Deutschland - Brasilien 0:2 (Finale) Testbericht

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Erfahrungsbericht von petitsolei

Glückliches Brasilien

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Im WM-Final trafen die Brasilianer auf die Deutschen. Das Herz der Fussballfans schlug vor, nach und während des Spiels hier in der Schweiz mit Brasilien.

Nachdem die Favoriten reihenweise vorzeitig nach Hause geflogen sind, musste der Fussballliebhaber froh sein, dass sich am Sonntag in Yokohama immerhin Brasilien und Deutschland im Endspiel zum ersten Mal an einer WM gegenüberstanden. Der vierfache (und jetzt fünffache) gegen den dreifachen Weltmeister, das ist auf dem Papier und für Nostalgiker ein schöner Final.

Die Brasilianer hatten keine überragende Mannschaft. Auf dem Weg ins Finale musste man in jedem Spiel um sie zittern. Ausnahmen war nur die Gruppenspiele gegen die Mannschaften von China und Costa Rica. Ein Ausscheiden gegen die Belgier, Engländer und die Türken wäre möglich gewesen. Fast nie haben sie diese Mannschaften während des Spieles dominiert. Dass sie es dennoch schafften lag an ihren überragenden Einzelspielern., die ihre Chancen konsequent genützt haben. Das macht halt eben den kleinen aber wichtigen Unterschied.

Dass Deutschland und Brasilien den Final erreichten , hatte auch Gründe, die ausserhalb ihres Kontrollbereiches lagen. Zu nennen ist da in etwa die Schwäche der Konkurrenz. Davon profitierten in erster Linie die Brasilianer. Argentinien und Frankreich wären auf dem Weg ins Finale Brasilien und nicht den Deutschen über den Weg gelaufen.

Auf der andern Seite bescherten die Schiedsrichter den Deutschen bis ins Finale angenehme Gegner. Italien und Spanien wurden regelrecht aus dem Turnier gepfiffen. Vor allem über das Ausscheiden Italiens dürfte sich der Deutsche-Fussballfan gefreut haben, denn gegen Italien hat man - soweit ich mich zurück erinnern kann -weder an einer EM noch an einer WM jemals gewinnen können. Auch Mexiko wurde im Spiel gegen die USA krass benachteiligt. Ein glasklarer Elfmeter wurde ihnen nicht zugestanden.

Trotzdem: Wer im Endspiel steht, ist nicht nur durch Zufall und glückliche Umstände so weit gekommen.
Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari liess seine Mannschaft antibrasilianisch also realistisch spielen. Ronaldo, Rivaldo und Ronaldinho sorgten mit ihrer Genialität für die Höhepunkte in der Offensive, den Rest erledigen die Arbeiter in der Defensive. Mit sechs Siegen und einem Torverhältnis von 16 : 4 haben sich die Spieler des Zuckerhutes für dieses Finale empfohlen. Die Deutschen haben nur gegen Irland in der Vorrunde Punkte abgegeben. Sie spielen nicht, sie arbeiten Fussball. Torhüter Oliver Kahn stand bis vor dem Endspiel zwei Stufen über seinen Mitspielern.

Nun das Endspiel konnte ich leider nicht live miterleben. Ein Familienfest, welches Monate zuvor geplant war, hatte den Vorrang. Gegen 13.00 Uhr schlichen sich die Hälfte der Gäste davon und knallte sich vor den Fernseher. Zu unserem Entsetzen mussten wir jedoch feststellen, dass weder auf ZDF noch auf sonst einem der zahlreichen Sender das Spiel übertragen wurde. Die Gastgeberfamilie bezieht ihren Fernsehkonsum über Satellit und nicht übers Kabel . Das musste wohl der Grund sein, warum statt Fussball irgendwelche alten Spielfilme gezeigt wurden. So musste ich mich halt am Abend mit der Zusammenfassung des Spiels im Rahmen der Sendung auf Sat1 begnügen.

An dieser Stelle möchte ich diesem Sender nachträglich ein dickes Lob aussprechen. Nachdem dem Schweizer Staatsfernsehen die Übertragungsrechte für die Spiele schlicht und einfach zu teuer waren, sprang Sat1 in die Presche. Der Sender übertrag speziell für die Schweiz alle 60 Spiele live. Die Spiele wurden von Premiere übernommen. Da kamen die SchweizerZuschauer so ganz nebenbei in den Genuss der äusserst unterhaltsamen Kommentatoren wie Marcel Reif und CO. Niemand sah sich gezwungen, sich Heribert Fessbender von der ARD anzutun.

Aber zurück zum Endspiel. Deutschland sah gegen Brasilien wie die Türkei, England und Belgien gut aus. Die Deutsche Mannschaft spielte tapfer mit und hatte ihre Chancen das Spiel für sich zu entscheiden. Mit Glück und Konnen überstanden jedoch die Brasilianer die Deutschen Angriffe. Allerdings hätten sich die Deutschen nicht beschwerden können, wenn sie schon vor der Pause zwei Tore kassiert hätten.

In der 67. Minute war es dann soweit. Ronaldo schoss sein 7. Tor dieser WM. Doch die Art und Weise wie es gefallen ist, tat mir persönlich leid. Ausgerechnet Oliver Kahn, der vor diesem Spiel fast unbezwingbar schien, läutete die Niederlage der Deutschen ein. Das tat mir persönlich echt leid. Für den Fussballsport insgesamt war dieser Torwartfehler jedoch auch irgendwie erfreulich. Letztlich wurde somit der für die (neutralen) Zuschauer attraktiver Offensivfussball belohnt. Nach diesem Tor waren die Deutschen Stürmer gefragter denn je. Leider ist der Ausgleich nicht gefallen. Stattdessen erzielte Ronaldo 10 Minuten später das entschiedene 2. Tor. Und diesmal gab es für Kahn nichts, aber auch gar nichts zu halten. Brasilien wurde nicht unverdient zum 5. Mal Weltmeister.

Zum Schluss noch ein paar Bemerkungen zu Kahn und den Deutschen Medien:
Wie gesagt: Oliver Kahn tat mir persönlich leid, dass ihm dieser Fehler unterlaufen ist. Aber es machte ihn irgendwie auch wieder menschlicher und damit sympathischer. Die Deutschen Medien machten aus ihm einen Übermenschen. Es war fast schon peinlich, wie vor allem im Rahmen der Diskussionsendung „Der Nike WM-Talk“ auf DFS dem Kahn übermenschliche Kräfte zugesprochen wurden. Bei fast jedem Tor, das an dieser WM geschossen wurde, wurde festgestellt, dass Kahn diesen Ball gehalten hätte. Vor allem der englische Torhüter Seamann bekam sein Fett weg.. Das erste wie auch das zweite Tor wären für die Brasilianer nicht gefallen, wenn Oliver Kahn im Tor der Engländer gestanden hätte. Auch hätte Rolando gegen die Türkei kein Tor geschossen, wenn sie einen wie den Oliver gehabt hätten.

Gott sei Dank stellte Oliver Kahn höchstpersönlich diese Expertenmeinungen auf den Kopf.

Danke fürs Lesen.

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