Deutsch Drahthaar Testbericht

Deutsch-drahthaar
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Summe aller Bewertungen
  • Familientauglichkeit:  hoch
  • Pflegeaufwand:  durchschnittlich
  • Futterkosten:  durchschnittlich
  • Platzbedarf:  gering

Erfahrungsbericht von feanny

Mein bester vierbeiniger Freund

5
  • Bewegungsdrang:  sehr gering
  • Familientauglichkeit:  hoch
  • Pflegeaufwand:  durchschnittlich
  • Futterkosten:  durchschnittlich
  • Platzbedarf:  gering

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Hallo,

manche von euch werden es schon wissen, ich bin Jäger und habe auch dementsprechend 2 Jagdhunde. Die Rasse über die ich heute schreiben will, nennt sich Deutsch Drahthaar. Ich habe zwei reinrassige Rüden aus dieser Rasse… Slik und Jack… Wobei ich heute hauptsächlich über Slik schreiben möchte… Warum findet ihr weiter unten.

*Wie bin ich an meine Stinker gekommen?*

Hi, wundert euch bitte nicht über die Bezeichnung Stinker, die Hunde stinken nicht. Ich nenne sie einfach nur immer so. Frag mich einer warum? Ich habe keine Ahnung…
Also aber nun mal zu der Anschaffung meiner Hunde. Als ich meinen Jagdschein gemacht habe, habe ich einen alten Jäger kennen gelernt, der in der Nähe meiner Heimat zur Jagd gegangen ist. Dieser Mann hatte einen Deutsch Drahthaar Rüden namens Jack, der bereits damals über 8 Jahre war. Zu meinem erstaunen war der Hund aber trotz seines relativ hohen alters aber noch quick lebendig und verrückt wie grad dem Welpenalter entsprungen.
Nun begann so langsam mein Jägerleben… geschossen hatte ich zwar noch nichts aber ich baute Hochsitze, Kirrungen und ich machte mit jenem Hund auch Nachsuchen, weil der Besitzer schon weit über 70 Jahre war. (Nachsuchen sind für die die es nicht wissen, wenn ich mit dem Hund ein geschossenes Stück Wild suche, sollte es weiter weggerannt sein und vom Jäger nicht gefunden werden) Auf jeden Fall, lernte ich diesen Hund lieben bis über beide Ohren… Er wurde schön langsam zu meinem besten Freund auf vier Beinen und ich ging sogar jeden Tag mit ihm Spazieren und kaufte ihn Leckerli obwohl ich gar nicht musste. Kurz um es zog mich magisch zu diesem Hund, ob ich wollte oder nicht…
So kam es, dass eines Tages mir der Besitzer mitteilte, er würde die Jagd aufgeben aus Altersgründen und ob ich mich nicht weiter um den Hund kümmern würde, denn er kann nicht mehr so viel mit dem Hund rumalbern, als dieser es nötig hätte… Ich verstand das nur falsch und dachte ich sollte jeden Tag kommen und ihn spazieren führen… Er sagte aber nach einer Woche, wenn er den Hund noch sehen dürfte, kann ich ihn ganz zu mir nehmen… Tja, und so landete Jack bei mir…

