Aus dem Leben eines Taugenichts (Taschenbuch) / Joseph von Eichendorff Testbericht

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Erfahrungsbericht von MrsFabulous

So unsympathisch.

Pro:

s. Bericht

Kontra:

s. Bericht

Empfehlung:

Ja

So,ich möchte euch nun ein Buch vorstellen, dass ich selbstverständlich NICHT freiwillig gelesen habe. Dies ist eines der Bücher, welches ich für mein Abitur lesen muss. Da dachte ich mir, dass ich das jetzt mal vorstelle, da es dabei ja mehrere Vorteile für alle gibt (die,die das auch lesen müssen,haben ne hübsche Zusammenfassung und ich kann hier nochmal meine Kentnisse vertiefen, damit es dann auch mit dem Einser-Schnitt klappt...)







==Produktinformationen==

Seitenzahl: 153 Seiten
Art: Taschenbuch
Verlag: Insel Verlag; Auflage: 16 (29. Juni 1976)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3458319026
ISBN-13: 978-3458319023
Größe: 17,5 x 10,9 x 1,5 cm
Autor: Joseph von Eichendorff
Preis: 6,50 Euro








==Der Autor==

Nun, über den Autor lässt sich vieles sagen. Da ich auch noch ein Referat über ihn gehalten habe, habe ich natürlich viele Informationen und versuche nun mal die wichtigsten herauszupicken um einen kleinen Überblick über sein Leben bieten zu können.

Geboren wurde Eichendorf in Ratibor (Oberschlesien) am 10.03.1788. Er fing schon früh mit dem Schreiben an und studierte an verschiedenen Universitäten Jura.
Von 1813 bis 1814 hat er an den Befreiungskriegen teilgenommen. Seine Frau Luise von Larisch heiratete er im Jahre 1815, die beiden bekamen im selben Jahr auch ihren ersten Sohn.

Das Buch „Aus dem Leben eines Taugenichts“ stellte er 1822/23 fertig und es wurde 1826 veröffentlicht.

Er hatte verschiedene Stellen in Deutschland und Polen, strebte aber immer eine Versetzung nach Berlin an, was ihm dann 1831 auch schließlich gelang.

1844 scheidet er aus dem Staatsdienst aus.
Sein Schwiegersohn wird nach Neiße versetzt und die gesamte Familie zieht dorthin um. Im selben Jahr (1855) stirbt seine Frau, wodurch er immer mehr vereinsamt.
Am 26.11.1857 stirbt er dann in Folge einer Lungenentzündung.

Weitere Werke Eichendorffs: Ahnung und Gegenwart (1815), Dichter und ihre Gesellen (1834), Das Marmorbild (1819), Das Schloss Dürande (1837), Krieg den Philistern (1824), Auch ich war in Arkadien (1866), Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands (1856)


Wer mehr Informationen haben möchte, schreibt mir ne Nachricht... ;-)






==Leseprobe==

Das Rad an meines Vaters Mühle brauste und rauschte schon wieder recht lustig, der Schnee tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitscherten und tummelten sich dazwischen; ich saß auf der Türschwelle und wischte mir den Schlaf aus den Augen; mir war so recht wohl in dem warmen Sonnenscheine. Da trat der Vater aus dem Hause; er hatte schon seit Tagesanbruch in der Mühle rumort und die Schlafmütze schief auf dem Kopfe, der sagte zu mir: »Du Taugenichts! da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde, und läßt mich alle Arbeit allein tun. Ich kann dich hier nicht länger füttern. Der Frühling ist vor der Tür, geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb dir selber dein Brot.« – »Nun«, sagte ich, »wenn ich ein Taugenichts bin, so ist's gut, so will ich in die Welt gehen und mein Glück machen.« Und eigentlich war mir das recht lieb, denn es war mir kurz vorher selber eingefallen, auf Reisen zu gehn, da ich die Goldammer, welche im Herbst und Winter immer betrübt an unserm Fenster sang: »Bauer, miet mich, Bauer miet mich!« nun in der schönen Frühlingszeit wieder ganz stolz und lustig vom Baume rufen hörte: »Bauer, behalt deinen Dienst!« – Ich ging also in das Haus hin ein und holte meine Geige, die ich recht artig spielte, von der Wand, mein Vater gab mir noch einige Groschen Geld mit auf den Weg und so schlenderte ich durch das lange Dorf hinaus. Ich hatte recht meine heimliche Freude, als ich da alle meine alten Bekannten und Kameraden rechts und links, wie gestern und vorgestern und immerdar, zur Arbeit hinausziehen, graben und pflügen sah, während ich so in die freie Welt hinausstrich. Ich rief den armen Leuten nach allen Seiten recht stolz und zufrieden Adjes zu, aber es kümmerte sich eben keiner sehr darum. Mir war es wie ein ewiger Sonntag im Gemüte. Und als ich endlich ins freie Feld hinauskam, da nahm ich meine liebe Geige vor, und spielte und sang, auf der Landstraße fortgehend:

»Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisen
In Berg und Wald und Strom und Feld.

Die Trägen, die zu Hause liegen,
Erquicket nicht das Morgenrot,
Sie wissen nur vom Kinderwiegen
Von Sorgen, Last und Not um Brot.

Die Bächlein von den Bergen springen,
Die Lerchen schwirren hoch vor Lust,
Was sollt ich nicht mit ihnen singen
Aus voller Kehl und frischer Brust?

Den lieben Gott laß ich nur walten;
Der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
Und Erd und Himmel will erhalten,
Hat auch mein' Sach' aufs best bestellt!«






==Inhalt==

Der Taugenichts wird von seinem Vater aus dem Haus geworfen und muss jetzt in die große weite Welt ziehen und sein Glück machen.
Er läuft rastlos umher und trifft schließlich auf eine Kutsche mit 2 jungen Damen, die ihn nach Wien ins Schloss mitnehmen. Dort bekommt er sogleich eine Anstellung als Gärtner.
Darauf folgt eine Stellung als Zollbeamter.
Er verliebt sich in die eine junge Dame und als er schließlich den Liebeskummer nicht mehr aushalten kann, flieht er um nach Italien zu gehen.

Auf dem Weg dorthin trifft er auf viele verschiedene Personen.

Nach Italien ist er auf einem Schloss in den Bergen. Dort erhält er einen Brief von der jungen Dame, in die er sich verliebt hat, die ihm mitteilt, dass er zurückkehren kann, da alle Hindernisse beseitigt sind.

Er macht sich also auf den Weg und stößt noch auf einige Schwierigkeiten.

Diesen spannenden Teil müsst ihr aber selber auf euch nehmen, da ich ja nicht alles vorweg nehmen kann.






==Der Taugenichts==

Ich möchte nun die Hauptfigur des Buches ein wenig erläutern und meine Meinung kundtun.
Der Taugenichts heißt das ganze Buch über Taugenichts, er hat offensichtlich keinen Namen bzw. will der Autor uns diesen vorenthalten.

Der Taugenichts ist ein Glückskind. Egal was er tut und sagt, irgendwie fällt ihm alles in den Schoß. Er hinterfragt nichts und geht ein wenig blind durchs Leben. Man kann ich definitiv von Naivität sprechen.
Wenn er auf schwierige Situationen stößt, legt er sich hin und schläft ein.

In „Königs Erläuterungen“ habe ich dazu einen sehr schönen Satz gefunden: „Er reagiert auf den Mittag, indem er einschläft.“
Sehr treffend formuliert.

Außerdem ist der Taugenichts Musiker. Er steht ständig irgendwo mit seiner Geige und singt dazu und zieht damit alle Aufmerksamkeit auf sich und knüpft Kontakte.

