Die Päpstin (Taschenbuch) / Donna Woolfolk Cross Testbericht

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Summe aller Bewertungen
- Niveau:
- Unterhaltungswert:
- Spannung:
- Humor:
- Stil:
Erfahrungsbericht von galeria
Fast unglaublich
Pro:
Spannung und eine fast unglaubliche Geschichte um eine bewundernswerte Frau
Kontra:
gibt es nicht
Empfehlung:
Ja
Es war das Jahr 814, ein Mädchen kommt zur Welt in Ingelheim im damaligen Frankenreich. Johanna wurde sie genannt und ihr Vater war ein strenger und brutaler Dorfpriester aus England stammend, seine Frau eine sächsische Heidin. Es gab noch zwei ältere Brüder, Matthias und Johannes. Matthias war immer der Lieblingsbruder Johannas, denn er war gut zu ihr, betrachtete sie als Mensch, nicht als nur ein Mädchen. Sobald er anfing, das Schreiben und Lesen zu lernen, begann er auch damit, Johanna es heimlich ebenso beizubringen. Niemand durfte es wissen, schon gar nicht der Vater. Eines Tages starb Matthias an einem Fieber und so kam die Reihe an Johannes, dass er des Schreibens und Lesens kundig wurde. Nur erwies er sich als ziemlich lustlos und es fiel ihm sehr schwer.
Eines Tages kam ein weiser Gelehrter ins Dorf zum Priester und er fand heraus, dass Johanna sehr begabt war, er wollte sie unterrichten, aber der grimmige Vater stimmte dem nur unter der Bedingung zu, dass auch sein Sohn Johannes unterrichtet wurde. Aeskulapius, so hieß der Gelehrte, schenkte Johanna zum Abschied heimlich ein Buch, welches in griechischer Sprache verfasst war. Sie hielt es in Ehren und las nur heimlich des Nachts unter der Decke. Aber sie wurde erwischt und vom Vater grausam ausgepeitscht. Die Narben würde sie ihr Leben lang behalten.
Sie kam aber später dann doch zusammen mit ihrem Bruder auf eine Schule, allerdings hatte sie ständig damit zu tun, dass sie das einzigste weibliche Wesen war, das da lernte. Sie war besser als alle, aber sie war nur ein Mädchen und musste es Tag für Tag spüren. Sie lernte den Grafen Gerold kennen und verliebte sich in ihn. Er war zwar verheiratet und hatte Kinder, aber mit ihm konnte sie über alles reden, ihren Gedanken freien Lauf lassen, ohne Angst haben zu müssen, als Hexe verbrannt zu werden.
Eines Tages kamen die Normannen, überfielen das Dorf und töteten alles was ihnen unter die Nase kam. Aus diesem blutigen Gemetzel konnte Johanna entfliehen. Sie war die einzigste Überlebende, konnte sich verstecken. Sie nahm die Kleider ihres toten Bruders, schnitt sich die Haare und ging fortan nur noch als Mann durchs Leben, da sie es als Frau nicht ertragen hätte. Sie trat in ein Kloster als Mönch ein und eines Tages wurde sie sogar Papst.
Märchenhaft, oder? Aber dass es eine Päpstin gegeben hat, das wurde schon bestätigt. Auch wenn die Kirche das seit dem 17. Jahrhundert versuchte, zu vertuschen. Und dass es außerordentlich gut vertuscht wurde, sieht man daran, dass man bis vor ein paar Jahren nichts gehört hat davon, nicht einmal so etwas ahnte. Sämtliche Chroniken, Aufzeichnungen etc. wurden ja eh fast nur von kirchlichen Beamten und Würdenträgern erstellt, da nur diese lesen und schreiben konnten. Zumindest im 9. Jahrhundert. So war es für die Kirche ein Leichtes, alles zu beseitigen, was nur irgendwie verraten konnte, wie sie sich blamiert hatte damals.
9. Jahrhundert, was war das für eine Zeit?! Schrecklich muss es gewesen sein, tiefstes Mittelalter, nichts hatte Bestand, es gab kaum feste Ländergrenzen, ständig Raubüberfälle der Normannen oder anderer brutaler wilder Stämme. Die Straßen waren so unsicher, dass nur wenige Menschen ihre Geburtsorte verließen. Der Handel florierte längst nicht so wie einige Jahrhunderte später. Die Menschheit war noch dermaßen unzivilisiert nach den heutigen Maßstäben, dass es an ein Wunder grenzt, dass wir damals nicht ausgestorben sind, uns nicht schon damals selbst vernichtet haben. Das Durchschnittsalter betrug knapp 30 Jahre, allerhöchstens 35. Mangelnde Hygiene, bitterste Armut, Hunger und eben diese zahlreichen Überfälle machten das Leben eines Menschen damals schwerer als schwer. Wer das Glück hatte, als Säugling ins Kindesalter zu kommen oder sogar erwachsen zu werden, der wurde dann halt durch irgendeinen Überfall getötet oder bekam eine Krankheit, an der er dann starb.
