihre Eltern ermöglichen ihr eine Ausbildung, die vielen Mädchen in der damaligen Zeit verwehrt ist. Zunächst einmal lehrt ihr älterer Bruder Matthias sie das Lesen. Doch er verunglückt kurze Zeit später tödlich. Es gibt jedoch jemanden, dem das Talent Johannas nicht verborgen bleibt. Aeskulapius unterrichtet ihren Bruder Johannes und wird schließlich auf die Intelligenz des Mädchens aufmerksam. Der Vater willigt schließlich ein und Johanna wird fortan in Latein und Griechisch unterrichtet. Doch Johanna muss schon früh erkennen, dass sie es als Frau nie soweit bringen wird wie ein Mann.

Als Aeskulapius abreisen muss, möchte er, dass Johanna wie auch ihr Bruder Johannes einem Kloster beitritt. So kommt es schließlich auch, doch auf Johanna warten einige Schwierigkeiten. Sie wird als Frau natürlich nicht richtig respektiert. Und dass sie mit den Mönchen im Kloster leben kann ist schier undenkbar. Das Schicksal will es jedoch anders. Sie wird von dem Adligen Gerold und seiner Frau aufgenommen. Als diese jedoch merkt, reagiert sie nicht gerade erfreut. Es kommt ihr gerade zu recht, dass ihr Mann einen Auftrag für den Kaiser zu erledigen hat und eine Zeitlang nicht daheim sein wird. Johanna soll ihrer Meinung nach nun verheiratet werden, damit sie keine Scherereien zu befürchten hat.

Die Hochzeitszeremonie wird jedoch durch einfallende Normannen gestört. Bei diesem Angriff kommt Johannas Bruder um. Sie beschließt fortan seine Identität anzunehmen. Aus diesem Grund tritt sie als Mönch verkleidet das Kloster Fulda ein. Jahre später macht sich Johanna auf den Weg nach Rom. Sie ist dort als Leibarzt für den Papst tätig. Ihre wahre Identität hat sie natürlich immer noch nicht gelüftet. Und das scheinbar Unmögliche soll wahr werden. Aus Johanna von Ingelheim wird Papst Johannes Anglicus. Doch wird ihre weibliche Idenität wirklich verborgen bleiben?



IV. Meine Meinung
So mehr wird nicht verraten. Und ich hoffe, ich habe schon nicht zu viele Details offenbart. Im Grunde stellt meine Inhaltsangabe den Rahmen dar, wie dann alles geschieht, bleibt trotzdem spannend.

Manche mögen jetzt denken: Historische Romane? Schon wieder Geschichte! Nein, hier ist das alles anders. Natürlich spielen die geschichtlichen Daten eine Rolle. Doch sie sind geschickt in die Geschichte eingewebt worden, so dass man neben dem normalen Lesevergnügen sein Wissen erweitert. Und gerade im Hinblick darauf, dass Johanna im 17. Jahrhundert aus den Büchern der Kirche verschwand macht das Buch sehr lesenswert. Ich muss zu meiner Schande nämlich gestehen, dass ich bis dato überhaupt nichts von ihr wusste.

Ich habe ja oben schon geschrieben, dass mich das Buch eine Nacht wachgehalten hat. Ich konnte einfach nicht mehr aufhören, so sehr hat die Geschichte von Johanna mich in ihren Bann gezogen. Ich konnte nicht anders als Seite um Seite umzublättern um zu erfahren wie es weitergeht. Man weiß zwar, dass sie es zur Päpstin bringen wird (der Titel würde sonst ja auch keinen Sinn machen *lach*), aber der Weg dorthin wird von Donna W. Cross so packend geschildert, wie es selten einem Autor / einer Autorin gelungen ist. Man kann vor ihr wirklich nur den Hut ziehen.

Durch ihren Schreibstil fühlt man sich sofort in die damalige Zeit versetzt. Menschen und Umgebung erwachen in der Fantasie zum Leben und besonders gut ist ihr die Schilderung von Johanna gelungen. Sie haucht ihr richtiggehend Leben ein. Der Charakter ist so plastisch und authentisch geschildert, dass man sich sofort in sie hineinversetzen kann. Man bangt und hofft mit ihr, freut sich mit ihr. Macht einfach alles mit, was sie betrifft. Und dabei identifiziert man sich in der Fantasie irgendwie mit ihr. Man bewundert ihren Mut und ihre Kraft.

Prinzipiell schreibt Cross sehr geradelinig. Das heißt für mich, dass sie sich nicht in Nebensächlichkeiten verliert, die zum eigentlichen Handlungsstrang nichts wirklich beitragen. Das gelingt wirklich eher wenigen. Und die Autorin treibt dadurch die Geschichte immer weiter voran und lässt den Leser dabei kaum zu Atem kommen. Es wird nicht eine Seite langweilig.

Ich war jedenfalls auch etwas traurig als dieses wundervolle Buch so schnell zu Ende war. Gern hätte ich noch weitergelesen. Man kann jedenfalls nur hoffen, dass es irgendwann ein neues Werk von der Autorin geben wird. Denn schon mit ihrem Erstlingswerk zeigt sie, dass etwas ganz Vielversprechendes in ihr steckt, das Freude auf mehr macht. Sie schafft mit diesem Werk etwas sehr Beeindruckendes, was beim Leser Spuren hinterlässt. Neben der Geschichte von Johanna wird auch geschickt das damalige Denken der Menschen eingewoben. So musste sich ja eine Frau stets dem Mann unterordnen. Wer sich dagegen auflehnte, wurde schief angesehen, wenn nicht gar zum totalen Außenseiter. Umso interessanter ist die Geschichte von Johanna in diesem Kontext.

Es gibt von mir aus diesen Gründen fünf Sterne und eine ganz große Kaufempfehlung an alle (werdenden) Leseratten.



V. Das Buch
Der Roman \"Die Päpstin\" ist erstmals im 1996 bei Ruetten und Loening in Berlin erschienen und umfasst 566 Seiten. Das Buch ist unter der ISBN 3-7466-1400-7 für 10,00 Euro im Handel erhältlich. Im Original erschien der Roman unter dem Titel \"Pope Joan\" ebenfalls 1996, ins Deutsche wurde er von Wolfgang Neuhaus übersetzt.



VI. Die Autorin
Vor \"Die Päpstin\" wurden von Donna W. Cross bereits mehrere Sachbücher veröffentlicht. Sie ist Inhaberin eines Lehrstuhls und Leiterin eines Schreibprojektes am Onondaga College im Staat New York.
(Quelle: Autorinneninfo in \"Die Päpstin\")



VII. Mehr von Donna W. Cross
Es sind bisher keine weiteren Werke der Autorin in Deutschland erschienen.





(copyright by Laura Thoma, laurathoma @ ciao & yopi)

31 Bewertungen, 1 Kommentar

  • leuchttuermin

    06.08.2006, 12:10 Uhr von leuchttuermin
    Bewertung: sehr hilfreich

    Das Buch habe ich regelrecht verschlungen!