Dressurreiten Testbericht
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Erfahrungsbericht von sfutterleib
Klassische Reitkunst...
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ich bin eine Anhängerin der klassischen Reitkunst oder aber auch Barockreiterei genannt die ihren Ursprung im Zeitalter des Barock ( ca. 1600 - 1750 ) findet.
Das Barockpferd ( steht im Quadrattyp im Gegensatz zu den heutigen im Rechtecktyp stehenden Sportpferden ) wurde als modernes Kriegsgerät eingesetzt. Beschleunigung und Raumgriff waren im Nahkampf nicht sonderlich gefragt. Die Krieger brauchten ein Pferd das wendig war. Es musste auf kleinstem Raum gedreht werden können und sollte auf feinste Hilfen reagieren. Die Dressur war die Trainingsmethode; der Sinn dressurmässiger Übungen wie Piaffe, Passage, Volten oder Galoppwechsel war es, das Pferd zu gymnastizieren, es locker und muskulös zu machen, damit es seinen Aufgaben gewachsen war.
Die Lektionen haben sich bis heute nicht verändert, wohl aber die Ausbildungsstufen.
In der klassischen Reitkunst werden zuerst Schritt und Trab gefördert, daraus Seitengänge entwickelt und schliesslich wird zur Piaffe übergegangen. Erst wenn ein Pferd diese Lektionen sicher beherrscht beginnt man mit der Galopparbeit.
Die ganze Ausbildungsphase dauert viel länger als in der modernen Reiterei und lange, ausdauernde Arbeit am Boden ( langer Zügel ) sind elementar.
Vollständige Harmonie zwischen Pferd und Reiter ist das Ziel; wunderbar anzuschauen in den schweren Lektionen der Hohen Schule. Eine anmutig wirkende Passage ( eine Art "schwebender Trab" ), ein piaffierendes Pferd ( eine Art "Trab auf der Stelle" ), schwungvolle fliegende ( Einer- )Galoppwechsel ( man unterscheidet rechte und linke Hand, beim fliegenden Wechsel springt das Pferd in den Galopp der jeweils anderen Hand, man pariert vorher nicht in eine langsamere Gangart durch ) und Lektionen über der Erde wie Levade ( "Steigen"), Courbette ( das Pferd geht erst in die Levade und springt dann auf den Hinterbeinen ein paar Sprünge vorwärts ohne mit den Vorderbeinen den Boden zu berühren ), Kruppade ( Sprung auf der Stelle, Vorerhufe verharren am Boden, Hinterhand schlägt aus, Hilfengebung durch Gertentip auf die Kruppe ) oder Kapriole ( gilt als schwierigster Sprung, Pferd erhebt sich aus der Piaffe in die Pessade und springt hoch ab, bei nahezu waagerechter Haltung in der Luft schlägt das Pferd dann mit beiden Hinterbeinen aus, die dicht zusammenbleiben müssen, die Landung erfolgt auf allen vier Beinen ) beherrschen die wenigsten Dressurreiter, denn diese Stufe der Reiterei verlangt viel Disziplin und Arbeit sowie eine gute, aufmerksame Beziehung zum Pferd und einfühlsame Lehrmeister.
Nie sollte jedoch vergessen werden, dass all diese Bewegungen auch in freier Natur zu beobachten sind z.B bei Kämpfen um die Rangfolge oder Imponiergehabe etc. und wenn man die Pferde mal stundenlang auf der Weide beobachtet wird man vieles wiedererkennen. Die Kunst des Reitens und der Ausbildung eines Dressurpferdes ist es diese Bewegungsabläufe zu fördern.
Natürlich kann nicht jedes Pferd die höchsten Lektionen erlernen. Körperliche Benachteiligungen ( Exterieur ) erschweren manche Lektionen und hier ist man als Reiter gefordert. Ein guter Reiter schafft es aus einem Pferd die Höchstleistung herauszukitzeln ohne das Pferd zu überfordern bzw. es soweit zu gymnastizieren, dass die körperlichen Mängel ein Pferd nicht belasten ( oft wird sogar eine Besserung des Zustandes eintreten wenn man es richtig macht ).
