Fernsehturm Berlin Testbericht

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Erfahrungsbericht von hawasie

Der Berliner Fernsehturm

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Wer kennt ihn eigentlich nicht - den Berliner Fernsehturm oder auch \"Telespargel\" wie ihn liebevoll die Berliner nennen. Ca. 1 Million Besucher pro Jahr strömen jedes Jahr hierher, um in luftiger Höhe einen atemberauebenen Blick über unsere Hauptstadt zu geniessen. Die Teilung unseres Landes ist ja nun schon einige Jahre überwunden , geschichtlich gesehen ist dieser Turm aber ein Kind der DDR.

Und so lässt sich dieser wundervolle Turm leider nicht ganz ohne geschichtlichen Hintergrund beschreiben.
Es ist die Zeit des \" kalten Krieges\". Jedes System - ob West oder Ost - will seine Überlegenheit dem Anderen gegenüber präsentieren und dass, obwohl die verherrenden Folgen des 2. Weltkrieges gerade auch in Berlin noch überall sichtbar sind.

Die DDR macht aus der Not heraus eine Tugend und schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe : zum einen wird eine leistungsfähige Sendeanlage gebraucht, denn bisherige Anlagen erreichen im Gegensatz zu den Westsendern längst nicht alle Haushalte, und zum Zweiten kann man dem Westen mit diesem Prestigeobjekt imponieren, da nicht nur architektonisch etwas bewerkstelligt sondern auch mit der immensen Höhe ein politisches Signal setzen kann. Nach einigen Diskussionen entschied der damalige Regierungschef Ulbricht, diesen Turm am Alexanderplatz entstehen zu lassen. Gleichzeitig sollte rings um den Alexanderplatz weitere Bauwerke entstehen, um die sozialistischen Vorzüge auch baulich geltend werden zu lassen.

1950 - auf dem sogenannten dritten Parteitag der SED wurden durch Ulbricht die Architekten des Landes aufgerufen, das Ost-Berliner-Stadtzentrum neu zu gestalten - natürlich im Hinblick auf das Image eines sozialistischen Staates.

Daher begannen bereits 1952 die Planungen für den Bau des Turmes, wurden aber dauernd verschoben, weil es alles irgendwie vorne und hinten nicht passte. Und da die ganze Planung hinterherhinkte, stand das Prestigeobjekt 1960 immer noch nicht. Während inzwischen die Sowjetunion in der Raumfahrttechnik einen Erfolg nach dem anderen feierte, machte sich Herrmann Henselmann ( DDR - Archtiket ) Gedanken zu einer Umgestaltung dieses Platzes. Seine Idee bestand darin, das Berliner Zentrum so zu gestalten, dass ein Turm der Mittelpunkt darstellt. Sein Modell - mit der Kugel und der Form einer startenden Rakete erinnerte nicht nur an die Raumfahrt sondern überzeugte letztlich auch den Regierungschef Ulbricht. Dieser gab 1964 sein Einverständnis und nun ging es sehr zügig.

Der Entwurf des Architekten wurde noch mehrmals überarbeitet, so dass am Ende so viele Personen da mitwirkten, dass sich selbst heute nicht mehr nachvollziehen lässt, wer denn der eigentliche Schöpfer dieses Turmes ist. Nachdem das Politbüro der DDR den Bau abgesegnet hatte, wählte Ulbricht persönlich den Standpunkt aus, wo dieser Turm entstehen sollte.Es wird auch behauptet, dass er selbst die Höhe mit 365 m festlegte, damit sich jedes Kind diese Zahl merken kann. Entspricht sie doch der Anzahl der Tage eines Jahres.

So konnte 1965 mit dem Bau begonnen werden. Die Finanzplanungen gingen aber in ein Desaster über ( welche Ähnlichkeit zu heute! ). Schon in der ersten Bauphase wurde deutlich, dass es viel zu teuer werden würde und das bei leerer Staatskasse. 130 Millionen Mark kostete der Bau - vier mal mehr als ursprünglich veranschlagt !

1969 wurde der Turm für Besucher geöffnet und auch der Funkbetrieb begann. Der am Fussende befindliche schöne Bau wurde erst 1972 fertiggestellt. Er wurde sofort zum Wahrzeichen der Stadt und auch zum Aushängeschild der DDR. Architektonisch als auch Technisch war der Bau aber wirklich ein Erfolg.

Verbaut wurden : 7900 Kubikmeter Beton, 1650 Tonnen Rundstahl, 300 Tonnen Spannstahl, 1500 Tonnen Profilstahl.

Einige bauliche Daten :

250 m mißt der Betonschaft vom Fuss bis zur Antenne ,wiegt 26.000 Tonnen und hat unten einen Durchmesser von 32 m. Neben einer Stahltreppe ( 986 Stufen) gibt es 2 Lifte für Besucher. Pro Lift können ca. 15 Personen in ca. 40 Sekunden in die in 203 m Höhe gelegene Aussichtsetage fahren. Diese befindet sich in der weithin sichtbaren Kugel, die alleine schon 4.800 t wiegt. Die Höhe der Antenne ist 118 m und wiegt 245 t.

Bei den starken Windverhältnissen mussten bei der Projektierung aud die daraus resultierenden Schwankungen berücksichtigt werden. Im Ergenbnis sieht das so aus, dass diese sehr minimal sind : die Spitze schwankt so um 60 cm und in Höhe der Aussichtsplattform sind es nur noch ca. 15 cm.

Das die Lifte ziemlich schnell nach oben führen, hatte ich schon erwähnt. Man sollte jedoch damit rechnen, wenn diese Benutzt werden, dass das berüchtigte Knacken in den Ohren sich oberhalb 100 m einstellt und vielleicht doch versuchen, während dieser Zeit öfter mal zu schlucken oder ein Bonbon oder Kaugummi zu nehmen. Mehere Sicherheitssystem sind eingebaut, so dass man eigentlich bedenkenlos in den Lift einsteigen kann. Sollte jedoch doch einmal einer stecken bleiben, sorgt eine Konstruktion dafür, dass man in den anderen Lift umsteigen kann.

Der Clou ist natürlich die sich drehende Kugel. Einmal pro 30 Minuten dreht sie sich um die eigene Achse, so dass der Besucher in dieser Zeit einen ausgiebigen Eindruck von Berlin erleben darf.

Da der Besucheransturm immer noch sehr immens ist, sollte sich jeder etwas Zeit mitnehmen, der auf den Turm möchte. Wartezeiten von 30 Minuten und länger sind leider keine Seltenheit.

Bleibt mir nur, Euch für Euren nächsten Berlinbesuch dieses Sehenswürdikeit zu empfehlen. Die Geschichte des Turmes kennt ihr nun, die Aussicht die Ihr geniessen könntet - ja das müsst Ihr schon selber tun.Bei guter Sicht sind das immerhin 40 km - die man entdecken kann.

Hartmut

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