Elsaß Testbericht

Elsass
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Erfahrungsbericht von zefania

Radtour im Elsass.......ein Traum an Sicht, Wein, gutem Essen/ rel.preiswert dto

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Hello.

Endlich hatten wir es mal wieder geschafft eine Radtour im Elsass zu machen, die wir hin und wieder dort gemacht hatten; komisch, wie selten das wird wenn man \'ALT\' wird- obwohl dies nach aller Erfahrung dann besonders gut tut und nach jeder Fachmeinung auch viel Sinn macht der Knochen wegen.

Diesmal allerdigs mit unserer ganz besonderen Wein-Restaurantkennerin Marie.


Nie ist Ribeauvillé schöner als morgens um neun. Noch sind keine Touristen da. Noch ist es ruhig. Die Grand \'Rue mit ihrem Kopfsteinpflaster liegt verträumt. Die Fachwerkhäuser sonnen sich im klaren Licht des frühen Tages, oben am Berghang leuchten die drei Burgruinen auf. Die Einheimischen kaufen für den Tag ein; noch gehört das Städtchen ihnen, noch hat man Zeit für einen Schwatz. Der Stadtgärtner fährt mit seiner Wassercamionnette durch die Gassen und giesst die ganze blühende Botanik des Stadtbildes.

Das Idyll ist von begrenzter Haltbarkeit. Drei Stunden später werden sich Tausende durch die Gassen wälzen, ruhelos und laut und voll beladen mit Einkäufen. Auf dem Parkplatz 40 Touristenbusse, in den Restaurants kein freier Tisch, die Schaufenster der Delikatessengeschäfte überladen mit den Spezialitäten der Region. Das Nachbarstädtchen Riquewihr, das beliebteste Ziel der Ausflügler, verzeichnet jeden Tag 10 000 Besucher - bei 1200 Einwohnern. Dann ist in den engen Gassen kein Durchkommen mehr - nicht einmal mit dem Rad.

Rebberge heissen nicht umsonst Rebberge - fast immer gehts bergauf.

Wir aber sind gerade noch rechtzeitig vor der Invasion über alle Berge - über alle Rebberge. Gute 170 Kilometer misst die elsässische «Route des Vins» von Thann nach Marlenheim - da liegen mehrere Tages- oder auch Wochenendtouren per Rad drin. Man kann sich nach dem schönsten Landstrich richten, nach den Dörfern, die man unbedingt besuchen, nach den Steigungen, die man vielleicht eher vermeiden will, oder auch nach der bevorzugten Rebsorte oder -lage, was allerdings einige Vorkenntnisse bedingt.

( aber dass wusste ja Marie allerbestens, sie kauft Wein von berufswegen ein )

Wir entschieden uns für Colmar als Ausgangspunkt und pedalten von da gemächlich nach Westen, hinein in die Hügel. Wir hatten nichts vorbereitet und nichts organisiert, nur die Radvermietung im Internet aufgespürt, und wollten alles dem Zufall überlassen.

Wir kurvten durch die engen Gassen von Turckheim, um Ecken und in Hinterhöfe, und wussten sofort: Mit dem Rad waren wir hier goldrichtig. Über Niedermorschwihr und Ammerschwihr radelten wir nach Kaysersberg und entdeckten sehr schnell die Wohltat der Gemächlichkeit.

Das tönt jetzt gerade so, als ob das alles geradeaus ginge. Schön wärs! Rebberge heissen nicht ohne Grund Rebberge. Da geht es steil rauf und steil runter, manchmal auch steil rauf und sanft runter, fast immer aber steil rauf. Öfter mal mussten wir aus dem Sattel steigen und unsere Räder schieben. Die Rebstöcke standen dabei zwar Spalier, schienen aber nicht sonderlich beeindruckt.

Das Elsass, die flächenmässig kleinste Region Frankreichs, ist - mit über 1200 Kilometer ausgewiesenen Radwanderwegen - ein Paradies für Radfahrer.

Die meiste Zeit bewegen wir uns auf Feldwegen, Rebsträsschen oder schmalen Landstrassen.
Die Dörfer und Städtchen am Weg sind schmuck und malerisch, manche allerdings schon zu aufdringlich aufgemotzt, um authentisch zu sein. Wir schärfen unseren Blick und entdecken den besonderen Reiz des Alltäglichen. Nicht Kaysersberg und nicht Riquewihr, diese putzigen Freilichtmuseen, sind unsere wahren Favoriten, und in Ribeauvillé übernachten wir nur, weil in Hunawihr gerade Wirtesonntag ist.


Aufs Elsass und seine Schönheiten und Qualitäten ist Verlass. Mit Bedacht haben wir vorher weder einen Gastro-Führer konsultiert noch Beizentipps eingeholt. Nicht die elsässische Spitzenküche wollen wir kennenlernen, sondern den rustikalen Alltag.

Zum Beispiel im Au Petit Bon Coin in Sigolsheim, wo wir in angenehmem Ambiente einen schönen Dreigänger bekommen für 23 Euro, dazu einen süffigen Riesling aus dem ortsansässigen Haus Pierre Sparr. Oder im Cheval Blanc in Ribeauvillé, in der Couronne in Dambach-la-Ville, im Maison Rouge in Barr. Überall bilden Cachet, Mahlzeit und Bedienung ein rundes, stimmiges Ganzes, und nicht ein einziges Mal sind wir enttäuscht.