Jedes Pferd, egal ob Dressurpferd, Springpferd oder Freizeitpferd, muss eine solide dressurmässige Basisausbildung haben. Springen ohne eine dressurmässige Grundausbildung geht nicht - denn kaum jemand wird es schaffen sein Pferd durch einen Parcours zu lenken, wenn es nicht durchlässig ist, d.h. nicht auf die Hilfengebung des Reiters reagiert. Ebenso sieht es bei einem Wald- und Wiesenreiter aus. Ein Pferd das nur auf der Vorhand latscht und nicht versammelt geht bekommt irgendwann gesundheitliche Probleme. Die Probleme des Reiters zeigen sich jedoch viel früher, nämlich dann wenn er nicht mehr in der Lage ist sein Pferd zu kontrollieren und das kann in bestimmten Situationen ( z.B. im Gelände ) sehr gefährlich werden.
Klassische Reitkunst in Perfektion kann man natürlich auch heute noch bewundern. Ich denke es gibt kaum jemanden, der nicht von den zauberhaften Lipizzanern der Spanischen Hofreitschule begeistert ist. Auch dort wird nach den Überlieferungen alter Reitmeister ( Frederigo Grisone ,Antoine Pluvinel, Francois Robichon Sieur de la Gúerinière, Alois Podhajsky... ) die Ausbildung der Pferde und Reiter in Angriff genommen.
Aus eigener Erfahrung kann ich euch sagen, dass die Ausbildung durch einen Reitlehrer oft hart ist und eine Menge Selbstdisziplin nötig ist um sich immer wieder aufzuraffen. Nach einem grossen Fortschritt kommt oft ein grosser Rückschlag - doch da muss man durch. Am schwierigsten ist es einen guten Lehrer/Ausbilder zu finden, zumal gute Ausbilder auch dementsprechend teuer sind. Das Geld lohnt sich und oft werden einem auch viele Misserfolge erspart. Ich muss im Moment wieder ganz vorne anfangen, da mein eigentliches Reitbeteiligungspferd für noch etwa ein Jahr lang krankheitsbedingt ausfallen wird und ich mit ihm schon ziemlich weit gekommen bin. Die ersten Piaffe-Tritte oder korrekten Seitengänge haben wir zusammen erarbeitet und zugleich hat sich auch das Verhalten im Gelände verbessert. Wir sind in einem Jahr zu einem Team zusammengewachsen und jedesmal wenn ich das neue Pferd aus der Box hole schaut mein Ari mich ganz traurig an. Aber nun habe ich zwei neue Herausforderungen. Die erste ist es Ari gesund zu bekommen und behutsam wieder aufzubauen, die zweite besteht in der Ausbildung des neuen Pferdes, einer Trakehnerstute. eide Aufgaben zu bewältigen wäre für mich ein grosser persönlicher Erfolg. Doch Erfolg wird oft anders definiert und die Ethik des Dressursports gerät immer mehr in Vergessenheit, die Selbstdarstellung der Reiter steht mittlerweile leider im Vordergrund. Vergessen werden grundsätzliche Ziele der klassischen Reitkunst, im Vordergrund steht oft das Streben nach Schleifen und Pokalen.
Das Pferd bleibt dabei manchmal ( oder meist...?) auf der Strecke und das sollte uns Pferdefreunden zu denken geben...
22 Bewertungen, 5 Kommentare
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03.03.2005, 14:28 Uhr von Breathe
Bewertung: sehr hilfreichAls langjährige reiterin kann ich Dir nur zu dem Artikel gratulieren. Wiklich toll geschrieben!!
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18.02.2003, 10:42 Uhr von wutzewauz
Bewertung: sehr hilfreichsuper artikel
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19.08.2002, 20:26 Uhr von sweety2608
Bewertung: sehr hilfreichjetzt weiß i endlich wo die dressur herkommt! danke!
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05.08.2002, 19:43 Uhr von Gitana
Bewertung: sehr hilfreichschön geschrieben, ich bin in Spanien noch nach klassischen Regeln ausgebildet worden und werde immer wieder gefragt, warum ich mit meinem Pferd so eine Einheit bilden kann.
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29.03.2002, 11:50 Uhr von wilma
Bewertung: sehr hilfreichwie wahr.....
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