Die Päpstin (Taschenbuch) / Donna Woolfolk Cross Testbericht

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Erfahrungsbericht von Heksen
Gab es sie wirklich?
Pro:
Spannend, anschaulich
Kontra:
manchmal leidet die Handlung zugunsten des historischen Hintergrundes
Empfehlung:
Ja
Hallo liebe Lesenden,
normalerweise erteile ich mir bei Bücherläden, wie auch bei sämtlichen Online Buchversendern, striktes Hausverbot – zu groß ist das finanzielle Desaster, werde ich dort „losgelassen“... letzten Freitag allerdings musste (!!!) ich zwecks Kaufes eines Geburtstagsgeschenkes die hehren Hallen eines solchen Händlers betreten – und kam natürlich nicht ohne Lesefutter für mich selbst nach hause :-)
„Die Päpstin“ von Donna Woolfolk Cross – ein mit 566 Seiten nannehmbar dickes Taschenbuch für den erschwinglichen Preis von €12,50, ist im Aufbau Tb Berlin mit der ISBN: 3746616441 verlegt.
---
Mitte des 9. Jahrhunderts, im tiefsten Mittelalter, wächst im kleinen Weiler Ingelheim das Mädchen Johanna auf. Johanna ist die Tochter eines englischen Priesters, der auf seinen Missionszügen auf dem Kontinent eine zwangschristianisierte Sächsin zur Frau nahm und mir dieser drei Kinder zeugte.
Während Johannas Brüder nach dem Willen des Vaters zu hause das Lateinische sowie die Kunst des Lesens und Schreibens erlernen, wird Johanna vom Vater die Bildung verweigert. Sie ist ein Mädchen, und nach dem damaligen Glauben sind Frauen einfach nicht in der Lage, Bildung und Wissen zu erlangen. Sie sind lediglich Mitgiftsträgerinnen, Lustobjekte, Haushaltshilfen und für die Aufzucht des Nachwuchses zu gebrauchen.
Schon früh wird klar, dass Johanna einen scharfen Verstand und eine analytische Intelligenz bestitzt, und so unterrichter ihr ältester Bruder sie heimlich im Lesen, Schreiben und Latein – bis er an einer Krankheit stirbt.
Auf seiner Durchreise nach Mainz kommt der Grieche Aeskulapius ins Haus des Priesters und erkennt Johannas Intelligenz und Wissensdurst. Der Vater, der dies als unnatürlich, Ketzerei und Sünde abtut, stimmt einem zukünftigen Unterricht Johannas durch Aeskulapius nur zu, wenn dieser gleichzeitig auch ihren Bruder Johannes unterrichtet. Begierig saugt Johanna alles Wissen in sich auf, welches der Lehrer ihr vermitteln kann.
Nach einigen Jahren ruft der Bischof von Dorstadt Johanna an seine „Scola“ (Domschule). Der Vater, der den Wissensdurst seiner Tochter noch immer für widernatürlich hält, sendet jedoch statt ihrer den wenig begabten Johannes, so dass Johanna heimlich ausreißt und Johannes auf seinem Weg einholt. In Dorstadt angekommen, werden beide Geschwister an der Schule aufgenommen und Johanna der Aufsicht des Markgrafen Gerold übergeben.
In den folgenden Jahren entwickelt Johanna als Außenseiterin an der Schule ihr Wissen, so gut sie es darf. Unterstützt wird sie dabei von Gerold, den ihr Wissensdurst fasziniert. Es entspinnt sich eine zarte Liebe zwischen den beiden. Leider fällt dies auch seiner Frau auf, die versucht, Johanna durch Heirat mit einem Hufschmied aus dem Haus zu bekommen, während Gerold sich auf einem Feldzug befindet.
Während der Zeremonie jedoch fallen die Normannen über Dorstadt her und töten alle außer Johanna. Auch ihr Bruder Johannes, der nach der Hochzeit ins Kloster Fulda reisen sollte, wird getötet. Johanna legt sich Johannes Kleider an und in ihr reift der Entschluss, sich künftig als Mann auszugeben, um ihren Lebensweg selbst bestimmen zu können.
