Es ist Juli - Juli Testbericht

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ab 25,28
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Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  gut
  • Klangqualität:  sehr gut

Erfahrungsbericht von Jolenchen

Nach dem Juli kommt der Herbst.

Pro:

Schönes Album, angemessene Länge, schickes Artwork.

Kontra:

Höchstens der Ruf, der der Band vorauseilt ;-)

Empfehlung:

Ja

Zum ersten Mal gesehen habe ich den Song "Perfekte Welle" auf MTV - und hielt ihn zunächst irrtümlich für einen Song aus irgendeiner beliebigen deutschen Soap. Mit dieser negativen Konnotation und der Tatsache, dass ich das Gefühl hatte, dass nach "Wir sind Helden" lauter "Deutsche-Band-Frau-singt"-Kombos die Charts erklimmen, im Hinterkopf, wollte ich die Band eigentlich nicht mögen. Aber spätestens nach dem 3. Mal hören fand ich "Perfekte Welle" einfach nur noch super - als die Band dann mit "Geile Zeit" nachlegte wartete ich sehnlichst (und etwas beschämt) auf den Veröffentlichungstermin des Albums. Früher als erwartet - nämlich Ende September, statt, wie angekündigt, Mitte Oktober - stand das Album in den Läden und kurz darauf in meinem CD-Regal. Was beim ersten Hören als seichter Popsound daher kommen mag, entpuppt sich nach näherem Lauschen als tiefgründiges, schwer zu fassendes, melancholisches, ja, manchmal sogar tieftrauriges Debutalbum einer neuen deutschen Band, die sich nicht hinter Namen wie Wir sind Helden, Rosenstolz oder Silbermond verstecken muss.

Mittlerweile in den Medien sehr verheizt und als Teenie-Band verschrieen, lohnt es sich dennoch, sich mit dem Album einen schönen Wolldecken-Tee-und-Kerzen-Nachmittag zu machen - und für einen Moment nicht darüber nachzudenken, ob man sich mit den Juli-Fans und dem Bild, was der Band von den Medien aufgedrückt wurde, identifizieren kann oder nicht...

Einzelne Tracks
1. Warum
"Warum" ist ein Song über das "Nicht-Warum-Fragen", über den Anfang einer Beziehung vielleicht; vielleicht aber auch über einen One-Night-Stand... über das Riskieren und Nicht-Hinterfragen; über das, was wirklich wichtig ist und über das Gefühl, dass man in einem Moment hat, in dem man fühlt, dass sich etwas ändert, in dem man frei ist und die Macht hat, alles zu tun... "Komm wir setzen jetzt die Segel, nehmen alles mit was geht, um nicht mehr umzudrehen, wenn der Wind sich dreht".

2. Sterne
Sie singt zu ihm, in einem Moment, in dem er weit entfernt ist. Er ist an einem Ort, wo nur er hinkann, wohin sie nicht folgen kann; sie hat keine Zeit, ihn zu verstehen. Ihre Hand greift ins Leere, er ist weit fort. Und es gefällt ihr, ihn so zu sehen. Ein sehr diffuses Lied, in meinen Augen. Hier wird ein Gefühl eingefangen, dass schwer zu fassen und zu beschreiben ist. Und Juli ist es geglückt. "Du stehst in den Sternen und ich schau rauf zu Dir..."

3. Geile Zeit
... besingt das Ende einer Beziehung, traurig, anklagend, aber auch tröstend, wissend, dass das Ende kommt, aber die Erinnerung an die Zeit bleibt und gut ist. Ich denke, für viele Leute fasst dieses Lied das bittere, aber erlösende Ende sehr gut in Worte: "Hast Du geglaubt, hast Du gehofft, dass alles besser wird? Hast Du geweint, hast Du gefleht,dass alles anders ist? [...] Hast Du die Scherben nicht gesehen, auf denen Du weitergehst?" Sie präsentiert ihm das Ende der Beziehung, ist sich klar darüber, dass sich vieles ändern wird und dass er ihr fehlt, aber dass es dennoch vorbei ist - und dass die Zeit mit ihm schön war: "Ja, ich weiß, es war ne geile Zeit, uns war kein Weg zu weit - Du fehlst hier! Ja, ich weiß, es war ne geile Zeit, hey es tut mir leid - es ist vorbei..."

4. Tage wie dieser
Ein Song, dessen Atmosphäre sich in Worten schlecht einfangen lässt. Eine der schönsten Textpassagen überhaupt habe ich in diesem Song entdeckt: "Du sprichst nicht mehr / und siehst sie wieder / zerstückelt und zerstochen singen sie leise ihre lieder / sprichst du noch immer nicht?" Unbedingt anhören!

5. Tränenschwer
Das alte Thema - man trennt sich, und plötzlich will er wieder zurück und steht weinend vor der Tür. Nett verpackt sowohl textlich als auch melodisch; dennoch einer der unspektakuläreren Songs auf dem Album.