So, dass war objektiv und jetzt kommt der subjektive Teil:

Ich kann den Taugenichts nicht leiden. Meiner Meinung nach ist er eine gänzlich unsympathische Person. Ein Mensch dem alles in den Schoß fällt, der sich nie anstrengen musste und das noch nicht mal wirklich zu schätzen weiß, weil er einfach zu „dumm“ ist um sich darüber Gedanken zu machen.
Hier handelt es sich nun um eine fiktive Person, aber im wirklichen Leben gibt es diesen Schlag Mensch auch, und wem sind diese Menschen schon wirklich sympathisch?

Beim Lesen habe ich mich manchmal richtig aufgeregt, wie man so faul und träge sein kann. Er ist ständig am singen oder schlafen. Nie werden anspruchsvolle Inhalte mitgeteilt, da er einfach wie ein Träumer durchs Leben läuft und nichts um sich herum wahrnimmt.






==Meine Meinung zum Buch==

Die Einteilung der Leserschaft ist hier ganz eindeutig: Schüler, die dieses Buch für ihre Abiturprüfung lesen müssen und die armen Deutschlehrer, die den Inhalt den Schülern vermitteln müssen. Sicher gibt es noch einige andere, die an Literatur interessiert sind und dieses Buch wahrscheinlich auch lesen würden (so wie ich beispielsweise freiwillig Mephisto gelesen habe), aber ich denke der größere Teil der Menschheit wird um dieses Buch einen großen Bogen machen.

Allerdings möchte ich gerne anmerken, dass dieses Buch, wenn man sich etwas mehr damit beschäftigt hat, doch etwas spannender wird. Allerdings wird der Taugenichts bei eingehender Beschäftigung auch immer unsympathischer. Wenn man die Geschichte an sich nimmt, ist sie eigentlich ganz amüsant. Allerdings könnte man sie auch ein wenig spannender erzählen. Aber das Buch ist ja auch ein bisschen älter...

Was gibt es über das Niveau zu sagen? Man kann ja die damalige und die heutige Zeit nicht wirklich miteinander vergleichen. Ich denke, für damalige Verhältnisse war es ein recht einfaches Buch in dem eine nette Geschichte erzählt wird. Uns heutzutage gefällt einfach die Erzählart nicht. Zum einen weil wir die Art der Sprache teilweise gar nicht richtig nachvollziehen können. Zum anderen, weil wir verschiedene Begriffe gar nicht kennen: Pomeranze, Päonie oder parlieren sind heutzutage sicher keine gängigen Wörter mehr.
Allerdings werden alle unbekannten Wörter ganz hinten nochmal erklärt, sodass man nicht ständig neben einem Wörterbuch sitzen und nachschlagen muss. Hier sollte ich allerdings negativ anmerken, dass es auf den ersten Seiten mit keinem Wort erwähnt ist, sodass man erst am Schluss, nach dem Lesen merkt, dass man sich das Wörterbuch hätte sparen können.

Sein Schreibstil ist ausschmückend. Natürlich. Eichendorff war Romantiker und da Romantiker die Natur lieben, lieben sie es auch, sie anzusehen und zu beschreiben. Allerdings finde ich, dass er dies recht eintönig tut, es kommen immer dieselben Bilder: Berge, Schlösser, Himmel, Wolken. Außerdem sind seine Beschreibungen auch lange nicht so ausführlich, wie die diverser anderer Autoren, die heute ihre Bücher veröffentlichen. Mag am mangelnden Wortschatz oder an Blättermangel gelegen haben. Vielleicht hatte Eichendorff aber auch einfach keine Lust länger weiterzuschreiben, sodass er da einfach ein wenig gespart hat, denn damals gabs ja noch keine Computer.

Das Buch ist unterhaltsam. Allerdings nur, wenn man sich darauf einlässt. Aber niemand möchte sich auf so ein Buch einlassen. Vielleicht wird es irgendwann mal eine neue Variante des Buches geben, wo in heutiger Sprache, dieselbe Geschichte erzählt wird. Ich denke, dass ganze wäre dann wesentlich anschaulicher und auch verständlicher. Dennoch, wer beim Lesen Spaß haben will, der hat ihn.