Im weiteren Verlauf der Handlung erlangt Johanna als Mönch Johannes Anglicus großes Wissen, vor allem in der Heilkunst, und die Wirren des Schicksals führen sie nach Rom, wo sie sich dank ihrer Heilkünste bald einen Namen am päpstlichen Hof macht.
Doch die Kirche ist zu dieser Zeit nicht nur Kirche – der Papst ist gleichzeitig auch der Stadtfürst Roms und besitzt großen weltlichen Einfluss.
Johanna erkennt schnell, dass diese nach außen so fromme Welt von Intrigen und Machthändeln durchsetzt ist, in welcher es nur um die Bereicherung, Einfluss und Macht über andere geht. Mittlerweile ist sie zum Leibarzt des Papstes aufgestiegen und hat es schwer, innerhalb dieser Machtkämpfe ihre Position zu erhalten, ohne gleichzeitig ihre eigenen moralischen Ansprüche über Bord zu werfen. Kompliziert wird die Situation weiterhin durch das plötzliche Auftauchen Gerolds, den sie noch immer liebt.
Zu Ende des Buches, nach Kriegen, Überfällen, Feuersbrünsten und Überflutungen, wird Johanna selbst zum Papst gewählt. Oder besser: zur Päpstin, auch wenn dies niemand weiss.
Noch immer agiert sie nach aussen als Mann, nur in ihrer Liebe zu Gerold, die sie sich lange genug versagt hatte, wird sie zu einer Frau. Und diese Liebe trägt Früchte, Johanna wird schwanger ...
Im Nachwort erklärt die Autorin, dass sie versuchte, sich so nah wie möglich an den geschichtlichen Gegebenheiten zu orientieren. Scheinbar erging jedoch Mitte des 16. Jahrhunderts ein kirchlicher Erlass, dass alle Dokumente, welche die Päpstin Johanna erwähnten, vernichtet werden sollten.
Wollfolk führt jedoch m.E. stichhaltige Beweise an, warum und wann Johanna tatsächlich existiert haben könnte, welche den Roman umso faszinierender machen.
(Ich will hier nicht alles verraten!)
Doch selbst wenn die Geschichte um Johanna nicht wahr wäre, wenn diese starke Frau nie existiert hätte, so hat Wollfolk sie mit diesem wunderbaren Buch (erneut?) zum Leben erweckt.
Die Schilderung der Umstände, unter welchen die Menschen und insbesondere Frauen damals lebten und wie ihre Weltanschauung war, ist faszinierend und schaurig zugleich.
Dass Adel und Klerus auf Kosten des kleinen Mannes lebten, ist ja noch bekannt, aber wie dieser kleine Mann (oder in unserem Buch Frau) sein Überleben sicherte, welche Alltagsmühen und Gefahren bewältigt werden mussten, wird hier auf’s Neue sehr anschaulich und spannend verdeutlicht. Besonders das Schicksal der Frauen, denen Bildung verwehrt war und als deren einziges Lebensziel eine gewinnbringende Heirat und das Gebähren von Kindern angesehen wurde, lässt den Leser schaudern.
Der Schreibstil ist flüssig und hält sich nicht an Belanglosem auf. Manchmal wirkt die Schilderung der Charaktere und ihrer Gefühle jedoch ein wenig oberflächlich, was ich schade finde.
Das Leben der Johanna von Ingelheim, die Jahre später als Johannes Anglicus den Papstthron besteigt, wird in diesem Buch anschaulich und lebendig mit vielen historischen Hintergründen beschrieben – auch wenn im zweiten Teil, als Johanna in Rom ist, der Handlungsverlauf zugunsten der historischen Hintergründe ein wenig in den Hintergrund gedrängt wird.
Für mich ein kurzweiliges und hochinteressantes Lesevergnügen!
