Der Richter und sein Henker (gebundene Ausgabe) / Friedrich Dürrenmatt Testbericht

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ab 7,88
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Erfahrungsbericht von Duvie

Verwirrspiel von A - Z geplant!!!

Pro:

spannend, sprachlich genial gestaltet

Kontra:

nix

Empfehlung:

Ja

Bääh Literatur! Das steht doch bestimmt irgendwo im Lehrplan!
Um es genau zu nehmen: NEIN! Leider taucht es nirgends im selbigen auf, dennoch „zwingen“ einige nette Lehrer ihre Klasse zu dieser Lektüre.
Schüler seid dankbar, denn zwischen Schillers Räubern und einem Götz von Berlichingen ist dieses dünne Buch eine rechte Wohltat.

Nun habe ich die Schule aber schon zwei Jahre hinter mir gelassen, als angehende Deutschlehrerin würde ich eines Tages aber gerne behaupten „belesen“ zu sein, was immer das auch bedeutet.
Da Dürrenmatt wohl zu den wichtigsten deutschsprachigen Autoren zählt und „Der Richter und sein Henker“ eines seiner bedeutendsten Werke war, habe ich spontan zugegriffen, als ich das Buch im Regal meines Freundes entdeckte!
„Der Richter und sein Henker“ ist ein Krimi von psychologischer Tiefe und mit gigantischem Spannungsgehalt. Der Leser glaubt immer wieder mögliche Lösungen zu erahnen, liegt aber jedes Mal falsch – ich zumindest.
Aber was ist das für ein Fall, der der Berner Polizei solche Rätsel aufgibt?

Ein Polizeileutnant wird erschossen in seinem Mercedes aufgefunden. Seine Kollegen sind ratlos, denn es gibt keine Motive für dieses grausame Verbrechen.
Auf den Fall werden der betagte Kommissar Bärlach und sein junger Kollege Tschanz angesetzt, die bald ein Doppelleben des Verstorbenen erahnen.
Bärlach hält sich im Verlauf der Ermittlungen zurück, da er – wie er behauptet – bereits einen verdacht hegt, diesen aber nicht begründen kann, so hofft er, dass Tschanz ihm die nötigen Beweise liefert.
Rasch führen die Spuren zu einem Geschäftsmann namens Gastmann, der aber lange Zeit ein geheimnisvoller Unbekannter bleiben soll, da sein Anwalt ihn gut von der Polizei abschirmt.
Das ganze entwickelt sich zum Katz und Maus Spiel, bei dem der Leser sich oftmals nicht sicher ist, wer Jäger und Gejagter ist, auch die Rollen „Richter“ und „Henker“ scheinen bis zuletzt nicht eindeutig verteilt.
Doch wenn auf den letzten Seiten die Lösung präsentiert wird, scheint alles sonnenklar und wohlinszeniert.
Die Motive der einzelnen Figuren sind brillant durchdacht und Dürrenmatt gelang es auf den ersten Blick oberflächlichen Figuren schreckliche Geheimnisse mitzugeben. Dafür sind die düsteren Gestalten manchmal erschreckend einfach gestrickt und leicht zu manipulieren.
Wer nun wen ermordet hat und wer sich letztlich Richter oder Henker nenne darf, bleibt in diesem Bericht ein Geheimnis, ich rate aber dringend es selbst herauszufinden.

Ich möchte noch kurz auf die einzelnen Figuren eingehen.

Kommissar Bärlach:
Er ist ein alter Kommissar, der sich in den Ermittlungen eher im Hintergrund hält. Man ist sich oftmals nicht sicher, ob er nicht eher die Ermittlungen blockiert als sie voranzutreiben. Stellenweise erscheint er träge, was man aber auf seine schwere Krankheit (man erfährt nie was es ist) zurückführen kann.
Bärlach ist sehr geheimnisvoll und zu Weilen angsteinflößend!

Tschanz:
Ein junger aufstrebender Inspektor mit großem Potenzial. Er geht den Fall mit viel Elan an, hat häufig entscheidende Ideen und lässt sich nicht bremsen.
Tschanz ist ein Mann der Tat, er bemüht sich die Mordsituation möglichst realistisch nachzustellen und fügt so Puzzleteil um Puzzleteil zusammen.
Im Großen und Ganzen wirkt er aber eher eindimensional.

Gastmann:
Er ist der Geheimnisvolle. Man kann ihn in keine Schublade stecken. Ist er dumm oder einfach genial? Ist er ein Verbrecher oder Mann von Welt? Und vor allem: Schuldig oder unschuldig?!

Dürrenmatt baut aus diesen drei eigentlich wichtigsten Figuren eine unglaublich faszinierende Story. Seine Sprache ist hierbei sehr lebendig und aus der Wortwahl lassen sich manche Dinge im voraus erahnen. Gerade Landschaftsbeschreibungen zielen häufig vielmehr auf die emotionalen Zustände der Figuren ab, als auf die tatsächliche Wetterlage oder aber die Natur.
Aussagen der einzelnen Personen darf man eigentlich immer auf die Goldwaage legen, da im Verborgenen viele Anspielungen stecken.
Dürrenmatt inszeniert ein Verwirrspiel, das den Leser fesselt und bis zuletzt nicht wieder freigibt. Dabei ist alles so wohlüberlegt, dass man dieses Buch durchaus als Kunst bezeichnen kann. Und ich meine wirklich ALLES, denn ich Wette, dass Dürrenmatt jedes einzelne Wort reflektiert hat, bevor es bei der Ersterscheinung auf Papier kam!

Wem empfehle ich dieses Buch?
Im Grunde allen, die bereit sind Schrift nicht nur zu konsumieren, sondern auch zu reflektieren. Hier ist es dringend nötig mitzudenken, um das Buch genießen zu können. Wer sich nicht voll und ganz auf Dürrenmatt sprachliche Mittel und verborgene oftmals beiläufig fallende Hinweise einlässt, kann das Buch zwar ebenfalls lesen und verstehen aber bestimmt nicht genießen!

Allgemeine Daten:
Lesedauer: ca 2 -3 Stunden
Preis: 4 Euro (amazon.de) – Taschenbuchformat
Genre: Belletristik – Krimi
Seitenzahl: 116
Herausgeber: Rowohltverlag
ISBN: 3499101505

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