Weshalb ich aber eher über Slik schreiben möchte, hat den Grund weil ich ihn von Welpe an gehabt habe. Also mal weiter mit der Jugendklasse meiner Bande. Weil Jack ja schon so alt ist und ich auch wirklich viel arbeit für den Hund hatte, was die Jagd angeht entschloss ich mich eines schönen Nachmittags mir einen Welpen zu holen. Zum einen könnte der Kleine noch viel von dem Großen lernen und man weiß ja nie wie lange Jack noch so durchhält auch wenn er fitt wie ein Turnschuh ist.
Ich machte mich also schlau, welch gute Züchter sich in meiner Nähe befanden und entschloss mich kurzerhand für einen, von dem ich wusste, zwei meiner Mitjäger hatten da auch ihren DD her. Ich setzte mich kurzerhand ins Auto und fuhr gute 50 km zu diesem Züchter, der mir auch prompt 5 kleine knuddelige Welpen vorsetzte, die alle samt gleich neugierig auf mich zustürmten um mich zu beschnuppern. Am liebsten hätte ich die Welpen samt Mutter eingepackt und wäre nach Hause gefahren… Aber das ging ja nun nicht… Aus dem einen Besuch wurden schließlich 8 um die Hunde kennen zulernen und umgekehrt. Ich spielte mit den Hunden, fütterte sie ja kroch wie ein kleines Kind auf dem Zwingerboden umher. Manche die mich gesehen haben, mussten mich für verrückt halten aber ich liebe Tiere über alles. Nach einer Zeit sollte meine Entscheidung nun endlich fallen, sollte ich eine Hündin nehmen oder doch lieber einen Rüden? Welchen nur? Hilfe!
Ich hatte aber wirklich glück, einer der Hunde nämlich ein kleiner frecher Rüde nahm mir die Entscheidung dann letztendlich ab. Er stürmte mir entgegen, setzte sich auf meinen Schuh und zog mir erstmal meine Schuhbänder lang, als wollte er sagen „Nehme mich oder ich knote mich hier fest“ Ich hob den kleinen Wilden auf, setzte ihn in den Kofferraum und zahlte dem Züchter seine 450 Euro. Zuhause angekommen, setze ich ihn im Wohnzimmer ab und ließ ihn erstmal seine neue Umgebung erkunden. Jack war das zuerst gar nicht geheuer aber der verzog sich dann wieder in seinen Zwinger, wo er am liebsten liegt und döst.
So, Philipp (wie er nach dem P-Wurf vom Züchter getauft wurde) verschwand erst mal unter der Couch dann unter der Eckbank, schließlich in die Küche und ins Büro bis er sich genüsslich auf dem Abtreter vor der Terrasse lang machte und einschlief. Super Sache, dacht ich mir… 3 Stunden gerade mal hier aber fühlt sich schon wie Zuhause…
Nach seinem ersten kurzen Gassigang zusammen mit Jack und einem kleinen Fresschen, packte ich die kleine Portion von Hund und setzte ihn in seinen abgetrennten Zwingerteil. Möchte kurz anfügen, bin nicht für reine Zwingerhaltung, ich hatte aber mal ursprünglich vor, dass die Hunde zumindest in der Nacht im Zwinger bleiben sollten, tagsüber aber rein und raus können wie sie wollen. Das klappt ja gut bei unserem eingezäunten Garten.

*Die erste Nacht*

Nun, Buch weggelegt und Lampe gerade ausgeknipst, entnehme ich dem Fensterspalt ein leises Jaulen was um das Haus drang. Ich stand auf und schlich mich ins Wohnzimmer um zu sehen was los ist… Nun ein Wolfsrudel ist Mist dagegen. Der kleine saß am Gitter und Heulte während der Große nichts dooferes zu tun hatte als dies mit tatkräftigem Jaulen zu unterstützen… Eine Verschwörung???
Ich öffnete die Terrassentür und schon war das Geheule zu Ende. Beide saßen erstmal am Gitter und kuckten mich mit großen Augen an… ich hätte lachen können in diesem Moment! Ich öffnete die Zwingertür von Slik, nahm ihn auf den Arm während Jack schon wieder in seine Hundehütte verschwunden war. Ich entschloss mich schließlich ein Körbchen zu nehmen und den kleinen Stinker vor meinem Bett in dem Korb nächtigen zu lassen… Diese Theorie erwies sich auch als einigermaßen hilfreich und meine Nachbarn konnten erstmal wieder in Ruhe schlafen gehen.

Zu meiner großen Überraschung hatte ich eines Morgens schöne warme Füße, wie ich mich schlaftrunken aus der Decke kämpfte. Der Grund für dieses Phänomen war, das mein lieber kleiner erst mal einen wunderbaren Haufen vor die Tür hingesetzt hatte und ich nun mitten drin stand und nicht wusste ob ich nun lachen oder iii sagen sollte… Nun um dieser Frage zu entgehen, wusch ich mir erst mal die Füße, packte den Kleinen und tunkte ihn mit der Nase in den zertretenen Haufen Sch… und schmiss ihn dann erst mal vor die Tür mit einem lauten „Pfui“, so wie ich es von meinen jagenden Hundehaltern gesagt bekam. Große unwissende Augen schauten nun traurig mit patschigen Pfötchen zum Terrassenfenster herein… Oh Gott… Nein ich muss hart bleiben… Erst mal frühstücken und auf andere Gedanken kommen…
Nun die Prozedur wiederholte sich zum Glück nur ca. 7 mal bis er verstand das er nicht in die Wohnung machen darf sondern Laut geben soll wenn er mal dringend muss… Das klappte dann auch ganz gut. Ich wusste wenn er vor der Tür sitzt muss Frauchen los…