Die Frau hatte zu dieser Zeit absolut keine Rechte, sie war weniger wert als ein Tier, sie war der Ausbund der Hölle, schuld an allen Krankheiten, schuld an allem Übel der Welt. Und sowas sollte auch noch lesen können? Oder gar gebildet sein wie ein Mann? Und Johanna war schlauer und wissendurstiger als alle Männer der damaligen Zeit zusammen. Sie beherrschte nicht nur griechisch und latein, sondern besaß auch Schlagfertigkeit. Sie eignete sich Fähigkeiten in der Heilkunde und Medizin an und schaffte es bis zum Leibarzt des Papstes.
Und dann wurde sie selbst Papst.
Aber sie liebte auch Gerold, und er sie. So kam es, dass sie schwanger wurde und bei einer Prozession an einer Fehlgeburt auf offener Straße starb. Ich hätte zu gerne die Gesichter aller kirchlichen Würdenträger gesehen, der Menschen, die an diesem Tag an den Straßenrändern standen und mit ansahen, wie der Papst ein Kind bekam.
Ein vorzügliches Buch, ein Buch, was nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch belehrt, verdammt und verurteilt, nämlich die ganze verlogene von Männern kontrollierte Welt des Mittelalters. Eine Frau, die hätte heilig gesprochen werden müssen, eine Frau, die es durch Mut, Ausdauer und sehr viel Kraft und Klugheit geschafft hat, der Welt den erhobenen Mittelfinger zu zeigen, vor allem der männlichen Welt.
Bewundernswert.
Dieses Buch ist natürlich zum Teil fiktiv. Dass es die Päpstin gab, ist unbestritten, Beweise findet man im Anhang. Auch wie sie starb, ist wahr. Nur wie ihr Leben verlief, das hat Donna W. Cross wundervoll in Szene gesetzt. Spannend erzählt sie uns das schwere Leben in einer brutalen, kalten und harten Zeit. So manches Mal hatte Johanna die Möglichkeit, sich aus ihrer, zum Schluss auch noch durch die Schwangerschaft bedrohten Lage zu befreien. Aber die Menschen waren ihr wichtiger. Donna W. Cross hat Johannas Leben so treffend beschrieben, dass ich mit ihr mitfieberte, die Daumen drückte und hoffte. Ich für meinen Teil werde Johanna I. als Päpstin in meinen Gedanken und in meinem Herzen immer als Heilige ansehen, mag die Kirche sie doch abstreiten, für mich gab es sie, und für mich ist sie die erste Frau, die den langen Weg der Emanzipation der Frau beschritt.
Vielen Dank für`s Lesen,
Eure Galeria.
Eines Tages kam ein weiser Gelehrter ins Dorf zum Priester und er fand heraus, dass Johanna sehr begabt war, er wollte sie unterrichten, aber der grimmige Vater stimmte dem nur unter der Bedingung zu, dass auch sein Sohn Johannes unterrichtet wurde. Aeskulapius, so hieß der Gelehrte, schenkte Johanna zum Abschied heimlich ein Buch, welches in griechischer Sprache verfasst war. Sie hielt es in Ehren und las nur heimlich des Nachts unter der Decke. Aber sie wurde erwischt und vom Vater grausam ausgepeitscht. Die Narben würde sie ihr Leben lang behalten.
Sie kam aber später dann doch zusammen mit ihrem Bruder auf eine Schule, allerdings hatte sie ständig damit zu tun, dass sie das einzigste weibliche Wesen war, das da lernte. Sie war besser als alle, aber sie war nur ein Mädchen und musste es Tag für Tag spüren. Sie lernte den Grafen Gerold kennen und verliebte sich in ihn. Er war zwar verheiratet und hatte Kinder, aber mit ihm konnte sie über alles reden, ihren Gedanken freien Lauf lassen, ohne Angst haben zu müssen, als Hexe verbrannt zu werden.
Eines Tages kamen die Normannen, überfielen das Dorf und töteten alles was ihnen unter die Nase kam. Aus diesem blutigen Gemetzel konnte Johanna entfliehen. Sie war die einzigste Überlebende, konnte sich verstecken. Sie nahm die Kleider ihres toten Bruders, schnitt sich die Haare und ging fortan nur noch als Mann durchs Leben, da sie es als Frau nicht ertragen hätte. Sie trat in ein Kloster als Mönch ein und eines Tages wurde sie sogar Papst.