Die Grenznaht zwischen deutscher und französischer Sprache und Kultur

Schon gar nicht vom Wein. Das Elsass ist ein traditionell hochklassiges Anbaugebiet. Auf 14 000 Quadratkilometern produzieren 7000 Winzer im Jahresdurchschnitt 150 Millionen Flaschen mit der typischen schlanken Schlegelform. Auf Schritt und Tritt, in den Städtchen wie auch auf freiem Feld, gibt es Caves und Caveaux, und überall wird man zur Degustation geladen. Produziert wird fast ausschliesslich Weisswein: Riesling und Sylvaner, Pinot blanc und Tokay Pinot gris, Muscat und Gewürztraminer. Dazu, als einziger Roter oder Rosé, etwas Pinot noir. Nach den ersten Gläsern verlegen wir das Degustieren konsequent auf den Abend; es bekommt den Steigungen im Gelände nicht sonderlich.

Wir radeln durch ein überaus reiches Kulturland: um uns Burgen, Ruinen und mittelalterliche Stadtbilder, in denen sich Romanik, Gotik und Renaissance vereinen. Längst haben wir gemerkt, dass wir uns auf geschichtsträchtigem Boden bewegen, auf der Grenznaht sozusagen zwischen deutscher und französischer Sprache und Kultur. Die Hinweise dafür sind mannigfaltig.

In Turckheim gibt es ein Musée des Combats de la Poche de Colmar über den Winter 1944/45. Kientzheim wurde am 17. Dezember 1944 befreit, von einem Regiment der Fremdenlegion, weshalb fast jede Strasse nach einem General, fast jeder Platz nach einem Oberleutnant und fast jede Parkbank nach einem Leutnant benannt ist. Und am verschlafenen Bahnhof von Barr erinnert eine Gedenktafel an die Eisenbahner, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind.
An einer Strassenkreuzung in Kientzheim steht ein Wegkreuz aus dem Jahre 1728 mit deutscher Inschrift, darunter der Hinweis: «Rénovée en 1948». Das Elsass hatte gerade wieder einmal seine nationale Zugehörigkeit und damit seine offizielle Sprache gewechselt, was allein zwischen 1870 und 1945 viermal geschah.

Auf den Anhöhen bleiben wir stehen und staunen. Ach, diese Landschaft, eingebettet zwischen Schwarzwald, Rheinebene und den bewaldeten Hügeln der Vogesen! Ach, diese Weinberge! Ach, diese Winzerdörfer mit Stadtmauer, Stadttoren, Kirchtürmen, intakter Dachlandschaft und malerischen Fachwerkhäusern an engen Gassen! Wir können uns kaum satt sehen.

Choucroute royale und Baeckeoeffe, Bourse au Riesling, dazu Kougelhopf

Auch nicht am Charme des Alltags, der sich uns mit jedem Tag mehr offenbart. Die festlich dekorierten Fässer und Flaschen, die am Strassenrand zum Besuch eines Weinkellers laden, sind oft mit Liebe gestaltete Arrangements. Die Wirtshausschilder wahre Bijous der Volkskunst. In Kintzheim (doch, doch - das gibts einmal mit und einmal ohne ie) heisst eine Strasse auf Deutsch Kirchgass, auf Französisch aber Rue du Général de Gaulle.

Jetzt sind wir im Département Bas-Rhin, und plötzlich schauen auch die Radwegschilder, bisher blau-weiss, anders aus, bunter, poetischer. Und jetzt taucht gar noch eine dritte Version auf, mit Sternenkreisen an Stelle der Räder, und wir wissen, wir bewegen uns auf gesamteuropäischen Fahrradwegen.

Seit Bergheim sind wir in der Ebene, immer hart am untersten Rand der Weinberge, auf der anderen Seite des Fahrweges wächst Mais.
Langsam fühlen wir uns heimisch. Die Dörfer heissen Pfaffenheim und Beblenheim, Rorschwihr und Orschwiller, Not-halten und Dambach-la-Ville, Epfig und Barr. Die Winzerdynastien Fritsch und Blanck, Dietrich und Friederich, Schmitt und Spannagel. Und die regionalen Spezialitäten Choucroute royale und Baeckeoeffe, Petit Paté du vigneron und Bourse au Riesling, dazu Kougelhopf und Tartes flambées.

In den Weinbergen über Mittelbergheim ist die ganze Familie von Winzer Daniel Seltz an der Arbeit. Man pflückt die schönsten und reifsten Trauben für die Crémants, die Schaumweine; wie immer zwei bis drei Wochen vor Beginn der eigentlichen Lese. Doch, doch, mit Menge und Qualität der bevorstehenden Ernte ist man zufrieden, und ja, auch mit den Preisen. Niemand widerspricht, auch die vorlauten Gören nicht, als wir mit unverhohlener Begeisterung Schönheit und Lieblichkeit der Landschaft und ihrer Produkte rühmen. Frédéric entkorkt eine Flasche Pinot blanc, und Madame Seltz bietet von ihrem selbst gebackenen Kougelhopf an.

Wir blinzeln in die Sonne und blicken auf das intakte Dorfbild von Mittelbergheim. «Also dann, auf Deutschland », sagt Frédéric und hebt das Glas.
«Aufs Elsass!», sagen wir und stossen an. «Auf dass es noch eine Weile so bleiben möge.»


Auf zur Radtour im Kulturland Elsass, mit guter Küche, bestem Wein- in aller Regel eher \'leicht\'.

Im Frühjahr und Herbst ists ideal.

Viel Freude und vielseitigen Genuss, mit

Gruss
zefania

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