6. Perfekte Welle
Damals ein wundervoller Gute-Laune-Song (wer kennt nicht das "Ich bin hier, ich bin frei"-Gefühl?), zwischenzeitlich negativ belastet durch den Zusammenhang mit dem Tsunami vom letzten Jahr. Ich für meinen Teil fand es albern, dass der Song damals nicht mehr gespielt wurde, aber ich denke, hier scheiden sich die Geister...

7. Regen und Meer
"Ich hab gedacht ich kann es schaffen, es zu lassen, doch es geht nicht. Hab's 'n bisschen übertrieben, dich zu lieben - doch es geht nicht. Nichts unversucht gelassen, dich zu hassen -
doch es geht nicht..." Erinnert mich schmerzlich an einige Erfahrungen, die ich in jüngeren Jahren mal gemacht hab ;) Auch hier: sehr melodischer Ohrwurm, mittlerweile auch als Single erschienen. Dazu gibt es ein Video mit dem wundervollen Oliver Korittke, welches ich aber nicht mit den Gefühlen, die dieser Song bei mir auslöst, in Verbindung bringen kann. Schade.

8. November
Wieder ein Beziehungsende... beschrieben wird die Zeit in einer Beziehung, in der man weiß, dass es zu Ende geht. Der Moment, in dem einem klar wird, dass die eigenen Liebe nicht mehr ausreicht, das Gefühl des Versagens stellt sich ein. Die Einsamkeit in der Zweisamkeit, die dem langsamen Sterben vorausgeht. Tragisch dabei: Im Juli zu wissen, dass das Ende im November kommen wird...

9. Anders
Ein Song darüber, wie Menschen sich verändern. Sich selbst aufgeben. Sich verlieren. Plötzlich jemand anderes werden. Jeder von uns kennt sicher jemanden, der sich im Laufe seines Lebens komplett geändert hat - daher hat der Song ein hohes Identifikationspotenzial; ansonsten gehört er für mich aber zu den schlechteren Songs des Albums.

10. Kurz vor der Sonne
Erinnert mich an einen Spruch, den mir in der Grundschule jemand ins Poesialbum schrieb: "Warum in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen, denn das Glück ist immer da." Das Lied hat einen seltsamen Reggae-Teil, dessen Sinn sich mir bis heute nicht erschlossen hat. Sei's drum, trotzdem ein netter Song zum Autofahren.

11. Ich verschwinde
Und noch ein trauriges Lied über das Ende einer Beziehung. Thematisch sehr ähnlich wie "November" - Versagen in der Beziehung ("wenn ich anders könnte würd ich mit Dir fliegen. Wenn ich anders könnte würd ich Dich lieben.").

12. Wenn Du lachst
In diesen Song, den letzten auf dem Album, habe ich mich nie hineinhören können - und zwar aufgrund des Satzes: "Wenn Du lachst - ist mir egal." Frage: Was ist das für ein Satz? Grammatik? Zusammenhang? Hä? Später kommt noch "Wenn Du lachst, dann ist mir alles andere so egal." Nichts desto trotz -
konnte mich nie damit anfreunden.

Besonderheiten der CD
Die CD hat ein schön gestaltetes Cover, enthält auch 2 Videos (die ich allerdings, ehrlich gesagt, auf meinem PC nicht ansehen kann). Die Texte stehen im Booklet, was mir persönlich immer sehr wichtig ist.

Die Band
Informationen über die Band gibt es auf deren Homepage, www.juli.tv; eine Fanpage mit Forum gibts unter www.esistjuli.de. Ich habe die Band mittlerweile 2 x live gesehen, muss aber sagen, dass mich die Stimme der Sängerin Eva sowie die Stimmung des Publikums nicht überzeugt hat, leider. Ich bleibe lieber bei der CD.


(in geänderter Form auf bereits auf ciao.de veröffentlicht.)

24 Bewertungen, 6 Kommentare

  • Scigy

    04.01.2007, 17:30 Uhr von Scigy
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich mochte Juli vom ersten Ton an. LG - Scigy

  • luxusklasse1

    03.01.2007, 10:20 Uhr von luxusklasse1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein gutes neues Jahr!

  • morla

    03.01.2007, 01:50 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich wünsche dir ein gesundes neues jahr. l. g. petra

  • campimo

    02.01.2007, 20:42 Uhr von campimo
    Bewertung: sehr hilfreich

    ¸.•*´¯`*• Frohes neues Jahr! •*´¯`*•.¸

  • presscorpse

    02.01.2007, 20:17 Uhr von presscorpse
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh ! lg presscorpse

  • bodenseestern

    02.01.2007, 18:51 Uhr von bodenseestern
    Bewertung: sehr hilfreich

    gutes neues Jahr