Die Harald-Schmidt Show Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Unterhaltungswert:  sehr gut
  • Informationsgehalt:  sehr gut
  • Präsentation:  sehr gut
  • Spaß:  sehr viel
  • Spannung:  viel
  • Romantik:  wenig

Erfahrungsbericht von *sannah*

Ins Bett mit Schmidt

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

„Didididididididididi...“ tönt es, in einer Tonlage, die selbst Fledermäuse neidisch machen würden – unter einer dunkelblauen Bettdecke quält sich ein Arm, der augenscheinlich zu einem dunkelrotblonden verwuschelten Haarschopf gehören muss, hervor und erlöst eben diesen von diesem nervenzerreißenden Geräusch.

Je nach Tagesform passiert dann folgendes:
1. Die Person, zu der der Haarschopf gehört, springt frohen Mutes unter die Dusche, weil sie es kaum erwarten kann, in die Uni zu kommen...
2. Obengenannte Person beseitigte besagtes Geräusch nur im Unterbewusstsein, dreht sich genüsslich auf die andere Seite und schläft tief und fest weiter, um zwei Stunden später wieder aufzuwachen und festzustellen, dass die erste Vorlesung schon ohne sie angefangen hat... (Freud würde an dieser Stelle sagen, das „Es“ hat gesiegt.)
3. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass diese Person den Wecker zehn Minuten später noch einmal klingelt lässt, dann mit sich hadert, ausgerechnet heute so früh zur Uni zu müssen, wo doch die Bettdecke so schön warm ist, und sich dann so gegen sieben unter die Dusche quält.

Als Ereignisse für den Vorabend sind viele Ereignisse denkbar: die Person (im Nachfolgenden sannah genannt) könnte ihre überstandene Matheklausur ordentlich begossen haben (fragt mich Donnerstag noch einmal...) – oder sie hat bis spät in die Nacht Texte für Geschichte gelesen - oder aber sannah ist ganz brav zu Hause geblieben und hat Schmidt geguckt... . Die Wahrscheinlichkeitsverteilung in diesem Fall sei der Phantasie des Lesers überlassen.

Wie auch immer, wann immer sie zu der Zeit zu Hause ist , guckt sannah um 23.15 Uhr Sat1, genauer die „Harald-Schmidt-Show“, die dort von Dienstag bis Freitag ausgestrahlt wird. Aufgezeichnet wird sie am gleichen Tag um 18.00 Uhr, Freitags um 16.00 Uhr, denn man will dort ja auch was vom Wochenende haben..., in Köln-Mülheim.

Als „Kult“ wird sie mitunter bezeichnet, diese Show, hält sie sich doch inzwischen schon seit fünf Jahren auf diesem Sendeplatz und hat damit die Halbwertszeit für Late-Night-Shows bei weitem überschritten. Ähnliche Versuche des Konkurrenzsenders mit Thomas Koschwitz oder Thomas Gottschalk Ableger des US-Vorbilds (frei nach) Letterman zu etablieren, scheiterten... erinnert sich da heute überhaupt noch jemand dran? An Schmidts Humor scheiden sich die Geister, die einen finden seine Scherze geschmacklos, andere - und zu denen gehört sannah - lachen sich regelmäßig kringelig. Er und seine Show wurden schon mehrmals (so auch in diesem Jahr) mit der \"Goldenen Kamera\" ausgezeichnet, und dieser Fernsehpreis sagt ja auch einiges über die Qualität aus - die grundsätzliche, nicht vom Gschmack des einzelnen abhängige Qualität.