Viel Spass beim Lesen wünscht Euch Heksen
© Heksen 2003
(am 10.04.03 für Ciao, Yopi und Dooyoo)
normalerweise erteile ich mir bei Bücherläden, wie auch bei sämtlichen Online Buchversendern, striktes Hausverbot – zu groß ist das finanzielle Desaster, werde ich dort „losgelassen“... letzten Freitag allerdings musste (!!!) ich zwecks Kaufes eines Geburtstagsgeschenkes die hehren Hallen eines solchen Händlers betreten – und kam natürlich nicht ohne Lesefutter für mich selbst nach hause :-)
„Die Päpstin“ von Donna Woolfolk Cross – ein mit 566 Seiten nannehmbar dickes Taschenbuch für den erschwinglichen Preis von €12,50, ist im Aufbau Tb Berlin mit der ISBN: 3746616441 verlegt.
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Mitte des 9. Jahrhunderts, im tiefsten Mittelalter, wächst im kleinen Weiler Ingelheim das Mädchen Johanna auf. Johanna ist die Tochter eines englischen Priesters, der auf seinen Missionszügen auf dem Kontinent eine zwangschristianisierte Sächsin zur Frau nahm und mir dieser drei Kinder zeugte.
Während Johannas Brüder nach dem Willen des Vaters zu hause das Lateinische sowie die Kunst des Lesens und Schreibens erlernen, wird Johanna vom Vater die Bildung verweigert. Sie ist ein Mädchen, und nach dem damaligen Glauben sind Frauen einfach nicht in der Lage, Bildung und Wissen zu erlangen. Sie sind lediglich Mitgiftsträgerinnen, Lustobjekte, Haushaltshilfen und für die Aufzucht des Nachwuchses zu gebrauchen.
Schon früh wird klar, dass Johanna einen scharfen Verstand und eine analytische Intelligenz bestitzt, und so unterrichter ihr ältester Bruder sie heimlich im Lesen, Schreiben und Latein – bis er an einer Krankheit stirbt.
Auf seiner Durchreise nach Mainz kommt der Grieche Aeskulapius ins Haus des Priesters und erkennt Johannas Intelligenz und Wissensdurst. Der Vater, der dies als unnatürlich, Ketzerei und Sünde abtut, stimmt einem zukünftigen Unterricht Johannas durch Aeskulapius nur zu, wenn dieser gleichzeitig auch ihren Bruder Johannes unterrichtet. Begierig saugt Johanna alles Wissen in sich auf, welches der Lehrer ihr vermitteln kann.
Nach einigen Jahren ruft der Bischof von Dorstadt Johanna an seine „Scola“ (Domschule). Der Vater, der den Wissensdurst seiner Tochter noch immer für widernatürlich hält, sendet jedoch statt ihrer den wenig begabten Johannes, so dass Johanna heimlich ausreißt und Johannes auf seinem Weg einholt. In Dorstadt angekommen, werden beide Geschwister an der Schule aufgenommen und Johanna der Aufsicht des Markgrafen Gerold übergeben.
In den folgenden Jahren entwickelt Johanna als Außenseiterin an der Schule ihr Wissen, so gut sie es darf. Unterstützt wird sie dabei von Gerold, den ihr Wissensdurst fasziniert. Es entspinnt sich eine zarte Liebe zwischen den beiden. Leider fällt dies auch seiner Frau auf, die versucht, Johanna durch Heirat mit einem Hufschmied aus dem Haus zu bekommen, während Gerold sich auf einem Feldzug befindet.
Während der Zeremonie jedoch fallen die Normannen über Dorstadt her und töten alle außer Johanna. Auch ihr Bruder Johannes, der nach der Hochzeit ins Kloster Fulda reisen sollte, wird getötet. Johanna legt sich Johannes Kleider an und in ihr reift der Entschluss, sich künftig als Mann auszugeben, um ihren Lebensweg selbst bestimmen zu können.
Im weiteren Verlauf der Handlung erlangt Johanna als Mönch Johannes Anglicus großes Wissen, vor allem in der Heilkunst, und die Wirren des Schicksals führen sie nach Rom, wo sie sich dank ihrer Heilkünste bald einen Namen am päpstlichen Hof macht.
