Django (DVD) Testbericht


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Summe aller Bewertungen
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von CiscoGianino
Hier werden Sargnägel mit Köpfen gemacht
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Der Fremde Django (Franco Nero) , der immer einen Sarg hinter sich herzieht, kommt in das fast verlassene Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko. Als er ein paar Männer trifft, die eine Frau (Loredana Nusciak) auspeitschen, tötet er sie kurzerhand alle und reist mit der Geretteten, deren Name Maria ist, in die nächste Stadt. Auch diese macht einen sehr deprimierenden Eindruck: Heruntergekommene Häuser und schlammige Straßen bieten nicht gerade einen freundlichen Empfang. Einwohner sucht man hier vergeblich, nur ein Bordell existiert noch. Die Stadt ist Ort der Auseinandersetzungen zwischen den Männern des rassistischen Major Jackson und den mexikanischen Rebellen unter der Führung von General Rodriguez.
Django quartiert sich in dem Bordell ein und bricht kurz darauf einen Streit mit einigen Männern Jacksons vom Zaun, die diesen nicht überleben. Als der Major darauf mit ungefähr 40 Männern zurückkehrt um Rache an Django zu nehmen, lüftet dieser das Geheimnis, das sein Sarg birgt: Mit einem vorsintflutlichen Maschinengewehr metzelt er Jacksons Männer nieder bis nur noch ein paar übrig sind und flüchten können.
Kurz darauf treffen die Mexikaner in dem Kaff ein. Deren Anführer, dem Django früher einmal das Leben gerettet hat, ist hocherfreut über die Beseitigung seines Erzfeindes. Zusammen tüfteln die beiden einen Plan aus um Jacksons Gold zu stehlen. Doch Django versucht die Mexikaner zu betrügen und mit dem Gold zu verschwinden. Diese stellen ihn jedoch und zerschlagen ihm die Hände.
Major Jackson und der Rest seiner Privatarmee sinnt immer noch auf Rache; auf dem Friedhof erwartet der vermeintlich schießunfähige Django sie zum letzten Gefecht...
Sergio Corbuccis Film ist ein echter Meilenstein des Italo-Westerns. Selten war ein Film derartig zynisch, düster und pessimistisch. Selbst die Darstellung von Gewalt war für 1966 äußerst brutal und sadistisch. So veranstaltet Major Jackson Schießübungen mit Mexikanern und kann auch mit einer Extraportion Frauenfeindlichkeit aufwarten. Aus heutiger Sicht ist der Film sicherlich nicht mehr so hart; nur die Szene, in der General Rodriguez einem Spitzel Jacksons ein Ohr abschneidet und ihm in den Mund stopft, wird Zartbesaitete noch zusammenzucken lassen.
Als pessimistisches Gegenstück zu den strahlenden US-Western konzipiert, kann „Django“ voll überzeugen. Identifikationsfiguren sucht man hier vergebens. Selbst der vermeintlich Held Django ist ein eiskalter, zynischer Bastard, der nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Woraus dieser Zynismus resultiert, deutet Corbucci nur kurz in einer Szene an, in der Django Maria etwas kryptisch vermittelt, dass Major Jackson einst seine Geliebte ermordete.
Der damals erst 23-jährige Franco Nero spielt den düsteren Antihelden ausgezeichnet. Danach war er fast ausschließlich auf Westernrollen festgelegt; brillierte unter anderem in „Keoma“ oder Corbuccis „Die gefürchteten Zwei“. Neben Tomas Milian war Nero wohl der beste Darsteller, den der italienische Western je hervorgebracht hat. Überhaupt wurde „Django“ ein derartiger Erfolg, dass in den darauffolgenden Jahren über 30 angebliche „Django“-Filme entstanden, die nichts mit dem Original zu tun hatten, aber auf der Erfolgswelle mit zuschwimmen versuchten.
Corbuccis dreckiges Meisterwerk hat seinen Ruf sicher teilweise der expliziten Gewaltdarstellung zu verdanken, aber hauptsächlich der großartigen Atmosphäre: In „Django“ gibt es keinen Hoffnungsschimmer, so gut wie jeder muss dran glauben. In dieser Beziehung ist der Regisseur absolut gnadenlos. In seinem Werk gibt es keine Menschlichkeit mehr, der Titelheld versucht nur egoistisch über die Runden zu kommen, der Bordellbesitzer ist ein ausgemachter Feigling, der Major Jackson Schutzgeld bezahlt, nur damit er ihn am Leben lässt. Der Major selbst ist ein Rassist und tötet mit Vorliebe Mexikaner. Diese sind jedoch auch keinen Deut besser, so wurden sie aus dem eigenen Land wegen ihrer Verbrechen verbannt. Nur die Huren besitzen noch so etwas wie Wärme und Menschlichkeit; überall sonst herrscht nur noch Gier und Tod. So sagt Django gleich am Anfang: „Nur eins ist gewiss: Dass du sterben musst.“.