Dieses Buch ist definitiv nicht spannend. Dennoch halte ich hier das Ende zurück. Liegt daran, dass ich das Ende auch nicht spannend finde. Im Prinzip empfinde ich es so, dass diese Geschichte ein Witz ist. Die Pointe erfolgt nach vielen, vielen Seiten und am Ende sitzt man dann da und wundert sich. Da hat man sich durch viele Seiten mehr oder weniger gequält und das Ende ist dann doch etwas merkwürdig. Wir lernen gerade, dass das Buch einem Märchen ähnelt, was ich persönlich nicht richtig nachvollziehen kann. Sicher, sind hier einige Verknüpfungen, aber am Ende gibt es doch dann auch immer eine Moral,oder? Meiner Meinung nach gibt es die hier nicht, außer man sieht „Du brauchst nichts zu tun, das Glück fällt dir sowieso vor die Füße.“ als Moral an.

Auch Humor finden wir in dem Buch. Allerdings merkwürdigen. Ich persönlich zähle ja zu den Anhängern des Schwarzen Humors. Den findet man hier natürlich nicht, es ist ein versteckter Humor, der bei dem ein oder anderen Leser vielleicht ein Schmunzeln hervorrufen kann, mehr aber auch nicht.

Mich persönlich hat diese Geschichte wütend gemacht, eben aus jenem Grund den ich bereits weiter oben aufgeführt habe. Allerdings muss ich sagen, dass ich sie im Nachhinein gar nicht mehr so schrecklich fand, wie zu Beginn. Irgendwie findet man sich dann doch damit ab, so ein Buch lesen zu müssen und wenn man gut ist, schafft man es auch, sich einzureden, dass das Buch interessant sei.

Es gibt eine eingeschränkte Kaufempfehlung. Ich denke, jeder muss für sich selbst herausfinden, ob er oder sie so ein Buch lesen sollte.Wer auf spannungsgeladene Bücher steht oder nette Liebesgeschichten, den braucht dieses Buch nicht zu interessieren. Wer aber ein großes Interesse an Literatur hat, sollte mal darüber nachdenken, dieses Buch zu kaufen (wer es vom Hamburger Lesehefte Verlag kauft, zahlt auch nur 1,50 Euro). Eichendorff ist ein wichtiger Autor der Romantik und man sollte sich so ein Buch schon mal zu Gemüte führen, nur damit man mitreden kann.

Ich denke, dass war das erste und letzte Buch der Romantik was ich gelesen habe.Nicht weil es so alt ist, die anderen Literaturepochen finde ich eigentlich ganz interessant und habe auch schon einige Bücher davon gelesen (sogar freiwillig), sondern einfach, weil mir die Romantik gar nicht zusagt. Aber das ist ja geschmackssache.

46 Bewertungen, 9 Kommentare

  • Gregor1709

    16.09.2012, 22:11 Uhr von Gregor1709
    Bewertung: sehr hilfreich

    macht spaß zu lesen!

  • Bienitz

    16.09.2012, 10:02 Uhr von Bienitz
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße aus Leipzig, Randolf

  • luiggi

    14.09.2012, 20:05 Uhr von luiggi
    Bewertung: besonders wertvoll

    bw und liebe Grüße Detlef

  • sigrid9979

    14.09.2012, 13:11 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: besonders wertvoll

    Gut vorgestellt........

  • Zatzeck0805

    14.09.2012, 09:08 Uhr von Zatzeck0805
    Bewertung: besonders wertvoll

    bw

  • Baby1

    13.09.2012, 23:34 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • motto218

    13.09.2012, 23:28 Uhr von motto218
    Bewertung: sehr hilfreich

    interessant gemacht :) liebe grüße

  • katjafranke

    13.09.2012, 21:28 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen Gruß von der Katja

  • Lale

    13.09.2012, 21:23 Uhr von Lale
    Bewertung: besonders wertvoll

    um den bin ich bis auf einige Gedichte herum gekommen ;) Allerbesten Gruß *~*