Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen (DVD) Testbericht

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ab 4,11
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Erfahrungsbericht von Tut_Ench_Amun

Der Pharao spielt lieber in einer anderen Liga

Pro:

Anspruchsloses und leicht verdauliches Popcorn-Kino

Kontra:

Die zugrundeliegenden Charaktere und Firuren wurden teils bis zur Unkenntlichkeit verbogen und mit Hollywoodkitsch traktiert

Empfehlung:

Ja

Der Film bedient sich einiger absolut lesenswerter Klassiker der Literaturgeschichte, welche die Comiczeichner Moore und O’Neill zu einem Potpourri kombiniert haben, das „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ (kurz und anglophil-knackig „LXG“) getauft wurde. Die beiden Namen sagen Lesern der bunten amerikanischen Heftchen ganz bestimmt etwas, doch auch der Filmfreund dürfte mit ihnen schon in Kontakt gekommen sein, auch wenn er es vielleicht nicht weiß: „From Hell“ (verfilmt mit Johnny Depp) basiert ebenfalls auf einem ihrer Comics und geht auch in eine sehr ähnliche Richtung – nämlich in die gotische Düsternis des viktorianischen England. Scheinbar haben die beiden ein Faible für diese Epoche und ihrer Figuren entwickelt. Diesmal jedoch ist es nicht der reale Jack The Ripper, sondern eine ganze Gruppe von trivialen Protagonisten der Ära, die Regisseur Stephen Norrington nötigten die Vorlage auf die Leinwand zu bringen. Wenn man so will, die Vision des ersten Teams aus Superhelden der klassischen Literatur. Ob das Vorhaben den Originalen den Schneid abzukaufen gelungen ist oder nicht, möchte ich mit diesem Bericht versuchen zu klären...

[Wanted | Der Steckbrief ]
  • Original-Titel: „The League Of Extraordinary Gentlemen“
    Nach den Comics von Alan Moore und Kevin O\'Neill
  • Vertrieb: 20th Century Fox
  • Erscheinungsjahr: 2003 (DVD 2004)
  • DVD-Typ: Typ 9 (einseitig / zweischichtig), Regionalcode 2
  • Altersfreigabe und Version: FSK 12 / 2-Disc Special Edition
  • Genre: Abenteuer
  • Laufzeit: ca. 105 Minuten (Hauptfilm), ca. 138 min. Bonusmaterial
  • Bildformat: PAL 16 : 9 Widescreen (1 : 2,35 anamorph)
  • Tonformat: Dolby Digital 5.1 oder DTS
  • Tonspuren: 2 (Englisch, Deutsch)
  • Menü: starr
  • Regie: Stephen Norrington
  • Produzent: Don Murphy, Trevor Albert, Sean Connery, Mark Gordon
  • Musik: Score von Trevor Jones
  • Darsteller: Sean Connery, Naseeruddin Shah, Shane West, Peta Wilson, Jason Flemyng, Tony Curran, Stuart Townsend u.a.

    Bonusmaterial / Verteilt auf 2 DVDs
  • 2 Audiokommentar-Spuren á je 4 Kommentatoren (Disc 1)
  • Pre-Production Featurette (Disc 2)
  • Production Featurette inkl. unveröffentlichter Szenen (Disc 2)
  • Release-Featurette inkl. 30 Minuten Doku + Trailer/TV-Spots (Disc 2)
  • Div. Bildergalerien: Ausstattung, Konzeptzeichnungen, Postermotive (Disc 2)