*Die Hundeschule*

Nun meldete ich mich natürlich auch nach kurzer Zeit bei der Hundeschule an um meinen Hund gute Manieren bei zubringen. Gut, nun standen wir da im Kreis mit 9 anderen fremden Menschen und noch fremderen Halbwüchsigen… Wir bekamen erstmal erklärt, dass wir dem Hund zeigen müssen wer hier Chef im Ring ist, während sich die kleine Hundetruppe wild durcheinander mischte und spielte…
Endlich hatte ich ihn wieder aus den Kneul von Welpen ausgelöst, da ging es auch schon los mit der lästigen Lernerei… Mit Leckerli bewaffnet und viel Ausdauer, drückte ich nun seinen kleinen Hintern zu Boden zudem ich immer parallel das Wort „Sitz“ vor mich hin surrte… Sehr schön, der Effekt schien ihn ja wirklich zu beeindrucken, was er mir erst mal mit einem geschickten Pfotenschlag zu verstehen gab, sodass mir die ganzen Leckerlis ins Gras fielen… Schlauer Hund dummes Frauchen! Gut mit vollen Magen und neuen Leckerli übten wir den ganzen Prozess von der Hundeschule weg bis am Abend zuhause… Siehe da erscheint zu begreifen… noch nicht perfekt aber immerhin ließ er sich schon von 10 Sitz Befehlen 3 mal auf seinen Hintern sinken.

Nach ein paar Wochen ging das dann schon ganz gut und ich ging zu jagdlichen Ausbildung über… Nun wurde geübt… geübt… geübt…
Schussfestigkeit: Der Schuss löst sich in unmittelbarer Nähe… Wer zuckt? Frauchen natürlich, während Hund nur hoch äugt und sich fragt wieso Frauchen eben so ne komische Grimasse gezogen hat…
Wildschärfe: Wir ziehen ein Stück Hase mit Decke durch das Gras! Auch gleich flitzt er hinterher und versucht ihn zu fassen…
Apportieren: Gut das brauchte Übung, aber wir hatten das ja schon mal in der Hundeschule geübt. Ich sage mal es scheiterte oft nicht an seinem Willen sondern eher daran, dass er immer alles zwischen die Läufe brachte und mehr hinflog als ging…
Wasserarbeit: Super Sache… Der Kleine ist von Wasser begeistert! Jede Pfütze wird mitgenommen und auch die Arbeit mit ihm in Kombination Apport klappt auch mit der Zeit… Stöcke, Köder alles wird irgendwie ans Ufer geschafft oder auch nicht… Manches verschwindet einfach im Schilf anderes wird einfach liegengelassen oder zu mir gebracht…
Schweißarbeit: Wir legten gefrorenen Rinderblut eine Blutspur und versuchten Slik drauf anzusetzen… Am Anfang leider ohne Erfolg bis er von Jack mitbekommen hatte, dass sich ja am Ende einer solchen was Fressbares befand… Naja man fand zwar die eine oder andere Spur nicht genau aber es funktionierte doch schon immer besser…

So vergingen auch schon die ersten Monate mit ihm und sie brachten mir soviel Spass wie ich sonst noch nie erlebt habe… Es war zwar masse Arbeit aber man wurde eigentlich immer nur entschädigt durch jedes Schwanzwedeln… Bellen… Schmusen…

*Seine Macken und Angewohnheiten*

Mittlerweile lebt Slik schon knapp 3 Jahre bei mir als treuer Gefährte auf allen Wegen. Natürlich kennt man nach so einer Zeit die Macken und Angewohnheiten seines Hundes…

- Wenn er einen Knochen vergräbt, darf man ihm nicht dabei zuschauen ansonsten buddelt er solange bis ich ihn nicht mehr sehe oder er das zumindest glaubt…
- Er liegt ständig hinter der Tür obwohl ich ihn schon mindestens 100 mal gegen die Wand geklatscht habe wenn ich die Tür aufmachte
- Er hasst Handy die klingeln, die verbuddelt er dann schon mal ganz schnell im Garten wenn man nicht Acht gibt
- Seine Lieblingsspeise sind Moncheris, die wenn er sieht dann sabbert er Bäche
- Er klaut gerne mal Essen wenn man nicht hinschaut, aber immer nur soviel, wie er meint es würde nicht auffallen
- Kaum liege ich im Bett, geht er auf die Couch und am Morgen bellt er immer wenn ich ihn überrasche
- Sein Lieblingsspielzeug ist eine gelbe Quietscheente, die keinen Kopf mehr hat… eine neue mag er aber nicht
- Wenn er schmusen will, gibt er immer beide Pfötchen und kann dann nach einer Zeit sich nur sehr schwankend auf den Beinen halten
- Wenn man mit ihm Redet, bewegt er immer den Kopf hin und her
- Sollte er was angestellt haben, liegt er immer unter der Eckbank wo Frauchen nicht dran kommt