Märchenhaft, oder? Aber dass es eine Päpstin gegeben hat, das wurde schon bestätigt. Auch wenn die Kirche das seit dem 17. Jahrhundert versuchte, zu vertuschen. Und dass es außerordentlich gut vertuscht wurde, sieht man daran, dass man bis vor ein paar Jahren nichts gehört hat davon, nicht einmal so etwas ahnte. Sämtliche Chroniken, Aufzeichnungen etc. wurden ja eh fast nur von kirchlichen Beamten und Würdenträgern erstellt, da nur diese lesen und schreiben konnten. Zumindest im 9. Jahrhundert. So war es für die Kirche ein Leichtes, alles zu beseitigen, was nur irgendwie verraten konnte, wie sie sich blamiert hatte damals.
9. Jahrhundert, was war das für eine Zeit?! Schrecklich muss es gewesen sein, tiefstes Mittelalter, nichts hatte Bestand, es gab kaum feste Ländergrenzen, ständig Raubüberfälle der Normannen oder anderer brutaler wilder Stämme. Die Straßen waren so unsicher, dass nur wenige Menschen ihre Geburtsorte verließen. Der Handel florierte längst nicht so wie einige Jahrhunderte später. Die Menschheit war noch dermaßen unzivilisiert nach den heutigen Maßstäben, dass es an ein Wunder grenzt, dass wir damals nicht ausgestorben sind, uns nicht schon damals selbst vernichtet haben. Das Durchschnittsalter betrug knapp 30 Jahre, allerhöchstens 35. Mangelnde Hygiene, bitterste Armut, Hunger und eben diese zahlreichen Überfälle machten das Leben eines Menschen damals schwerer als schwer. Wer das Glück hatte, als Säugling ins Kindesalter zu kommen oder sogar erwachsen zu werden, der wurde dann halt durch irgendeinen Überfall getötet oder bekam eine Krankheit, an der er dann starb.
Die Frau hatte zu dieser Zeit absolut keine Rechte, sie war weniger wert als ein Tier, sie war der Ausbund der Hölle, schuld an allen Krankheiten, schuld an allem Übel der Welt. Und sowas sollte auch noch lesen können? Oder gar gebildet sein wie ein Mann? Und Johanna war schlauer und wissendurstiger als alle Männer der damaligen Zeit zusammen. Sie beherrschte nicht nur griechisch und latein, sondern besaß auch Schlagfertigkeit. Sie eignete sich Fähigkeiten in der Heilkunde und Medizin an und schaffte es bis zum Leibarzt des Papstes.
Und dann wurde sie selbst Papst.
Aber sie liebte auch Gerold, und er sie. So kam es, dass sie schwanger wurde und bei einer Prozession an einer Fehlgeburt auf offener Straße starb. Ich hätte zu gerne die Gesichter aller kirchlichen Würdenträger gesehen, der Menschen, die an diesem Tag an den Straßenrändern standen und mit ansahen, wie der Papst ein Kind bekam.
Ein vorzügliches Buch, ein Buch, was nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch belehrt, verdammt und verurteilt, nämlich die ganze verlogene von Männern kontrollierte Welt des Mittelalters. Eine Frau, die hätte heilig gesprochen werden müssen, eine Frau, die es durch Mut, Ausdauer und sehr viel Kraft und Klugheit geschafft hat, der Welt den erhobenen Mittelfinger zu zeigen, vor allem der männlichen Welt.
Bewundernswert.
Dieses Buch ist natürlich zum Teil fiktiv. Dass es die Päpstin gab, ist unbestritten, Beweise findet man im Anhang. Auch wie sie starb, ist wahr. Nur wie ihr Leben verlief, das hat Donna W. Cross wundervoll in Szene gesetzt. Spannend erzählt sie uns das schwere Leben in einer brutalen, kalten und harten Zeit. So manches Mal hatte Johanna die Möglichkeit, sich aus ihrer, zum Schluss auch noch durch die Schwangerschaft bedrohten Lage zu befreien. Aber die Menschen waren ihr wichtiger. Donna W. Cross hat Johannas Leben so treffend beschrieben, dass ich mit ihr mitfieberte, die Daumen drückte und hoffte. Ich für meinen Teil werde Johanna I. als Päpstin in meinen Gedanken und in meinem Herzen immer als Heilige ansehen, mag die Kirche sie doch abstreiten, für mich gab es sie, und für mich ist sie die erste Frau, die den langen Weg der Emanzipation der Frau beschritt.
Vielen Dank für`s Lesen,
Eure Galeria.
34 Bewertungen, 1 Kommentar
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06.08.2006, 12:07 Uhr von leuchttuermin
Bewertung: sehr hilfreichDas Buch habe ich regelrecht verschlungen!
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