Unterstrichen wird der Film vom genialen Soundtrack von Luis Enriquez Bacalov, der unheimlich zur Atmosphäre beiträgt. Besonders der Titelsong ist ein echter Ohrwurm und beweißt, dass man keinen Ennio Morricone benötigt um einen grandiosen Italo-Western-Score zu schaffen.
Was man Corbucci allerdings vorwerfen kann, ist, dass er das Überraschungsmoment des Maschinengewehrs bereits nach nur einer halben Stunde quasi verschenkt. Hier wäre eine Lüftung des Geheimnisses zum Ende hin sicher dramaturgisch geschickter gewesen. Auch ist der Film etwas kurz geraten: Corbucci peitscht ein Ereignis nach dem anderen durch die knapp 85 Filmminuten ohne den Zuschauer einmal Luft holen zulassen. Eine epische Inszenierung im Stile Sergio Leones wäre bei „Django“ sicher auch unangebracht und würde die dreckige Direktheit, aus der das Werk seine Wirkung bezieht, zerstören, doch für den Spannungsbogen ist Corbuccis Minimalismus nicht gerade förderlich.
Auch das Ende hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, denn hier gibt es den wahrscheinlich kürzesten Shootout, den das Westerngenre je hervorgebracht hat. Wenn Django im Vorfeld verzweifelt versucht mit seinen zerschlagenen Händen seinen Revolver zu fassen, ist dies sehr intensiv inszeniert und läutet den Showdown dramaturgisch perfekt ein, doch der Abschluss enttäuscht. Wären da nicht die genialen letzten Bilder unterlegt mit dem Django-Theme, würde die Enttäuschung wahrscheinlich noch größer ausfallen.
Als Regieassistent war bei „Django“ übrigens Ruggero Deodato tätig, der später mit dem semidokumentarischen „Cannibal Holocaust“ große Erfolge feiern konnte.
Insgesamt ist „Django“ ein Muss für alle Western-Liebhaber und ein großer Meilenstein im Genre, der mit seiner unglaublichen Atmosphäre und guten Darstellern besticht. Sergio Corbucci konnte seine Leistung später noch einmal mit dem großartigen „Leichen pflastern seinen Weg“ wiederholen, der auch einige innovative Elemente bot, aber nicht an die Bedeutung von „Django“ heranreichte.
Originaltitel: Django
Produktionsland & -jahr: Italien/Spanien 1966
Darsteller: Franco Nero, Loredana Nusciak, José Bodalo
Django quartiert sich in dem Bordell ein und bricht kurz darauf einen Streit mit einigen Männern Jacksons vom Zaun, die diesen nicht überleben. Als der Major darauf mit ungefähr 40 Männern zurückkehrt um Rache an Django zu nehmen, lüftet dieser das Geheimnis, das sein Sarg birgt: Mit einem vorsintflutlichen Maschinengewehr metzelt er Jacksons Männer nieder bis nur noch ein paar übrig sind und flüchten können.
Kurz darauf treffen die Mexikaner in dem Kaff ein. Deren Anführer, dem Django früher einmal das Leben gerettet hat, ist hocherfreut über die Beseitigung seines Erzfeindes. Zusammen tüfteln die beiden einen Plan aus um Jacksons Gold zu stehlen. Doch Django versucht die Mexikaner zu betrügen und mit dem Gold zu verschwinden. Diese stellen ihn jedoch und zerschlagen ihm die Hände.
Major Jackson und der Rest seiner Privatarmee sinnt immer noch auf Rache; auf dem Friedhof erwartet der vermeintlich schießunfähige Django sie zum letzten Gefecht...
Sergio Corbuccis Film ist ein echter Meilenstein des Italo-Westerns. Selten war ein Film derartig zynisch, düster und pessimistisch. Selbst die Darstellung von Gewalt war für 1966 äußerst brutal und sadistisch. So veranstaltet Major Jackson Schießübungen mit Mexikanern und kann auch mit einer Extraportion Frauenfeindlichkeit aufwarten. Aus heutiger Sicht ist der Film sicherlich nicht mehr so hart; nur die Szene, in der General Rodriguez einem Spitzel Jacksons ein Ohr abschneidet und ihm in den Mund stopft, wird Zartbesaitete noch zusammenzucken lassen.