Nur mal um einige zu nennen… es gibt natürlich noch mehr was ihn besonders macht…

*Meine 3 schönsten Erlebnisse mit ihm*

1. Letztes Frühjahr wurde bei uns eine Ricke totgefahren und das Kitz stand nun ohne Mutter da. Kurzerhand beschloss ich es groß zu ziehen… Der Hund kümmerte sich so rührend um das Kitz und bewacht es bis heute wie seinen Lieblingsknochen… Wenn ich es gefüttert hatte lag er immer genau vor dem Zaun das es nicht verschwinden konnte und wenn es schlief leckte er es immer ab und schlief auch schon mal bei ihm ein… Sie sind die besten Freunde bis heute…
2. Ich war mit meinem Hund an der Ostsee und wir gingen immer zusammen Schwimmen. Er versuchte immer mich aus dem Wasser zu retten und ich konnte keine Sekunde in Ruhe schwimmen…
3. Ich war sehr traurig und mir ging es auch wirklich beschissen und er saß den ganzen Tag neben mir, gab Pfötchen und brachte mir sogar seinen Hundeknochen um mich zu trösten, neben Schuhen, Pullover, Futternäpfe… Am Abend war das ganze Zimmer mit Gegenständen übersäht und er saß immer noch ganz dicht bei mir und leckte mir die Tränen von der Backe…

*Wie ist es heute?*

Heute ist der Hund immer noch der gleiche Schlawiner. Er tobt rum und macht auch noch viel Mist was er nicht sollte… Aber keiner ist perfekt. Auf jeden Fall ist er ein ausgezeichneter Jagdhund geworden der nicht wildert und aufs Wort hört! Auch wenn ich ihn bei Fremden mitschicke hört er wie bei mir. Er hat auch alle erforderlichen Prüfungen super bestanden und war anderen Hunden weit voraus…
Heute lebt er mit Jack befreundet in einem Zwinger wo er rein und raus kann wie er will und geht am liebsten zur Wasserjagd auf Enten… Zuerst Suchen, dann Baden, dann Leckerli kriegen.
Ich muss sagen, ich glaube wenn jemand meinen Hunden was antun würde, würde ich für nichts mehr garantieren… Die Hunde sind meine besten Freunde und haben mehr Charakter wie mancher Mensch! Ich möchte sie nicht mehr missen und nehme sie auch überall soweit es möglich ist hin mit.

Ich würde diesen Hund nicht als reinen Familienhund entpfehlen, da er doch ziemlich viel Bewegung braucht und sehr agil ist! Man sollte immer bedenken er ist ein reiner Jagdhund. Trotzdem ist sehr verträglich mit Kindern und andern Tieren… Aber das liegt auch an der Erziehung und ist keine reine Rassesache! Ich würde mir nur noch diese Rasse anschaffen! DDs sind einfach super.

*Meine Bitte*

Meine Bitte an all die Leute die sich einen Hund anschaffen… Überlegt es euch genau… Er hat nur euch in seinem Leben, ihr müsst ihn ausbilden, was fast auch bei normalen Hunden 2 Jahre in Anspruch nimmt, ihr müsst Hundesteuer zahlen, um 6 Uhr morgens bei jedem Wind und Wetter raus… genau wie nachmittags und abends… er will spielen, er braucht eine Grundausstattung also Fressnapf, Leine… Er ist auch kein Kinderspielzeug sondern kann durchaus auch 15 Jahre alt werden! Und einfach im Urlaub fahren geht auch nicht weil es ein großer Hund ist der auch dementsprechend Platz braucht! Er muss gezupft und in Form gehalten werden...
Überdenkt erst mal bitte alles egal ob Jäger oder nicht… Denn er sollte ja nicht nach 3 Monaten wieder im Tierheim landen… Denn alles in allem kostet so ein Hund bei guter Pflege auch seine 150 – 200 Euro im Monat an Futter, Steuer, Tierartzt …(auch eingerechnet zwingeranlage für 3500 euro, tierarzt kosten bei verletzungen durch die jagd, ausbildungskosten, anschaffungskosten..)

Ist auch wieder kein direkter Testbericht, eher mal eine kleine Vorstellung meines Hundes nicht direkt der Hunderasse… Hoffe aber trotzdem euch hat der Bericht gefallen

Liebe Grüße

feanny

23 Bewertungen, 1 Kommentar

  • redwomen

    12.07.2004, 23:25 Uhr von redwomen
    Bewertung: sehr hilfreich

    hat man (Frau) extrem viel Arbeit, aber auch Freude und man kann sich seinen Hund so erziehen, wie man für sich selbst meint es ist das Beste.