    [ Außergewöhnlich simpel | Zur Story ]
    Wir schreiben das Jahr 1899 in einer alternativen Vergangenheit, in der ein skrupelloser Bösewicht dringend aufgehalten werden muss. Dieser nennt sich selbst das „Phantom“ und organisiert einige Überfälle in europäischen Metropolen, wobei er versucht Zwist und Mißgunst unter den Nationen zu säen, denn er tritt jedesmal mit Soldaten in anderen Uniformen auf, um seine Anschläge durchzuführen. In London beispielsweise tragen seine Handlanger Wehrmachtsuniformen als sie mittels eines Panzers die Bank Of England knacken, wobei sie wichtige Dokumente mopsen. Kurzerhand macht die englische Presse Deutschland dafür verantwortlich. Einen Monat später wird Berlin überfallen und deutsche Forscher gekidnappt, nebenher wird das Zeppelinforschungslabor noch eben pulverisiert – das Überfallkommando des Phantoms trägt diesmal die khaki-farbende Kluft nebst dem charakteristischen Suppenteller-Helm der britischen Armee. Diesmal ist das Lamento auf Seiten der deutschen Zeitungen, welche nun die Briten anklagen für die Gräueltaten verantwortlich zu sein. Ziel des Phantoms ist augenscheinlich einen Weltkrieg zu entfesseln und sich dabei durch Verkauf seiner – für damalige Verhältnisse - hochmodernen Waffentechnologie dumm und dämlich zu verdienen (häßlich ist der Bursche ohnedies), derer er sich auch bei seinen Terrorakten bedient.

    Die Regierung ihrer Majestät sieht dringenden Handlungsbedarf und beruft über den Geheimdienstchef „M“ die „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ zusammen, die von ihrem ‚Glück‘ dazu zu gehören aber zunächst mal so rein gar nichts wissen. Die Liga rekrutiert sich aus Figuren der viktorianischen Literatur und die einzelnen Figuren sind allesamt mit nützlichen (zum Teil übernatürlichen) Eigenschaften gesegnet, welche für die Mission das Phantom zu stoppen von Nutzen sind. Die Quasi-Leitung der Operation das Phantom zu stoppen wird dem erfahrenen Jäger Alan Quartermain übertragen, ihn begleiten zunächst Kapitän Nemo, Rodney Skinner und Mina Harker. Auf dem Weg dahin gibt es persönliche Abneigungen abzubauen und noch zwei angedachte Mitglieder der Liga zu überzeugen. Zunächst gilt es den Unsterblichen Dorian Gray zur Teilnahme zu bewegen, der sich anfangs erst noch quer stellt. Erst als das Phantom die Liga gewaltsam zum Überlaufen veranlassen will und sie unerwartet vom Tom Sawyer aus den USA Schützenhilfe erhalten, willigt auch er ein an der Mission teilzunehmen. Jetzt um ein uneingeladenes Mitglied stärker – Sawyer wird kurzerhand in die Clique aufgenommen – muss noch Mr. Hyde in seinem Pariser Exil eingefangen werden, damit die Liga die geplante Sollstärke erreicht und dem Phantom eins auf die verchromte Maske geben kann...

    [ Außergewöhnliches Treffen der Generationen | Pharaos Meinung ]
    Die Idee Romanfiguren mittels eines Crossovers zu kombinieren ist so neu nicht und wird in Comics gerne gefrönt, sodass es kein Wunder ist, dass diese Geschichte auch von einem solchen adaptiert wurde, wenngleich die handelnden Personen keine ursprünglich gezeichneten Charaktere, sondern hauptsächlich angesehene Gestalten der klassischen, viktorianischen Trivial-Literatur sind. Für die Kenner von Jules Verne (hier: „20.000 Meilen unter dem Meer“), Mark Twain (hier: „Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn“), Abraham „Bram“ Stoker (hier: „Dracula“), Robert Louis Stevenson (hier: „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“), H. Rider Haggard („The Untold Adventures of Alan Quartermain“ - verfilmt in den 80ern mit Richard Chamberlain in der Titelrolle), H.G. Wells („The Invisible Man“) und nicht zuletzt der Figur von Oscar Wilde („The Picture of Dorian Gray“), hat der Film ein Klassiker-Sammelsurium mit unterschiedlich gelagerten Berühmtheiten und ihren speziellen Fähigkeiten parat.