Harald Schmidt ist gelernter Bühnenschauspieler (und steht zur Zeit auch wieder als der Knecht Lucky in „Warten auf Godot“ auf den Brettern, die die Welt bedeuten (ich spreche nicht von Skiern...)) und das merkt man seinem Auftritt auch an. Er verzichtet auf den inzwischen weit verbreiteten Teleprompter und nutzt als Hilfe nur die „traditionellen“ Pappschilder, von Assistentinnen hochgehalten. Füllten seine ironisch- sarkastisch- zynischen Bemerkungen zum aktuellen Geschehen im Stil der Stand-Up-Comedy, alles und jeden verspottend, partei- wie senderübergreifend, früher noch knapp die Hälfte seiner Sendezeit, ist dieses Übergewicht inzwischen ausgeglichen worden. Das hat dem Ruf der Sendung jedoch nicht geschadet. Mittlerweile sind es nur noch wenige (gute fünf) Minuten, die Harald Schmidt mit seinen Bemerkungen zum Tagesgeschehen verbringt, er wird ja auch nicht jünger und leitet daher den größten Teil seiner Sendung von seinem Schreibtisch aus. Ein weiterer (der größte) Part der Sendung besteht darin, dass Schmidt mit seiner „Redaktion on stage“, personifiziert durch Manuel Andrack, weitere aktuelle „Highlights“ auf verschiedenste Art und Weise... behandelt, persifliert, mit seiner bekannten ironischen Distanz dokumentiert und durchleuchtet. Der letzte Teil der Sendung besteht aus Small Talk mit ein bis zwei Gästen. sannah meint ja, dass kein anderer Showmaster seinen Gästen, die oftmals ja wirklich nur zur Präsentation ihrer neuen Platte oder ihres neuen Buches kommen, so viel abseits der 08/15- Fragen ganz nebenbei entlocken kann. Dazu eben der typisch Schmidtsche Humor, den man liebt oder hasst – auch wenn viele seiner Scherze von der Redaktion erdacht worden sind, es bleibt noch genügend Platz für Schmidts Spontanität, die nicht weniger Gelächter auslöst als das Vorgegebene.

Nicht zu vergessen ist natürlich \"Helmut Zerlett und seine Band\", die seit ebenso langer Zeit Teil der Show ist, und das Intro (Schmidt tritt auf) sowie die Werbeumrahmung spielen Und so ganz nebenbei wird Zerlett als Person auch immer wieder passend in den Rahmen der Sendung eingebaut, glänzt mitunter mit Einzelaktionen wie auch Andrack.

Da sannah erst mit ihrem eigenen Fernseher zum regelmäßigen „Schmidtschauer“ geworden ist, kann sie über Aktionen in den vorhergehenden fünf Jahren nicht so viel sagen, wie sie es gern täte.

In letzter Zeit, seit der Nominierung Stoibers als Kanzlerkandidat, findet täglich unter den rund 250 Gästen im Studio die „Sonntagsfrage“ statt: „Wie würden sie wählen, wenn morgen Bundestagswahl wäre?“ Immer sehr interessant und im Monatsmittel auch schon fast repräsentativ, da die Gäste darum gebeten werden, diese Frage auch ernst zu beantworten. Sie prognostiziert einen leichten Vorsprung der SPD, vielleicht nicht sehr verwunderlich angesichts des Publikums (auch sehr viele FDP-Sympathisanten), das Schmidt vor allem anspricht, noch deutlicher wird es allerdings angesichts des Ergebnisses dieser Umfrage im Team der Show: 25% für die Grünen, weit über 40% für die SPD, die CDU hingegen dürfte mit weniger als 10% ein in der Negativstatistik einmaliges Ergebnis erzielt haben, es liegt knapp über den offiziellen Ergebnissen in der DDR vor 1989... Außerdem sorgte das Spiel „Versteh den Stoiber“ nach dessen Auftritt bei Sabine Christiansen für Erheiterung.
Wer jetzt jedoch Böses denkt und Schmidt politische Einseitigkeit diagnostiziert, hat weit gefehlt. Mit ebenso großem Interesse verfolgt er die Geschichte um Schröders neues Heim im Hannoveraner Zooviertel. Freiwillige „V-Männer“ (und Frauen) versorgen ihn täglich mit e-mails über die Umgebung des neuen Hauses – begonnen hat dieses Projekt mit einer Rechnung, wer Schröder für dieses Haus einen Kredit gegeben habe (eine halbe Million? In ihrem Alter? Und dann arbeiten Sie vielleicht nur noch bis September?...) und wie realistisch dies sei.
„Liebling des Monats“ ist zur Zeit übrigens der Edeka-Markt, in dem Schröders jetzt einkaufen, zwei Häuser von ihrem neuen Domizil entfernt. Diese Prämierung kann inzwischen auch schon auf eine längere Tradition zurückblicken.

Eins hat Schmidt in den Jahren allerdings nicht verloren: seinen Biss. Den man in diesem Fall auch sehr schön als Bissigkeit auslegen kann. Und der im Vergleich zu Raab (der m. E. etwas brav geworden ist in letzter Zeit) auch noch immer trifft. Jeden, alle, grenzübergreifend. Die Hälfte ist bitterböse und zutiefst gekränkt, die anderen amüsieren sich königlich. Schon allein dieses ist das Einschalten wert...


... und auch die Schwierigkeiten beim Aufstehen am nächsten Morgen.

„Didididididididididi...“ *einsaufdenDeckelgeb*