Doch die Kirche ist zu dieser Zeit nicht nur Kirche – der Papst ist gleichzeitig auch der Stadtfürst Roms und besitzt großen weltlichen Einfluss.
Johanna erkennt schnell, dass diese nach außen so fromme Welt von Intrigen und Machthändeln durchsetzt ist, in welcher es nur um die Bereicherung, Einfluss und Macht über andere geht. Mittlerweile ist sie zum Leibarzt des Papstes aufgestiegen und hat es schwer, innerhalb dieser Machtkämpfe ihre Position zu erhalten, ohne gleichzeitig ihre eigenen moralischen Ansprüche über Bord zu werfen. Kompliziert wird die Situation weiterhin durch das plötzliche Auftauchen Gerolds, den sie noch immer liebt.
Zu Ende des Buches, nach Kriegen, Überfällen, Feuersbrünsten und Überflutungen, wird Johanna selbst zum Papst gewählt. Oder besser: zur Päpstin, auch wenn dies niemand weiss.
Noch immer agiert sie nach aussen als Mann, nur in ihrer Liebe zu Gerold, die sie sich lange genug versagt hatte, wird sie zu einer Frau. Und diese Liebe trägt Früchte, Johanna wird schwanger ...
Im Nachwort erklärt die Autorin, dass sie versuchte, sich so nah wie möglich an den geschichtlichen Gegebenheiten zu orientieren. Scheinbar erging jedoch Mitte des 16. Jahrhunderts ein kirchlicher Erlass, dass alle Dokumente, welche die Päpstin Johanna erwähnten, vernichtet werden sollten.
Wollfolk führt jedoch m.E. stichhaltige Beweise an, warum und wann Johanna tatsächlich existiert haben könnte, welche den Roman umso faszinierender machen.
(Ich will hier nicht alles verraten!)
Doch selbst wenn die Geschichte um Johanna nicht wahr wäre, wenn diese starke Frau nie existiert hätte, so hat Wollfolk sie mit diesem wunderbaren Buch (erneut?) zum Leben erweckt.
Die Schilderung der Umstände, unter welchen die Menschen und insbesondere Frauen damals lebten und wie ihre Weltanschauung war, ist faszinierend und schaurig zugleich.
Dass Adel und Klerus auf Kosten des kleinen Mannes lebten, ist ja noch bekannt, aber wie dieser kleine Mann (oder in unserem Buch Frau) sein Überleben sicherte, welche Alltagsmühen und Gefahren bewältigt werden mussten, wird hier auf’s Neue sehr anschaulich und spannend verdeutlicht. Besonders das Schicksal der Frauen, denen Bildung verwehrt war und als deren einziges Lebensziel eine gewinnbringende Heirat und das Gebähren von Kindern angesehen wurde, lässt den Leser schaudern.
Der Schreibstil ist flüssig und hält sich nicht an Belanglosem auf. Manchmal wirkt die Schilderung der Charaktere und ihrer Gefühle jedoch ein wenig oberflächlich, was ich schade finde.
Das Leben der Johanna von Ingelheim, die Jahre später als Johannes Anglicus den Papstthron besteigt, wird in diesem Buch anschaulich und lebendig mit vielen historischen Hintergründen beschrieben – auch wenn im zweiten Teil, als Johanna in Rom ist, der Handlungsverlauf zugunsten der historischen Hintergründe ein wenig in den Hintergrund gedrängt wird.
Für mich ein kurzweiliges und hochinteressantes Lesevergnügen!
Viel Spass beim Lesen wünscht Euch Heksen
© Heksen 2003
(am 10.04.03 für Ciao, Yopi und Dooyoo)
22 Bewertungen, 1 Kommentar
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06.08.2006, 13:02 Uhr von leuchttuermin
Bewertung: sehr hilfreichIch habe die Päpstin regelrecht verschlungen! (hihi... nicht wörtlich nehmen!)
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