    Kleinere Anspielungen auf klassische sowie modernere Romanfiguren kommen ebenfalls vor: Da wäre der Misch-Charakter „M“ (Der Geheimdienstchef seiner Majestät in Ian Flemings „James Bond“), der gleichzeitig auch eine Hommage an Andrew Lloyd Webbers Musical „Phantom der Oper“ plus Dr. Moriarty (Der Erzfeind von Sir Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes“) darstellt. Des weiteren wäre da noch „Ishmael“ in einer Nebenrolle als 1. Offizier Kapitän Nemos, der ursprünglich aus Herman Melvilles „Moby Dick“ entstammt. Die Umsetzung des Crossovers ist unterschiedlich gut bzw. schlecht gelungen, sowohl was die Besetzung, als auch die Veränderungen der originalen Storylines und Figuren angeht. Zeit also mal ein wenig ins Detail zu gehen...

    Zugpferd und Dreh-und-Angelpunkt soll wohl Sean Connery in Gestalt des gealterten Alan Quartermain sein, seines Zeichens Abenteurer und gewiefter Jäger, der eigentlich in Afrika seinen wohlverdienten Lebensabend genießen will. Diese Figur als Aufhänger schon einmal etwas tiefer gezeichnet, als der Rest, obschon sie immer noch verhältnismäßig flach und unausgeleuchtet bleibt. Connery ist in meinen Augen auch die erste Fehlbesetzung, was ganz sicher nicht an seiner schauspielerischen Leistung liegt, die er gewohnt souverän aus dem Ärmel schüttelt und den Film deutlich aufwertet. Klingt paradox? Nein, nicht nur habe ich den milchgesichtigen Richard Chamberlain als Indiana Jones für Arme beim Begriff „Quartermain“ im Hinterkopf, sondern Connery würde viel eher zur ältlichen, fast väterlichen Figur des Käpt’n Nemo passen, die dieser bei Jules Verne (im Original) inne hat. Allerdings hat man Nemo charakterlich für diesen Film komplett umgekrempelt, sodass die Wahl der Besetzung wenigstens plausibel erscheint.

    Der Rest Casts besteht aus No-Names, was an sich ja nichts Schlechtes bedeuten muss. Tuts auch nicht, zwingend – das Gros gibt sich redlich Mühe die gebotene Chance mit Sean Connery in einem Film mitzuwirken auch zu nutzen, um ihren (zukünftigen) Marktwert zu erhöhen. Manchen gelingt es mehr – anderen dagegen weniger. Für ihre zweidimensionale Charakterzeichnung und die teils krampfigen Dialoge können die Mimen nichts, das ist Sache der Drehbuchautoren und des Regisseurs, die allesamt offensichtlich dem Irrtum unterlagen ein (typischerweise) actionlastiges Comic so mal eben 1:1 auf die Leinwand umzusetzen – was oft und förmlich zwangsläufig in die Hose gehen muss. Hierbei ist aber auch ein wenig Licht zu verzeichnen, denn nicht alle Figuren geben sich mit hirnfreien Platitüden ab und wissen darstellerisch durchaus zu gefallen, besonders gilt das für die Gestalt des schizophrenen Dr.Jekyll/Mr.Hyde. In beiden Erscheinungsformen liefert Jason Flemyng eine absolut überzeugende Darbietung ab und die witzigsten Einlagen sowie auch philosophischten Sprüche gehen auf sein Konto.

    Naseeruddin Shah fightet sich als Kapitän Nemo durch den Streifen, bewehrt mit einem seltsamen Kodex und einem indischen Outfit, das so gar nicht zur Originalfigur passen will. Zugegeben Vernes Nemo ist als Gestalt auch nicht gerade durchsichtig, doch warum man hier so eine komische Veränderung zu einem Schwert- und Handkanten schwingenden Martial-Arts Fuzzi vorgenommen hat, kann ich nicht nachvollziehen. Nemo ist zwar ursprünglich ein indischer Prinz und begnadeter Wissenschaftler (soviel ist korrekt), bevor er seinen persönlichen Rachefeldzug gegen die Zivilisation als solche startete und sich auf seine Nautilus zurückzog, um die Weltmeere unsicher zu machen, doch die Filmfigur ist etwas heftig übertrieben. Apropos Nautilus: Das U-Boot hat man im Modernisierungswahn vollkommen verhunzt. Das altbekannte – von Walt Disney geschaffene – Design hatte tonnenweise mehr Charme, als dieser überzüchtet-hässliche und übertechnisierte Riesenpott á la “Roter Oktober“, der zudem auch - total unrealistisch bei DEM Tiefgang der Schüssel - noch putzmunter quer durch\'s flache Wasser von Venedigs Kanälen oder gar der Pariser Seine (Sic!) schippert. Alles Echolot, odda was?! Alda, isch schwör!