Als pessimistisches Gegenstück zu den strahlenden US-Western konzipiert, kann „Django“ voll überzeugen. Identifikationsfiguren sucht man hier vergebens. Selbst der vermeintlich Held Django ist ein eiskalter, zynischer Bastard, der nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Woraus dieser Zynismus resultiert, deutet Corbucci nur kurz in einer Szene an, in der Django Maria etwas kryptisch vermittelt, dass Major Jackson einst seine Geliebte ermordete.
Der damals erst 23-jährige Franco Nero spielt den düsteren Antihelden ausgezeichnet. Danach war er fast ausschließlich auf Westernrollen festgelegt; brillierte unter anderem in „Keoma“ oder Corbuccis „Die gefürchteten Zwei“. Neben Tomas Milian war Nero wohl der beste Darsteller, den der italienische Western je hervorgebracht hat. Überhaupt wurde „Django“ ein derartiger Erfolg, dass in den darauffolgenden Jahren über 30 angebliche „Django“-Filme entstanden, die nichts mit dem Original zu tun hatten, aber auf der Erfolgswelle mit zuschwimmen versuchten.
Corbuccis dreckiges Meisterwerk hat seinen Ruf sicher teilweise der expliziten Gewaltdarstellung zu verdanken, aber hauptsächlich der großartigen Atmosphäre: In „Django“ gibt es keinen Hoffnungsschimmer, so gut wie jeder muss dran glauben. In dieser Beziehung ist der Regisseur absolut gnadenlos. In seinem Werk gibt es keine Menschlichkeit mehr, der Titelheld versucht nur egoistisch über die Runden zu kommen, der Bordellbesitzer ist ein ausgemachter Feigling, der Major Jackson Schutzgeld bezahlt, nur damit er ihn am Leben lässt. Der Major selbst ist ein Rassist und tötet mit Vorliebe Mexikaner. Diese sind jedoch auch keinen Deut besser, so wurden sie aus dem eigenen Land wegen ihrer Verbrechen verbannt. Nur die Huren besitzen noch so etwas wie Wärme und Menschlichkeit; überall sonst herrscht nur noch Gier und Tod. So sagt Django gleich am Anfang: „Nur eins ist gewiss: Dass du sterben musst.“.
Unterstrichen wird der Film vom genialen Soundtrack von Luis Enriquez Bacalov, der unheimlich zur Atmosphäre beiträgt. Besonders der Titelsong ist ein echter Ohrwurm und beweißt, dass man keinen Ennio Morricone benötigt um einen grandiosen Italo-Western-Score zu schaffen.
Was man Corbucci allerdings vorwerfen kann, ist, dass er das Überraschungsmoment des Maschinengewehrs bereits nach nur einer halben Stunde quasi verschenkt. Hier wäre eine Lüftung des Geheimnisses zum Ende hin sicher dramaturgisch geschickter gewesen. Auch ist der Film etwas kurz geraten: Corbucci peitscht ein Ereignis nach dem anderen durch die knapp 85 Filmminuten ohne den Zuschauer einmal Luft holen zulassen. Eine epische Inszenierung im Stile Sergio Leones wäre bei „Django“ sicher auch unangebracht und würde die dreckige Direktheit, aus der das Werk seine Wirkung bezieht, zerstören, doch für den Spannungsbogen ist Corbuccis Minimalismus nicht gerade förderlich.
Auch das Ende hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, denn hier gibt es den wahrscheinlich kürzesten Shootout, den das Westerngenre je hervorgebracht hat. Wenn Django im Vorfeld verzweifelt versucht mit seinen zerschlagenen Händen seinen Revolver zu fassen, ist dies sehr intensiv inszeniert und läutet den Showdown dramaturgisch perfekt ein, doch der Abschluss enttäuscht. Wären da nicht die genialen letzten Bilder unterlegt mit dem Django-Theme, würde die Enttäuschung wahrscheinlich noch größer ausfallen.
Als Regieassistent war bei „Django“ übrigens Ruggero Deodato tätig, der später mit dem semidokumentarischen „Cannibal Holocaust“ große Erfolge feiern konnte.
Insgesamt ist „Django“ ein Muss für alle Western-Liebhaber und ein großer Meilenstein im Genre, der mit seiner unglaublichen Atmosphäre und guten Darstellern besticht. Sergio Corbucci konnte seine Leistung später noch einmal mit dem großartigen „Leichen pflastern seinen Weg“ wiederholen, der auch einige innovative Elemente bot, aber nicht an die Bedeutung von „Django“ heranreichte.
Originaltitel: Django
Produktionsland & -jahr: Italien/Spanien 1966
Darsteller: Franco Nero, Loredana Nusciak, José Bodalo
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