    Stuart Townsend als arroganter Unsterblicher Dorian Gray macht auch eine akzeptable Figur, dicht gefolgt von Peta Wilson alias Mina Harker, bei der die Verwandlungssequenz in ihre Fledermausform immerhin noch sehenswert ist. Rodney Skinner – der Unsichtbare – ist seitens der Macher wohl auf die Kasperfigur gebucht, leider wirken seine ihm aufdiktierten „witzigen“ Sprüche zu sehr mit der Brechstange erzwungen, als dass sie – mit einigen Ausnahmen - wirklich komisch wären. Tja, als (fast) unsichtbarer Schauspieler hat Tony Curran es nicht leicht, mit Mimik und Gestik zu glänzen. Skinner bleibt sprichwörtlich farblos. Bei Shane West als „Special Agent“ Tom Sawyer (dem offiziellen und unvermeidlichen Ami im Film) beschränkt sich die darstellerische Leistung darauf, nett auszusehen und dem American Way of Life & Justice Vortrieb zu leisten, d.h. (wie in der Realität) im typischen, gepflegten Western-Style wild durch die Gegend zu ballern und zu hoffen auch NUR die bösen Jungs (oder IRGENDETWAS) getroffen zu haben. Gegen Ende des Streifens darf der Vorzeige-Ami dann Pathos-triefend und generationsübergreifend das Zepter für die Rettung der Welt vom Briten-Gentlemen Quartermain übernehmen, bei soviel schicksalsschwangerer Symbolik stülpt sich mir der Magen um und der gute, alte Mark Twain beginnt hektisch in seinem Grab zu rotieren, ob der klischeebehafteten Verbiegung seiner Romanfigur.

    Was gibt\'s sonst noch? Gute Frage, die schnell beantwortet ist: „Ääääktschn!“. In der Tat – der östereichische Governor of California kennt sich ja auch mit Actionstreifen ohne Tiefgang, die durch dämlich-gekünstelte Dialoge und holprige Handlung gekennzeichnet sind, allerbestens aus. Hauptsache es rummst, zischt, zirpt. Ach ja...und Hauptsache auch, dass man idealerweise viele VfX (möglichst noch computergenerierte – nee, also das MUSS schon sein....doch doch!) pro Minute verbrät, wer braucht da schon so unwichtiges Drumherum, wie eine sauber inszenierte Handlung? Ich – Jawoll, ICH oute mich als bekennender Freund von Filmen mit Atmosphäre und nachvollziehbarem, interessantem und/oder liebevoll umgesetztem Plot. Leider ist die „Liga“ sprichwörtlich in dieser eben nicht angesiedelt, des Werk kommt sehr kalt – fast klinisch – rüber, trotz des versprochenen „viktorianischen Flairs“ dominiert hier Kollege Compi und spuckt uns visuelle Effekte an Rudi Carells Laufenden Band entgegen, die zwar großteils ganz nett sind, doch in der Summe nicht stimmig wirken, weil\'s einfach viel zu überladen ist. Manche hingegen sind wiederum so offensichtlich, dass es fast schon wehtut. Hätte der Regisseur (übrigens von „Blade“) mal ILM-Papa George Lucas gefragt, der hätte ihm gesagt, dass der beste Trick der ist, den man nicht sieht. Jo. AMEN.

    High Tech (nicht zu verwechseln mit Hai Fisch) allüberall, dazu noch der indische Nemo-Kung-Fu-oder-was-auch-immer-Zwerg, Verfolgungsjagden in dessen Automobil (welches ein Abklatsch des altehrwürdigen Bat-Mobils ist), die fortwährende Ballerei hier, ein weiteres Explosönchen dort...dann doch wieder Gekloppe und Geballere mit automatischen Waffen. Keine wirklich packende Kameraführung und auch der von Trevor Jones beigesteuerte Soundtrack ist geradezu auffällig unauffällig. Er setzt keine Glanzpunkte sondern dudelt gänzlich ohne Wiedererkennungswert vor sich hin. Zwischen den Actionsequenzen dann der krampfhafte, schwülstige Versuch die Figuren durch kleinere, unerwartete Wendungen nicht ganz in den Hintergrund treten zu lassen, das alles reißt mich nicht wirklich von meinen gestopften Socken. Ein Lichtblick flackert allenthalben gelegentlich auf, wird dann aber gleich wieder im Stakkato der nächsten einprasselnden Tricktechnikorgie zunichte gemacht.

    Er erdrückt den Charme und die Genialität dessen, was große Autoren, die ihrer Zeit damals weit voraus waren, einst ersonnen haben. Mit rumorendem Actiongedröhn und manchmal geradezu blasphemischer Plattheit. Die eingangs gestellte Frage, ob er den zugrunde liegenden Werken den Schneid abkaufen kann ist für mich eindeutig mit Nein zu beantworten. Die Einspielergebnisse an der Kinokasse geben mir insofern recht, als dass der Streifen zwar nicht unbedingt floppte, doch trotzdem hinter den selbst gesteckten, hohen Zielen zurückfiel. Ungeachtet dessen scheint man aber einen zweiten Teil im schon Voraus eingeplant zu haben. Das absichtlich interpretierbare Ende und nicht zuletzt ein paar Nebensätze vom Produzenten im Bonusmaterial, bestätigen die Vermutung, dass LXG eine Art Versuchsballon gewesen ist, ob er beim Publikum ankommt. Dass große Namen wie Sean Connery und ein Plot basierend auf berühmten Klassikern im Endeffekt dann doch nicht die Lizenz zum Gelddrucken bedeuten, beruhigt mich da ein wenig. Offenbar ist das werte Publikum doch nicht so leicht zu verblenden. Wenn denn die Fortsetzung je gedreht werden sollte, dann verzichtet man hoffentlich auf die vielen VfX/SfX-Blendgranaten und feilt lieber mit Hochdruck an den Figuren und der Story – Potenzial ist vorhanden. Das werden wir aber sehen, falls es überhaupt dazu kommt.

    [ Außergewöhnlicher Kommerz | DVD und Bonus ]
    Im Handel kursieren 2 Versionen: Die einfache Single Disc und die hier vorliegende Doublette. Vom Film her unterscheiden sich die beiden nicht, beides Mal ist die Kinofassung drauf gepresst, logischerweise ist das 2er Set um einiges an Bonusmaterial reicher. Disc 1 enthält zum Film noch 2 Audiospuren mit Kommentaren, zwar entsteht beim Lesen des rückseitigen Covers der Eindruck, als wären es insgesamt 8 Audiokommentare, doch stimmt das so nicht. Es sind streng genommen nur 2, wobei jeweils 4 Leutchen ihren Senf abgeben. Man könnte 20th Century Fox hier bewusste Verbrauchertäuschung auf den ersten Blick vorwerfen, doch wenn man genau hinschaut (und dieser Part ist wirklich verflucht Kleingedruckt) so fällt auf, dass man die Auflistung der Specials auch anders lesen kann. Ob und inwieweit dieses Verwirrspiel beabsichtigt ist, sei mal dahingestellt, ich bin jedoch in solchen Fällen immer argwöhnisch und traue den Marketing-Verbrechern so ziemlich alles zu.

    Zur Auswahl auf der Hauptdisc stehen Deutsch und Englisch in DD 5.1 zur Auswahl, Deutsch sogar noch mal gesondert in DTS zusätzlich. Die Kommentare sind – wie üblich – in englischem O-Ton dafür aber automatisch untertitelt. Insgesamt betrachtet kann man sich die Audiokommentare einmal geben – muss man aber nicht unbedingt, wobei der mit Jason Flemyng und Tony Curran der bessere – weil lustigere - ist. Bildtechnisch gibt’s keine negativen Auffälligkeiten zu vermelden, alles nach bestem DVD Standard, sowohl was das Format, als auch die Bildqualität angeht. Die Soundabmischung ist gelungen, wenn auch etwas stark basslastig für meinen Geschmack. Nichts gegen Bass, doch wenn ich meine Subwoofer schon um 5 dB absenken muss, hat es der Tontechniker eindeutig ZU gut damit gemeint. Der Film geizt nicht mit Surroundeffekten, doch auch hier hat man es etwas arg übertrieben, denn bei dem stetigen Geböllere der Geräuschkulisse gehen so einige Feinheiten im Klangbild unter.

    Disc 2 ist in 3 Unterkapitel gegliedert, Pre-Production, Production und Release. Entsprechend diesen Sparten sind dann auch die jeweiligen Featurettes aufgeteilt. Teil 1 behandelt, wie man überhaupt auf die Idee kam den Stoff zu verfilmen, welche Sets dafür gebaut werden mussten, die zugrundeliegende Tricktechnik und so weiter. Abgerundet wird dies mit Konzeptzeichnungen von Figuren und Gerät in Form einer Bildergalerie. Im Produktions-Kapitel findet sich dann neben der Doku vom Set auch noch eine Auswahl erweiterter Szenen, die dem Cutter zum Opfer fielen – diese sind nicht nach vertont und visuell bearbeitet, sind also so ziemlich im Rohstadium, weisen aber deutsche Untertitel auf. In die Release-Sektion schlussendlich hat man eine 30-minütige TV-Doku über den Film und den ganzen schwindeligen Rest gepackt: Clips von den Premieren, Interviews mit Darstellern und Produktionsteam, Trailer und eine Postergalerie. Alles in allem kann man sich das Bonusmaterial mal anschauen, doch hebt es sich nicht von anderen Hach-Waren-Wir-Gut Beiträgen anderer DVDs ab.

    [ Außergewöhnlich Seicht | Fazit ]
    LXG ist schlicht zu überladen und zu kommerziell, mithin zu „amerikanisch“. Ein filmisches Comic eben, was mit den größtenteils europäischen Vorlagen im Erzählstil und Atmosphäre zwangsläufig kollidieren muss, wenngleich die Ansätze gelegentlich so schlecht nicht sind. Leider war Norrington augenscheinlich nicht so sehr daran interessiert ein Kunstwerk zu schaffen, wobei er stattdessen sträflich lieber auf jede Menge Ka-Wumm als Garant für den vermeintlichen Kassenerfolg setzte. Damit verdammt er die bemühten Darsteller in ihren hübschen Kostümen zur Mittelmässigkeit. Ein sicherer Kandidat für einen Dauerbrenner mit massigen Wiederholungen im seichten und massenkompatiblen RTL Sonntagnachmittagsprogramm - Mittelmässig eben und bei weitem kein Kult. Sein leicht verdaulicher FSK 12-Charakter prädestiniert ihn geradezu, den Bildungsstand der gePISAckten Nation noch mehr mit pompösen Hollywoodgetöse zu vernebeln. Doch Halt! Vielleicht sehe ich mal wieder alles viel zu zynisch und zu schwarz. Es könnte doch sein, dass sich durch den unbefriedigenden Tiefgang im Film, manch einer animiert fühlt, sich mal wieder mit einem guten Buch anzufreunden? Unter Umständen sogar Verne, Stevenson, Twain, Doyle, Wilde oder Stoker? Wünschenswert. Beim Kopfkino ist die Kohle auch weitaus besser angelegt, als für diese Doublette. Wer’s absolut nicht lassen kann: Die günstigere Single-Fassung tut‘s auch um sich anspruchsloses, durchschnittliches Popcorn-Kino ins Haus zu holen...

    So long

    Der Extraordinary-Pharao

    Warnhinweis:
    Schnellklicker müssen die zugrunde liegenden Klassiker innerhalb einer Woche unter pharaonischen Peitschenhieben auswendig lernen, damit sich in ihren Hirnen wenigstens einmal was Wertvolles und Dauerhaftes befindet ;-)
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